17. Juni 2013

ausgeklügelte Reisevorbereitungen

Eines war von Anfang an klar; wir wollen verreisen. Frau G. und ich - gemeinsam. Etwa einen Monat. Nach klimabedingtem hin und her und hin ist nun auch geklärt wohin: Irgendwo nach Lotringen, Belgien, Luxemburg. Odr so.

Am Vorabend der Abreise lag ich nichtsdenkend auf dem Sofa und schaute dem Fernseher zu. Dabei blitzte mich ganz unerwartet ein Gedanke: Die Reisevorbereitungen! Jetzt, jetzt wäre wohl der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen.
Ich stopfte also einen Stapel frischer Wäsche in eine Ikea-Tüte. Dazu ein paar Schuhe, Sandalen und meine Abenteurer-Mütze. Die Regenjacke nicht vergessen, und einige Bücher. Den Compi und das Kabelgewirr. Alles zusammen in den Möbelwagen geworfen – so, das wäre geschafft. Abfahrbereit!
Wasser tanken und Euronen besorgen will ich morgen früh. Geplante Abfahrt ist um zehn, also noch reichlich Zeit.

16. Juni 2013

die Affen schweigen

Der niederländische Arzt Jacob de Bondt lebte um die Mitte des 17. Jahrhunderts auf Java schrieb seinerzeit:
«… dass die Affen wohl reden könnten, wenn sie nur wollten, es jedoch nicht thäten, weil sie fürchteten, arbeiten zu müssen.»
.

15. Juni 2013

Cornwall: ein gar schröcklich Gewürm

Es ist jetzt schon einige Jahre her, aber darunter leiden tue ich immer noch. Damals in Cornwall, als dieses schreckliche Monster nach meinem Leben trachtete. Eigentlich begann alles ganz harmlos; eine Rundreise, zehn Tage "Zauberhaftes Cornwall", mit dem Reisebus, alles inklusive. Unsere Mitreisenden waren ausnahmslos ältere Paare mit grauen Haaren, künstlichen Zähnen und Gehhilfen. Ein bedrohlicher Mob, wie sich später noch herausstellten wird.

Jedenfalls fuhren wir durch dieses Dartmoor. Mitten in der kargen Landschaft stand ganz einsam ein Pferd mit seinem Fohlen. Der Bus hielt an zum fotografieren. Ich stieg als einziger aus; weil ich das Pferd von ganz Nahe anschauen wollte. Und weil ich ohne Gehilfe gehen konnte.
Ich näherte mich also dem Tier, hinter mir vernahm ich bereits ein Grummeln: "Aus dem Bild". "Weg da". Und so. Als ich das Pferd fast erreicht hatte, rannte das dämliche Vieh davon. Das Jungtier, nicht minder schreckhaft, hinterher.
Wieder zurück im Bus, blicke ich einem grausliges Untier ins Angesicht. Ein vierzigköpfiges Gewürm mit rotglühenden Augen und geifernden Zähnen. Unzählige Gliedmassen mit spitzen Krallen und Stacheln fuchteln nach mir. Dazu ein wüstes Kreischen - so wie ich es noch niemals gehört hat.
Mir läuft heute noch der Angstschweiss in die Pofalte – pwuhähää. Schrecklich...

14. Juni 2013

Panama: Kanal in Zeitlupe

Es war damals in Panama grad Weihnachten – und brütend heiss. Ich war zum erstenmal hier und wollte unbedingt den Panamakanal anschauen. Auf der Pazifikseite sind es zwei Schleusenanlagen: Pedro-Miguel-Schleuse und Miraflores. Als ich davor stand, war ich ein wenig enttäuscht. Denn wenn grad kein Schiff da ist, sieht man kaum was, das Areal ist so riesig.

Für die Besucher gibt es extra eine mehrstöckige Tribüne. Und ein Lautsprechermann erklärt laufend, was da unten vor sich geht. Und da unten geht alles in Zeitlupe vorwärts. Schiff hinein. Schiff hinauf – Schiff hinaus. Toll.
Übrigens: Der Panamakanal verläuft von Nord nach Süd, wobei der Pazifik im Süden und der Atlantik im Norden liegen. Nächstes Jahr wird der Kanal hundert Jahre alt. Und übernächstes Jahr eröffnet der neue Panamakanal. Grösser.
Zudem: im Wort „Panamakanal“ ist jeder zweite Buchstabe ein „a“. Fast ein Rekord, allerdings hat der „Analaal“ von neulich noch einen höheren a-Anteil. Toll - odr.
Und was habe ich sonst noch gelernt? Man sollte auf so eine Reise seinen Fotoapparat mitnehmen...

