18. September 2015

explosiver Berg

Im Januar habe ich von einem geheimen Minenwerfer-Bunker berichtet – und davon, dass ich noch von einem zweiten weiss. Neulich hatte ich grad Zeit und spazierte mal hin und schaute mich um.

Wie erwartet steht der Bunker - ein „12cm Festungsminenwerfer Monoblock“ - sehr abgelegen in einer Waldlichtung. Er ist sehr gut getarnt, dass man ihn kaum erkennt. Selbst der typische Panzerdeckel ist verdeckt. Und der Abluftkamin trägt eine rustikale Holzverkleidung. Einige Details verraten aber dennoch die unterirdische Anlage.

Für Besucher ist die Anlage aber kaum geeignet; es gibt einfach nicht genug zu sehen. Anderseits hat dieser Bunker sogar eine Türglocke. Ich habe ein  ein paarmal geläutet, doch anscheinend war niemand zuhause. Schade eigentlich ...

17. September 2015

Möbelwagen im Winterschlaf

Nein, Herbst ist es noch nicht. Aber wie viele andere Wohnmobilisten auch, musste ich mich auf die Suche nach einem Winterplatz machen. Gar nicht so einfach, denn in eine normale Garage passt unser Sprinter ja nicht rein. Zu hoch. Meinen alten Unterstellplatz habe ich letztes Jahr gekündigt, da unser Reisemobil ja in Spanien überwintert hat. Darum muss jetzt ein neuer Platz her.

Und was soll ich sagen - ich habe Glück gehabt und einen neuen Winterplatz gefunden. Diesmal sogar einen mit Wasser, Strom und Entsorgung. Und günstiger ist er auch noch. Gut gemacht, Muger.
Einwintern tun wir unseren Möbelwagen aber frühestens im November. Bis dahin möchte ich noch ein wenig reisen.
Als nächstes fahren wir vermutlich nach Norditalien. Wohin wissen wir noch nicht genau, es geht ja erst in einigen Tagen los.

16. September 2015

Liebe auf den ersten Blick

Mein persönlicher Höhepunkt unserer Skandinavienreise war eindeutig der Besuch im Autofriedhof in Båstnäs. Und weil ich so beeindruckt war, zeige ich heute noch einige der Schätzchen.

Ein englischer MG Magnette ZB. Auch nach sechzig Jahren glänzt der Chrom-Grill wie am ersten Tag.

Drei Buckel-Volvo kuscheln genüsslich im Wald. Die Volvo PV544 scheinen nie zu rosten.

Ein Baum hat einen DKW 3=6 und einen Saab 93 erschlagen. Manchmal kann die Vergetation so grausam sein.

Bei dem Anblick wird es manch einem VW-Enthusiasten feucht im Schritt.
So ein VW-Bus T1 täte ewig leben, wäre da nicht die Korrosion, und der Schimmel. Und der Gammel. Und.

Wenn man denkt, hässlicher kann‘s nicht mehr werden! Der Daf Kalmar beweist das Gegenteil. Der Kalmar wurde in den 70-er Jahren für die schwedische Post gebaut und ist komplett aus Plastik.

15. September 2015

Elch, die feige Drecksau

Eines ist mir neulich in Skandinavien wieder einmal schmerzlich bewusst geworden: Man täte es kaum vermuten, aber der Elch ist eine ganz feige Drecksau.

Lässt sich in allen Prospekten und auf Verkehrsschildern abbilden – versteckt sich dann aber im Wald und macht einen auf scheues Wildtier.
Elende Zicke.

14. September 2015

Ziger mit Hung

Neulich hab ich‘s wieder gegessen: Ziger mit Birnenhung. Dieses Dessert aus dem Mittelalter. Ein Stück grüner Ziger und darüber einen Schwung eingedicktem Birnenmost.

Zusammen schmeckt das saugut – und nach Vergangenheit und Armut.

