27. Juli 2015

Skandinavien: Stavanger mag uns

Novemberwetter, neblig und kühl - kurzschwänzig würden wir zuhause dazu sagen. Wir legen zeitig ab und fahren nach Stavanger. Alle warnten uns, es gäbe in Stavanger keine Parkplätze, nur Einbahnstrassen und Sackgassen. Wir fahren deshalb mitten hinein und parkieren direkt vor dem Rathaus. Nur wenige Schritte vom historischen Hafen und den alten Holzhäusern entfernt.

Wegen dem trüben Wetter wirkt alles etwas öd. Zudem scheinen die Norweger eher lange zu schlafen, denn jetzt vor dem Mittag ist sozusagen niemand unterwegs. Nicht einmal Touristen.
Wir schlendern durch die Altstadt. Zwischen Neubauten stehen alte Handelshäuser aus Holz. Manche mit schicken Restaurants im Erdgeschoss, oder mit Design-Läden. Wir sehen viele schöne Dinge.

Aber insgesamt hat der Öl-Reichtum dem Stadtbild nicht besonders gut getan. Viele banale Bürohäuser und protzige Hotels drängeln sich zwischen die wenigen Altstadthäuser. McBurger und die immer gleichen Modeläden dominieren die Hafenpromenade. Aber sonst ist es hier eigentlich sehr nett.

Unter der Altstadt verbirgt sich ein eher flacher Hügel. Oben auf dem höchsten Punkt steht ein alter Wachtturm. Einige alte Kanonen protzen mit ihren strammen Rohren. Doch es ist weit und breit kein Feind in Sicht - vielleicht tun sie hier sprichwörtlich mit Kanonen auf Spatzen schiessen?
Im Felsen tief unter dem Turm verbirgt sich ein Parkhaus, das zugleich auch ein Schutzraum ist. Dicke Türen und Schilder mit Verhaltens-Hinweisen verströmen den Charmes des Kalten Krieges.

Nach zwei Kaffees für weit mehr als zehn Franken fahren wir nach Sola und besuchen das „Flyhistorisk Museum“ (N58.8983, E5.6317). In einem alten Hangar stehen mehr als dreissig Flugzeuge. Darunter einige wirkliche Raritäten; aber davon berichte ich vielleicht ein andermal.

Die nächsten Tage wollen wir der Strasse Nr. 13 folgen. Es regnet heftig. Die Strasse ist schmal und kräuselt sie sich über die Hügel. In Høle soll uns eine Fähre über den Høgsfjorden bringen. Doch die Kassenfrau sagt; «heute geht nix mehr, die Fähre ist defekt». «Und morgen?». «mmhm - nej!»
Grummel - also bleibt uns nichts anderes übrig, als nach Stavanger zurückzufahren und die Fähre nach Tau zu nehmen; 70 Kilometer Umweg.

Die Fähre ist nicht nur gross, sondern auch unglaublich schnell und wendig. Die Überfahrt dauert kaum mehr als eine Viertelstunde. In Tau stauen sich die Autos aus der Gegenrichtung bereits mehrere Kilometer. Wir aber haben freie Fahrt. In Årdal machen wir Feierabend und übernachten gleich neben der Kirche. Es regnet und regnet und der Nebel schleicht um die Berge.

25. Juli 2015

Skandinavien: Schiffe vergraben?

Schon in Dänemark, und noch vielmehr hier in Norwegen, liegt auf fast jedem Kreisel-Rondell ein alter Anker. Warum, frage ich mich, vergraben sie ihre alten Schiffe im Verkehrs-Kreisel? Und warum lassen sie den Anker aus der Erde schauen?

Nur mal so: Wäre es andersherum nicht viel hübscher?

24. Juli 2015

Skandinavien: Gnappistein und Bus-Kultur

Grau statt blau. Die Wolken hängen bedrohlich tief am Himmel, es schaut nach Regen aus. Während Frau G. sich kultutbeutelt, mache ich Frühstück. Es gibt wie jeden Tag Pulverkaffee, Brot und eine reiche Auswahl von Köstlichkeiten aus dem Kühlschrank. Heute; Käse mit Speckgeschmack aus der Tube. Schon erstaunlich, was die hiesigen Kühe können!

