26. Mai 2015

Burgund: La Le Loue

Als ich frühmorgens um halb Neun aus dem Möbelwagen steige, empfängt mich ein wunderschöner Frühsommertag. Ich schlurfe ins Dorf hinüber und kaufe Brot. Dieses herrliche Baguette mit der knackigen Rinde und dem flauschigen Inneren – genau wie das Bäckerei-Froilein.

Heute wollen wir auf den kleinen Nebenstrassen bis in den Jura fahren. Wohin genau, wissen wir aber noch nicht.
Wir verlassen die Saône und das Burgund und reifeln nach Osten. Südlich von Dôle treffen wir auf die Loue, den schönsten Fluss der Gegend. Ihm wollen wir nun bis zur Quelle folgen. Zuerst kommt aber noch die königliche Saline in Arc-et-Senans (N47.0319, E5.7785).

Einst war das eine richtige Salzfabrik, wo das Salz aus dem salzhaltigen Wasser heraus gekocht wurde. Die Salzsiederei ist vor allem wegen ihrer klassizistischen Architektur bekannt. Strenge Anordnung im Halbrund, das Pförtnerhaus wie ein griechischer Tempel. Heute ist die Anlage bis zur Unkenntlichkeit restauriert.

In Quingey (N47.1031, E5.8835) setzen wir uns in ein Café und trinken solchen. Das Städtchen liegt sehr malerisch an der Loue und die Enten sind zutraulich. Ich füttere sie mit Unrat. Sie freuen sich und schnäbeln alles in sich hinein.

Die Gegend wird immer hügliger und die Loue fliesst in einem tiefen Tal. Wir schlendern quer durch den Wald zum „Belvédère de la Piquette“ (N47.06714, E5.99557) und ausblicken ins Flusstal hinunter. Tief unten sehe ich einen winzigen Menschen, der in einen ebenso winzigen Renault steigt. Wie im Miniaturland.

Etwas weiter, in Cléron, steht eine Burg (N47.08786, E6.05743) direkt an der Loue. Schaut richtig romantisch aus, wie sie sich im Wasser spiegelt. Weiter. Vorbei an der Wallfahrtskirche Notre Dames du Chênes (N47.11257, E6.10833), nach Ornans.

Auch Ornans liegt direkt an der Loue. Und hier ist vor knapp zweihundert Jahren der Maler Gustave Courbet geboren. Über ihn schreibe ich dann ein andermal noch etwas. Heute schauen wir uns erst einmal sein Geburtshaus (N47.10471, E6.14805) an. Das Museum hingegen sparen wir uns, das Wetter ist zu schön für Kultur.

Die Loue-Quelle (N47.01089, E6.29957) ist in einer Höhle, tief unten in einer Schlucht. Früher standen hier mehrere Mühlen, heute nur noch Ruinen. Wir geniessen die Kühle, bis uns der Durst heimwärts treibt.

Ganz in der Nähe von Pontarlier finden wir einen netten Stellplatz an einem Fischteich (N46.89831, E6.32012). Am Horizont stossen dunkelrote Wolken auf.
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25. Mai 2015

Burgund: Flussfahrt ganz ohne Schiff

Es ist schon einige Jahre her, seit wir das letzte Mal hier in Beaune waren. Ich kann mich aber bloss noch an einen Antikmarkt erinnern. Frau G. hingegen kennt noch jede Strassenecke. Wie dem auch sei, wir holpern mit dem Velo übers Kopfsteinpflaster und schauen uns das historische Stadtzentrum an. Prächtige Fassaden zeugen einstigen vom Wohlstand der Weinhändler.

Leider spielt heute das Wetter nicht recht mit, es ist wolkig und ganz schlechtes Fotolicht. Wir setzen uns in ein Strassencafé und schauen den Leuten zu. Schon jetzt am frühen Morgen sind mehrere Touristengruppen unterwegs, meistens Holländer.

Der Parc de la Bouzaise liegt ausserhalb der Stadtmauer. Ich habe gelesen, man könne da Kanu mieten. Es zeigt sich dann aber, dass es kleine grüne Ruderboote sind und der Vermieter abwesend ist. Also flanieren wir durch den Park und schauen Wasservögel und Fische an. Ganz nett hier.

Heute fahren wir ein wenig heimwärts. Weizenfelder und Weideflächen. Dann kommt doch noch die Sonne und dann Saint-Jean-de-Losne. Ein malerisches Städtchen an der Saône, nicht gross, aber ausreichend hübsch. Hier bleiben wir.

Auf der anderen Seite der Saône kuscheln wir uns neben die Schiffe (N47.09939, E5.26593). Wir lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen und geniessen die Wärme.

Beim Nachtessen sage ich zu Frau G.: «öööhm - man müsste mal wieder abwaschen».
Sie; «ja, ich hab‘s auch grad gedacht».
«mhhhmm?»
Also benutzen wir bis auf weiteres wohl unser Einweg-Plastik-Besteck
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24. Mai 2015

Burgund: warum nicht auch U-Boote bauen?

Früher war Chalon-sur-Saône weitherum bekannt für seine Schiffswerft. Die Giessereimeister Joseph-Eugène und Adolphe Schneider eröffneten hier im Jahre 1839 ihre Werft. Mitten in Frankreich, weit weg vom Meer! Schon zwei Jahre zuvor begannen sie im Nahen Le-Creusot mit der Eisenproduktion und dem Bau von Dampfmaschinen. Jetzt kombinierten sie die beiden Sachen und bauten Dampfschiffe aus Eisen.