13. Juni 2013

blaues Ei und blinder Vogel

Manchmal habe ich viel zu tun und würde tagelang in den Computer starren. Das sei ungesund, sagt man, ich solle mal spazieren gehen. Um meiner Überwindung auf die Sprünge zu helfen sage ich mir: Wenn du jetzt nicht spazierst, wirst du ungesund. Und dann musst du zum Hansjörg in die therapeutische Männergruppe. Rollenspiele machen und gesprächen. Willst du das?

Deshalb ging ich gestern waldspazieren. Unter einem Baum fand ich ein blaues Ei mit schwarzen Punkten drauf. Blindenschrift?
Gibt es überhaupt blinde Vögel – ich frage dann vielleicht mal den Hansjörg.

12. Juni 2013

unsere Reisewurst

Unsere Sommer-Reise sollte ursprünglich nach Belgien und Luxemburg gehen. Vorher müssen wir aber noch gschwind ins Wallis an eine Hochzeitsfeier. Deswegen habe ich Frau G. überredet, doch lieber nach Südeuropa zu reisen, statt nach Belgien. Nach Rumänien und so. Es schien mir irgendwie logisch! Die Fahrstrecke ist zwar deutlich länger, aber der Sprinter steht ja nun auch schon ein halbes Jahr untätig herum. Und ich will keine Standschäden riskieren.

Jetzt habe ich mir mal die Wetterprognosen für nächsten Wochen angeschaut. Und es wird euch nicht erstaunen, aber im Sommer wird es da hinten ordentlich warm. Man könnte schon sagen heiss, brütend heiss. 35°C oder 135? Oder noch mehr.
Jedenfalls ist mir das eindeutig zuviel. Also fahren wir vermutlich nun doch nach Benelux? Fritten, Schoggi und lustiges Bier. Odr so.
.

11. Juni 2013

Indien: einbeinige Eisenbahn

Jedesmal wenn ich in New Delhi bin, gehe ich ins dortige Eisenbahnmuseum. Denn da steht ein unscheinbares, aber überaus interessantes Bähnlein. Eine Einschienenbahn mit Hilfsrädern. Ungewühnlich.

Erfunden wurde diese Einschienenbahn vom Engländer William Thorold. In England fand sich keine geeignete Strecke(!) für die neuartige Bahn, also beglückte man die Inder damit. Die „Patiala State Monorail Trainways“ wurde gebaut.
Die Monorail funktionierte so: In der Strassenmitte wurde eine einzelne Schiene verlegt. Darauf verkehrten zuerst Ochsenwagen mit drei Rädern; hintereinander. Und damit die Fuhre nicht dauernd umkippt, montierte man einseitig noch einen gefederten Ausleger mit einem grossen Eisenrad.
Kurz nach der Jahrhundertwende modernisiert man die Bahn und liess bei Orenstein & Koppel in Berlin vier Dampflokomotiven bauen. Einspurige, dreirädrige Dampflok – weltweit einzigartig. Und irgendwie auch typisch indisch.
Nach dem ersten Weltkrieg begann der Lastwagenverkehr die kleinen Bahnen zu verdrängen. So auch die „Patiala State Monorail Trainways“; sie ging kurz darauf ein. Das Rollmaterial gammelt vor sich hin, bis in den 1960-er Jahren einer der Züge ins Museum kam. Und der funktioniert sogar noch, ab und zu holpert er übers Museumsgelände.

10. Juni 2013

alles bloss heisse Luft

Heisst es nun eigentlich "Ballon-fliegen" oder "Ballon-fahren"?
Das ist im Prinzip doch ganz einfach: Das Flugzeug heisst so, weil es fliegt. Darum heisst es ja auch Luftfahrt. Ein Ballon hingegen fährt, weil er ein Fahrzeug ist. Und das obwohl er, anders als die meisten Fahrzeuge, keine Räder hat. Aber solche braucht der Ballon ja auch nicht, weil er ja fliegt. Ein Schiff fährt auch; auch ohne Räder, deswegen sagt man ja auch Schifffahrt. Genau wie ein Luftschiff, das fährt auch ohne Räder. Deshalb ist es ja auch ein Fluggerät dazu - wie der Ballon. Jetzt alles klar?