Irgendwo im Niemandsland sehe ich einige Oldtimer-Busse stehen. Gleich hin und anschauen. Die Busse sind aus den 1960-er Jahren. Genauso wie der Besitzer, der auf einmal neben mir steht. Mächtig stolz erzählt er mir die Geschichte eines jeden einzelnen Fahrzeuges – auf Norwegisch! Ich verstehe Volvo, Scania und „Veteranbussklubben SamSør-Agder“.

Unser nächster Halt ist das Städtchen Flekkefjord. Der Ortsteil Hollenderbyen ist wegen seinen weissen Holländer-Häusern bekannt. Dicht gedrängt stehen sie um den Hafen und warten auf die Ausflügler. Jetzt am Vormittag sind wir noch ganz alleine hier.

Ab nun fahren wir auf der Nebenstrasse 44 weiter. Sie führt zwar der Küste entlang, aber vom Meer sehen wir kaum etwas. Dafür steile Berge und viele Birkenwälder. Und manchmal weit unter uns im Regendunst einen Fjord. Grossartig und unbeschreiblich schön.

Unterwegs ausflügeln wir in ein Seitental hinein und schauen uns den Ruggesteinen (N58.3505 E6.3433) an. Der 70 Tonnen Brocken lässt sich von Hand hin und her kippen. Bei uns in Obwalden heissen diese „Gnappisteine“.
Weiter geht’s auf und ab. Die Strasse schlängelt sich um Felsnasen und durch Tunnels. Als wir in Egersund ankommen, regnets immer noch. Ideal für ein ausgiebiges Nachmittagsschläfchen in unserem Möbelwagen.

Gegen Abend bessert sich das Wetter, die Sonne scheint zaghaft, aber es bleibt kalt. Das Städtchen gibt nicht viel her und es sind kaum Leute unterwegs. Zwei Pubertiere schleppen einen riesengrossen Fernseher durch die Gassen - geklaut? Einige Frauen mit Blumen im Haar biegen kichernd um die Ecke – sonst ist niemand zu sehen.
Wie hausen am Hafen (N58.4541 E6.0021).

23. Juli 2015

Skandinavien: Norwegen ist Gudbrandsdalsost

Schon um fünf Uhr morgens glitzern die Wellen in der Morgensonne. Es ist mild und ein frisches Lüftchen weht. Ich spaziere barfuss über die Bootsstege und schaue nach Fischen. Keine da, aber das Wasser ist voller violetten und orangen Quallen. Bis jetzt dachte ich, die gibt’s bloss in den Tropen.

Nach acht verlassen wir Risør und dümpeln gegen Westen. Die Gegend ist unwirklich schön. Kleine rote Häuser stehen an tiefblauen Seen; wie in diesen Frauenfilmen. Strassenschildern versprechen Hirsche und Elche.
Die nächste Stadt ist Kristiansand. Gleich gegenüber vom neuen Kulturzentrum stellen wir uns an die Hafenmauer und warten auf besseres Fotolicht. Das kommt nicht und die Architektur bleibt im Schatten. Aber dann taucht direkt vor uns ein Helmtaucher auf. Was er da Unterwasser gemacht hat, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Sprachkenntnisse sind halt eben doch das Å und Ø eines jeden Weltreisenden.

Wir machen einen Stadtspaziergang und sehen Würdigkeiten an. Dann weiter bis nach Mandal, der südlichsten Stadt Norwegens. Hier haben sie ein brandneue Kulturzentrum. Erst grad fertiggeworden, ebenso die kühn geschwungene Brücke hinüber in die Stadt. Es gefällt uns hier so gut, dass wir beschliessen, gleich hier (N58.0247 E7.4555) zu übernachten.

Den ganzen Nachmittag lümmeln wir herum. Schlendern durch die einzige Altstadtgasse und kaufen dies und das. Braunkäse und Unbekanntes, aber Wurst gibt es hier keine! Es ist perfektes Ferienwetter; wunderbar sonnig, aber nicht heiss. Die Wellen plätschern an die Hafenmauer und die Segelboote klimpern im Wind.

Zum z‘Nacht versuchen wir „Gudbrandsdalsost“, den hier so beliebten Braunkäse. Der schmeckt so wie er heisst – eigenwillig. Und nach Karamell. Das ist bestimmt nicht der beste Käse, aber ich habe auch schon weitaus schlechtere gegessen.

