24. April 2018

Elsass: mit dem Kanu auf den Kanal

Früher hatte ich viele Jahre lang ein Kanu, bis es irgendwann verendete. Jetzt haben wir uns wieder zwei neue angeschafft; Frau G. ein giftgelbes, ich ein himmelblaues. Für die Jungfernfahrt fahren wir nach Niffer.
Hier treffen sich gleich mehrere grosse Wasserstrassen. Der alte „Canal de Huningue“ (Hüningen-Kanal) geht nach Süden bis in den Basler Rheinhafen. Der Canal du Rhône au Rhin (Rhein-Rhône-Kanal) führt über Mulhouse nach Westen und endet schlussendlich im Mittelmeer und der Grand Canal d’Alsace (Rheinseitenkanal) fliesst beim Leuchtturm Hoek van Holland unterhalb von Rotterdam in die Nordsee. Und der eigentliche Rhein dümpelt hinter dem Wald gemächlich und wasserarm dahin.

Unsere neuen Boote fühlen sie erst etwas ungewohnt und kippelig an. Doch Frau G. watschelt damit wie ein alter Seebär übers Wasser. Wir hausen direkt am Strand und schauen den Enten, Schwänen, Gänsen und paarungswilligen Fröschen zu. Und in der Abenddämmerung schwimmt noch eine feisse Bisamratte vorbei.

Überall hocken Fischer am Ufer und haben ihre Fischruten-Batterien aufgebaut. Wenn dann ein Fisch vom Köder nascht, plärren die Alarmhupen und die Angler eilen erwartungsvoll zu ihren Ruten. Aber solange wir hier sind, ist‘s jedesmal bloss ein Fehlalarm.
Einer hat sogar ein Modellboot mit einem Fischradar dabei – damit kann er zwar die Fische sehen, aber anbeissen tun sie trotzdem nicht. Irgendwie sind die Fische klüger als die Angler…

19. April 2018

unser Sprinter spürt den Frühling

Der Frühling ist da, Zeit das unseren Möbelwagen wieder Auslauf bekommt. Gestern habe ich ihn aus dem Winterlager befreit. Nach dreieinhalb Monaten Winterpause habe ich die Starter-Batterie nun wieder angeschlossen, den Schlüssel gedreht und brrrrrr – der Sprinter schnurrt sofort.

Innen ist alles staubtrocken und die Zahnpasta ist auch wieder aufgetaut. Es zeigt sich wieder einmal, dass der ganze Aufwand, den andere Wohnmobilisten betreiben, völlig unnötig ist. Viele heizen im Winter ja sogar ihr Wohnmobil, hängen es ans Stromnetz und installieren Luftentfeuchter. Alles aus Angst vor dem Frost und der furztrockenen Winterluft. Dabei muss man gar nichts machen! Und erreicht genau das gleiche Ergebnis.

Wir sind startbereit. Am Wochenende wollen wir nämlich ins Elsass - Kanu fahren...

17. April 2018

der Hand in den Mund leben

Neulich habe ich mir innert weniger Tage gleich zwei Zahnfüllungen rausgebissen. Also ging ich zum Zahnarzt. Er fragte mich, ob er nicht auch gleich zwei meiner Weisheitszähne entfernen solle? Also machte ich ihm die Freude und sagte «ja».

Während er mit Stemmeisen, Zangen und allerlei Klammern in meinen Zähnen herum fuhrwerkte - mein Gesicht war von der Betäubung gelähmt und mein Mund voller Schläuche, Sauger, Klammern und Watterollen - erzählte er lachend, dass er als Zahnmediziner ja auch bloss von „der Hand in den Mund“ lebe.

Ich hätte ja gerne mitgelacht.

12. April 2018

fremde Soldaten in Giswil - Angst und Heimweh

Während des 2. Weltkrieges kamen über 100‘000 fremde Soldaten in die Schweiz. Manche freiwillig, andere mussten mit ihren Flugzeugen notlanden oder wurden abgeschossen. Während die amerikanischen und britischen gediegen in Hotels logierten, mussten die meisten anderen in Internierungslagern hausen. So auch bei uns in Giswil.
Im hiesigen Internierungslager waren vor allem polnische Soldaten untergebracht; später dann italienische und sowjetische. Die meisten internierten Soldaten arbeiteten in der Landwirtschaft und bauten für die Gemeinde Bergstrassen und machten Sumpfland fruchtbar – die zahlreichen „Polenstrassen“ erinnern noch daran.


