20. Oktober 2014

Marokko: zahnlose Flöten und einfältiger Tee

Gegen Mittag machen wir uns auf den Heimweg. Zuerst fahren wir nach Westen und dann nach Aït Benhaddou. Das ist wieder so eine Stadt-Burg. Diesmal eine aus braunem Lehm und wunderschön am Fluss gelegen.

Nach dem obligaten Kaffee-Halt fahren wir weiter, nun gegen Norden und über das Atlasgebirge. Die Strasse windet sich ein Tal aufwärts. Auf gut 2‘200 Meter erreichen wir die Passhöhe des Tizi-n-Tichka.

Dann geht es wieder stetig abwärts. Jetzt hat es aber aufs mal wieder Weiden und Wälder. In einem Bergdorf tummeln sich maskierte Burschen auf der Strasse. Wir halten an und ich mache etwas Unsinn mit ihnen. Sie freuen sich sehr – auch übers Trinkgeld.

Kurz nach vier Uhr erreichen wir Marrakesch. Frau G. lotst mich geschickt auf die andere Seite der Altstadt. Hier kenne ich einen tollen Platz zum Übernachten, gleich hinter der Kutubiya-Moschee (N31.624164, W7.996244). Von hier spazieren wir in wenigen Minuten zum Djamâa el-Fna, dem berühmten Gaukler-Platz am Eingang zur Altstadt.

Wie immer herrscht reger Betrieb. Wasserverkäufer posieren für die Touristen und zahnlose Schlangen lassen sich beschwören. Die Musikanten trommeln und die Theaterleute schauspielern. Wir schauen zu und schlendern ein wenig durch die Gassen. Überall werden tolle Waren feilgehalten. Leder, Geschirr, Lampen, Schmuck. Wir kaufen nur gesalzene Mandeln und ich zwei Sorten Oliven.

Vom Platz her duftet es nach Essen, also nix wie hin. Gesottene Schnecken, gebratene Schafsköpfe, gebackene Fische. Wir essen an einer Garküche eine rote Harira-Suppe. Schmeckt eher etwas einfältig, aber nicht schlecht.

Gegenüber gibt’s roten Tee und braunen Kuchen. Der Tee bestehe aus einem Dutzend Kräutern und Gewürzen. Schmeckt sehr eigenartig und alles andere als gut. Den Kuchen-Knödel mag ich, Frau G. überhaupt nicht.

Im Mondschein schlendern wir die paar Meter zurück zu unserem Möbelwagen. Noch lange hören wir die Trommler vom Djamâa el-Fna.
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18. Oktober 2014

Marokko: Jesus, Gladiator und Obelix-Film

In Ouarzazate gibt es mehrere grosse Filmstudios in denen schon viele berühmte Filme gedreht wurden. Ben Hur, die Päpstin, Gladiator, Jams Bond, Jesus, Asterix und Obelix – sie alle waren schon hier.

Im Filmstudio selber schauen wir uns die Kulissen bekannter Filme an. Die Altstadtgassen von Tanger, viele ägyptische und ein tibetischer Tempel stehen hier. Das meiste aus Gips, Polyester und Holz.

In dieser ägyptischen Gasse beginnen morgen die Dreharbeiten für den neuen Hollywood-Film "King Tut". Eigentlich ist das alles streng geheim.

Dieses Flugzeug ist komplett aus Holzlatten und Gips und spielte schon in verschiedenen Filmen, zuletzt im James Bond.

In der Wüste hinter den Studios sind mehrere grosse Film-Kulissen versteckt. Die erste, die wir besuchen, ist eine Lehm-Stadt.

Unweit dahinter steht Mekka. Das Wetter hat schon heftig dran genagt, ein Eckturm ist bereits eingestürzt.

Etwas südlich steht diese Kulissen-Tankstelle. Alles wurde nach den Dreharbeiten stehengelassen, selbst die Inneneinrichtung das Tankstellen-Shops und die Autos sind noch da.
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17. Oktober 2014

Marokko: Ouarzazate hat geschlossen

Schon frühmorgens ist es warm. Frau G. hat fast vierzig Mückenstiche und der Muezzin ruft intensiver als sonst, denn heute ist Feiertag; Aid al Adha, das islamisches Opferfest. In den Dörfern sind die Leute grad auf dem Heimweg von der Moschee. Alle Männer weiss gewandet, die Frauen in bunten Tüchern und die Mädchen wie kleine Prinzessinnen.

Da und dort hängen schon die ersten Schafe kopfüber an Bäumen und bekommen das Fell abgezogen. Die Familie schaut zu und freut sich auf den Leckerbissen.

Da heute jeder zuhause bei der Familie isst, sind die Strassen leer und alle Geschäfte zu. Alles wie ausgestorben. Nach langem Suchen finden wir ein einziges offenes Café. Wir geniessen einen Milchkaffee – und dann fragt der Chef, ob wir eine Pizza möchten? Da können wir nicht nein sagen.

In einem Oued sehen wir Calatropis, so ein typischer Wüstenbusch aus der Sahara. Wenn man die fleischigen Blätter knickt, tropft milchiger, giftiger Saft heraus.
Später sehe ich noch ein paar junge Kerle mit einem "Land Rover", drauf stand gross geschrieben „Sand Lover“.

Am Abend fahren wir wieder auf den Campingplatz von Ouarzazate. Diesmal ist er gut besucht, eine französische Wohnmobil-Karawane lagert hier.

