1. November 2011

Frankreich: nicht schlecht, die Schlucht

Unsere Tagesetappen werden immer kürzer. Wenn das so weitergeht, kommen wir nicht vor Weihnachten nachhause. Also geben wir Vollgas, wir wollen an die Ardèche.

Die Ardèche ist eigentlich ein ganz gewöhnlicher Bach. Hätte er sich nicht spektakulär durch die Berge gefressen, würde ihn kaum jemand beachten. Aber eben, die gut 30 Kilometer lange Schlucht zwischen Vallon-Pont-d'Arc und Saint-Martin-d'Ardèche ist schon toll.
Zudem ist die Schlucht bei Kanuten sehr beliebt. Böse Zungen behaupten, im Sommer könne man trockenen Fusses den Fluss überqueren: Von Kanu zu Kanu! Wir sehen bloss ein einziges.

Die Hängebrücke in Saint-Martin-d'Ardèche ist schon über hundert Jahre alt. Und sie ist relativ schmal, nicht viel über zwei Meter breit! Wir passen grad so zwischen den Pfeilern durch...

Wir übernachten in Aiguèze, direkt gegenüber von Saint-Martin-d'Ardèche. Aiguèze ist ein wunderbares mittelalterliches Dörflein, auf einem Felsen hoch über dem Fluss. Enge Gassen und ein Burgturm.

31. Oktober 2011

Frankreich: Römer und Gummibärchen

Heute morgen ist es wolkig. Und später soll es sogar noch regnen, droht der Wetterbericht. Wir wollen drum noch gschwind den „Pont du Gard“ heimsuchen, bevor es nässt. Frau G. war noch nie da und müsste, wie ich finde, dieses Meisterwerk der römischen Baukunst unbedingt sehen.

Der „Pont du Gard“ ist bestimmt das bekannteste römische Aquädukt. Es war einst ein Teil der Wasserleitung von Uzés nach Nîmes. Grandios und fast 50 Meter hoch über den Fluss Gardon. Gebaut aus mächtigen Kalkstein-Blöcken. Ohne Mörtel, bloss aufeinandergeschichtete Steine. Das Aquädukt wurde übrigends nur deswegen gebaut, weil die Römer damals keine grossen Rohre herstellen konnten.

Kurz vor Uzès ist das Bonbon-Museum. Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns das anschauen möchten. Der einsetzende Regen erleichter uns dann die Entscheidung. Wir tun es. Schon im Garten ahne ich allerdings, dass wir möglicherweise nicht unbedingt zur Zielgruppe von HARIBO gehören. Das übrige Publikum ist nicht halb so hoch wie wir. In Rudeln kletterten sie auf den Plastikfiguren herum und quicken wie Ferkel. Was soll’s – hinein!
Der Eintritt ins Bonbon-Museum kostet 7 Euro (Ferkel 4). Nicht wenig, ich nehme mir vor, die Ausgaben über reichlich Naschen zu kompensieren. Klappt aber nicht, fast alle Bonbons sind leider hinter Glas.

Also fahren wir hungrig nach Uzès. Ich mag Uzès ganz besonders, für mich ist es mein Lieblingsstädtchen in Südfrankreich. Die Altstadtgassen und die Strassencafés haben es mir angetan. Und die Kathedrale mit ihrem seltsamen runden Turm und der berühmten Orgel. Und das Schloss. Und...

Gleich hinter der Kathedrale lässt es sich wunderbar übernachten. Und Internet empfange ich auch.

30. Oktober 2011

Frankreich: Sonntagmorgen

Es wird Morgen in Frankreich. Sonntagmorgen.

und ab heute ist Winterzeit...

29. Oktober 2011

Frankreich: indische Pasteten - wäääh

Das Städtchen Pézenas ist berühmt für die „Petits pâtés“; kleine Pastetchen mit einer orientalischen Füllung. Und wegen diesen sind wir neulich extra hingefahren. Nicht dass ihr jetzt denkt, ich sei verfressen! Nein, nein - mir geht es natürlich bloss um die französische Esskultur.

Der Volksmund berichtet, die gefüllten „Petits pâtés de Pézenas“ seien im 18. Jahrhundert von einem englischen Lord hierher gebracht worden. Er war auf der Rückreise von Indien und rastete hier. Sein indischer Koch servierte ihm solche Küchlein. Aus Dankbarkeit hinterliess er seinen französischen Berufsgenossen das Rezept. Die passten es dann leider den lokalen Gegebenheiten an! Das Resultat ist - öhm - merkwürdig. Keinesfalls indisch...

Das Beste an den Pastetchen ist, dass sie so klein sind! Denn der Teig ist lederartig und die Füllung eine Mischung aus gebratenem Schaffleisch und Zuckersirup.
Ich kann mir gut vorstellen, weshalb der indische Koch sein Mutterland verlassen musste...