Vom damaligen Barackendorf in Giswil ist heute nichts mehr zu sehen. Einzig die kleine Polenkapelle daneben erinnert an diese schwierige Zeit. Ab und zu kommen sogar polnische Touristen auf Spurensuche vorbei.

Am kommenden Freitag wird bei uns die Wanderausstellung „auf Polenwegen durch die Schweiz“ eröffnet. Vielleicht mag der eine oder andere nach Giswil komme und sie anschauen…

10. April 2018

Guggerbliämli

Habe viele Guggerbliämli gesehen und gefotografiert.

Guggerbliämli heissen wohl wegen dem Gugger (dem Kuckuck) so, der jetzt im Frühling oft und lautstark singvogelt.

9. April 2018

Istanbul: Schiff gegen osmanische Villa

Ihr habt es bestimmt auch gesehen: Am Wochenende ist in Istanbul ein defektes Schiff ins Ufer gekracht und hat ein feuerrotes Haus überfahren. Was auf den ersten Blick wie eine Holzhütte aussieht ist eine „Yali“ – eine historische Ufer-Villa. In osmanischer Zeit bauten sich die wohlhabenden Istanbuler solche Paläste an den Bosporus und genossen da die Sommerfrische.


Diese luxuriöse Villa wurde um 1850 vom verehrten Hekimbasi Salih, dem Leibarzt des Sultans, erbaut. Damals stand sie zehn Kilometer ausserhalb der Stadt (n41.0907, e29.0662), heute führt die gigantische Fatih Sultan Mehmet-Brücke fast direkt oben drüber.
Der hölzerne Palast steht direkt am Wasser und ist ausserordentlich prunkvoll eingerichtet. Früher diente er als Landhaus und Lustschlösschen, heute wird er für Hochzeitsfeiern und Feste vermietet. Und heute sind diese Yali sehr, sehr begehrt und viele, viele Millionen wert.

Bildquelle: derstandard.at
Als ich letztes Mal in Istanbul war, habe ich mir einige dieser Bosporus-Paläste angeschaut. Die „Hekimbaşı Salih Efendi Yalısı“ aber leider nur aus der Ferne. Dafür sieht man auf meinem Bild sehr schön, wie der Bosporus hier eine Kurve macht. Wenn dann bei einem Frachtschiff die Lenkung ausfällt, trifft es genau auf die rote Villa unter der Brücke.

7. April 2018

der Reh schaut bös

Neulich abendspazieren Frau G. und ich gemütlich durch den hiesigen Wald. Dann plötzlich! Ein Reh stellt sich uns in den Weg.
Kein Problem. In solchen Fällen klettert man sofort auf einen Baum und harrt auf Rettung. Jetzt war es aber so, dass die umliegenden Bäume höchstens daumendicke Stämme hatten. Sie bogen sich bedenklich, als ich zu klettern beginne. Im Fernseh-Tierfilmen sind die Bäume immer stämmig und der Abenteurer da oben in Sicherheit! Was nun?

Ich stelle mich also schützend hinter Frau G. und fuchtle wie verrückt mit den Armen um das Getier zu vertreiben. Erst schaut es angriffig und fletscht mit den Zähnen. Dann schüttelt es träge seinen Kopf und flüchtet gemächlich ins angrenzende Gebüsch.
Phuuu – da haben wir aber noch einmal richtig Glück gehabt.

6. April 2018

mit dem Blog Geld verdienen?

«Kann man mit einem Blog Geld verdienen?» werde ich oft gefragt. Andere vielleicht schon, ich nicht! Und es ist auch überhaupt nicht mein Ziel. Deshalb schalte ich ja auch keine bezahlte Werbung und lasse keine bunten Links zappeln. Der Muger ist doch keine Werbenutte!
Aber ab und zu bekomme ich etwas geschenkt; einen Rucksack und Schuhe und so. Und manchmal lasse ich mir einige ÖV- und/oder Eintrittskarten schenken. Mehr aber nicht.

