13. Februar 2012

Ägypten: Susanna ist schön und günstig...

Als wir gestern Nacht in Luxor ankamen, war es fast Mitternacht und wir brauchten noch eine Bleibe. Vom unserem ersten Aufenthalt her wussten wir, dass es beim Luxor-Tempel einige Hotels gibt. Also schlendern wir mal dahin.
 „Susanna Hotel“ steht in grossen Lettern an der Fassade geschrieben. Das nehmen wir. Das Doppelzimmer kostet 240 ägyptische Dings, also knapp vierzig Franken. Das Zimmer ist wirklich schön und im vierten Stock. Alles da, alles funktioniert und alles blitzblank sauber. Es ist cremeweiss gestrichen und hat immerhin dreizehn Ecken.

Als ich am Morgen erwache, ist es ganz ruhig. Unser Fenster geht nämlich zu einer Seitengasse hin und keine offenen Ritzen. Ich schaue den Tauben zu wie sie die Nachbarfassade vollscheissen. Wie zuhause! Im Fernsehen läuft eine Sendung mit Eskimos und arabischen Untertiteln.
Das Frühstück wird von livrierten Kellnern serviert. Omelette UND Wurst; perfekt. Am Nebentisch trinken zwei dicke Engländerinnen mit Krampfadern Tee. Sie spitzen ihre angemalten Lippen und spreizen neckisch den kleinen Finger ab. Nobel, die Damen.

Auf der Dachterrasse giesst einer den Rasenteppich. Von hier oben sieht man wunderbar zum Luxor-Tempel und dem Nil hinüber. Hinten raus überblickt man die Altstadt. Alles ist einheitlich braungrau und hat wieder sehr viel „Ambiente“.


Am Nachmittag müssen wir los, heute ist nämlich unser letzter Tag in Ägypten. Vorher gehen wir aber noch in die Stadt: Kultur angucken, Tee trinken und da und dort eine Kleinigkeit naschen. Zum Beispiel Falafel.

12. Februar 2012

Ägypten: mini Busse und schnelle Züge

Eigentlich wollten wir mit dem Bus nach Luxor zurück fahren. Aber als ich am Busbahnhof die vielen Minibussen sah, wusste ich sofort; nicht damit. Nicht mit mir, keinesfalls. Mir tun jetzt noch vom Abu Simbel Ausflug alle Glieder weh. Also mit der Bahn.
Unser Zug fährt nachmittags um drei. Perfekt, so sind wir um halb sieben in Luxor. Grad richtig zum Nachtessen.

Diesmal ist unser 1. Klasse Wagen blau und – öhhhm – mit reichlich "Ambiente"! Das Blech wellig und die Polster blaubraun gemustert. Egal, Hauptsache er fährt! Und das tut er. Pünktlich verlassen wir Assuan. Zuerst schleichen wir wieder durch die Aussenquartiere und dann rauschen wir durch saftig grüne Landschaften.

Nach etwa einer Stunde Fahrt ruckelt es - und der Zug rollt aus. Wir stehen auf offener Strecke. Um uns herum Zuckerrohrfelder und Palmen im Abendlicht.
Nach gut einer Stunde fährt der Zug langsam wieder los. Und ruckelt kurz darauf erneut; und wieder stehen wir.

So geht das die nächsten Stunden weiter. Mal fahren wir, oft stehen wir. Mal kurz, mal lang. Ein Bähnler meint, dass wir statt um halb sieben wohl um etwa neun ankommen würden.

Zum Glück schiebt einer kurz darauf ein Kiosk-Wägeli vorbei. Wir kaufen uns ein Nachtessen-Set. Vier Brötchen mit Huhn und Käse, dazu Oliven, Chips und Kuchen. Alles zu einem Barren gepresst und mit Folie umwickelt. Mundet gut.

