So wie Narva der östlichste Punkt unserer Baltikumreise ist, so ist der äusserste Zipfel der Halbinsel Pärispea der nördlichste. Nördlich davon ist nur mehr dieser „Finnische Meerbusen“. Der Anblick hat mich schon ein wenig ernüchtert: Recht viel Meer, sehr wenig Busen. Nur Wasser und Steine.
Auf der Halbinsel wartete einst die Rote Armee auf einen Feind. Überall sehen wir die Hinterlassenschaften der Sowjetarmee. Verfallene Militäranlagen und bemooste Gemäuer. Richtige Geisterdörfer mitten im Wald.
Wer mich ein wenig kennt, ahnt es vermutlich. Tote Häuser ziehen mich magisch an. Erkunden, suchen, stöbern...
Wir streifen durch die Wälder und be-suchen die weitherum verstreuten Anlagen. Frau G. verbirgt geschickt ihre Begeisterung für solche Expeditionen. Ich frage sie: «Gefällts dir?». Sie sagt: «mhm-m»; und schaut mich mitleidvoll an...
Wir übernachten neben einem alte Wachturm, direkt am Meer. Das Wetter hier im Norden ist sehr wechselhaft. Jede Stunde ein anderes. Was noch dazu kommt; es ist fast immer hell. Jedenfalls nie richtig dunkel. Sonnenuntergang ist etwa abends nach zehn.Und um vier morgens sonnte es schon wieder. Nicht unpraktisch.
Ein Bergler auf Abwegen. Der Schweizer Weltenbummler, Klugscheisser und Sapperlot berichtet von weltweit und zuhause. Ein Reiseblog.
14. Juni 2012
13. Juni 2012
Baltikum: Narva ist schön hässlich
Schon mehrmals hat man uns gesagt; hier im Baltikum sehe es überall gleich aus. Das stimmt natürlich überhaupt nicht. Wobei - die Landschaft ist schon eher überschaubar. Viele Wälder, viele Felder und ganz wenig Leute.
Der Peipsi See ist gross wie ein Meer. Am anderen Ufer drüben ist Russland. Und am hiesigen Ufer wohnen fast ausschliesslich russischstämmige Esten.
Das Frauenkloster von Kuremäe liegt ganz malerisch auf der einzigen Hügelkuppe weit und breit. Die die russisch-orthodoxe Kirche steht mitten in einem Garten. Darum herum die übrigen Klostergebäude. Bäume, Blumen, Nonnen.
Narva liegt direkt an der Grenze zu Russland. Der Fluss Narva trennt die Stadt vom russischen Iwangorod gegenüber und eine einzige Brücke verbindet die beiden Länder. Allerdings brauchen alle ein Visum und müssen durch strenge Kontrollen.
Links ist die Hermanns Festung in Estland, rechts die Festung Iwangorod in Russland. Russland ist keine zweihundert Meter entfernt, aber für uns unerreichbar.
Irgendwo habe ich gelesen, Narva sei die hässlichste Stadt der EU. Ich kenne hässlichere - aber auch schönere!
Wir haben/hatten einen wunderschönen Übernachtungsplatz mit Blick auf den Fluss und so. Und dann kamen in der Abenddämmerung, und die ist hier im Norden spät, ein Rudel autovernarrten Jungmänner und übten im Kreis fahren. Wir zügelten drum in ein Wohnquartier. Ohne schönen Ausblick, aber ruhig.
Der Peipsi See ist gross wie ein Meer. Am anderen Ufer drüben ist Russland. Und am hiesigen Ufer wohnen fast ausschliesslich russischstämmige Esten.
Narva liegt direkt an der Grenze zu Russland. Der Fluss Narva trennt die Stadt vom russischen Iwangorod gegenüber und eine einzige Brücke verbindet die beiden Länder. Allerdings brauchen alle ein Visum und müssen durch strenge Kontrollen.
Links ist die Hermanns Festung in Estland, rechts die Festung Iwangorod in Russland. Russland ist keine zweihundert Meter entfernt, aber für uns unerreichbar.
Irgendwo habe ich gelesen, Narva sei die hässlichste Stadt der EU. Ich kenne hässlichere - aber auch schönere!