Übrigen; unser geplanter Ballon-Ausflug wurde erneut verschoben. Schade - das Wetter wäre ideal gewesen.

9. Juni 2013

300‘000 mal danke

Vor einigen Tagen klickte sich hier der 300‘000-ste Mitleser ein. Ich habe den historischen Moment leider nicht miterlebt, da es mitten in der Nacht passierte. Ich hab’s sozusagen verschlafen.

Umsomehr möchte ich der/dem Unbekannten danke sagen. Und all den 299‘999 davor auch. Dankedanke-danke - ohne euch wäre das alles hier nix.
.

8. Juni 2013

wer will schon Männerzeitschriften

Ist es euch auch schon aufgefallen, Frauenzeitschriften tragen meistens Frauennamen: "Brigitte", "Petra", "Laura", "Tina", "Marie Claire", "Emma" und so weiter.
Gäbe es solche Männerheftli; müssten die dann ja "Schorsch", "Jürgen", "Jeanpaul", "Ratzinger", "Wolfgang" oder "Robi" heissen. Und somit ist wohl auch gleich erklärt, warum es keine solche Fachmagazine gibt! Und wenn, dann täte sie bestimmt kein Mann lesen.

7. Juni 2013

ein herzhafter Griff in den Schritt

Schwingen gilt in der Schweiz als Nationalsport. Bärige Männer in sackleinenen Hosen rangeln paarweise miteinander; mit dem Ziel, den andern ins Sägemehl zu werfen. Ist das Geschafft, wischt der Sieger dem Unterlegenen das Sägemehl vom Rücken und die nächste Paarung geht an den Start.

In der ganzen Schweiz gibt es nur ein einziges Schwinger-Denkmal; im „Inseli“, hinter dem Luzerner Bahnhof. Es ist aus Bronze und zeigt zwei Schwinger, einer kopfüber und deutlich im Nachteil. Und beide tragen nichts ausser einem Gürtel. Füdliblutt – eher untypisch für Schwinger.

Als 1908 das Schwinger-Denkmal am damaligen Kurplatz aufgestellt wurde, gab es reichlich Proteste. Man habe „die ernstliche und wohlbegründete Befürchtung“ vor „einer Schädigung der sittliche Erziehung der Jugend“. Zum Glück verdeckte schon bald das Gebüsch die Kampfsportler und die Lage beruhigte sich. 1958 wurden die beiden Schwinger vom Kurplatz ins Inseli gezügelt. Da stehen sie nun, etwas versteckt und immer noch blutt. Das gegnerische Gemächt fest im Griff.
.

6. Juni 2013

Ballenberg: Schagglin und kein Ochs

Was kann man an so nasskalten Tagen unternehmen? Ins „Freilichtmuseum Ballenberg“, die ländliche Baukultur anschauen. Ideal wenn‘s regnet, denn dann hat es nämlich weiniger Besucher. Und mehr Beschaulichkeit.

Wer, wie wir, regelmässig im Ballenberg zu Besuch ist, hat so seine Lieblingsplätze. Also schlendern wir zuerst zur „Alpkäserei von Kandersteg“ und schauen, ob es frische "Chäsmettel“ gibt. Hat es; und auch frischen Ziger - perfekt.

Manchmal setzen wir uns irgendwo in eine Stube und geniessen die friedliche Atmosphäre. Einer meiner Lieblingsplätze ist das Bänkli beim „Bauernhaus von Eggiwil“. Hier sitzen wir gerne und schauen übers Land. Und die hier ansässigen Hasen müssen ja auch gestreichelt werden. Und manchmal ist der Ochse da - heute nicht.

Das „Bauernhaus von Madiswil“ bietet gleich zwei Höhepunkte. Die zahllosen Würste in der Rauchkammer und „Schagglin“, das Schwein. Wobei ich vermutlich der einzige bin, der weiss, dass das Schwein Schagglin heisst. Warum - das ist ein lange Geschichte für ein andermal.

Beim „Bauernhaus von Lancy“ noch gschwind die eigenartigen Hühner anschauen. Die haben Federn an den Beinen und sehen aus, als ob ihnen die Strumpfhosen runter gerutscht wären. Das Wetter war besser als erwartet – und einige Schulklassen und Touri-Gruppen waren auch da. War schön.

5. Juni 2013

Muger, ein Surfboy

Kürzlich hat mir meine Reisefreundin Anne dieses Bild aus Marokko geschickt. Ein Surf Shop namens „Almugar“; was auf Deutsch übersetzt ganz bestimmt „der Muger“ heisst.