22. Juli 2015

Skandinavien: wir fähren nach Norwegen

Hirtshals. Es stürmt und seicht die ganze Nacht. Ich kann kaum erkennen wo die Pfützen enden und das Meer anfängt. Als wir in den Hafen Hirtshals einfahren, landet auch grad unsere Fähre. Das Einchecken dauert keine zwei Minute. Alles ist wohl geordnet und bestens organisiert, das sollten sich die Genuesen mal abschauen!

Unsere Fähre „Stavangerfjord“ soll uns in viereinhalb Stunden hinüber nach Langesund. Wir fahren nicht etwa dahin, weil wir nach Langesund wollen, sondern weil es neulich beim Buchen die billigste Fährverbindung war. Das Schiff ist nagelneu und fährt mit Erdgas. Es hat vier Gasmotoren, jeder mit über 7‘000 PS.
Um neun legen wir ab und fahren hinaus in die grauschwarze Nordsee. Das Wasser kraust sich und die Luft sehr nass. Doch mit der Zeit bessert sich das Wetter und manchmal kommt sogar die Sonne. Nach dem Mittag tauchen am Horizont die ersten Berge auf und etwas später sind wir in Langesund und in Norwegen. Langesund ist eigentlich bloss ein Dorf, aber ein schönes. Die Häuser sind weiss, oder rot und höchstens zweigeschossig.

Ein Schwall Autos quillt aus unserer Fähre und flutet die einzige Dorfstrasse. Wir fahren direkt weiter nach Westen. Die Strasse schlängelt sich kurvenreich durch die Wälder. Manchmal ein kleiner See oder Bauernhof, dann wieder Wald. Und überall Felsen, jede Menge Fesen.

Schon bald biegen wir von der Hauptstrasse ab und fahren ans Meer; nach Risør. Das Dorf liegt ganz malerisch in einer Bucht. Alle Häuser sind weiss gestrichen. Ausser das Polizeigebäude, das ist gelb. Und gleich daneben finden wir einen wirklich zentral gelegenen Übernachtungsplatz. Direkt an der Hafenpromenade.

Diese Tage findet hier der grosse Kunsthandwerkermarkt statt. An zahlreichen Ständen präsentieren die Künstler vor allem Glas- und Keramikkunst, Mode und Schmuck. Frau G. bekommt sogleich Fieberwallungen und kann sich kaum sattsehen.

Heute essen wir vegetarisch; Chips und Cola. Ich habe Kopfschmerzen - ob wegen oder trotzdem weiss ich nicht - und lege mich ein wenig in unsern Möbelwagen. Als ich wieder aufwache ist es schon Abend.

21. Juli 2015

Skandinavien: das Ende von Dänemark

Aalborg liegt am Wasser – wir auch. Wir schauen vom Bett aus den Ruder- und Segelschiffen zu wie sie ausfahren. Zauberhafte Morgensonne, doch blaugraue Wolken jagen über den Himmel. Die Möwen fliegen hin und her und schreien. Im Wasser planschen handtellergrosse, violett glibberige Quallen.
Kaum sind wir unterwegs, verschwindet auch schon die Sonne hinter schmutziggrauen Wolken. Wir rollen übers flache Land, kaum Verkehr, viel Gegend. In der Nähe von Blokhus (N57.25488, E9.58014) fahren wir einige Kilometer direkt auf dem Strand. Der ist hart und glatt, fast wie eine Autobahn.

Weil das Licht so schön ist, fahren wir in Løkken noch einmal hinüber zum Strand (N57.3803, E9.7179). Hier hat es wieder zahlreiche freigespülte Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Schief und schräg liegen sie auf dem Sandstrand. Einige ragen weiteroben aus der Böschung; dort wo sie von der Wehrmacht einst hingebaut wurden, damals als der Strand noch weiter draussen war.

Wer es sich leisten kann, hat eine Badekabine am Strand. Kleine weisse Einzelzimmer-Holzkisten auf Kufen, brav nebeneinander und durchnummeriert – 485 gibt es allein hier in Løkken –- und sie dürfen nur im Sommerhalbjahr am Strand stehen. Im Herbst müssen alle wieder weg. Sonst nimmt sie der Sturm.

