4. Oktober 2014

Marokko: Achterbahn in die Einsamkeit

Die Nacht war unruhig. Wobei – ich habe geschlafen. Aber Frau G. berichtet nicht nur vom Strassenlärm und Hundegekläffe, sondern auch davon, dass die halbe Nacht Haschisch-Händlern um uns herum schlichen. Und sie kein Auga habe zu tun können. Wie dem auch sei; nach einer heissen Dusche und einem heissen Kaffee verlassen wir zeitig unseren Schlafplatz.
Nach dem Bergpass geht die Strasse nicht etwa bergab, sondern der Krete entlang. Immer so auf 1‘600 Meter Höhe. Zedernwälder und Millionen von Kurven. Vereinzelt stehen noch Haschisch-Winker am Strassenrand, aber das Ärgste scheint vorüber zu sein.

Gegen Mittag erreichen wir Ain-Aisha. Die Berge und die Wälder sind nun hinter uns. Die Hügel sind jetzt sonnenverbrannt und gelbbraun wie Omeletten. Wir fahren auf einer kleinen Nebenstrasse quer hinüber in Richtung Taza. Obwohl unsere Strasse auf der Landkarte bloss ein dünner grauer Strich ist, ist sie doch asphaltiert. Zumindest mehrheitlich.

Kaum Häuser und so gut wie kein Verkehr. An einer Weggabelung setzen wir uns in ein Strassenlokal und geniessen den kühlen Schatten und den süssen Tee. Die Dorfstrasse ist wie ausgestorben, wohl grad Siesta.

Ich dachte die Hügel würden nun flacher, aber das Gegenteil ist der Fall. Es geht hinauf und hinab und hinauf. Wie auf einer Achterbahn. Dann aufs Mal eine ruppige Geröllpiste steil hinunter und über ein Bachbett ans andere Ufer. Nach wenigen Kilometern noch einmal ein Flusstal. Wieder eine lange steinige Abfahrt und dann einige hundert Meter übers Geröll ans andere Ufer.

Die Gegend ist so schön, dass wir beschliessen gleich hier zu übernachten (N34.4337, W4.4345). Im Schatten unseres Möbelwagens lässt sich gut lesen. Ein lauer Wind und manchmal etwas Vogelgezwitscher. In der Ferne schreit ein Esel. Sonst nichts. Schön hier.

Wie aus dem Nichts taucht ein Mann auf und schenkt uns Granatäpfel Trauben und Erdnüsse. Er hat ganz in der Nähe einen Garten, den wir erst sehen, als er uns zeigt wo. Wir dachten es sei ein Gestrüpp.

Es war schon lange dunkel, als die Polizei vorfuhr. Ein rundlicher Beamter sorgte sich um unsere Sicherheit hier draussen in der Wildnis. Deshalb notierte er alle Angaben aus unseren Pässen, ergänzte sie mit den Namen unserer Eltern und Grosseltern und einigen weiteren markanten Vorkommnisse unseres Daseins. Dann versprach er, er garantiere persönlich für unsere Sicherheit und verschwand dann munter winkend in der Dunkelheit.

3. Oktober 2014

Marokko: über die Haschisch-Berge

Über uns ein Regenbogen, welch eine nette Begrüssung. Hinter dem nächsten Hügel liegt Ceuta, eine der spanischen Enklaven in Marokko. Eine imposante Mauer hält die afrikanischen Flüchtlinge auf Distanz.
Wir fahren dem Meer entlang nach Martil und weiter bis nach Tetouane. Hier kaufen wir im „Marjane“-Einkaufsparadies Proviant ein. Und für jeden unserer Computer einen Internet-Stick. Die Strasse schlängelt sich durch die Hügel. Zedernwälder und kleine Dörfer.

Irgendwann erreichen wir Chefchaouen, das für seine blauen Häuser bekannt ist. Das Städtchen ist wesentlich grösser, als ich dachte. Und sehr hügelig und betriebsam.

Winklige Gassen, mal steil bergan, dann wieder treppab, gesäumt von Krämerläden. Alle Hauswände sind blau angemalt, in den Innenhöfen auch der Boden. Wir schlendern durch himmelblaue Gassen und schauen die feilgebotenen Waren an. Hochzeitkleider, Fladenbrote, geschnitzte Kommoden.