Ich ahne ja schon länger, dass ganz tief in meinem Inneren ein Surfboy schlummert. Immerzu fühle ich mich feucht an. Und manchmal riechts ein wenig nach Algen.

4. Juni 2013

Pilatus: Mord auf dem Berg

Auf einer Felsnase direkt oberhalb vom Pilatus-Kulm steht eine uralte Wetterstation. Zumindest sieht sie so aus, denn es ist bloss eine Film-Kulisse. Im Winter 1989/90 wurde hier oben der Film „der Berg“ gedreht.

Der Film basiert auf einer wahren Mordsgeschichte. Dieses geschah im Winter 1922, aber nicht hier, sondern auf dem Säntis. Der dortige Wetterwart und seine Frau bekamen eines Tages Besuch von einem eigenartigen Fremden. Kurz darauf verstummt die Telefonverbindung ins Tal hinunter, und etwas später waren die beiden tot - ermordet. Vom Fremden fand man bloss einiger Spuren im Schnee. Gruusig ...
Aus logistischen Gründen wurde der Film auf dem Pilatus gedreht. Und nachher liess man die Kulisse stehen; weil sie so pitoresk ausschaute und die Touristen erfreuen sollte. Tut sie bis heute.

3. Juni 2013

kopfüber am Wasserfall

„Öha“ - dachte ich. Müsste doch eigentlich andersherum sein: Brücke oben, Wasser unten? "Über sieben Brücken musst du gehen" – singt doch immer das Radio. Jetzt kapiere ich endlich, wie das gemeint ist.

Das gleiche Radio meldete auch noch; im Aargau sei wegen des Hochwassers eine Bahnlinie "teilweise unterbrochen". Teilweise unterbrochen - wie jetzt? Ist nur die eine Schiene unterbrochen - oder wie muss ich mir das mit einer "teilweise unterbrochenen" Bahnlinie vorstellen?

2. Juni 2013

das Einhorn ist eine Drecksau

Neulich lese ich auf einem Zettel: „Man widerspricht dem Einhorn nicht“.

Einhörner sind mir ja grundsätzlich irgendwie suspekt. Die machen immerzu einen auf unschuldig und lieblich. Dabei sind die Viecher doch, wie jeder weiss, hinterhältige Drecksäue. Immer hinter den kleinen Prinzessinnen her. Odr so.

1. Juni 2013

jemand hat den Autoschlüssel verloren

Eine nicht genannt sein wollende Person aus meinem unmittelbaren Umfeld hat doch tatsächlich den Schlüssel vom Sprinter verloren. Unauffindbar, verschwunden, weg. Ist ja kein Problem, Ersatzschlüssel bestellen und fertig - dachte ich!

Heute habe ich den Ersatzschlüssel geholt; gleich zwei Stück, man weiss ja nie. In der Mercedes-Nutzfahrzeug-Werkstätte wurde die Elektronik der zwei Schlüssel mit der des Autos synchronisiert. Daten auslesen, an Mercedes Deutschland senden, die retournieren die Zugangsdaten und einen Code, Fehlermeldung, noch einmal senden und so weiter. Das Verfahren dauerte genau eine Stunde, dann funktionieren die zwei neuen Schlüssel. Und auch der alte auch.
Ich bin beeindruckt, welch ein Fortschritt zu früher. Damals musste man extra zu einem Schlüsseldienst gehen, wo sich ein Schuhreparatur- und Schlüsselfachmann mit mangelhaften Deutschkenntnissen der Sache annahm. Nach gut und gerne drei Minuten zahlte man einen Zehner bekam dafür einen Ersatzschlüssel. Und manchmal gab es sogar noch eine winzigkleine Tube Schuhcreme gratis dazu.

31. Mai 2013

der Pilatus gehört uns

Der Pilatus, der berühmte Luzerner Hausberg, steht gar nicht in selbigem. Zumindest der Gipfel, und um den geht es ja üblicherweise bei Bergen, teilen sich die Kanone Ob- und Nidwalden. Wobei der brauchbare Teil, der mit den Hotels und Bahnstationen gänzlich in Obwalden liegt. Nidwalden gehören da oben bloss einige unzugänglich schroffe Felswände. Und Luzern gar nichts.

Und da das kaum jemand weiss; will ich es laut und deutlich sagen: Der Pilatus gehört uns, und nicht den Luzernern.
öööhm - ich war kürzlich oben und es war wie immer wunderschön.