Unser Strandspaziergang endet im Regen. Und es regnet nicht von oben, sondern quer. Grad noch rechtzeitig erreichen wir unseren Messwagen. Bei Kaffee und Kuchen schauen wir zu, wie regenfest die Dänen sind.

Kurz vor Hirtshals schauen wir uns den alten Leuchtturm an. Der steht ganz malerisch auf einer Sanddüne hoch über dem Meer. Rundherum sind die Dünen ganz zerfurcht. Darunter verbergen sich an die siebzig Bunker aus dem letzten Krieg. Heute sind sie ein Freiluftmuseum.

Die Stadt Hirtshals ist eigentlich gar keine, eher ein hin geklatschtes Dorf am obersten Ende Dänemarks. Uns gefällt es von Beginn an; gemütlich und übersichtlich. Ich muss mir neue Hosen kaufen, weil meine aktuellen hinten gerissen sind. Ein Riss, gross genug um den Kopf durchzustecken. Meine Wahl fällt auf dunkelblaue, welche mir Frau G. entgegenstreckt.
Gleich nebenan bietet ein Lokal namens „Peking Grill“ dänische Speisen an. Wir essen eine Wurst mit Röstzwiebeln und süssen Gurken.

Als der Regen wieder etwas nachlässt, schlendern wir zum Hafen hinunter. Da sind - wenig überraschend – viele Schiffe. Fischkutter und Fähren. Nach Norwegen, Schweden, Island, den Färöer-Inseln und so.
Der Hauptbahnhof Hirtshals ist gleich nebenan und das nördliche Ende der Eisenbahn. Er hat aber bloss ein einziges Gleis – und zwischen dem einen Gleis und dem Bahnhof ein Gitterzaun! Ohne den Gitterzaun könnte man bestimmt wesentlich einfacher einsteigen. Wer weiss, vielleicht würden dann auch mehr Leute bahnfahren?
Wir übernachten gleich hinter dem Güterschuppen.

20. Juli 2015

Skandinavien: bei dän Dänen

Niebüll. Als ich um halb sechs aufstehe, ist es in der Stadt noch ganz ruhig. Und herbstlich kühl. Heute wollen wir zeitig los, denn bereits übermorgen fährt unser Schiff nach Norwegen; ganz oben in Dänemark. Kurz vor sieben sind wir über die Grenze und schon wenig später in Esbjerg. Die Stadt ist noch schlaftrunken, kaum jemand ist unterwegs.
Wir schauen ein wenig Architektur von Jørn Utzon an und brummen dann weiter nordwärts. Bei den „Menschen am Meer“ (N55.4877, E8.4114) machen wir kurz Halt, schauen übers graue Meer und trinken einen Kaffee. Es bläst ein eisiger Wind, es ist mehr als 20° kälter als die letzten Tage.

In Blåvand hat der Sturm an der Küste einige alte Wehrmachtsbunker freigespült. Die dicken Betonwürfel liegen nun direkt am Strand. Ein - ich glaube britischer - Künstler – hat sie zu Seepferden (N55.5492, E8.1104) umgestaltet. Oder vielleicht sind es auch Bunker-Esel, wer weiss das schon?
Es ist kalt und windig. Mich schaudert, als ich sehe, wie ein Däne im Meer badet. Der scheint ein ganz harter Hund zu sein – der völlig gefühllos.

Die Häuser ducken sich hinter die Sanddünen und tragen pelzige Dächer. Schön anzuschauen.

Die Landschaft ist malerisch und wenig besiedelt. Um die Bauernöfen herum stehen meist Bäume oder Gebüsch; und auch zwischen den Feldern und entlang der Strasse wachsen lange Hecken. Man meint, man fahre immerzu durch einen Wald, dabei ist alles fruchtbares Bauernland.

In Herning machen wir Mittagspause. Wir fussgängern durch die Fussgängerzone und schauen in Schaufenster. Am einzigen Grillstand erwerbe ich zwei „Pølser med brød“; Grillwurst mit Brot. Dazu gibt es verschiedene Saucen vom Senf-Euter.
Später setzen wir uns in die Stadtbibliothek und geniessen das schnelle Internet. Die Stadtbibliothek ist übrigens ein grossartiges Gebäude; eine umgebaute Fabrik oder so.