Am Hauptplatz gibt es einige Strassenkaffees. Wir setzen uns in den Schatten eines Baumes und bestellen ein Kefta-Brot und eine Limonade. Die Leute sind sehr freundlich. Uns gefällt es hier.

Gegen Abend fahren wir auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz etwas weiter. Da und dort winken Männer am Strassenrand und rufen «Haschisch». In den Rif-Bergen nichts Besonderes, man liest ja immer davon.
Wir finden bald einen recht schönen Übernachtungsplatz abseits der Strasse. Etwas später kommt ein Anwohner vorbei und erzählt uns, dies sei jede Nacht der Besäufnis-Platz der lokalen Jungmänner. Wir sollen uns doch lieber irgendwo im Dorf hinstellen.

Also fahren wir weiter. Immer mehr Haschisch-Männer winken uns zu. Und dann überholen uns auch Autos und die Beifahrer preisen ihre faustgrossen Haschisch-Knollen an. Andere fahren hinter uns her und lichthupen wie blöd. Als wir dann einen Konvoi von drei Haschisch-Autos anführen, wird es mir zu bunt. Ich halte an und bespreche die Sache mit den Händlern. Einer kapierte es nicht – und ich fotografiere ihn. Nun wird der fuchsteufelswild und schimpft wie ein Barbar. Wir fahren weiter und halten erst wieder bei einem Kaffee auf einem Bergpass an.
Kaum sitzen wir, steht unser Kifferfreund auch schon neben uns. Er wirkt eher etwas unzufrieden. Wir einigen uns dann darauf, dass ich das Foto von ihm lösche und er uns dafür jetzt in Ruhe lässt. Er ist seeehr erleichtert. Und ich bin froh, dass er in der Nacht nicht unser Auto vandalisiert.
Als wir unser Milchkaffee leer haben, ist es bereits stockfinster. Neben unserem Möbelwagen enttäusche ich noch gschwind einen letzten Haschisch-Fachhändler. Feierabend für heute.

Übrigens: Wer schon heute wissen will was morgen ist, kann bei Frau G. lesen, denn sie schreibt schneller und ist mir einen Tage voraus ...

2. Oktober 2014

Marokko: Afrika in Sicht

Morgenwolken statt Morgensonne. Unser Schiff pflügt mit 40 km/h durchs Mittelmeer, eine weisse Schaumspur und eine braune Rauchwolke hinter sich herziehend. Der Fahrtwind ist lauwarm und zerzaust mir mein Resthaar.

Unsere afrikanischen Mitreisenden sind ausserordentlich angenehm. Immer sehr höflich und hilfsbereit. Direkt vor unserer Kabine campiert eine ganze Familie auf dem Teppich. Tagsüber rollen sie ihren Hausrat sorgfältig zusammen und stapeln ihn hinter der einsamen Plastik-Topfpflanze. In der Nacht liegen sie eng aneinander gekuschelt wie Murmeltiere. Oder Elends-Flüchtlinge.

Den ganzen Nachmittag sitzen wir auf dem Oberdeck und schauen den Schiffen zu. Je näher wir Gibraltar kommen, umso mehr werden es. Frachter, Tanker, Fähren. Auf den Wellen bilden sich Schaumkrönchen und wir sehen die ersten marokkanischen Berge.

Kurz nach drei plärrt der Lautsprecher und wir müssen unsere Kabine räumen. Also setzen wir uns auf dem Oberdeck in den Schatten und lesen. Der Schatten wird länger und länger und dann taucht aus dem Dunst der Felsen von Gibraltar auf.

Pünktlich um halb sechs legen wir gegenüber in Tanger Med an. Im Schiffsbauch starten alle ihre Motoren und drängeln zum Ausgang. Wie immer ein heilloses Durcheinander. Wir kommen recht gut hinaus und auch die restlichen Zollformalitäten gehen zügig.

Um acht Uhr sind wir in Marokko und fahren noch einige Kilometer. Auf einer Bergkuppe finden wir einen angenehmen Übernachtungsplatz. Rotäugig versinkt die Sonne im Meer. Ein kalter Wind bläst. Wir sind müde und glücklich da zu sein.