12. September 2015

das Boot ist voll

Kämen alle 7,1 Milliarden Erdenmenschen gleichzeitig in die Schweiz zu Besuch, bliebe für jeden genau 5,8 Quadratmeter Platz.

Auf der gleichen Fläche könnte man gemäss Bundesamt für Veterinärwesen auch zwei Schweine halten; aber keinen Hirsch. Ich meine - ist gut zu wissen, sollte mal jemand danach fragen.

11. September 2015

aus dem Leben des Muger: der Nahverkehr

Für einen heranreifenden Jüngling ist die individuelle Mobilität von zentraler Bedeutung. Ohne funktionierenden Nahverkehr gab es keine richtige Freundin. Und ohne richtige Freundin keinen "Nahverkehr“. Also investierte ich mein ganzes Vermögen in ein gebrauchtes Töffli. So liessen sich die anregensten zwei Dinge in meiner damaligen Welt kombinieren: Töffli und Mädchen.

Zu der Zeit las ich als Vorbereitung auf die geplanten Paarbeziehungen viele Fachzeitschriften. Bunte Frauen-Heftli mit vielen Bildern drin. Sehr wenig Text, sehr wenig Kleider, aber dennoch sehr, sehr informativ. Und anregend.
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10. September 2015

aus dem Leben des Muger: Körperertüchtigungen

Eigentlich halte ich recht wenig von Sport. Anstrengend ist er und man schwitzt und keucht. Und muss kurze Hosen und bunte Leibchen tragen. Nein danke!
Als ich dann in das Alter kam, wo mir überall Haare und Bibeli zu spriessen begannen, interessierte ich mich naturgemäss zunehmend für Mädchen. Aber die Mädchen waren schwierig und zickten immer herum. Sport war eine der wenigen Möglichkeiten, die Mädchen auf einem aufmerksam zu machen.

Ich nahm darum an den Innerschweizer Meisterschaften im Sackhüpfen teil. Als die ersten Gegner ohne ihre Hosen dastanden und das eigentliche Wesen vom Sackhüpfen erkannte, verliessen sie unter Protest die Arena. Und ich wurde von den enttäuschen Zuschauern verjagt.
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9. September 2015

aus dem Leben des Muger: die Schulung

Kaum konnte ich richtig laufen, bemängelte man meine Bildungsferne. Ich wurde kurzerhand eingeschult. Auf Kosten der Gemeinde lernte ich von nun an schreiben, rechnen, singen und sogar schwimmen. Viele, viele Jahre lang.

Weil mir im Schwimmbad ein kleines „Hopperla“ entglitt, verliessen einige das Bassin. Meine Braunwurst trieb ungeachtet dessen gegen Westen.
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8. September 2015

aus dem Leben des Muger: die Windelzeit

In den Anfangsjahren machte ich nicht viel, vor allem essen und in die Windeln. Wobei man sagen muss, die Konsistenz und das Aussehen der Esswaren veränderte sich dadurch nur unwesentlich; breiig und bräunlich. Vorher wie nachher.
Die Leute sagten: uuuii, was für ein kräftiges - öhm - ein Mädchen?



Ich konnte damals weder laufen noch reden, bloss übel riechen. Zum Auslüften schoben sie mich ab und zu ins Freie.
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7. September 2015

aus dem Leben des Muger: die Schlüpfung

Alles begann in einer regnerischen Nacht. Im Morgengrauen erblickte dann ein kleines Mugerli das grelle Neonlicht des Kreissaales. Und das Gesicht einer wildfremden, weissgeschürzten Frau - der Hebamme, wie man mir später berichtete. Sie schaute skeptisch und ich konnte sie auch nicht leiden.