Schon öfters konnte ich meine Fotos verkaufen. Meistens fragen aber mittellose Doktoranden, spinnige Eisenbahn-Enthusiasten oder gemeinnützige Vereine nach Bildern. Und da die eh kein Geld haben, bekommen sie meine Fotos geschenkt. Aber manchmal fragen auch richtige Verlage nach meinen Fotos; und die bezahlen dann richtiges Honorar dafür.

Meine Bahnreise nach Spanien, zum Beispiel, konnte ich komplett über den Bilderverkauf refinanzieren. Zwei meiner Eisenbahn-Fotos werden irgendwann auf dem Titelbild einer grossen Zeitschrift zu bewundern sein.
Der Bilderverkauf wäre an sich eine reizvolle Sache. Doch ich kenne ein paar Leute, die das machen - und weiss deshalb, dass das in der Regel kaum etwas einbringt. Ausser man hat ein Foto, das ein Journalist unbedingt braucht…

4. April 2018

der Muger im Glück

Im Allgemeinen erzähle ich hier ja kaum etwas über mein „richtiges“ Leben. Heute mache ich aber eine Ausnahme, denn heute feiere ich ein Jubiläum: Seit genau 20 Jahren bin ich nun „digitaler Nomade“. Also schon deutlich länger als es den Ausdruck überhaupt gibt.
Im Vergleich zu diesen ach so trendigen und hippen digitaler Nomaden der Neuzeit bin ich ein richtiges Fossil. Alt und von der Realität gegerbt. Und noch in einem anderen Punkt unterscheide ich mich von jenen; mit meiner Arbeit verdiene ich Geld!

Die meisten digitaler Nomaden, die ich kenne, leben ja von den Brosamen der Werbe- und Internetindustrie. Als Tagelöhner verfassen sie banale Werbetexte, erledigen Grafiker-Abfall oder machen "Konzepte". Mich erinnern sie ein wenig an diese bunten afrikanischen Vögel, die Ungeziefer vom Büffelarsch picken!

Bei mir ist das anders, ich arbeite ja als Dienstleister fürs Baugewerbe. Und jetzt kommt’s: Vor einigen Wochen habe ich – und deshalb erzähle ich das alles überhaupt – meinen grössten Auftrag je erhalten. Über 4000 Arbeitsstunden wurden bei mir bestellt. Ich freue mich sehr. Vermutlich werde ich deswegen sogar meine Reiserei etwas einschränken. Zumindest meine geplante Mauretanien-Reise werde ich wohl verschieben müssen...

30. März 2018

der saisonale Eierspender

Wer bei uns auf dem Wirtshaustisch diesen gelben Eierspender sieht, der weiss sofort  Ostern droht. Aber kein Mensch weiss, wie dieses Ding heisst. „Gastronomisches-Ostereier-Vergnügungs-Set“, odr so? Aber sie stehen in jeder Beiz.

Sechs bunt lackierte Eier drängeln sich um eine stolz aufragende Aromat-Dose*. In Position gehalten von einem überaus eleganten und raffiniert konstruierten Gerät aus gelbem Hartplastik. Robuste Schweizer Technik und elegantes UFO-Design.

*Aromat ist eine Streuwürze und gilt in der Schweiz als Grundnahrungsmittel. Woraus das gelbe Pulver ist, will niemand wissen. Nur eines ist gewiss; es ist völlig frei von Vitamine und wertvollen Inhaltsstoffen.

29. März 2018

der Lungerersee hat einen Stöpsel

Der Lungerersee ist anders als viele meinen kein Stausee, sondern ein ganz natürlich entstandener Voralpen-See. Aber unsere Vorfahren haben ihn „angebohrt“ und das Wasser abgelassen. Zur dieser Zeit, 1790 bis 1836, war das ein einzigartige Pioniertat; nirgend woanders hatte man davor schon so etwas gemacht.
Auf dem nun trockengelegten Seeboden entstanden fruchtbares Weideland und hablige Bauernhöfe. Soweit so gut.

Knapp hundert Jahre später baute man ein Kraftwerk in den Abfluss-Tunnel und staute das Wasser wieder auf. Die Leute mussten weg und die Bauernhöfe versanken im Wasser.
Jedes Jahr erreicht der Seespiegel im März seinen Tiefststand. Da wo sonst der See lieblich wellt ist nun soweit das Auge reicht nur noch braungrauer Sand. Wer ganz genau hinschaut, kann sogar noch die alten Strassen und Hausmauern erkennen. Und manchmal findet man sogar die eine oder andere böse Überraschung!