Wir reifeln weiter durch Dänemark obsi. Lieblich Landschaften und Backsteinhäuser. Heute übernachten wir im Hafen von Aalborg, ganz in der Nähe des Marinemuseums. Ich schaue über den Zaun und sehe wie die Kinder mit einem Weltkriegs-Torpedo Schaukelpferd spielen. Schwerter zu Pflugscharen, sozusagen.

18. Juli 2015

unsere Forschungsreise nach Skandinavien

Seit auf unserem Möbelwage „Labor“ und „Messwagen“ steht, werden wir dauernd gefragt, ob wir Forscher seien?

Und unser Schweizerkreuz deuten sie wie selbstverständlich als "Rotes Kreuz", obwohl die Farbe eindeutig nicht rot ist..

17. Juli 2015

Skandinavien: Möwen futtern verboten

In Brunsbüttel kommt schon die nächste Fähre; diesmal über den Nord-Ostsee-Kanal, direkt an der Elbmündung. Wir schauen noch ein wenig den Schiffen zu, dann fahren wir weiter. Wir müssen fahren, denn bereits in zwei Tagen fährt unser Schiff nach Norwegen – und dazwischen liegt noch ganz Dänemark.

Die Landschaft ist grossartig. Vom Wind zerzauste Felder, Deiche mit Schafen und kleine Dörfer. Über alldem der blaue Himmel mir lauter knubbeligen Wolken.
Irgendwann kommen wir zum Eider-Sperrwerk. Mit mächtigen Stahltoren versucht man hier die Nordsee von den Dörfern fernzuhalten. Wir steigen oben hinauf und werden vom Wind beinahe weggeblasen. Einzig den Möwen scheint der Wind zu gefallen. Sie fliegen hin und her und betteln bei den Touristen um Brosamen. Aber auf einem Schild steht: „Möwen futtern verboten“, jemand hat wohl die ü-Pünktchen abgeklaubt.

Wir übernachten in Niebüll, mitten in der Stadt. Neben uns haust eine Frau. Sie ist mit einem Fahrrad und –Anhänger unterwegs. Darin hat sie ihre gesamten Habseligkeiten verstaut. Sie sagt, sie verabscheue Staat und Gesellschaft, «lebe in völliger Freiheit». Wir hingegen sind sehr zufrieden mit Norddeutschland und geniessen die Abendkühle.

16. Juli 2015

Skandinavien: Osten liegt im Westen und die Freiheit im Norden

Hamburg. Der Himmel ist blau und die Luft kühl. Herrlich. Heute um halb neun wollen Simon und Lisa nach Helgoland segeln. Dann ist der Höchststand der Flut und ab dann fliesst das Wasser elbabwärts. Zudem soll laut Prognose ein kräftiger Ostwind wehen, also Rückenwind.
«… und was macht ihr, wenn der Wind von vorne kommt?» frage ich Simon. «Dann fahren wir halt mit dem arabischen Wind – dem Dieselmotor.»

Auch wir fahren elbabwärts. Die Landschaft ist flach und wirklich schön. Im Gebiet unterhalb von Hamburg wird viel Obst und Gemüse angebaut; jetzt sind grad die Kirchen und Erdbeeren reif.
Alle Häuser sind aus rotbraunem Backstein gemauert und haben üppig geschnitzte Haustüren. Von der Elbe sehen wir aber meistens nichts, sie verbirgt sich hinter einem haushohen Damm – hier Deich genannt.

Das Dorf Osten liegt an der Oste, und darüber fährt eine Schwebefähre. Ein monstermässiges Eisengestell überspannt den Fluss. Daran hängt eine Plattform und fliegt Leute und Fahrzeuge ans andere Ufer, und das ohne die Segelschiffe zu behindern. Doch heute gibt es hier keine Segelschiffe mehr, dafür gleich nebenan eine Strassenbrücke. Die Schwebefähre schwebt nur noch zum Spass.

Kurze Zeit später erwartet uns schon die nächste Fähre; Wischhafen – Glückstadt. Die einzige Möglichkeit zwischen Hamburg und der Nordsee über die Elbe zu kommen. Die Überfahrt geht zügig, ja sogar stürmisch. Die Wellen spritzen meterhoch.