1. Oktober 2014

Marokko: langsam viel Meer

Vor unserem Fenster schleicht der Horizont vorbei. Die Morgensonne ringt mit den Wolken – und verliert. Es ist ruhig, nur ab und zu schreit der Deckenlautsprecher mehrsprachig in unsere Kabine. Wir dösen oder tun nichts. Zwei Tage Schifffahrt stehen uns nun bevor.

Lange Korridore kriechen durchs Schiff. Irgendwo flackert eine Deckenlampe und in einer Wandnische langweilt sich ein Feuerlöscher. Manchmal hört man hinter einer Kabinentür ein Gemurmel. Ansonsten herrscht eine wunderbare Langeweile.

Als wir gestern im Hafen aufs Einsteigen warteten, waren wir kaum ein Dutzend Touristen. Alle anderen waren Afrikaner mit ihrem Hausrat auf dem Dach. Erst kurz vor der Abfahrt kamen dann noch fünf Reisebusse voller Senioren angebraust. Diese bevölkern nun das Schiff. Sie tragen beige Gesundheitslatschen und Bauchtaschen.

Bereits am Mittag zwischenlanden wir in Barcelona. Vorbei an gigantischen Kreuzfahrt- und Containerschiffen gleiten wir in den Hafen. Wir sitzen auf dem Oberdeck und schauen zu, wie die Bustouristen von Bord fahren. Jetzt hat es plötzlich überall wieder freie Stühle.

Den Nachmittag verbringen wir mit Dösen und Lesen. Das Schiff schnurrt derweilen wohlig vor sich hin. Am Abend müssen wir noch die marokkanischen Polizei- und Zollformaltäten erledigen. Wieder macht das Frau G. auf geniale Weise. Sie bildet eine eigene Frauen-Warteschlange und stellt sich an deren Spitze – und wird als allererste abgefertigt.

Am Abend essen wir im Restaurant; Frau G. ein Hühner-Etwas und ich den berühmten Tintenfisch-Salat. Na ja ...

30. September 2014

Marokko: aller Anfang ist öd

Morgennebel. Die Po-Ebene ist arschflach, Reisfelder und zittrige Pappeln. Die Autobahn zieht uns pfeifengerade nach Süden. Dann kommen erst die ligurischen Berge und kurz darauf Genuain Sicht. Ein Häuserbrei, der wie Schorf über die Hügel wuchert. Dazu ein unsägliches Gewirr aus Strassen und Brücken. Frau G. gefällt’s.

Im Hafen erledigen wir zuerst die Formalitäten. Also eigentlich macht das Frau G. Sie benutzt den „Frauenschalter“ - sie marschiert einfach der Warteschlange vorbei direkt zum Schalterbeamten vor. Keiner murrt.

Unser Fährschiff ist schon da. Es heisst „Fantastic“ und kalbt grad die letzten Autos. Wir warten geduldig. Rund um uns herum sind wieder diese üppig bepacken Kleinbusse. Auf den Dachträgern türmen sich mannshohe Packen mit Möbeln, Teppichen, Velos. Einer hat sogar eine komplette Badezimmerausstattung auf dem Dach, inklusive gebrauchter Badewanne und Klo.
Diese Hochstapler sind alles Marokkaner. Ich frage einen von ihnen, ob er das gewerblich oder privat mache. Er weiss es nicht, sagt er.

Es ist bewölkt und schwül. Manchmal bringt ein Windlein etwas Abkühlung und den würzigen Geruch von Pisse herbei. Schön hier.

Am späten Nachmittag beginnt das Einschiffen. Mehr als dreihundert Autos versuchen sich gleichzeitig durch ein einziges Tor in den Schiffsbauch zu drängeln. Stockend kommen wir voran. Auf der steilen Rampe hat einer Diesel verloren. Der betagte und deutlich überladene Transporter vor uns kommt nicht hoch, er rutscht auf der Schleimspur rückwärts und blockiert alles. Ein Stapler zerrt ihn dann ins Schiff hinein. Dann fahren auch wir an Bord.

Unsere Kabine hat die Nummer 7129 und ein Fenster. Sie ist schön und riecht ein wenig – öhm – abenteuerlich. Pünktlich um sechs fährt unser Schiff los. Genua verschwindet hinter uns in der Abenddämmerung.