Die Zugfahrt zieht sich hin. Um neun stehen wir wieder irgendwo in der dunklen Nacht. Um zehn Uhr sind wir etwas weiter, stehen aber erneut. Ich sehe am Horizont bereits die Lichter von Luxor. Einige Passagiere geben auf und bestellen sich ein Taxi. Um elf fahren wir! Ganz langsam, aber beständig. Und um Viertel nach elf erreichen wir unser Ziel. Mit fast fünf Stunden Verspätung! Nicht wenig, bei einer geplanten Fahrzeit von dreienhalb Stunden.

Jetzt müssen wir nur noch ein Hotel finden. Und ich habe schon wieder Hunger...

11. Februar 2012

Ägypten: Nil schiffen - fidirallala

Der Nil ist ein gscheiter Fluss. Das Wasser fliesst nach Norden; der Wind hingegen bläst meist nach Süden. Für die Nil-Schifffahrt war das schon immer sehr praktisch. Rauf geht’s mit dem Segel, runter kann man sich treiben lassen. Bei Assuan hat die Sache aber einen Haken. Felsen und Untiefen blockieren den Fluss; der „1. Katarakt“. Im Sudan oben gibt es noch mehr davon.

Die Landschaft am 1. Katarakt ist wunderschön. Grosse und kleine Inseln. Manche bewohnt, andere sind bloss bei niedrigem Wasserstand zu sehen. Viel Grünzeug, goldgelbe Sanddünen, nubische Dörfer und Ruinen.

Wir mieten uns ein Motorboot für eine Rundfahrt. Das Boot ist aus Holz und gross wie ein Reisebus. Für uns zwei allein! Wir fahren zuerst etwas abwärts, dann hinter der Insel Elephantine bergan bis zum Katarakt. Jetzt bei Niedrigwasser bilden sich mancherorts starke Strudel und Stromschnellen, so dass wir kaum durchkommen.

Gelegentlich kommen Buben in winzigen Booten längsseits. Sie singen deutsche Volkslieder und hoffen auf eine Spende. Ich meine, wen gelüstet es in solch einer grandiosen Landschaft nicht nach deutschem Liedgut? Fidirallala-fidirallala-fidirallalala-laa...

10. Februar 2012

Ägypten: alte Gebeine und Gesteine

Die „Alten Ägypter“ liebten den rosa Assuan-Granit. Sie fertigten daraus viele ihre Obelisken und Statuen. Die alten Steinbrüche liegen am südlichen Stadtrand - und da wollte ich unbedingt hin. Und jetzt wo Frau G. wieder mobil ist...
Unser erster Versuch schlug fehl, der Steinbruch war schon zu. Ich wollte über das Gitter klettern, aber Frau G. hielt mich zurück.

Gleich nebenan ist der grosse fatimidische Friedhof. Ein wahres Meer von Gräbern, mehrere Tausend Tote liegen hier begraben. Es gibt alles; von ganz schlichten Gräbern bis zu üppigen Mausoleen. Die ältesten sind aus dem 7. Jahrhundert.

In diesem Steinbruch wurde Jahrhunderte lang Granit abgebaut. Bis der Hügel fast komplett weg war. Es muss eine immense Arbeit gewesen sein, wenn man bedenkt, mit welch einfache Werkzeugen gearbeitet wurde. Noch heute sieht man überall die Keilspaltlöcher und Dorit-Hämmer.

Ganz oben im Steinbruch liegt noch ein riesiger, unfertiger Obelisk im Fels. Wäre er damals fertig geworden, wäre er der grösste Obelisk der Welt; 42 Meter lang und über tausend Tonnen schwer. Wir sind beeindruckt, mit wieviel Einsatz die Leute vor 3‘500 Jahren solche Werke schufen.

Nach soviel alten Steinen brauchten wir ein Karkadeh, ein Sirup aus Hibiskusblüten.