Die Eltern waren stolz auf ihren Setzling. Selbstgemachtes gefällt halt immer am Besten. Sie nahmen mich jedenfalls vorerst mal mit nachhause.
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5. September 2015

Mittel und Zweck

Neulich; mein älterer Bruder. Er leckt sich zweidreimal nachdenklich an seinem Zeigefinger, dann verkündet er stolz: «Ich hab‘s euch doch gleich gesagt – es ist Scheissdreck
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4. September 2015

Womo undicht – so eine Sau

Das Rinnsal war in der Betonfuge kam zu sehen. Es lief von unserem Möbelwagen schnurgerade hinüber zu unserem Nachbarn und verschwand unter seinem Wohnmobil, um dann an der andern Seite als Pfütze wieder zu erscheinen - direkt vor seiner Tür.

Wir lassen meistens unseren Abwassertank offen. Dies aus ökologischen Gründen, denn so kann unser Duschwasser gleich wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurück fliessen und wir müssen es nicht erst sinnlos herumkarren.

Wie dem auch sei; ich hätte das alles gar nicht bemerkt, wäre unser Nachbar nicht auf den Knien um sein Womo herum gekrochen und hätte eifrig seinen Unterboden angeschaut. Er suchte wohl eine Undichtigkeit?

3. September 2015

das schwimmende Parkhaus in Göteborg

So ein hässliches Schiff habe ich noch nie gesehen, dachte ich mir, als ich es zum ersten Mal in Göteborg sah. Aber ich täuschte mich, es ist gar kein Schiff. Es ist ein schwimmendes Parkhaus. Und ein hässliches.
Die Idee ansich ist ja gut, aber die Gestaltung fragwürdig!

„P-Arken“ heisst das Ding. Es wurde Anfang der 1990-er Jahre vom Architekturbüro ABAKO gebaut. Das Parkhaus (N57.7046 E11.9556) hat 400 Parkplätze und ist mit einigen Schiffs-Kulissen maskiert. Es liegt genau vor einem der letzten übrig gebliebenen Hafengebäude und dem ältesten China-Restaurant Schwedens.

2. September 2015

Brot backen ohne Ofen

Ich habe ja früher schon einmal beschrieben, wie man ohne Backofen brotbacken kann. Neulich habe ich es wieder einmal gemacht, diesmal in einer Gugelhopf-Form vom Flohmarkt. Mal sehen, ob sich die 1.50 gelohnt haben?
Und so geht’s: Aus Mehl, Trockenhefe, Salz und etwas Zucker einen Teig machen und diesen dann etwa eine Stunde aufgehen lassen. Zwischenzeitlich die Gugelhopf-Form buttern und mehlen. Dann warten. Nun die Form verschliessen und in die Glut stellen. Backen lassen.

Als ich nach 30 Minuten die Form für einen Kontrollblick öffne, ist mein Brot schon – öööhm - erstaunlich dunkel. Schwarz verkohlt. Woran das liegt, weiss ich nicht; aber ich vermute mal, es bekam etwas zuviel heiss.

Also neuer Versuch: Diesmal stelle ich die Form nicht mehr direkt ins Feuer, sondern in eine Mulde in der Glut. Zwecks Oberhitze legte ich noch einige Glutbrocken auf den Deckel. Nach etwa 20 Minuten beginnt es verführerisch zu riechen. Ich kontrollblickte in den Topf – und das Brot ist genau so, wie ein Brot sein sollen tut. Aussen knusprig braun und innen flauschig weich.

Fürs nächste Mal: Der Teig sollte noch etwas besser aufgehen - aber es schmeckte gut und nach mehr.

1. September 2015

der Beweis - auch Männer sind multitasking-fähig

Neulich sass ich in ausgeleierten Unterhosen auf dem Sofa, schaute Fernsehen und mampfte Nutella aus dem Glas. Da entfleuchte mir ein wenig zierlicher Furz - ein schnarrendes Geräusch mit der Geschmacksnote Kamelkadaver.
Da sag noch einer, wir Männer seien nicht multitasking-fähig.
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31. August 2015