28. Oktober 2011

Frankreich: Avignon von allen Seiten

Wir in Avignon. Hinter den stämmigen Mauern wohnten einst ein Dutzend Päpste. Also - nicht miteinender; nacheinander! Im 14. Jahrhundert. Heute sind da stattdessen bloss noch Museen untergebracht.

Wir schlendern etwas durch die Gärten auf dem Papsthügel und schauen von oben auf die berühmte Brücke hinab. Bevor die Sonne untergeht machen wir noch gschwind einen kleinen Spaziergang. Schlendern den Strassenrestaurants entlang und schauen den Leuten in ihre Teller. Ich mag aber ganz besonders die kleineren Gassen weiter hinten, die mit den vietnamesischen Restaurants und den afrikanischen Friseuren...

Von unserem Lieblings-Bänkli an der Rhone schauen wir dem Sonnenuntergang zu. Die aufziehenden Wolken dämpfen leider ein wenig das erhoffte Spektakel. Aber es ist trotzdem sauromantisch. So schööön.
Und: Das auf dem Bänkli sind NICHT wir!

Wie jedesmal wohnen wir auf dem legendären Camping „Bagatelle“. Der liegt auf der Rhone-Insel „Île de la Barthelasse“, direkt gegenüber der Altstadt. Ich mag den Platz eigentlich nicht, aber er liegt nun mal ideal. Der Campingplatz hat zudem seine Eigenarten. Zum Beispiel hat es zwar unzählige Toiletten – aber bloss eine einzige zentrale WC-Papierrolle; und die ist an der Wand gegenüber! Warum?

27. Oktober 2011

Frankreich: dreimal über die Rhone

Heute Morgen hat es Nebel über der Camargue. Die Sonne scheint bleich und müde. Also fahren wir weiter.

Die Rhone sieht hier unten, so kurz bevor sie im Meer versinkt, aus wie ein See. Vielleicht kein breiter See, aber ein seeehr langer. Wir löhnen der Autofähre 5 Euro und dafür fähret sie uns ans andere Ufer hinüber. Ab nun geht es nordwärts. Heimwärts.

Unterwegs machen wir einen kleinen Abstecher zum römischen Aquädukten von Barbegal. Eigentlich sind es zwei. Diese verlaufen parallel und kilometerweit nebeneinander durch die Olivenhaine. Die eine versorgte damals Arlés mit Wasser, die andere trieb mehr als ein Dutzend Getreidemühlen an.

In Tarascon überqueren wir schon wieder die Rhone. Diesmal über die Brücke gleich neben der Burg. Unzählige Einschusslöcher in den dicken Mauern beweisen eindrücklich ihre Standfestigkeit.
Ich trete in einen Hundedreck. Egal - hat ja keiner gesehen.

Gegen Abend überqueren wir zum drittenmal die Rhone. Diesmal in Avignon, gleich unterhalb der vielbesungenen „halben“ Brücke. Die heisst eigentlich „Pont Saint Bénézet“ und hatte einst mehr als zwanzig Bögen, heute sind es noch vier.

26. Oktober 2011

Frankreich: Salzbewohner in der Camargue

Zwischen der kleinen und der grossen Rhone liegt die Camargue. Ursprünglich ein kaum bewohntes Sumpfgebiet. Schwemmland und Tümpel. Mitten drin ist das bekannte Städtchen Les Saintes-Maries-de-la-Mer. Im Sommer wird es von unzähligen geröteten und schwitzenden Badegästen überschwemmt.
Jetzt im Herbst ist es hier eher ruhig. Die Gassen sind fast leer und wir haben die schöne Wehrkirche für uns ganz alleine.

Ich widme mich erneut dem wilden Meeresgetier. Meerschnecken und Miesmuscheln mit Fritten.

In Salin-de-Giraud wird das beliebte Meersalz abgebaut. Riesenhafte Baumaschinen türmen den braungrauen Salzmatsch zu haushohen Hügeln auf. Wenn es dann getrocknet ist, wird es in kleine Plastikdosen verpackt und als „Meersalz aus der Camargue“ verkauft - echt unromantisch.

Als wir an den Strand von Piémanson kommen, beginnt grad die Polizei damit, alle Wohnmobile zu verscheuchen. Parken ist ausschliesslich entlang der Strasse erlaubt. Und da übernachten dann alle, brav am Strassenrand aufgereiht. Wir auch.

Das zweite Auto von links, das sind wir! 
Im Tümpel wären zudem herrliche Flamingos zu sehen. Die rosa Viecher sind manchmal aber sowas von menschenscheu! Und fliegen können sie auch.
Sooo schön ist es hier am Strand von Piémanson nun auch wieder nicht. Morgen wollen wir weiter.