9. Februar 2012

Ägypten: Frau G. und essen im Bett

Frau G. ist erkältet und will im Bett auf die Genesung warten. Sie hat Kopfweh und gelegentlich Türlipfupf. Oder Schnell-Schiss, wie der Bildungsbürger sagen täte. Nicht heftig und nicht oft, aber lästig. Jedenfalls liegt sie im Bett und döst.

Mir hingegen geht es prächtig. Ich habe Wlan und Hunger. Also besorge ich mir bei meinem Freund von der Garküche etwas zu Futtern.

Also - Männer-Programm: Essen und Internet im Bett; und Aussicht auf den Nil. So muss es im Paradies sein.

Das im Becher ist "Baba Ganusch", ein Brei aus gegrillten Auberginen und der Sesampaste Tahina. In der kleinen Schale ist panierter Blumenkohl. In der grossen Schale ein Ei im  Kartoffelteig und eine fritierte Kartoffelwurst mit Koriander. Dazu das typische Fladenbrot. Herrlich.

8. Februar 2012

Ägypten: Koloss mit Gliederschmerzen

Um drei in der Frühe schreit unser Wecker „Aufstehen“! Um halb vier kommt der Bus nach Abu Simbel. Zuerst fahren wir aber auf einen Parkplatz am Stadtrand. Ab hier ist Konvoi-Pflicht. Pünktlich um halb fünf geht es dann los. Eine lange Kolonne Autos brettert durch die Nacht und die Wüste. Bis Abu Simbel sind es öde 280 Kilometer! Unser Bus ist eigentlich ganz bequem, doch nach einigen Stunden Fahrt habe ich alle möglichen Sitzpositionen durchprobiert und  langsam tun mir die Beine weh. Kurz nach acht sind wir am Ziel, bei den Tempeln von Abu Simbel. Unweit der Grenze zum Sudan.

In der Morgensonne leuchten die kolossalen Figuren goldgelb. Grandios. Und noch eindrücklicher sind die Räume dahinter. Imposante Hallen reichen tief in den Felsen hinein. Die Wände sind reich bebildert, teilweise sind sogar noch die original Farben erhalten. Leider darf man im Innern keine Fotos machen. Ich tu es doch und werde prompt erwischt. Schande!

Die beiden Tempel von Abu Simbel wurden zwischen 1964 und 68 vor dem Untergang im neuen Nasser-Stausee gerettet. Die Tempel wurden mitsamt dem umgebenden Felsen in handliche Blöcke zerschnitten und gut sechzig Meter höher oben wieder aufgebaut. Eine ungeheure Leistung. Und erstmals wurde Araldit im grossen Stil zum verkleben der losen Steine eingesetzt. Wenn man genau hinschaut kann man die Trennfugen erkennen.

Bei der späktakulären Tempel-Rettung wird gerne vergessen zu erwähnen, dass derweilen etwa eine Viertel Million Nubier ihre Heimat verloren. Ihre Kultur ging einfach im Stausee unter.

Die Tempelräume im Berginneren werden von zwei riesigen Betonkuppeln geschützt. Die grosse hat eine Spannweite von fünfzig Metern und ist fast zwanzig Meter hoch. Bei meinem letzten Besuch konnte da noch hinein gehen und hinter die Kulissen schauen. Diesmal nicht mehr; obwohl ich überall herum fragte und auch eine kleine Spende offerierte.

Noch vor dem Mittag fahren wir wieder zurück nach Assuan. Embryostellung und yogamässige Beinfaltung. Die Strasse zieht sich schier endlos durch die Wüste. Eigentlich mag ich ja Wüste, aber heute habe ich genug davon. Etwa um drei sind wir zurück. 560 Kilometer im Kleinbus. Uns reichts. Und mir tun eine Vielzahl unterschiedlicher Glieder weh.
Vor unserem Hotel fragt einer, ob wir jetzt nicht mit seiner Kutsche fahren möchten? Nein - die "Nemsi" brauchen jetzt dringend einen Mittagsschlaf.