29. September 2014

Marokko: unsere Afrika-Expedition am Po

Wir wollten dem Wochenend-Verkehr zuvor kommen und sind darum schon gestern* Abend losgefahren. Dem Gotthard-Stau können wir uns grad noch vorbeimogeln, doch im Gotthard-Tunnel gehen dann plötzlich alle Ampeln auf Rot. Mutterseelenallein stehen wir da mitten im Berg. Nach einer halben Stunde Pause dürfen wir weiterfahren – war bloss ein Pannenfahrzeug.

Ich bin übellaunig. Ich mag den Hafen von Genua nämlich überhaupt nicht. Früher bin ich jedes Jahr vier, fünfmal von da nach Afrika geschifft. Jedesmal der gleiche einfältige Papierkram und dieses chaotische Einschiffung. Es ist mir dermassen verleidet... Und jetzt muss ich wieder dahin! Nun denn.

Im Tessin regnet es und als wir die Schweiz verlassen ist es bereits dunkel. Wir fahren noch bis hinter Mailand, dann machen wir Feierabend. Wir übernachten direkt am Ufer des Ticino, gleich bei der Schwimmbrücke von Bereguardo.

Die Schwimmbrücke ist jetzt genau hundert Jahre alt und eine der wenigen in Europa. Die ersten Pontons waren noch aus Holz. Später wurden sie durch solche aus Beton ersetzt; einer liegt noch am Ufer, und nun sind sie aus Stahl.

*Übrigens: Wenn ich "gestern" schreibe, so ist das nicht gestern, sondern vor einigen Tagen. Oder letzte Woche....

27. September 2014

schräges Gefälle

Auf einer Skala von 1 bis 10; was ergibt 3 mal 7?
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26. September 2014

erogene Zone im Kühlschrank

Die Mortadella-Scheibe klebt an der Plastikfolie. Der Rand bräunlich verfärbt und leicht nach oben gewölbt, die Fettaugen ranzig und eingefallen. Ihr kennt das doch auch?

25. September 2014

die Berge brennen

Ich kann mir‘s nicht anders erklären; aber in der letzten Nacht müssen die Berge gebrannt haben. Die Gipfel sind weg und alles komplett verraucht.

Gut das es dann regnete, sonst wäre es jetzt hier ganz flach.
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24. September 2014

Tod auf der Dreisprachenspitze

Im Juni habe ich geschrieben, dass es im Ersten Weltkrieg bloss einen einzigen gefallenen Schweizer Soldaten gab. Nun bekam ich einen Hinweis auf einen Zweiten: Füsilier Georg Cathomas.
Er war auf der „Dreisprachenspitze“ in Graubünden stationiert. Genau hier an Stilfserjoch-Passhöhe verlief die Grenze zwischen dem Königreich Italien und der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Die Schweizer Armee besetzte das Hotel Dreisprachenspitze und verhinderte so, dass die beiden Kriegsparteien die Abkürzung über die Schweiz nahmen.

Das Hotel Dreisprachenspitze und eine österreichische Barracke. 
4. Oktober 1916 feierten die Österreicher den Geburtstag von Kaiser Franz Joseph I. Das nutzten die Italiener und schossen über das Schweizer Territorium hinüber zu den verfeindeten Österreichern. Zahlreiche Kugeln schlugen auch im Hotel Dreisprachenspitze ein.

Der 23 jährigen Füsilier Georg Cathomas schob grad Wache vor dem Hoteleingang. Ein Geschoss traf ihn und durchschlug seinen Oberarm und drang in den Brustkorb ein. Die ganz in der Nähe liegenden österreichischen Soldaten sprangen herbei und leisteten Erste Hilfe. Allerdings kam jede Hilfe zu spät, Cathomas verstarb auf seinem Posten.

23. September 2014

der Billig-Witz: mein Rossschwanz

Habe mal einen Rossschwanz gezeichnet. Einfach so - weil heute Herbst ist.

Und damit auch die Mädchen mal was zum gucken haben.

20. September 2014

Afrika - wir kommen

Als Einstimmung auf unsere nächste Marokko-Reise - Jasmin und Tee mit Pinienkernen.