25. Oktober 2011

Frankreich: Tintenfische und Flusspferde

Fast jeder Fischverkäufer hält diese orangeroten Küchlein feil. Handtellergross und mit einem schön gezackten Teigrand. Ich habe die Dinger schon oft gesehen, aber nie probiert. Wird mal Zeit, einen Bissen zu wagen.

Die Küchlein sind „Tielles Setoises“; Küchlein aus Sète. Gefüllt mit fein gewürztem Tintenfisch. Unglaublich gut. Wobei Frau G. meine Ansicht nicht unbedingt teilt. Ich zitiere ihre Worte: «die stinken fürchterlich nach Fisch - ess ich sicher nicht - niemals».
Ich argumentiere, dass das ja gar nicht sein kann, da Tintenfische keine Fische sind. Und dass nicht alles, was im Wasser lebt, Fische sind. Zum Beispiel Flusspferde. Oder Flamingos. Aber es nutz alles nichts...

Die Hülle ist aus einem mürben Brotteig. Die Füllung besteht aus kleingehackten Tintenfischen, gekocht mit Tomatenmark, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen.
Schmecken sackgut - hab ich das eigentlich schon erwähnt?

24. Oktober 2011

Frankreich: weisse Pferde und rote Schwänze

Anders als ich, denken Mädchen bei „Schimmel“ nicht unbedingt an Käse, sondern eher an weisse Pferde. Und solche sieht man in den Sümpfen der Camargue überall. Das sind berühmten Camargue-Pferde. Früher waren die wild und frei, heute buckeln sie Touristen im Kreis herum. Jetzt im Herbst lümmeln sie untätig herum.

Ich interessiere mich aber heute eher mehr für die Meerestiere. Bei Frau G. verhielt es sich übrigens genau umgekehrt...

Aigues-Mortes in seinen Stadtmauern wäre jetzt im Herbst, wenn die Touristenmassen abgezogen sind, eigentlich richtig gemütlich. Aber ausgerechnet in diesen Tagen findet hier das alljährliche Pferdefest statt. Die Gassen sind voller Festbesucher und französischer Cowboys. Es wird gegessen, gelachen, gefeiert. Und auf dem Hauptplatz „spielt“ eine Rock-Band. Sie versucht ihr kärgliches Talent mit Lautstärke zu überbrücken.

Uns ist das etwas zu viel Feierlichkeit. Wir flüchten ins nahe Le Grau-du-Roi. Hier sind auch viele Leute unterwegs, aber wenigstens spielt da keine Rock-Band. Wir setzen uns am Hafen in ein Café und schauen dem Treiben zu.

Ich will mir einen Hut kaufen, probiere den einen oder anderen an. Als dann aber die ersten Passanten zu grinsen beginnen, lasse ich es lieber bleiben.

22. Oktober 2011

Frankreich: Flamingos sind knallbunt...

Die Camargue ist bekannt für ihre wilden Tiere; die weissen Pferde, die schwarzen Stiere und ganz besonders die rosa Flamingos. Diese stehen vielerorts in den Sümpfen und stochern mit ihren krummen Schnabel im glibrigen Moder.
Wer die Flamingos beobachtet, wie sie friedlich herumstehen, ahnt gar nicht, welch dramatische Geschichte sich hier verbirgt. Denn Flamingos sind eigentlich gar nicht rosa!

Von Natur aus sind Flamingos nicht rosa, sondern knallbunt. Rosa wurden sie wegen ihrem Verhalten! Und das kam so: Wenn die Winterkälte vorbei ist, beginnt bei den Flamingo-Hähnen die Brunft. Sie schleichen dann auf der Suche nach Hennen durch das Schilfdickicht. In ihrer rasenden Begierde bespringen sie dabei alles, was auch nur im Entferntesten nach Flamingo aussieht. Oder wenigstens knallbunt ist. Schon manch argloser Tourist hat da so einige unliebsame Momente erlebt.
Mit dem aufkommenden Tourismus gab es zunehmend Klagen von (bunt gekleideten) Touristen über plumpe Annäherungsversuche seitens der Flamingo-Böcke. Die französischen Behörden beschlossen als Sofortmassnahme, alle Flamingos einzufärben - rosa. So bespringen die brünstigen Hähne bloss noch ihre rosafarbenen Hennen und nicht mehr die bunten Touristen. Manchmal kann man die frisch gefärbten Jungtiere sehen, wenn sie zum Trocknen aufgehängt sind.

Die Behörden empfehlen den Touristen, sich keinesfalls rosa zu kleiden. Wegen den Flamingos. Und sowieso …