30. Mai 2013

Kerns-Kägiswil wasdasdenn?

Der Bahnhof Kerns-Kägiswil war von Anfang an mit einem Makel behaftet; er steht nämlich weder in Kerns, noch in Kägiswil. Entsprechend lag das Passagieraufkommen oft bei ungefähr null.

Ursprünglich hat man sich zwar schon überlegt, den Bahnhof im Dorf zu bauen, entschied sich dann aber doch ihn direkt neben die Geleise zu stellen. Hundert Jahre lang hielten die Züge und niemand stieg ein, oder aus. Ausser ab und zu mal eine Auswärtiger, der es nicht besser wusste. Der musste dann halt die paar Kilometer nach Kerns oder Kägiswil laufen.
In den 1980-er Jahren wurde der Bahnhof abgebrochen. Heute erinnern einzig einige Sockelmauern an die wenig ruhmreichen Zeit des Bahnhofs "Kerns-Kägiswil".

29. Mai 2013

Indien: bodenlose Teetassen

Wer in Indien mit der Bahn fährt kennt sie, diese Einweg-Teetassen. Die henkellose Töpfchen heissen "Kulhar" und bestehen aus schwachgebrannten Ton. Sind sie leer getrunken, wirft man sie einfach aus dem Zugfenster. Der Regen löst sie dann in kurzer Zeit auf; und ausser Staub bleibt kein Abfall übrig.

Als Indien-Neuling möchte man natürlich die Kulhar gerne mehrfach benutzen; wäre ja schade drum. Nach anfänglichem Widerspruch schenkt der Chai-Verkäufer nach. Und schaut dann belustigt zu, wie sich schon nach kurzer Zeit der Becher aufzulösen beginnt. Und sich dann der Tee mitsamt dem Tonschlamms über die Hose des Neulings ergiessen.
Der Tee-Verkäufer hat seinen Spass und der Neuling etwas Wichtiges gelernt. So sind alle zufrieden - mehr oder weniger.
.

28. Mai 2013

Humor wäre, wenn man trotzdem lacht

Das wesentliche Merkmal eines Witzes ist seine Lustigkeit. Löst er hingegen beim Verbraucher statt eines wiehernden Lachens oder wohligen Schmunzelns bloss ein peinliches Gähnen aus, so ist er keiner. Nicht mal ein Schlechter.

Die diesjährige Abschlussklasse hat sich ein T-Shirt bedrucken lassen: «Das Lehrerzimmer ist wie ein Altglascontainer, voller Flaschen!». Der Text ist fad, unoriginell, aus dem Internet abgeschrieben und von mangelnder Witzigkeit. Also eigentlich nur doof, aber was kann man schon von den Pubertanten anderes erwarten. Dennoch hat sich jetzt die Lehrerschaft mächtig empört - und mit drastischen Sanktionen gedroht. Man spricht von einem Skandal und rechtlichen Folgen!

Jetzt – wo sich die Pädagogen so empören, finde ich das T-Shirt plötzlich gar nicht mehr sooo unlustig.

27. Mai 2013

Sarnen: das Vater-unser-Silo

Der Volksmund nennt die Sarner Kollegikirche liebevoll „Vater-unser-Silo“. Die „Kollegiumskirche St. Martin“, wie sie korrekt heisst, wurde zwischen 1964 und 66 für das Benediktiner-Kloster und ihr Gymnasium gebaut. Es ist der erste Kirchenbau vom berühmten Architekten Ernst Studer aus Zürich.

Die geschwungenen Linien und bauchigen Wände erinnern an ein UFO oder an Le Corbusiers Kapelle in Ronchamp. Vor allem die Innenräume mit den zahlreichen Seitenkapellen und den Oblichtern sind Ronchmp sehr ähnlich. Ganz anders als diese, ist die Kollegikirche aber nicht aus Beton. Nein, die Wände sind aus Backstein und das Dach ist eine Stahlkonstruktion.

Die Mönche sind längst weggestorben; deshalb wird heutzutage Kirche vor allem von Hochzeitspaaren und Architekturstudenten heimgesucht. Ein zauberhaftes Baudenkmal, fünfzig Jahre und kein bisschen alt.

26. Mai 2013

alleine reisen als Frau

Alleine reisen als Frau?
Davon liest man ja immer wieder. Aber ich glaub nicht, dass das für mich was wäre? Ausserdem mag ich weder hohe Schuhe noch Handtaschen, geschweige den Röcke - da habe ich einfach nicht die richtige Figur dafür. Wohl definitiv nix für mich.
.