Diese herrlich duftenden Jasmin-Sträusschen stecken sich die Männer hinters Ohr. So geschmückt schlendern sie dann durch die Gassen und machen einen auf tollen Hecht. Und riechen lieblich...

Demnächst geht's los.

19. September 2014

Sieg für den Flaschenpisser

Das Fussballspiel am vergangenen Samstag zwischen dem FC Baden und FC Muri erinnerte mich an den wunderbaren italienischen Film „Café Express“ (1980). Im deutschen Fernsehen lief er unter dem Titel „der Flaschnpisser“.

Der ganze Film spielt im Nachtzug 718 von Vallo della Lucania nach Neapel. Ein arbeitsloser Neapolitaner verdient sich im Zug seinen Lebensunterhalt mit dem illegalen Verkauf von Kaffee. Den Fahrgästen erzählt er allerhand rührige Geschichten, um sein Geschäft anzukurbeln. Dabei gibt es Ärger mit den Kontrolleuren, und einige Gaunern. Doch er kann sich immer wieder durchmogeln.
Um sein Kaffee-Geschäft zu unterbinden, pisst ihm ein "Konkurrent" in seine Thermoskanne. Er bemerkt es zu spät; doch die Fahrgäste sind ob des würzigen Kaffees begeistert...

Ein schöner Eisenbahnfilm, kann ich jedem nur empfehlen.

18. September 2014

warum ein Eselkopter

Es regnet und Frau G. beobachtet den Fernseher. Es läuft so ein – öööhm – Frauenfilm. Ihr wisst schon: Süd-England. Ein junger Landarzt fährt mit seinem RangeRover auf einer kurvigen Strasse. Ein Notfall. Es ist Nacht und der Regen peitscht. Eine junge Frau, grad frisch geschieden. Geigenmusik. Findelkind im Blindenheim. Aufopferungsvolle Hingabe und Tee trinken am Nachmittag. Noch mehr Geigenmusik. Jetzt ist auch noch das Pferd krank. Die Wolken treiben übers Land. Nun Geigenmusik und Flöte. Der Landarzt heilt das Pferd. Und rettet das blinde Findelkind. Abendwind. Innige Küsse auf den Klippen beim Leuchtturm. Sonnenuntergang. Die Flöte flötet erwartungsvoll...

Ich sitze da und grüble. Warum sitzt der Landarzt im RangeRover auf der falschen Seite? Warum küssen sie sich immer auf der Klippe? Wozu hat das Blindenheim Fenster - man weiss es nicht…

Und dann habe ich einen „Eselkopter“ gezeichnet. Wozu - man weiss es nicht.

17. September 2014

quer durch die Sahara

Früher war ich ja oft in der algerischen Sahara unterwegs. Und da begegneten uns auch immer mal wieder diese Riesen-Lastwagen von den Ölfeldern. Rote Kenworth 953 mit mannshohen Rädern, doppelt so gross wie die normale Lastwagen.

Als ich aber zum ersten Mal einem dieser Giganten begegnete, der die Container quer geladen hatte, staunte ich nicht schlecht.

16. September 2014

der Schumacher ist wieder zuhause

Neulich stand in der Zeitung, dieser Michael Schumacher sei nicht mehr im Spital und er wohne jetzt wieder zuhause.

Er werde aber wohl „nie mehr der selbe sein wie früher“. Öhmmm - kann man jetzt so sehen, oder so.

15. September 2014

ein Einhorn kommt selten allein

Als wir kürzlich im Frauenkloster St. Andreas waren, sah ich ein wunderbares Buch. „Historiæ naturalis de quadrupetibus libri“ - also das Buch der Naturgeschichte der Vierfüssler - aus dem Jahre 1650. Johannes Johnstonus beschreibt darin nicht weniger als fünf Arten von Einhörnern.

Johnstonus wollte damals nichts weniger als in fünf Büchern das gesamte Wissen über die Natur beschreiben. Er forschte aber nicht selber, sondern fasste die vorhandenen Bücher zusammen. Die Abbildungen der Einhörner stammen deshalb aus einem Buch vom Schweizer Naturforschers Conrad Gesner.

13. September 2014

das Ende ist Wurst

Wie sagt der Volksmund?

Alles hat ein Ende, auch die Wurst.