12. Juni 2012
Baltikum: wir hätten einen Elch gesehen…
Die Landschaft in Estland ist nicht viel anders, als die vorherige. Viel Wald und wenige Dörfer. Und grandiose Wolken am Himmel. In diesen einsamen Wäldern soll man Elche sehen können. Wir haben geschaut; und wären welche da gewesen, wir hätten wir Elche gesehen.
Vor der Markthalle von Tartu steht stattdessen ein Schwein. Das Bronzeschwein soll uns an all die schmackhaften Sachen erinnern, die Schweine uns hergeben.
Etwas südlich von Tartu befindet sich das Estländische Flugzeugmuseum. Es zeigt viele Flugzeuge aus den Zeiten des Kalten Krieges. Die meisten sogar im Originalzustand und nicht aufgehübscht und neu angemalt, wie so oft. Sogar eine Mirage aus der Schweiz ist da.
Tartu ist eine grosse Stadt, und ganz gemütlich. Wir haben uns etwas Architektur angeguckt. Zum Beispiel das schräge Haus am Fluss. Es erste von sechs geplanten Wohnhäusern in einem neuen Quartier.
Den „Schneckenturm“ (Tigutorn), über 80 Meter hoch und so etwas wie das neue Wahrzeichen der Stadt. Dann den „Flachmann“, ein flaschenförmiges und chromglänzendes Bürohaus beim Busbahnhof.
In der Altstadt steht ein weiteres schiefes Haus, ein klassizistisches. Sein Fundament ist schon während der Bauzeit einseitig abgesunken und so steht es nun völlig schief zwischen den Nachbarhäusern.
Auf dem Domberg stehen die Ruinen eines Domes aus dem 13. Jahrhundert. Mächtige Pfeiler und Bögen aus Backstein ragen in den Himmel. Keine Fenster und kein Dach und trotzdem bezaubernd schön.
Heute war ich wegen meines platten Reifens beim Pneuflicker. Reifen von der Felge, kontrollieren, Ventil ersetzen und alles wieder montieren – € 6.65. Ich hoffe nun, dass er jetzt wieder dicht ist.
Das Wetter ist jetzt wieder weniger nass, aber es ist immer noch kühl. Heute habe ich sogar eine Biene mit Pelzmantel gesehen.
Vor der Markthalle von Tartu steht stattdessen ein Schwein. Das Bronzeschwein soll uns an all die schmackhaften Sachen erinnern, die Schweine uns hergeben.
Etwas südlich von Tartu befindet sich das Estländische Flugzeugmuseum. Es zeigt viele Flugzeuge aus den Zeiten des Kalten Krieges. Die meisten sogar im Originalzustand und nicht aufgehübscht und neu angemalt, wie so oft. Sogar eine Mirage aus der Schweiz ist da.
Tartu ist eine grosse Stadt, und ganz gemütlich. Wir haben uns etwas Architektur angeguckt. Zum Beispiel das schräge Haus am Fluss. Es erste von sechs geplanten Wohnhäusern in einem neuen Quartier.
Den „Schneckenturm“ (Tigutorn), über 80 Meter hoch und so etwas wie das neue Wahrzeichen der Stadt. Dann den „Flachmann“, ein flaschenförmiges und chromglänzendes Bürohaus beim Busbahnhof.
In der Altstadt steht ein weiteres schiefes Haus, ein klassizistisches. Sein Fundament ist schon während der Bauzeit einseitig abgesunken und so steht es nun völlig schief zwischen den Nachbarhäusern.
Auf dem Domberg stehen die Ruinen eines Domes aus dem 13. Jahrhundert. Mächtige Pfeiler und Bögen aus Backstein ragen in den Himmel. Keine Fenster und kein Dach und trotzdem bezaubernd schön.
Heute war ich wegen meines platten Reifens beim Pneuflicker. Reifen von der Felge, kontrollieren, Ventil ersetzen und alles wieder montieren – € 6.65. Ich hoffe nun, dass er jetzt wieder dicht ist.