25. Mai 2013

ich im chinesischen Fernsehen

Neulich besuchte ich doch „Oldtimer in Obwalden“. Dabei stolperte ich über ein Kamera-Team; Chinesen interviewten den OK-Chef. Ich schaute etwas zu und drängte mich dann wie zufällig seitlich ins Bild. Im Hintergrund, gleich neben dem Müller - ich will schliesslich auch mal im Fernsehen kommen.

Nun habe ich mir den Beitrag beim chinesischen Fernsehsenders CCTV angeschaut. Und was glaubt ihr, wen hat der Kameramann weggeschwenkt? Mich. Statt mir sieht man nichts als rechter Rand.
So ein Seich…
.

24. Mai 2013

Sarnen - der Hang rutscht, gefääährlich

Wenn ich zum Fenster hinaus schaue, sehe ich den Hangrutsch am Schlimbach. Seit mehr als zwei Jahren rutscht da die ganzen Landschaft talwärts. Das Land, der Wald, die Häuser; alles rutscht. Jeden Tag - unaufhaltsam.
Dem wilden Wetter trotzend bin ich mal wieder hin gegangen, um mir die Sache aus der Nähe anzuschauen - bevor alles unten ist.

Der Hang rutscht täglich zehn bis zwanzig Zentimeter weiter. Wie ein riesiges Schiff; 300 mal 700 Meter gross; 8 Millionen Tonnen schwer,  pflügt er durch talwärts. Am oberen Rand bilden sich dabei breite und tiefe Spalten, unten meterhohe Erdwälle. Dazwischen sieht man nicht allzuviel, bloss einige Runzeln und Risse im Erdreich.

Die Häuser surfen einfach mit. Blöd ist bloss, wenn eines ausgerechnet auf einer Bruchlinie steht. Dann rutscht die eine Haushälfte mit, während die andere stehen bleibt. Das Haus auf dem Bild reissts buchstäblich auseinander, der Anbau steht nun schon einige Meter entfernt.

Zurzeit sind Bauarbeiter damit beschäftigt, die Erschliessungsstrasse fahrbar zu halten. Man planiert die Stufen im Belag aus und rückt Brücken wieder zurecht. Und man versucht den Schlimbach soweit herzurichten, dass er auch einem künftigen Hochwasser standhalten kann. Die Schneeschmelze ist jetzt zwar überstanden, aber schon bald kommen ja die Sommergewitter.

Eine äusserst unschöne Sache! Aber so dramatisch es auch scheint, uns Einheimische ängstigt das kaum. Wir sind uns solche Hangrutsche gewohnt, denn es gibt sie immer mal wieder. Damit müssen wir einfach leben.
Das ist so wie mit einer Regenschauer; ärgerlich, aber es geht vorbei.

23. Mai 2013

blümerant, brohmsen oder reisemüde?

Heute, also eigentlich gestern, hat mich jemand gefragt, warum ich denn keine Reiseberichte mehr schreibe? Oder ob ich letztamend nicht etwa krank sei, bettlägrig odr so?
Nein, ich bin gesund – zumindest im landläufigen Sinn. Und schon bald gehen wir wieder Reisen. Und dann gibt es auch wieder frische Reisebericht. Etwa ab Mitte Juni fahren wir nach Lothringen, Belgien, Luxemburg und Deutschlandien.

Im Herbst möchte ich dann gerne nach Osteuropa fahren, zum Dracula und den Zigeunern. Und im November vielleicht wieder einmal in den Iran. Bahnfahren auf der Achse des Bösen. Da muss ich aber noch schauen, ob es klappt; terminlich und so. Wie auch immer, bald gibt es wieder fangfrische Reiseberichte

22. Mai 2013

rosa Affen

Neulich beglückte mich Frau G. mit einem IKEA-Besuch. Und wenn ich schon dahin muss, dachte ich mir, dann lieber gerne. Denn ungerne wäre mir zu blöd.

Also schlenderten wir durch das Möbelhaus und ich schaute gelangweilt nach dem Ausgang. Der regnerische Samstag hat viele Leute und Leutinnen angelockt. Zäher Kolonnenverkehr. Direkt vor uns zwei harte Kerle, beide üppig tätowierte und gepiekst. Lederjacken und Kampfstiefel. Sie diskutieren angeregt über „Einrichtungsgegenstände“. Finden dies und das „geil“ und ihr Einkaufswagen ist schon halbvoll damit. Beängstigend.