Ich mag diese geschichtsträchtige Schlammlandschaft. Und in einigen Wochen schwimmen da schon wieder die Fische.

28. März 2018

auf und ab mit der Lungern-Turren-Seilbahn

Frühlingsanfang und herrliches Wetter – und wir fahren zurück in den Winter. Mit der neuen Lungern-Turren-Seilbahn hinauf auf den Aussichtshügel. Die Fahrt ist kurz und spektakulär steil. Oben liegt noch erstaunlich viel Schnee herum. Es sind kaum Leute da.
Wir bestellen Schnitzel, Pommfritz mit Gemüse – und warten Dreiviertelstunden drauf.

Die Geschichte der Seilbahn auf den Turren ist eine einzige Berg- und Talfahrt. Gebaut wurde sie 1960 und dann immer mal wieder mit Steuergeldern vor dem Untergang bewahrt. 2013 war dann aber vorläufig Schluss und Konkurs.
Die weiterführende Sesselbahn auf den Schönbüel wurde abgebaut und nach Tschechien verkauft, wo sie wieder aufgebaut werden soll. Und wo wir sie im letzten Sommer besucht haben.
Die alte Lungern-Turren-Seilbahn fand nach dem Konkurs überraschend einen neuen Eigentümer, der sie erneuerte und modernisierte. Seit zwei Jahren fährt sie nun wieder auf und ab. Wir auch.

19. März 2018

noch ein Reisetipp – Vollmacht fürs fremde Auto

Wer mit einem fremden Auto – also nicht mit seinem eigenen – unterwegs ist, sollte immer eine Vollmacht des Fahrzeug-Eigentümers dabei haben. Denn wie sollte man dich sonst von einem gewöhnlichen Autodieb unterscheiden?
Bei Mietwagen ist des alles kein Problem, da hat man ja den Mietvertrag. Aber bei einem vom Kumpel ausgeliehenen Fahrzeuge braucht es unbedingt irgend einen entsprechenden Zettel.
Natürlich wird das nur selten kontrolliert - ausser an den Landesgrenzen. Und da kann es dann ohne eine Vollmacht dann ganz gschwind ganz blöde werden...

Meine selber gemachte Vollmacht könnt ihr hier herunterladen.

Und hier das Papier, das ich immer in Marokko verwende.

15. März 2018

Wohnmobil-Kaffee-Tipp

Eigentlich mag ich diese achteckige Bialetti Espressokanne nicht leiden. Nicht wegen dem Kaffee – der ist gut – aber wegen der Sauerei danach. Den Kaffeepulver-Torf, der dann im Waschbecken klebt und den Siphon verstopft.

Neulich hatte ich eine Idee. Warum es nicht einmal mit Kaffeepads versuchen? Pfiffig, odr.
Und es funktioniert tatsächlich ganz gut. Man kann danach den ausgelaugten Teebeutel mit dem feuchten Kaffeepulver einfach herausnehmen und entsorgen. Keine Brösmeli, keine Verstopfung und keine Putzerei.
Und der Kaffee schmeckt auch deutlich besser als der Instant-Muckefuck, den wir unterwegs sonst immer trinken.

Einen zweiten Bialetti-Tipp habe ich früher mal hier beschrieben.

23. Februar 2018

Frühling

Immer wenn ich im Februar die ersten Schneeglöggli – ja es sind Märzenglöggli – auf der Weide herumstehen sehe, ist für mich sogleich Frühling. Juhui!


Ab dann  gehe ich wieder nur noch kurzärmlig raus – und hole mir jedes Jahr prompt eine schöne Erkältung! Meistens in der Lendengegend; etwa da wo beim Fleischtier das Filet und das Nierstück wachsen. Und dann leide ich wochenlang vor mich hin. Das sind dann sozusagen meine Frühlingsgefühle.

20. Februar 2018

Tunesien: Scheisshaus mitten im Salzsee

Der Chott el Jerid ist ein grosser Salzsee in Südtunesien. Je nach Jahreszeit ist der Chott schneeweiss und steinhart, klebrig braunschlammig oder er ist eine riesige Wasserfläche. Seit den 1980-er Jahren führt eine 50 Kilometer lange Strasse quer über den Salzsee.