Skandinavien: 6242,6 Kilometer und 0,0 Elch

So – nun sind wir also wieder daheim. Zeit, um nochmal auf unsere Skandinavien-Reise zurück zu schauen.
Also. Uns hat es da oben in Skandinavien wunderbar gefallen. Dänemark, Norwegen und Schweden sind landschaftlich sehr hübsch und die Leute ausgesprochen nett. Allerdings erinnerten uns manche Landschaften sehr an die Schweiz. Wohl deshalb konnten wir uns für den Schnee, die Berge und die Wasserfälle nur mässig begeistern. Das war uns zu gewöhnlich. Dafür haben uns die Meeresküsten sehr gut gefallen. Die verschiedenartigen Schiffe und Fische und Männer in Gummistiefeln und grellen Regenjacken.

Ja, Skandinavien ist teuer. Für uns aber nicht so arg - die Preise waren kaum höher als zuhause. Ausser der Diesel, der kostet deutlich mehr. Und die norwegischen Strassengebühren. Dafür bezahlten wir etwa 60 Euro und dazu kamen auch noch die vielen Fähren in Norwegen.

Dass ausgerechnet heuer der Sommer ausfiel war zwar schade, aber letztendlich auch nicht weiter schlimm. Wir haben die Zeit genossen und zwischendurch gab es ja auch immer mal wieder sonniges Frühlingswetter.

Wir sind immer freigestanden, nie auf einem Campingplatz. Nur einmal waren wir auf einem Wohnmobil-Stellplatz, das haben wir aber erst am nächsten Morgen realisiert. Freistehen war für uns auch mitten in der Hochsaison völlig problemlos. Wir fanden überall einen schönen Übernachtungsplatz.
Unsere Rundreise war über 6‘200 Kilometer lang. Auch man davon die An- und Rückreise quer durch Deutschland abzieht, bleiben immer noch über 4‘000 Kilometer übrig, die wir in Südskandinavien gefahren sind. Erstaunlich viel, für die drei Länder.

Was uns in Skandinavien etwas gefehlt hat, war das Abenteuer, das Exotische und so. Alles ist gewöhnlich. So brav und harmlos. Ich mag's lieber etwas wilder und chaotischer...

29. August 2015

Skandinavien: Könige in Konserven

Als wir das letzte Mal in Speyer waren, konnten wir den Dom nur von aussen anschauen, heute wollen wir hinein. Das romanische Bauwerk ist gut 1‘000 Jahre alt. Aber fast alles was sieht, ist später gebaut oder umgebaut worden. Manches ist keine 100 Jahre alt.

Am West-Tor, das zur Stadt hin zeigt, schützen kleine Drachen und Monster den Dom vor dem Bösen. Gewittern, Gesindel, Juden.

Der Speyrer Dom ist enorm gross. In seiner Zeit eines der grössten Bauwerke überhaupt. Und hier wurden seit dem Mittelalter Kaiser und Könige beerdigt. Zum Beispiel 1291 Rudolf von Habsburg, er war ein Schweizer aus dem Kanton Aargau – wobei es damals weder das Eine noch das andere schon gab. Aber als römisch-deutscher König war er damals auch unser König.

Die Könige liegen in der Krypta unter dem Chor in steinernen Sarkophagen, wie in Frischhalteboxen. Aber auch hier ist fast alles aufgehübscht und neueren Datums. Wir schauen und staunen. Und es ist herrlich kühl hier unten. Ganz anders in der Stadt. Hier brennt schon wieder die Sonne vom Himmel. Wir beschliessen ins nahe Elsass zu fahren und uns ein schattiges Plätzchen zu suchen.

Gegen Abend sehen wir am Horizont die Gewitterwolken über den Alpen. Dann den Pilatus – und dahinter unser Daheim.