Als die Beiden kurz wegschauen um irgendwelche Kissen zu streicheln, greife ich mir so ein zartrosa Stofftier, wohl ein Affe, und werfe es in deren Einkaufswagen. Und dann stelle ich mir vor, wie die Kerle an der Kasse stehen. Und auf dem Band liegt der rosa Affe. Und beiden schämen sich ein wenig, weil sie denken, der andere kaufe sich einen rosa Stoffaffen. Wo sie doch zwei harte Kerle sind. Tätowiert und kampgestiefelt.
Mir wurde ganz warm ums Herz - wegen der Affen.
.

21. Mai 2013

wenn der BMW platzt

Ich erinnere mich noch ganz genau daran; damals, noch im bildungsfernen Vorschulalter. Damals stand ich staunend davor. Vor dem Auto vom Viehhändler. Das Auto war kugelförmig und der Viehhändler klappte die ganze Front mitsamt dem Steuerrad beiseite. Dann sass er wie ein König in seiner Isetta und plauderte mit meinem Grossvater über dies und das.

Seit dieser Zeit, wünschte ich mir sehnlichst, einmal in einer BMW Isetta zu sitzen. So wie damals der Viehhändler. Und jetzt ging mein Wunsch endlich in Erfüllung, ich durfte mich in eine Isetta setzen. Und dabei wurde mir schlagartig bewusst, dass ich seit damals merklich gewachsen bin. Und dass der Viehhändler wohl ein schmächtiges Kerlchen war. Jedenfalls füllte ich den verfügbaren Raum komplett aus. Das Steuerrad drückte eine tiefe Furche in mein Gedärm und meine Knie schabten an meinen Ohren.
Aber schöööön war’s.

20. Mai 2013

Föhn macht wild

Alle Jahre das gleiche Geschiss an Pfingsten: Das Radio meldet alle paar Minuten Staumeldungen, mieses Wetter und ein noch mieseres Fernsehprogramm, dann ausgiebiges Kirchengeläut und zum Abschluss noch einmal Staumeldungen. Das ist nichts für mich.

Der Föhn trieb Wolkenfetzen über den blauem Himmel, dann wieder Regen; also ideal für einen Ausflug zu unserer Alphütte.

Der Schnee ist geschmolzen und hat unzählige Mäusehaufen freigelegt. Die ersten Blumen blüteln hervor und die Bienen bestäuben schon eifrig. Jetzt ist es hier oben noch ganz ruhig, denn die Wanderer kommen erst in einigen Wochen. Und die Kühe auch.

19. Mai 2013

Sprichwort: s‘Rederli vom Seckel

Neulich beschrieb einer einen anderen mit den folgenden Worten: «Firnä Zwuräbätzler liäch sich dä äs Rederli vom Seckel abhoiwä». Sollte uns das nicht zu denken geben - ich meine ja.

Und die Übersetzung für Fremdsprachige: Für zwanzig Cent liesse der sich ein Scheibchen von seinem Gemächt abschneiden.
.

18. Mai 2013

Oldtimer in Obwalden

Heute und morgen findet, wie jedes Jahr an Pfingsten, das „OiO“ statt - „Oldtimer in Obwalden“. Am Samstagvormittag in Sarnen, am Nachmittag in Giswil treffen sich mehr als 500 alte Autos, Lastwagen, Busse, Töffs und unzählige Leute. Und das Beste ist, man kann die Autos nicht nur anschauen, sondern auch mitfahren.

Ach so! Ich bin auch wieder dabei. Wenn’s regnet erkennt man mich an meiner Hello-Kitty-Regenjacke. Und wer ag, kann mit mir zusammen eine Bratwurst futtern. Oder mich ein wenig streicheln...

Nachtrag: Heute ist wunderschönes Wetter und ich trage keine Regenjacke.

17. Mai 2013

Ausscheidungen von Malmö

Gestern Nacht setzte ich mich pflichtbewusst vor den Fernseher und schaute Malmö; die Ausscheidung zum „Eurovision Song Contest“. Beide Daumen fest gedrückt, deswegen sowieso unfähig zum umschalten. Also liess ich es laufen.
In den letzten Jahren glänzte der Schweizer Beitrag ja jeweils eher am Ende der Rangliste. Gaaanz am Ende. Bei denen mit "nüll points". Dieses Jahr soll das nun ganz anders werden. Besser, viiiel guter. Man hat nämlich eine Heilsarmee-Truppe zum mitmachen genötigt. So eine Hochzeitskapelle in Heiratsschwindler-Klamotten. „Takasa“ nennen sie sich; wohl aus Scham?