Bild: Google.it
Und in der Mitte des Salzsees steht am Strassenrand ein weltbekanntes Scheisshaus (n33.9121, e8.5188). Da darf man zwischen „NORMAL“ „COnFORT“ oder „****DELUX“ wählen. Die Kämmerchen sind aber alle gleichermassen geschmackvoll eingerichtet: Ein dunkles Loch im schmierigen Betonboden, wo man hinein köteln soll...

16. Februar 2018

exotisches Citroen Raupenauto in Giswil

Das alte Foto ist von 1930 und zeigt ein «Raupenauto aus Chamonix» auf dem Bahnhofplatz von Giswil. Die Autochenille – das Halbkettenfahrzeug - ist ein Citroën-Kégresse-Hinstin P15N. Der P15N wurde zwischen 1928 bis 1934 von Adolphe Kégresse extra für den Einsatz im Schnee entwickelt.

Das Fahrwerk und der Gummiraupen-Antrieb sind von Kégresse, der Motor und die Vorderachse von Citroën C6. Mit dem 6-Zylindermotor und den Gummiraupen kam die Autochenille recht zügig voran und konnte weite Strecken zurücklegen.
So fuhr im Winter 1928 eine Autochenilles-Expedition von Chamonix über ein Dutzend tief verschneite Alpenpässe bis nach St. Moritz, wo im Februar die Olympischen Spiele stattfanden.
Auch in den nächsten Wintern waren immer einige Citroën Autochenilles in St. Moritz und Davos und unternahmen Vergnügungsfahrten für Prominente in die umliegenden Berge. Und Citroën präsentierte die Fahrzeuge der Armee und der Post, die dann auch ein paar wenige kaufte.

Hier sind André Citroën mit seiner Familie und Charlie Chaplin in St. Moritz. Auch mit einem P15N, aber mit einem „Berline“; also mit einer geschlossenen Karosserie.

Was ich bis jetzt nicht herausgefunden habe, ob „unser“ P15N bei der Winterexpedition mitfuhr und/oder an den Olympischen Spielen in St. Moritz mit dabei war? Das Kennzeichen „9165 RB3“ ist aus Paris; und zwar aus genau dem Stadtteil, wo damals die Citroën-Fabrik stand.
Und anhand des Fahrwerkes kann ich definitiv sagen, dass „unser“ Auto nach dem Dezember 1928 gebaut wurde. Aber mehr weiss ich leider nicht...

Heute soll es weltweit noch drei Citroën-Kégresse-Hinstin P15N geben, zwei in Island und einen in Norwegen.

14. Februar 2018

nach Mauretanien

So - die Fasnacht ist vorbei und mein Flamingo-Kostüm wieder im Estrich. Und ich habe wieder Zeit für Reisepläne.
Das Sommerhalbjahr über werden wir ab und zu in Europa unterwegs sein, dafür brauchen wir nix planen. Aber im Herbst/Winter möchte ich wieder nach Afrika fahren. Und zwar diesmal nach Mauretanien.

Warum nach Mauretanien? Weil Mauretanien das einzige Sahara-Land ist, das man noch frei bereisen kann und weil da diese endloslange Eisenerz-Bahn fährt; zweihundert Wagen und mehr. Und ich noch in Mauretanien.
Das Problem ist nun, dass Frau G. im Herbst nur wenig Urlaub hat und dass es bis Mauretanien unglaublich weit ist. Von Tanger bis an die mauretanische Grenze sind es gut 2‘300 Kilometer. Natürlich könnte Frau G. bis nach Agadir fliegen, aber auch dann sind es immer noch 1‘500 Kilometer bis zur Grenze. Und im Mauretanien werden es bestimmt auch so viele werden. Also brauchen wir dafür mindestens drei Wochen.
Oder ich fahre allein. Dann hätte ich deutlich mehr Zeit, aber die langen Strecken werden dadurch auch kaum kurzweiliger! Zudem sollte man eh nicht alleine in die Wüste fahren, denn schon ein kleines Missgeschick kann da schnell zu einem grossen Problem werden.

Also was tun? Ich könnte mir einen Beifahrer suchen. Oder mich mit einem anderen Wüstenfahrer zusammentun. Mal schauen - vielleicht ergibt sich da was…

12. Februar 2018

wo kämen wir hin, wenn ...