28. August 2015

Skandinavien: Reiher kürzen in Schleswig-Holstein

Beim Frühstück steht aufs Mal ein Mann neben uns. Er trägt gräuliche Hosen und Haare und sagt: «Unten tropft eine Flüssigkeit heraus, ist DAS normal?»
Wir nicken und Frau G. sagt; «das kann nur Wasser sein.» Na ja, unser Duschwasser.
Kopfschüttelnd packt er einen Feldstecher und seine Säge und stapft ins Schilf. Was will er dort mit einer Säge? Frau G. vermutet, er wolle einen Christbaum klauen. Ich glaube aber, damit kürzt er den Reihern ihre Beine und macht so aus ihnen Schwäne. Und so einer fragt uns, ob das NORMAL sei?

Wir verlassen unsern Teich und widmen uns der Astrophysik. Denn ganz in der Nähe befindet sich eine einzigartige Forschungsanlage: Das „Gravitationswellen Observatorium GEO600“ (N52.24525, E9.80771) in Sarstedt. Eine überaus spannende Sache. Was man davon vor Ort aber sieht, sind zwei 600 Meter lange Wellblechrohre, Darin sausen Lichtblitze hin und her. Sollten sie in beiden Messstrecken nicht gleichzeitig zurück sein, so wäre das DER Beweis dass so eine Gravitationswelle die Erdkugel verformt hat. Bis jetzt aber noch nix.

Gegen Mittag verlassen wir dieses GEO-Dings und fahren auf die Autobahn. Wir kommen recht gut voran. Es ist heiss und es hat viele Baustellen. Die Autobahn-Baustellen mag ich ja eigentlich, da gibt es viel Spannendes zu sehen. Das Problem sind bloss die anderen Autos. Sie sind einfach zu viele und stehen gerne im Stau. Ausserdem sind viele der Fahrer gehetzt und ungeduldig. Manch einer geht tendenziell schon in Richtung „Schafseckel“.

Wir wollen Kilometer machen und halten erst in Speyer. Da waren wir früher schon einmal und haben hier gut geschlafen. Wir stellen uns in den Schatten der Bäume (N49.3143, E8.44324) und transpirieren noch bis lange nach Sonnenuntergang. Und wir trinken Gaggerl-Schnaps – den Frau G. so gerne mag.

27. August 2015

Skandinavien: Brücke schweben und schaukeln

Die Sonne lacht in Glücksburg. Wir lümmeln noch ein wenig herum; ich lese meinen Kluftinger-Krimi und Frau G. macht so Sachen. Abwaschen und so.
Dann machen wir uns auf den Weg. Ganz gemütlich brummen wir auf der Landstrasse südwärts. Was in Deutschland gar nicht gerne gesehen wird. Wir werden mehrmals angehupt oder bösen Blicken bestraft.

Bei Lindaunis fahren wir an die Schlei und schauen uns die historische Klappbrücke (N54.58363, E9.81988) an. Das ist eine grandiose Eisenkonstruktion, die mittels eines Gegengewichtes ganz raffiniert aufgeklappt werden kann. Die Brücke ist zwar bloss einspurig, dennoch fährt neben den Autos auch noch die Bahn drüber. Und die Fahrräder und die Fussgänger.

In Rendsburg erwartet uns noch einmal eine verkehrstechnische Sehenswürdigkeit; die Schwebefähre (N54.29359, E9.68288) über den Nord-Ostsee-Kanal. Eigentlich ist das eine Eisenbahnbrücke, die in 40 Meter Höhe über den Kanal führt. Damit die Züge da hinauf kommen, gibt es beiderseits einen kilometerlange ansteigende Brückenrampe.
Die Schwebefähre hängt an der Eisenbahnbrücke und befördert die Autos und Fussgänger über den Kanal.

Heute ist die Schwebefähre aber grad hinter einem Baugerüst versteckt und auch an der Brücke wird gehämmert. Wir schauen den Zügen und Schiffen zu, wie sie sich hier kreuzen. Eigentlich wäre das ein wunderbarer Übernachtungsplatz. Doch wir sollten heute noch ein Stück weiterfahren.
Auf der Autobahn ist recht dichter Feierabendverkehr. Zudem sind grad mehrere lange Baustellen, so fahren wir kurz vor Hamburg raus und raststätten bis das Gröbste vorbei ist.