15. Juli 2015

Skandinavien: keinen Hamburger, dafür Franzbrötchen

Hamburg. Gestern habe ich herumgefragt, was es denn in Hamburg für typische Essenwaren gäbe? Einer meinte; »ja, Hamburger! Äh - und Franzbrötchen». Also fuhren wir heute Morgen zur Bäckerei und kauften Franzbrötchen – ein feines Blätterteiggebäck mit Zimtzucker obendrauf.

Heute wollen wir Hamburg anschauen. Zum Glück ist ganz in der Nähe ein Fähranleger. Die Fähre fährt uns über die Station „Finkenwerder“ und weiter elbaufwärts bis zur Station „Museumshafen“. Es ist schon wieder brütend heiss. Zum Glück gibt es hier einige nette Gartenlokale. Wir setzen uns unter die Trauerweiden und geniessen Kaltgetränke und Ausblick auf die historischen Schiffen und den grossen Containerhafen gegenüber. Riesige Kräne angeln Container aus den Schiffsbäuchen. Immer und immer wieder.

Eine nächste Fähre bringt uns zur „Elbphilharmonie“. Einem Bau von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron; berühmt wegen dem kühn geschwungenen Dach und den ausufernden Baukosten. Nach bald zehn Baujahren scheint das Opernhaus nun doch langsam fertig zu werden. Zumindest die Baugerüste sind schon mal weg und man vervollständigt bereits an der Umgebung.

Gleich hinter der Elbphilharmonie beginnen die historische Speicherstadt und die nagelneue Hafen-City. Beide gefallen uns ausserordentlich gut. Grossartige Architektur mit schönen Details und schönen Leuten. In den Strassencafés sitzen Kunststudenten und innen.
Es ist grad Ebbe und die Kellergeschosse sind sichtbar, bei Flut steigt das Wasser dann aber um gut drei Meter. Das erklärt auch, weshalb alle Landungsbrücken schwimmen konstruiert sind und die Schiffe nicht einfach an der Hafenmauer anlegen.
Eine ältere Dame erzählt uns, dass sich in Hamburg sogar die Geburten nach Flut und Ebbe richten. Hamburger würden generell bei auflaufender Flut schlüpfen!

Wir schlendern flussabwärts bis zu den „St. Pauli Landungsbrücken“. Früher entluden hier die Schiffe Waren aus aller Welt, Tee, Tabak und so; heute nur noch Touristen aus aller Welt. Wir setzen uns in einen unscheinbaren Imbiss und futtern Krabbenbrötchen und Backfisch. Dazu ein „Mischmasch“, das ist Kola und Orangina gemischt – zuhause nennen wir das „Diesel“.

Unmittelbar neben den Landungsbrücken steht ein kreisrundes Haus, darin der Lift hinunter zum alten Elbtunnel. Der entstand um 1900 und verbindet unter der Elbe hindurch die Stadt mit den Schiffswerften gegenüber. Das war damals ganz besonders wichtig, weil es nur Fähren und keine Brücken gab – aber die Elbe regelmässig zufror. Dann kamen die zehntausend Hafenarbeiter nicht hinüber zu ihrem Arbeitsplatz. Heute ist das nicht mehr so, es gibt Brücken – und Arbeitslose.

Auf der Nachhause Fahrt beginnt es zu regnen, aber nur so viel, dass wir unser Zuhause einigermassen trocken erreichten. Der Himmel ist novembertrüb, aber es immer noch tropisch heiss. Ein Abendregen bringt dann etwas Abkühlung.
Wir übernachten noch einmal in Finkenwerder, wieder direkt an der Elbe.

14. Juli 2015

Skandinavien: Hannover, Ende gut?

Fast auf den Tag genau vor 15 Jahren war ich schon einmal genau hier. Hannover machte damals Expo 2000. Und wir genossen einige Tage die Weltausstellung – wunderschön. Jetzt will ich mal nachschauen, was aus den futuristischen Visionen von damals geworden ist.

Wir haben gleich hinter dem Litauen-Pavillon übernachtet. Am Abend hoppelten Feldhasen übers Gelände und ein Hannoveraner fuhr mit dem Töff hin und her, sonst war niemand da.

Das damalige Expogelände ist heute ein Messe- und Gewerbegebiet. Erstaunlich viele Ausstellungs-Pavillons stehen noch da. Manche unbenutzt und von Vandalen und Unkraut heimgesucht. Einst gutes Design und hochwertiges Handwerk, jetzt nur noch liebloser Gerümpel.