«Wo chiemte mer hi / wenn alli seite / wo chiemte mer hi / und niemer giengti / für einisch z'luege / wohi dass me chiem / we me gieng»*
Gestern vor einem Jahr verstarb der grossartige berner Schriftsteller Kurt Marti.

*die Übersetzung für Fremdsprachige: «Wo kämen wir hin / wenn alle sagten / wo kämen wir hin / und keiner ginge / um zu sehen / wohin man käme / wenn man ginge»

10. Februar 2018

automobiler Augenschmaus in Malta

Malta war berühmt für seine wunderschönen Busse und die alten Autos. Doch das ist leider vorbei. Jetzt sieht man fast nur noch ganz gewöhnliche Autos und moderne Busse. Oder blitzblank renovierte Oldtimer.

Dieser „Morris LD Van, Mk. II“ von 1961 dient nun als rollende Imbiss-Hütte. Britische Eleganz in mintgrün.

Ein in Grossbritannien gebauter „Renault 50“ aus den späten 1980-er Jahren. Robust und weitherum unbeliebt.

Ein Toyota Celica von 2001 mit einem imposanten Heckspoiler. Der ultimative Hobel für brunftige Jungmänner.

Und hier noch ein freilebendes Exemplar. Ein Bedford-Bus aus den 1960-er Jahren.

7. Februar 2018

Malta: es war einmal eine Eisenbahn…

Früher gab es in Malta auch eine Eisenbahn. Von 1883 bis 1931 dampfte sie von Valletta nach Mdina. Heute ist von der damaligen Bahn kaum noch etwas zu finden. Er mich aber kennt, der weiss – sowas hindert mich nicht am Suchen.

Der Bahnhof „Birkirkara“ (n35.8953, e14.4640) hat als einziger die lange Zeit fast unbeschadet überstanden. Das Gebäude steht leer und da wo damals die Gleise lagen ist heute ein kleiner Park.
Bis vor zwei Jahren standen da auch noch die Reste eines Eisenbahnwagens. Nachdem darin die Vandalen wüteten, wurde er nun entfernt und in Sicherheit gebracht. Momentan sucht man Geld für seine Renovierung.

Auch in Ħamrun (n35.8874, e14.4898) konnte ich noch Spuren finden. Hier kaut ein Baum an einer Schiene. Man hat sie damals wohl als Pflanzhilfe benutzt, jetzt sind sie fest miteinander verwachsen.

Bekannt ist vor allem der einstige Valletta-Hauptbahnhof. Der lag in einem Tunnel (n35.8959, e14.5093) gleich neben dem grossen Stadttor. Das letzte Mal war hier eine Baustelle, jetzt ist die alte Eisenbahnbrücke nagelneu renoviert – und der Bahnhof leider immer noch nicht zugänglich!

Auch der ehemalige Bahnhof „Mdina“ (n35.8869, e14.3995) wurde kürzlich renoviert und heftigst aufgehübscht. Auch wenn über dem Eingang "Museum Station" steht, ist da jetzt ein Restaurant untergebracht.

Ursprünglich führte die Bahnlinie nicht ganz bis Mdina, sondern endete schon östlich der Stadt am Bahnhof „Notabile“ (n35.8819, e14.4069). Später baute man den Tunnel unter Mdina hindurch und verlängerte die Strecke um einen Kilometer.

Das Tunnelportal gleich neben dem Bahnhof ist kaum noch zu erkennen. Schon vor vielen Jahren wurde es zugemauert und der Tunnel für die Pilzzucht verwendet – erzählt mir ein netter Nachbar.

5. Februar 2018

Malta: Benimm dich, als wäre deine Mutter dabei

Sooo. Heute geht’s zurück in die feuchtfrostige Schweiz. Ein letztes Mal frühstücken wir im Dachrestaurant. Auch wenn das Wetter heute etwas schwächelt und nässt, die Aussicht von hier oben ist einfach grandios.

Am Mittag kaufen wir uns ein Festpreis-Taxi und lassen uns zum Flughafen liefern. Hier sind recht viele Leute unterwegs und draussen vor dem Fenster landen und starten ein Flugzeug nach dem anderen.

Über dem Kiosk-Regal hängt eine nette Tafel: «Benimm dich, als wäre deine Mutter da». Ich ernenne das sogleich zu meinem heutigen Tagesmotto sei.

