24. August 2016

einfach traurig schön

Als wir kürzlich ans Afrika-Treffen fuhren, kamen wir in Kerzers vorbei. Da erinnerte ich mich plötzlich, dass ich mir hier in Kerzers schon lange einmal eine bahntechnische Besonderheit anschauen wollte. Bloss konnte ich mich nicht mehr erinnern, was das genau war! Auf Gut-Glück fuhren wir an den Bahnhof, aber ich sah nichts Besonderes.
Zuhause sah ich dann nach: Am Bahnhof Kerzers kreuzen sich die Geleise der SBB Schweizerische Bundesbahnen und der BLS Lötschbergbahn. Was sich jetzt für manche eher wenig spektakulär anhört ist aber einzigartig.

Da wir nun schon mal hier waren, schaute ich noch beim ehemaligen „Bahnmuseum Kerzers-Kallnach“ vorbei. Alles zu - und vieles schon weg. Ganz einsam steht noch die Zahnrad E-Lok HGe 3/3 im Hof. Und daneben noch ein alter Schneepflug und einige Eisenbahnwagen. Und eine kleine Grubenlok. Und. Einfach traurig schön.

23. August 2016

im Glücksrausch

Das erste Halbjahr war für Frau G. ein wenig betrübt; sowohl gesundheitlich wie auch beruflich.

Doch jetzt hat sie ein vierblättriges Kleeblatt gefunden - was ja wohl nur eines bedeuten kann: Glück im Überfluss.
Also weniger für den vierblättrigen Klee, denn der liegt nun eingequetscht in einem dicken Buch und soll da vertrocknen.

22. August 2016

Flugmenschen über Lauterbrunnen

Das Lauterbrunnental ist nicht nur wegen der zahlreichen Wasserfälle bekannt. Die senkrechten Felswände locken auch allerlei Fallschirmspringer an. Die hüpfen von den Felsen und erfreuen sich kurzen freien Flug, bevor sie am Fallschirm sicher zu Boden gleiten.

Wir schauen den Basejumper zu. Vor der fünfhundert Meter hohen Felswand sind sie kaum zu sehen. Als winzige Pünktchen flitzen sie pfeilschnell durch die Luft. Wenn sich dann den Fallschirm öffnen, sieht es aus, als ob sie Notbremse ziehen und dann ganz ruhig zum Boden schweben.

Jedes Jahr springen alleine im Lauterbrunnental etwa 20’000-mal die Basejumper von den Felsen. Fast alle kommen unten heil an. Doch einige Dutzend „Abenteuersportler“ überlebten es nicht und pflatschten wenig würdevoll in Vorgärten und Kuhweiden. Grad letzte Woche wieder grad drei; einer im Lauterbrunnental und zwei bei uns zuhause.

20. August 2016

Jura: dör Pförd schaut

Als ich am Morgen aus unserem Möbelwagen hinausschaue, schaut mich ein Pferd an. Anscheinend teilten wir uns hier oberhalb von Les Verrières den Schlafplatz. Ich rede mit ihm, aber es versteht mich nicht. Klar - dör Pförd spricht französisch.
Gemütlich rollen wir durchs Val-de-Travers heimwärts; immer der Areuse entlang, die hier noch ein ruhiges Bächlein ist.

In  St-Sulpice will ich noch gschwind schauen, ob bei der dortigen Dampfbahn (n46.9084, e6.5668) etwas los ist? Nix besonderes. Doch dann entdecke ich am hinteren Ende des Depots eine mächtige französische Lokomotive von Schneider-Creusot. Sie ist eine der stärksten europäischen Dampfloks und gilt als der Höhepunkt des europäischen Dampflokbaus. Jetzt steht sie hier herum und wartet auf die Zukunft.

Das Val-de-Travers ist für seine „grüne Fee“ berühmt. Den Anis-Schnaps „Absinthe“. Berühmt ist das Zeug aber vor allem, weil es bis vor wenigen Jahren verboten war. Denn schmecken tut‘s wie Pastis, Ouzo oder Rakı. Oder wie "Pernod" – die Familie Pernod ging damals wegen des Verbots nach Frankreich und produzierte ihren beliebten Pernod dort.

In  Môtiers gibt es gleich eine Handvoll Absinth-Brennereien (n46.9103, e6.6117). Für erstaunlich viel Geld erwerben wir eine winzigkleine Flasche davon. Trinken will ich den Absinthe aber erst zuhause, da ich befürchte davon den Verstand zu verlieren. Oder mir wie damals van Gogh ein Ohr abzuhauen.

19. August 2016

Jura: der Canyon im Jura

Am Bahnhof von Noiraigue steht eine Info-Tafel. Eigentlich wollen wir schauen wie wir zum Creux du Van kommen, doch die Tafel lockt uns in die nahe Areuse-Schlucht.
Wir schlendern den Bahngeleisen entlang, und da kommt tatsächliche schon bald die Gorges de l'Areuse (n46.9499, e6.7489). Die Felsen rücken immer enger zusammen und der Bach wasserfällt in die Tiefe. Die Morgensonne glitzert durch die Baumkronen und auf den warmen Steinen sonnen sich Eidechsen. Schön hier.

Bei Travers zeigt ein Wegweiser links. Und schon wenige Kilometer später stehen wir zuoberst auf dem Creux du Van (n46.9310, e6.7234). Wie abgeschnitten fällt hier die Landschaft ins Bodenlose. Die Felsenkessel ist mehr als ein Kilometer lang und 500 Meter tief. Schaut aus wie ein Canyon.

Wir spazieren dem Rand entlang. Ganz weit unten sehen wir Wald und einige winzigkleine Häuschen. Und dazwischen die senkrechte Felswand.
Wenn man sich direkt an die Kante setzt, kann man die Füsse in der Luft baumeln lassen.

Nach dem Mittag kommen Gewitterwolken und wir fahren weiter. Wir brummen auf schmalen Nebenstrassen über die Jurahöhen. Alpweiden und Tannen, Pferde und Wanderer.

Ganz in der Nähe von Les Verrières entdecken wir einen hübschen Platz und beschliessen gleich hier zu übernachten. Der Gewitterregen ist bald vorbei und es sonnenuntergangt heftig und in allen Farben.