Auf dem Dach des Holland-Pavillons, da wo einst ein Sandstrand war, kuschelt ein Pärchen. Ich streife durch die Ausstellungsräume. Irgendwo steht: „gestalten wir die Zukunft“, jemand hat ein Hackenkreuz darüber gesprayt. Na dann! Bei den Spaniern wachsen Sträucher aus der Fassade und bei den Finnen ist im Innenhof ein Birkenwäldchen.

Eigentlich haben wir auch noch den Hermes-Turm und den Expo-Space anschauen wollen, aber wegen einer Veranstaltung war alles abgesperrt. Und es ist schon wieder heiss, deshalb fahren wir weiter. Die Luft über der Autobahn flimmert und dann stauen wir vierspurig. Wir fahren überland, rasten an einem Weiher unter Schattenbäumen.

Gegen Abend erreichen wir Hamburg. Hamburg-Finkenwerder; hier treffen wir Lisa und Simon. Ihr Segelboot steht hier und will abgeschliffen und neu gestrichen werden.
Am Abend gehen wir zum Griechen. Das Essen ist grandios, die Bedienung aber etwas – öööhm – herb.

Heute übernachten wir direkt an der Elbe. Die Schiffe fahren fast durch unser Schlafzimmer – grandios.

13. Juli 2015

Skandinavien: auch Deutschland ist schön

Punkt acht stopfen wir unsere Habseligkeiten in den Möbelwagen und fahren los. Heute wollen wir Strecke machen, wenn’s geht bis nach Hannover. Das sind fast 800 Kilometer Autobahn.

Am Mittag machen wir Rast in Wiesenloch, einem kleinen Städtchen mit einer ganz grossen Geschichte. Denn im August 1888 machte Bertha Benz mit dem soeben erfundenen Automobil eine Ausfahrt. Unterwegs musste sie tanken, da aber die Tankstelle noch gar nicht erfunden war, kaufte sie das Benzin in der Apotheke. Seither gild Stadt-Apotheke in Wiesloch als die erste und älteste Tankstelle der Welt.

Wir fahren weiter. Die Landschaft ist ländlich und richtig nett. Überhaupt zeigt sich Deutschland heute von seiner schönsten Seite. Selbst der Strassenverkehr ist erstaunlich vernünftig. Einzig um Frankfurt herum scheinen heute die irren Autoholiker Freigang zu haben. Es wird gerast und rechts und links überholt, als gäbe es morgen keine Autobahn mehr.
Es ist heiss und sie Sonne feuert grell vom Himmel. Regelmässig halten wir an Autobahn-Raststätten. Meistens konsumieren wir nichts, sondern geniessen bloss die Kühle der Klimaanlage. In der Fischbraterei „Nordsee“ nehme ich eine Handvoll Eiswürfel aus der Vitrine und stopfe sie mir in die Hosentaschen. Eine wunderbare Abkühlung.

Es dauert bis weit in den Nachmittag hinein, bis wir Hessen verlassen und Niedersachsen erreichen. Hügelig hier und viel Gegend ennet den Leitplanken. Hinter Kassel wird flacher; und die Ortsnamen seltsamer. Ein Dorf heisst „Gurkenhobel“, odr so.
Nach fast zwölf Stunden Fahrerei erreichen wir Hannover, also eigentlich Laatzen am südlichen Stadtrand, und einen netten Schlafplatz. Einige ahnen vermutlich schon, warum wir ausgerechnet hier gelandet sind.

11. Juli 2015

Sprichwort: mein Sommer

Noch ein Sprichwort zum aktuellen Achselschweiss:
«Unter meinen Achseln ist das ganze Jahr Sommer»
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10. Juli 2015

17 Wohn Mobil

Dieser kultige VW T2 fährt durch den norwegischen Spielfilm „Sønner av Norge“ – Söhne Norwegens. Diesen wunderbaren Film habe ich mir als Vorbereitung für unsere Skandinavien-Reise angeschaut.

Neben dem VW kommen auch noch ein nackiger Architekt und ein dreirädriges Mofa vor. Nun weiss ich alles über dieses Land da oben im Norden.