Und gestern Nacht war nun eben diese Ausscheidung zum „Eurovision Song Contest“. Der Mann im Fernsehen sagte: «...wichtig ist, was hinten raus kommt!». Und was hinten raus kommt, sieht vielleicht manchmal aus wie Schokolade – ist aber meist keine. Eigentlich nie.
Leider hat mich bereits noch vor dem Beginn der Veranstaltung eine komatöse Müdigkeit übermannt. Und deshalb habe ich leider den grandiosen Beitrag verschlafen. Aber ich bin mir sicher, wir gewinnen ja sowieso - zumindest die Herzen.

16. Mai 2013

Stahlrosse in Volgelsheim

Vor genau dreissig Jahren erblickte sie das Licht der Welt, die CFTR - „Chemin de Fer Touristique du Rhin“. Für uns Grund genug, die Bahngesellschaft in ihrem Depot heimzusuchen.

Die CFTR befährt die Strecke Volgelsheim – Marckolsheim. Aber nur gelegentlich und nur mit Touristen. Sinnlos schön.

Sechs Dampf- und acht Diesellokomotiven stehen im Depot herum. Vom Dampf-Schientraktor bis zur riesigen amerikanischen Diesellok ist alles vorhanden. Auch ein schöner Seilbagger und andere fossile Fahrhabe.

Die Werkstätten befinden direkt an der Schleuse zum Colmar-Kanal. Hier habe ich mir vor Jahren einen Rüffel eingefangen, weil ich mit dem Boot zu schnell gefahren bin; 8 statt der erlaubten 6 km/h. Ich bin ein Langsam-Raser.

15. Mai 2013

das Abenteuer Blutwurst

Wenn ich bisher eines ums verrecken nicht essen mochte, dann war das Blutwurst. Es liegt nicht am Geschmack, denn ich hatte ja noch nie. Nein. Es ist alleine die Vorstellung, woraus BLUT-Wurst hergestellt wird. Aus Blut. Und so.

Da ich keinesfalls einst unwissend sterben möchte, kaufte ich mir in einer französischen Charcuterie ein Stück „saucisson noir“ – Schwarzwurst. Nur so zum Probieren.
Und was soll ich sagen; schmecken tut sie gut. Würzig und herzhaft. Aber nein - ich esse auch künftig wohl keine Blutwurst. Das blutige Geheimnis graust mich weiterhin. Eigentlich Schade.

14. Mai 2013

gefangen im Elsass

Breisach. Gestern konnte ich im Baumarkt dann doch noch einen passenden Wasserhahn mit Auszugbrause kaufen. Ein knubbliges Ding namens „Tibio“. Ich wollte ihn gleich einbauen, doch dabei entdecke ich den Defekt am alten Wasserhahn; der Frost hat zwei Dichtungen rausgedrückt. Das lässt sich gut reparieren. Dicht - also bringe ich den hässlichen Tibio zurück in den Laden. Das Rückgeld investiere ich gleich in Diesel.

Wir fahren um den Kaiserstuhl herum. Eigentlich bloss ein Hügel, früher ein Vulkan, heute ein Weinberg. Dann über den Rhein und hinüber ins Elsass; nach Sélestat. Das Wetter ist trüb und das Städtchen auch. Obwohl – von früheren Besuchen wissen wir, hier kann es wunderschön sein. Heute ist's eher nass.

Wir sitzen im Wagon und erledigen Dinge. Wenn zwischendurch mal kurz der Regen nachlässt und etwas Sonne scheint, rennen wir nach draussen. Schlendern durch die Gassen. Strassencafé. Frühlingsgefühle. Dann beginnt es meist wieder zu regnen und wir verkriechen uns in den Wagon. Gepflegtes Nichtstun, schreiben, essen.

Am Abend fahren wir nach Kintzheim auf unsern gewohnten Übernachtungsplatz. Ein Festwagen mit einer Blasmusik oben drauf lässt uns eine örtliche Festivität vermuten. Von überall her eilen Familien dem Gemeindesaal zu. Sternmarschmässig. Die Jungmannschaft voraus rennend, die Herde stramm hinterher. Um uns herum füllt sich der Platz mit Autos, schon bald sind wir eingekesselt. Kein entkommen möglich.