Dieter und Brunhilde, zwei alte Wüstenfüchse aus Berlin mit ihrem VW T3 Doka Synchro, sind da. Wir sitzen im Schatten und plaudern über früher und die Sahara. Und bekommen eine Wurst geschenkt – nochmals viiielen Dank dafür.
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16. Oktober 2014

Marokko: sonnige Aussichten

Nach dem nächtlichen Sturmregen ist es heute wieder strahlend sonnig. Wir frühstücken ausgiebig und erledigen einige Hausarbeiten. Obwohl Frau G. sich vor kleinen Tieren ängstigt, hat sie sich mit der Camping-Katze angefreundet. Sie füttert sie mit Schmelzkäse und nennt sie wegen ihres Schnäuzchens liebevoll „Hitler“.

Gegen Mittag verlassen wir den Campingplatz. Eigentlich wollen wir ins Draa-Tal ausflügeln, aber zuerst fahren wir nach Osten. Unweit von Ouarzazate entsteht zurzeit das weltgrösste Solarkraftwerk. Das müssen wir uns unbedingt ansehen. „Privatstrasse“ informiert uns ein Schild – also weiter. Nach sechs Kilometer kommen wir zur Baustelle.

Am Tor plaudern wir mit dem Wachschutz. Baustellenbesuch, Fotografieren, ja sogar blosse Anwesenheit seien verboten.
Das Baustellengelände ist viele Quadratkilometer gross. Hier sollen in den nächsten Jahren vier solarthermische Kraftwerke entstehen. „Noor1“ wird nächstes Jahr den Betrieb. Es wird 500‘000 Menschen mit Strom versorgen und weit über 500 Millionen Euro kosten.

Einer der Wächter leiht uns sein Fernglas, damit wir wenigstens von der weitläufigen Baustelle etwas sehen. In der Ferne die ersten installierten Spiegel und der Kraftwerksblock.
Das ganze Areal wird zusätzlich auch vom Militär bewacht, wir sehen überall in der Umgebung Panzer und Radaranlagen stehen.

Am Nachmittag rollen wir über einen Bergpass hinüber ins Valleé du Draa. Schroffe Geröllwüste. Dann mitten im Tal der Draa-Fluss, der auch tatsächlich Wasser führt. An seinen Ufern Gärten und Palmen soweit das Auge reicht. Und immer wieder Lehm-Dörfer.

Vor vielen Millionen Jahren schlurfte hier ein Dinosaurier durch den Morast. Seine schachtdeckelgrossen Füsse beeindrucken uns noch heute.

Nebenan hinterliess ein Dino-Kaninchen-Vieh seine Fussabdrücke, als es über den schlammigen Boden huschte.

Es ist 35 Grad heiss, kaum Leute unterwegs. Wir finden einen wunderschönen Übernachtungsplatz direkt am Flussufer und im Halbschatten einer kümmerlichen Akazie. Am Abend ruft irgendwo ein Muezzin sein Feierabendgebet. Lange sitzen wir draussen und schauen in den Nachthimmel. Wir sehen unzählige Sterne, zwei Flugzeuge und einen angefressenen Mond. Und um 20:10 die Internationale Raumstation ISS.
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15. Oktober 2014

Marokko: wer macht gubuuu-gu…

Die Morgensonne blinzelt durch einen Spalt in unseren Möbelwagen hinein – aufstehen. Wie jeden Tag gibt es zum Frühstück Brot, Kaffee, Konfitüre und Schachtelkäse.
Die Strasse durchs grosse Vallée du Dadès ist eigentlich recht langweilig. Aber ab und zu sehen wir im Palmenhain uralte Kasbahs; Adels-Paläste aus Lehm. Kurz vor Skoura wollen wir uns eine solche aus der Nähe ansehen. Die schmale Strasse endet nach einigen Kilometern an einem breiten Bachbett. Der Frau G. ist die kürzlich misslungen Flussüberquerung noch sehr präsent, deshalb ist sie wenig begeistert. Die Durchfahrt ist zwar recht ruppig, aber kein wirkliches Hindernis.

Mitten in den Palmgärten steht die Kasbah Ait Abou. Die Türme ragen hoch hinauf, aber die Tür ist abgeschlossen.
In den Bewässerungskanälen schnäbeln Ibisse und in den Palmen hocken Tauben und rufen immerzu: gubuu-gu gubuu-gu…

In Skoura ist heute Wochenmarkt. Alles ist mit Marktständen zugestellt. Ein wunderbares Gewusel, Geplapper und Geblöcke. Wir schlendern über den Hauptmarkt, schauen dies und das und kaufen Gemüse.

Ein verführerischer Duft lockt uns in ein Zelt. Ein Mann macht hier diese fettgebackenen Teigkringel – „Sfenj“ genannt. Wir setzten uns an den einzigen Tisch und geniessen die Backwaren zusammen mit einem süssen Pfefferminz-Tee.

Etwas ausserhalb von Skoura besuchen wir noch die Kasbah Amerhidil. Die Lehmburg steht direkt am Fluss und ist riesig gross. Und diesmal können wir sie auch von Innen besichtigen. Dicke Lehmwände und ein zentraler Lichthof. Viele Räume mit winzigen Fensterchen. Von der Dachterrasse haben wir einen grandiosen Ausblick auf die Palmgärten und den Fluss.

Die Kasbah Amerhidil ist übrigens auch auf dem 50-Dirham-Geldschein abgebildet. Wir verlassen die Lehmstadt und rollen nach Ouarzazate. Und hier direkt auf den städtischen Campingplatz. Zwischen alten Tamarisken finden wir einen schattigen Platz. Doch kaum sind wir hier, verdunkelt sich der Himmel gelbgrau. Donnergrollen, Windböen und Regentropfen.

Nebenan haust ein junges Pärchen aus Tschechien – ohne Zelt und gescheite Liegematte.
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