Um halb sieben fahren wir weiter. Es läuft gut und schon kurz darauf flutschen wir geschmeidig durch den Hamburger Elbtunnel.
Wir übernachten an einem netten Weiher (N52.2752, 9.80838) hinter Hannover.

26. August 2015

Skandinavien: der Bürgermeister von Wesel, ist ein Esel …

Direkt ennet der dänischen Grenze beginnt Deutschland. Und von da ist es nicht mehr weit bis nach Flensburg. Am Hafen sehen wir ein paar alte Schiffe angeleint. Also halten wir zum Schiffegucken an; es ist die die „Museumswerft“ (N54.79405 E9.43354). Hier werden noch nach alter Handwerkskunst Schiffe repariert und renoviert. Und man darf zuschauen und alles anfingen, was ich ausgiebig tue.

Die Stadt Flensburg gefällt uns gut. Berühmt ist sie in ganz Deutschland aber vor allem wegen des „Kraftfahrt-Bundesamtes“ berühmt, das hier die Verkehrssünder-Punkte verwaltet. Ein grosses viereckiges Haus mit vielen Fenstern. Bleichbeinige Mitarbeiter kommen grad von der Mittagspause zurück. Der Pförtner schüttelt grimmig den Kopf, als ich mich mitten in die Einfahrt stelle, um Fotos zu machen.

Gar nicht weit hinter Flensburg liegt das Dorf – öhm; Ostseebad sagen sie hier - Glücksburg. Und mitten in einem Tümpel steht hier auch das gleichnamige Wasserschloss Glücksburg. Eine wirklich malerische Anlage (N54.83196 E9.54337) mit vier dicken Türmen und einer langen Besucherschlange.

Es ist wunderschönes Wetter und deshalb fahren wir erst einmal an den Strand. Ich möchte schwimmen – also eher baden, oder sagen wir ins Wasser stehen – aber Frau G. graust es vor den angeblich hier beheimateten Quallen. Ich behaupte, hier habe es keine. Und wenn, dann nur gaaanz kleine und harmlose. Richtig niedliche. Doch bleibt auf dem Strandweg stehen und betritt nicht einmal den Sandstrand.

Später mache ich noch ganz diskret ein Foto vom Wasser. Na gut, einige Quallen gibt es hier schon, aber die sind fast durchsichtig und fallen kaum auf.
Während Frau G. noch gschwind etwas einkaufen will, setze ich mich auf den Frisör-Stuhl und lasse mir einen sommerlichen Kurzhaarschnitt verpassen. Noch ein Schluck Schmöcki-Wasser drauf gesprüht - und ich bin kaum mehr von einem Heiratsschwindler zu unterscheiden.

Ein Mann mit einer Sonnenblume kommt auf mich zu und sagt: «Eins will ich ihnen sagen. Der Bürgermeister von Wesel, ist ein grosser Esel.» öööhm – ja, gut zu wissen…

Rasant überziehen Wolken den Himmel und schon bald fallen erste zögerliche Tropfen. Wir finden am Jachthafen einen ganz netten Übernachtungsplatz (N54.8369 E9.5218). Es beginnt zu regnen. Ich mag das; im Bett fläzen und der Regen prasselt aufs Dach. Sauromantisch.

Skandinavien: Smørrebrød ist huärä guet

OdenseEin wunderbarer Morgen. Über uns blauer Himmel und hinter den Fenstern gegenüber sind die Werktätigen bereits emsig am Arbeiten. Wir frühstücken gemütlich. Es gibt norwegischen Lachs, Brot vom Vortag und Brösmeli-Kafi.
Dann reifeln wir ganz gemütlich über die Landstrasse nach Middelfart und über die alte Brücke (N55.51814 E9.71029) hinüber aufs Festland. Nun sind wir endgültig wieder in Kontinentaleuropa. Ab jetzt geht es nur noch südwärts. Odr so.