Das Wetter ist jetzt wieder weniger nass, aber es ist immer noch kühl. Heute habe ich sogar eine Biene mit Pelzmantel gesehen.
11. Juni 2012
Baltikum: unknuspriges Wetter und Schnitzel
Lettisch ist für uns eine ungewohnte Sprache. Wir verstehen gar nichts, und ich kann bloss ein einziges lettisches Wort: „karbonade“ – Schnitzel. Ich habe es mir mühsam beigebracht und heute will ich meine neuen Fremdsprachenkenntnisse anwenden. Und zwar in Cėsis, einem kleinen Städtchen etwas im Abseits.
In der Gaststätte sage ich stolz „karbonade“. Das Froilein nickt zufrieden - und bringt etwas später ein Etwas. Müdes Tiefkühlgemüse mit zwei schwarzbraunen Dingern obendrauf. Keine knusprig, kein mmhm - KEIN Schnitzel! Die Konsistenz erinnertes mich an meine gestrigen nassen Schuhe. Und der Geschmack ist auch vergleichbar.
Nach dem „Essen“ schauen wir uns noch ein wenig in Cėsis um. Es ist ein wenig hübsch und hat eine Burgruine und einen Ententeich im Park. Dann beginnt es wieder zu regnen; und wir fahren weiter.
In Strenči finden wir am Fluss einen guten Übernachtungsplatz. Die Sonne scheint und es ist herrlich hier. Für Stechmücken und die Landjugend scheint es zu kühl zu sein. So haben wir unsern Platz für uns ganz alleine.
10. Juni 2012
Baltikum: flache Berge mit einer Seilbahn
Nach einer verregneten Nacht zeigt sich der Morgen recht sonnig. Doch schon bald drängeln sich wieder schwarzgraue Wolken am Himmel.
Sigulda ist weitherum als Ferienort berühmt. Hier gibt es eine richtige Bobbahn und ein lebloses Riesenrad. Und, obwohl weit und breit kein Berg ist, eine Seilbahn. Sie führt über eine Schlucht und ist mehr als ein Kilometer lang. Drüben sind ein Schloss, eine Ruine und einige Höhlen zu besichtigen. Dazu eine „Quelle der Weisheit“. Auf der Überfahrt ist einer dabei, der sollte dort unbedingt mal vorbei schauen.
Das Schloss ist keines, sondern ein angejahrtes Ferienheim. Und dann beginnt es wieder zu seichen und wir seilbahnen zurück.
Kaum drüben angekommen, scheint wieder die Sonne, als ob nichts gewesen wäre. Alle halbe Stunde Wetterwechsel - na gut.
Auf einem Parkplatz sehe ich ein Weltreise-Fahrzeug. Silvia und Christof (www.mankei-travel.com/), sie sind damit auf Weltreise. Während meines Besuches bei ihnen, beginnt es erneut heftig zu regnen. Wohlerzogen wie ich nun mal bin, habe ich meine Schuhe draussen vor der Tür stehen lassen. Jetzt fühlen sie sich an wie eine Hundezunge.
Am Abend bemerke ich, dass ein Hinterrad immer mehr Luft verliert. Ich rufe die Pannenhilfe in Genf an - mal schauen ob das klappt? Nach knapp einer Stunde kommt tatsächlich ein lettischer Pannenhelfer und wechselt mein Rad. Ich hätte nie gedacht, dass mein Schutzbrief mal für etwas gut sein könnte. Ist er aber doch.
Sigulda ist weitherum als Ferienort berühmt. Hier gibt es eine richtige Bobbahn und ein lebloses Riesenrad. Und, obwohl weit und breit kein Berg ist, eine Seilbahn. Sie führt über eine Schlucht und ist mehr als ein Kilometer lang. Drüben sind ein Schloss, eine Ruine und einige Höhlen zu besichtigen. Dazu eine „Quelle der Weisheit“. Auf der Überfahrt ist einer dabei, der sollte dort unbedingt mal vorbei schauen.
Das Schloss ist keines, sondern ein angejahrtes Ferienheim. Und dann beginnt es wieder zu seichen und wir seilbahnen zurück.
Kaum drüben angekommen, scheint wieder die Sonne, als ob nichts gewesen wäre. Alle halbe Stunde Wetterwechsel - na gut.