Um halb drei sind dann auch wir dran. Wir steigen in den genau gleiche Air Malta Airbus wie auf dem Hinflug. Und schon kurze Zeit später donnern wir über den Wolken heimwärts. Ich döse ein und verpasse so beinahe das Essen.

Als wir gegen Abend in Zürich landen, klatschen einige Mitreisende. Und plötzlich war mir klar, weshalb sich sich die Piloten im Cockpit einschliessen: Sie ertragen dieses einfältigen Klatscher einfach nicht mehr!

Nieselregen und Schneepflotsch. Wir sind wieder daheim.

2. Februar 2018

Malta: europäische Kulturhauptstadt Valletta 2018

Heute Nachmittag soll das Wetter schlecht werden und heute müssen wir unser Mietauto zurückgeben. Davor wollen wir aber noch eine letzte Expeditionsfahrt unternehmen. Erst einmal quälen wir uns durch den hereindrückenden Morgenverkehr aus der Stadt hinaus, schauen unterwegs dies und das an und landen schlussendlich in - Mdina.

Diese Festungsstadt hat ja neulich schon sehr gut gefallen, jetzt schauen wir sie uns etwas genauer an. Stämmige Mauern und prunkvolle Paläste und einfache Wohnhäuser aus alten Zeiten, und alle aus dem gleichen hellgelben Sandstein gebaut. Es gibt viel zu schauen und zu probieren.

Irgendwann am Nachmittag fahren wir zum Flughafen und geben unseren kleinen Nissan-Flitzer zurück. Wir waren damit 195 Kilometer unterwegs. Auf einer Insel, die nur viermal so gross wie Giswil ist, dünkt mich das erstaunlich viel!

Heute findet das Eröffnungs-Spektakel zur „Kulturhauptstadt Valletta 2018“ statt. Man erwartet über 100'000 Besucher; für eine Stadt mit kaum 6'000 Einwohnern sind das doch recht viele! Und wies ausschaut sind die alle auch schon da. Die Gassen quellen über vor Leuten.
Wir setzen uns zuerst einmal ins Parteilokal der Arbeiterpartei. Hier aus dem 1. Stock haben wir einen schönen Überblick. Und das Essen ist gut und preiswert.

Spätabends fahren wir mit der Fähre zurück nach Sliema. Auch hier sind immer noch viele Leute unterwegs. Zwei Fähren baggern unablässig Feierlaunige hinüber. War schön. Und es war ein hübscher Abschluss unserer Maltareise, denn morgen fliegen wir heim.

1. Februar 2018

Malta: das grosse Beton-Ohr

In Malta gibt es auch Sehenswürdigkeiten die kaum einer kennt und die niemand besucht; zum Beispiel das grosse Betonohr in Magħtab (n35.9311, e14.4436). Das ist ein einzigartiges historisches Frühwarnsystem der britischen Armee.

Die Anlage ist ein riesiges Hohlspiegelmikrofon und besteht im Wesentlichen aus einer gebogenen 70 Meter langen und 8 Meter hohen Betonwand. Früher waren davor noch zwanzig sehr empfindliche Mikrophone installiert. Damit konnte man sehr weit entfernte Geräusche hören. In diesem Fall waren das Flugzeuge, die von Sizilien her auf Malta zugeflogen.

Bild: Google Maps
Der „Sound Mirror“ - oder „Il-Widna“, wie die Melteser sie nennen - wurde in den Jahren 1934/35 gebaut und dann gleich in Betrieb genommen. Erste Tests zeigten, dass man damit fünfzig Kilometer entfernte Flugzeuge orten kann. Tag und Nacht. Und auch bei Nebel. Und es gab der Küstenverteidigung etwa sechs Minuten Vorwarnzeit. Für die damalige Zeit war das sensationell.

Bildquelle: dragon-hunter
Blöderweise wurden genau zu der Zeit in Deutschland und Grossbritannien der Radar erfunden. Radar funktionierte nicht nur besser, sondern diese Anlagen waren deutlich genauer und mobil. So kam es, dass man „das Ohr“ bereits 1937 ausser Dienst nahm.

Wegen der immer noch intakten Tarnung ist die Anlage schwer zu fotografieren. Und wegen der vielen Mauern und Absperrungen kommt man kaum nahe heran. Ein Bauer half mir mit Tipps und Ratschlägen, doch das Licht war trotzdem mies.