Amtoudi. Seit gestern Abend werde ich von einer Erkältung geplagt.
Heisse Stirn, kalte Füsse und eine saftende Schnuddernase. Deshalb bleibe ich
heute Morgen liegen, während Frau G. ganz allein zur Speicherburg hinauf
wandert. Es ist stark bewölkt und kaum 10°C, als sie losmarschiert.
Später nutze ich die Wartezeit und wasche meine Hosen. Als ich eine neue Hose anziehen will, haben die alle kurze Beine. Ich habe doch tatsächlich nur
ein einziges paar lange Hosen mit – und die hängen jetzt nass an der Leine!
Nach etwa eineinhalb Stunden kommt Frau G. zurück und nötigt
mich, bis meine Hosen trocken sind, ihre Trainerhosen zu tragen. Also den
ganzen Tag!
Inzwischen hat es begonnen zu regnen. Eigentlich wollten wir
dem schlechten Wetter ausweichen, doch es regnet überall. So beschliessen wir heute
weiter zu fahren. Wenn sich dann in zwei drei Tagen das Wetter bessert, sind
wir wenigstens schon da.
«Wie ein Hosenscheisser, der immer der Hauswand entlang geht
und glaubt, keiner rieche ihn» sage ich. «Dann fahr du doch!» war ihre nicht
sehr subtile Reaktion! Seit sie diese Ausbildung „Personalführung und
Kommunikation“ macht, ist sie irgendwie aufmüpfig.
Wir fahren auf einer kleinen Nebenstrasse durch die Hügel.
Nebel, Regen, manchmal beides. Kaum Dörfer, aber überall blühende Blumen.
Dann kommen wir nach Tafraoute, dem Städtchen bei den blauen
Steinen. Wir finden einen ruhigen Platz im Zentrum, wo wir übernachten wollen.
Rundherum gibt es zwar einige Campingplätze, aber die sind voller französischer
Wohnmobile und viel zu weit vom Stadleben.
Als der Nieselregen nachlässt schlendern wir durch die
Gassen. Ich will Hosen kaufen, sagt Frau G. Sie haben meine Grösse aber nicht
vorrätig und bis morgen sind meine alten sowieso wieder trocken. Also kaufe ich
stattdessen diese fettgebacken Teigkringel; sechs Stück für fünf Dirham. Heiss
und knusprig schmecken die wie – öööhm - guuut.