Auf einem Parkplatz sehe ich ein Weltreise-Fahrzeug. Silvia und Christof (www.mankei-travel.com/), sie sind damit auf Weltreise. Während meines Besuches bei ihnen, beginnt es erneut heftig zu regnen. Wohlerzogen wie ich nun mal bin, habe ich meine Schuhe draussen vor der Tür stehen lassen. Jetzt fühlen sie sich an wie eine Hundezunge.
Am Abend bemerke ich, dass ein Hinterrad immer mehr Luft verliert. Ich rufe die Pannenhilfe in Genf an - mal schauen ob das klappt? Nach knapp einer Stunde kommt tatsächlich ein lettischer Pannenhelfer und wechselt mein Rad. Ich hätte nie gedacht, dass mein Schutzbrief mal für etwas gut sein könnte. Ist er aber doch.
9. Juni 2012
Baltikum: Pfützen hüpfen in Lettland...
Das barocke Schloss Pilsrundāle liegt bereits in Lettland und soll überaus prächtig ausgestattet sein. Und die Sonne scheint – noch. Deswegen will Frau G. den Palast besuchen. In der Tat, das Anwesen ist beachtlich! Allein die Gartenanlagen sind einen Besuch wert.
Während Frau G. ohne mich durch die prunkvollen Räume schlendert, erledige ich Hausarbeiten. Ich sitze am Compi und esse Kekse. Nach zwei Stunden kommt sie freudenstrahlend zurück. Es sei schön gewesen.
Nicht weit vom Schloss liegt das Städtchen Bauska. Besonders schön ist es hier nicht. Eine Burgruine und viele banale Wohnhäuser, ein grosser Kreisel und einige Einkaufszentren. Mehr nicht. Halt – doch, es gibt noch etwas Sehenswertes. Unter einer Eiche liegt ein müllcontainergrosser Stein. Darauf sollen einst „Zar Peter I.“ und „König August der Starke“ gepicknickt haben. Wir sind überwältigt!
Am Stadtrand von Bauska befindet sich das „Motor-Muzeum“, eine Sammlung historischer Autos und Maschinen. An der Kasse sage ich wie gewohnt „grüezi“. Die Kassenfrau auch - sie spricht Schweizer Mundart!
Die Ausstellung ist ganz gut. Es sind einige seltene sowjetische Fahrzeuge zu sehen. Und ein einziges in Lettland gebautes Auto; eines aus Plastik.
Zudem gibt es hier einen interaktiven Führer. Immer wenn ich über die Absperrkette klettere, kommt er näher und schaut mich skeptisch an. Uns hat es gut gefallen.
Es beginnt wieder zu regnen. Wir fahren noch bis nach Lielvārde um am See zu übernachten. Wir kommen flott voran, denn es hat fast kein Verkehr. Allerdings auch fast kein Asphalt...
Die Landschaft hier ist nicht viel anders als drüben in Litauen.
Nicht weit vom Schloss liegt das Städtchen Bauska. Besonders schön ist es hier nicht. Eine Burgruine und viele banale Wohnhäuser, ein grosser Kreisel und einige Einkaufszentren. Mehr nicht. Halt – doch, es gibt noch etwas Sehenswertes. Unter einer Eiche liegt ein müllcontainergrosser Stein. Darauf sollen einst „Zar Peter I.“ und „König August der Starke“ gepicknickt haben. Wir sind überwältigt!
Die Ausstellung ist ganz gut. Es sind einige seltene sowjetische Fahrzeuge zu sehen. Und ein einziges in Lettland gebautes Auto; eines aus Plastik.
Zudem gibt es hier einen interaktiven Führer. Immer wenn ich über die Absperrkette klettere, kommt er näher und schaut mich skeptisch an. Uns hat es gut gefallen.
Es beginnt wieder zu regnen. Wir fahren noch bis nach Lielvārde um am See zu übernachten. Wir kommen flott voran, denn es hat fast kein Verkehr. Allerdings auch fast kein Asphalt...
Die Landschaft hier ist nicht viel anders als drüben in Litauen.
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