Über Haderslev wissen wir nichts. Wir schauen es uns bloss an, weil das Städtchen auf unserem Weg liegt. Die Altstadt ist erstaunlich hübsch und durchaus besuchenswert. Eine grosse Kirche in „Backstein-Gotik“ und rund um den Hauptplatz Bürgerhäuser im „Bauern-Barock“.

Jetzt sind wir schon so manchen Tag in Dänemark unterwegs – und wir haben noch nie Smørrebrød gegessen. Smørrebrød heisst eigentlich nur „Butterbrot“; was ich dann aber serviert bekomme ist eine komplette Mahlzeit. Brot mit Kartoffeln, Speck, eingelegten Zwiebeln, Majo und Begleitgrün. Isch gut.



Am östlichen Stadtrand von Haderslev wird zurzeit die Stadt erweitert. Tolle neue Wohnhäuser und ein grandioser Kulturtempel sind entstanden. Wir flanieren zwischen den Neubauten. Und beschliessen, gleich hier auf einem unbebauten Grundstück - respektive am Schiffsanleger (N55.25187 E9.5089) davor - zu übernachten.

Ein herrlich milder Wind weht vom Meer her, die Entenküken schnattern und die Buben sausen mit ihren Rollbrettli hin und her. Dann geht die Sonne orangerot unter. Es ist richtig schön hier.
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25. August 2015

Skandinavien: Delfine mit Pelz

Korsør. Mit der Flut kommen auch wieder die Quallen. Das ganze Wasser ist voll von den schlabbrigen Tieren. «Alle Meerestiere sind grusig» behauptet Frau G. «Nur die Delfine nicht. Und Robben; aber das sind ja auch nur Delfine mit Pullover.»

Wir schauen uns noch einmal die Storebælts-Brücke an; diesmal im milden Morgenlicht. Dann fahren wir an die Zahlstelle und über die Brücke. Von hier oben sieht sie noch mächtiger aus, als vom Ufer unten.

In Nyborg erreichen wir wieder festen Boden unter den Füssen. Das Städtchen ist, zumindest auf den zweiten Blick, ganz hübsch. Wir trinken Kaffee und geniessen die sommerliche Wärme.

Odense ist die drittgrösste Stadt Dänemarks – habe ich gelesen. Die wollen wir uns ein wenig anschauen. Wenige Schritte vom Stadtzentrum finden wir einen Parkplatz. Und ganz in der Nähe steht auch das Geburtshaus von Hans Christian Andersen, dem berühmtesten Odenserianer.

Das Andersen-Haus ist ganz unscheinbar, so dass viele Besucher fälschlicherweise den Souvenir-Laden gegenüber fotografieren. Der ist nämlich gross „Andersen“ angeschrieben und wesentlich imposanter als das gedrungene Andersen-Geburtshaus. Zudem ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt, wo Andersen tatsächlich geboren wurde. Bis auf weiteres muss einfach das kleine gelbe Haus herhalten!
In ganz Odense finden wir Skulpturen von Andersen-Märchen. Da ich aber keine davon gelesen habe, weiss ich nicht, was all die Figuren bedeuten sollen.

Neben dem Bahnhof wurde erst vor wenigen Wochen eine spektakuläre Fussgänger-Brücke (N55.40098 E10.38316) eingeweiht. Um einen chromglänzenden Pylon windet sich eine Rampe, führt hoch oben über die Geleise und dann in einem ausladenden Schwung hinunter zum Busbahnhof.

Leider sieht die Brücke auf den Plänen wesentlich besser aus, als in Wirklichkeit. Die geschwungene Fahrbahn wird von allerlei Strommasten und –kabeln gestört. Und der Chrom-Masten ist überflüssig und völlig sinnfrei. Schade!

Wir übernachten auf dem Parkplatz gleich hinter dem „Odense Teater“ (N55.3986, E10.3866). Ein wunderbarer Stadtplatz; mitten im Geschehen, aber ganz ruhig.