Auf der Werft in Chalon-sur-Saône wurden einige hundert Schiffe gebaut, auch viele Kriegsschiffe und U-Boote. Die Werft wurde um 1940 geschlossen, man beschränkte sich fortan auf den Maschinenbau; bis 1984 ein Konkurs die Sache beendete. Auf dem riesigen Areal ist heute unter anderem die Universität.

Von der einst weltberühmten Schiffswerft konnte ich kaum noch etwas finden. Einzig einige Helling am Flussufer erinnern noch an die ruhmreiche Werft-Geschichte.
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22. Mai 2015

Burgund: genoppte und andere Türme

Der Regen ist vorbei, die Morgensonne glitzert durchs nasse Gebüsch. Ein letztes Mal frühstücken wir auf der „la-vie“. Es ist frühlingsmild und die Vöglein zwitschern emsig. Kitschig schön. Dann kommt der Schleusenwärter und Peti und Lucia müssen los. Wir helfen noch gschwind beim Ablegen und winken ihnen lange hinterher. Unsere schöne Zeit als Boots-Schmarotzer ist vorbei.

Auch wir verlassen Saint-Julien-sur-Dheune und fahren ins nahegelegene Le Creusot. Neben dem alten Bahnhof „Creusot ville“ bietet die Schnellesserei McDonalds Kaffee und freies Internet an.

Auf kleinen Nebenstrassen kurven wir genüsslich durch die burgundischen Hügel. Viel Landschaft, gelegentlich von Kühen bevölkert, meistens aber nur Blumenwiesen oder Getreidefelder. Schneeweisse Wolken trampeln auf dem blauen Himmel herum. Dann entdeckt Frau G. in der Ferne die Menhirsd'Epoigny (N46.87622, E4.53427). Die Steine wurden vor etwa vor 5‘000 Jahren aufgestellt. Von wem und warum weiss keiner.

In einem kleinen Städtchen machen wir Mittagsrast. Beim Übersichts-Spaziergang treffen wir auf einen hübschen mittelalterlichen Dorfplatz mit einer stämmigen Kirche mit genopptem Kirchturm. Auf der Rechnung des Strassencafés lese ich später, diese Ortschaft heisse Nolay (N46.95185, E4.63284).

Etwas später sehe ich aus einem Wald ein Märchenschloss hervorlugen. Also nix wie hin und angucken, Frau G. liebt ja solche Schlösser. Das Château de la Rochepot (N46.95939, E4.68131) stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert, wurde aber nach der französischen Revolution zerstört und diente dann als Steinbruch. Bis es vor gut hundert Jahren wieder nach dem damaligen Zeitgeschmack aufgebaut wurde. Heute sieht es schöner aus, als es je war.

Heute übernachten wir in Beaune. Ganz nahe an der Altstadt finden wir einen grossartigen Schlafplatz. Ein grosser leerer Platz direkt an einem Bächlein, unweit vom Parc de la Bouzaise. Die Grillen zirpen und das Wasser plätschert vor sich hin. Einen besseren Platz kann man sich kaum vorstellen.

Später am Abend kommt noch eine ungarische Familie mit einer Transe und übernachtet am anderen Ende des Platzes.
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21. Mai 2015

Burgund: der Kanal, das Velo und der Regen

Über Nacht ist es kalt und gräulich geworden. Die Wolken hängen tief über dem Hafen von Chagny und es riecht nach Regen. Heute wollen wir zeitig los, da heute ein langsames Hotelschiff bergauf fahren wird; und wir wollen unbedingt vor ihm sein.

Das nächste Teilstück des „Canal du Centre“ windet sich ohne Schleusen den Hügeln entlang. Im Tal unten sehen wir kleine Dörfer, manchmal lugt auch nur der Kirchturm ber die Baumkronen. An den Hügeln gegenüber wächst der bekannte Burgunderwein. Also eigentlich bloss die Trauben, aus denen sie dann den Wein herausquetschen.

Später drückt die Sonne durch die Wolken. Aber es bläst ein eisiger Wind, so dass wir lieber im Salon sitzen und die Gegend durch die Fenster anschauen. Das Schiff hat nämlich zwei Steuerräder, eines oben auf der Dachterrasse und eines drinnen im Wohnzimmer. Finde ich überaus praktisch, sowas hätte ich auch gern.

Am Mittag legen wir in Saint-Léger-sur-Dheune an. Eigentlich wollen wir ins Gasthaus, doch das schaut so eigenartig ungemütlich aus, dass wir lieber auf dem Schiff essen. Als am Nachmittag der Nieselregen vorbei ist, satteln Frau G. und ich unsere Velos und radeln nach Chagny zurück. Nach dem neulich bemägelt wurde, wir seien zu faul, müssen wir halt nun bei Regengefahr radeln. Der Weg führt auf der ganzen Strecke dem Kanal entlang. Das heisst, er ist völlig eben, bloss bei den Schleusen geht es jeweils einige Meter bergab.

Kurz vor dem Ziel beginnt es wieder zu tröpfeln, aber nicht schlimm. Jedenfalls erreichen wir trocken unseren Wohnauto. Wir fahren einkaufen und dann nach Écuisses zum Kanal-Museum (N46.76766, E4.52822). Inzwischen stürmt und regnet es. Statt zu museumsen, sitzen wir im Möbelwagen und warten auf die Sonne. Der Regen prasselt aufs Dach, wir dösen und lesen.

Schlussendlich fahren wir in den Hafen von Saint-Julien-sur-Dheune, wo auch Lucia und Peti übernachten. Wir auch (N46.77443, E4.54399), direkt daneben.
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