12. September 2014

Sahara, Sand und Abscheu

Die Sahara ist 9‘000‘000 Quadratkilometer gross und bietet daher reichlich Platz zum Reisen. Schroffe Gebirge, endlosgrosse Kiesebenen, alte Vulkane und vor allen Sanddünen. Wunderbare Gebilde mit allerhand Rippen und schwungvollen Kreten. Einfach herrlich.
Doch der Wüstensand hat auch seine Schattenseite. Mancherorts ist er puderfein oder ganz weich. Wer da reinfährt bleibt stecken.

Bildquelle: eTools
Um wieder weiterfahren zu können geht man folgendermassen vor: Man schaufelt krummbucklig den Sand rund um die Räder weg. Auch unter dem Wagenboden. Wenn das Auto tief eingesunken und der Sand puderfein ist, kann das etwas dauern. Dann schiebt man ein Sandblech - ein gelochtes Alublech – unter jedes Rad.
Jetzt teilen sich die Aufgaben von Fahrer und Beifahrer. Der Fahrer gibt ordentlich Gas und versucht loszufahren. Nach eineinhalb Meter sind die Sandbleche zu Ende - wenn der Schwung jetzt ausreicht, nicht mehr anhalten, bis man eine feste Stelle erreicht. Die kann schonmal einen halben Kilometer weit weg sein. Der Beifahrer gräbt derweilen die Sandbleche aus und schleppt sie hinterher.
Oft bleibt das Auto aber schon nach Ende der Sandbleche wieder stecken. Oder es drückt die Sandbleche hoch und sie verkeilen sich unter dem Wagenboden. In diesem Fall wiederholt man die vorige Prozedur. Oft mehrfach, manchmal sehr oft mehrfach.
Mit etwas Übung geht es dann aber besser. Vor allem lernt man den weichen Sand zu umfahren - und zu hassen.

PS: Wenn man ein Auto schieben will, unbedingt drauf achten, woran man schiebt...
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11. September 2014

mein Auto hat ein Auaaa

Neulich bekam ich einen Brief von Toyota Ich müsse in die Werkstatt kommen. Man sei sich nicht sicher, ob sie bei meinem Auto damals die Lenksäule angeschraubt hätten.

Das ist jetzt bestimmt schon das vierte Mal, dass mein Auto zurückgerufen wird. Einmal war die Bremse kaputt, dann brannte die Fahrertür und jetzt wollen sie die Lenkung anschrauben. Eigentlich finde ich es ja nett, dass sich die Toyotanesen so um mein Auto kümmern. Aber so langsam glaube ich, die machen das bloss, um mir die neuen Prospekte in Auto legen können. So nach dem Motto: kauf dir endlich ein neues Automobil, bei der alten Karre fällt ja schon fast das Lenkrad ab...
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10. September 2014

ein Platz an der Nonne

Hinter hohen Mauern und mitten in Sarnen steht ein Kloster - das Frauenkloster St. Andreas. Die Klosterfrauen leben hier in Klausur; also ausschliesslich innerhalb der Klostermauern. Sie kommen nicht heraus und niemand kann hinein. Eigentlich: Doch kürzlich durften Frau G. und ich einen Blick ins Kloster werfen.

Das Benediktinerinnenkloster besteht schon seit ungefähr 984 Jahren. Vor 499 Jahren zügelten sie nach Sarnen und seither sind sie ein fester Bestandteil des Dorfes.

Noch vor wenigen Jahrzehnten lebten fünfzig Frauen in der Klostergemeinschaft. Heute sind es noch neun; acht alte und eine junge. Und wie schon so oft ist die Zukunft wieder einmal ungewiss.

9. September 2014

Koffer packen, dann aber richtig

Darüber, wie man seinen Koffer richtig packt, wurde schon viel geschrieben. Ich zeige euch mal, wie ich das mache. Abgesehen davon, dass ich selten einen Koffer benutze, packe ich meine Kleider in mehrere Stoffsäcke. In einen kommen die Hosen, in einen die Schlafkleider, in eine die Schmutzwäsche und in einen die Unterwäsche und Hemden - zu einer Wurst gerollt

Portionsweise verarbeite ich je ein T-Shirt, eine Unterhose und ein paar Socke zu einer Kleiderwurst. Aufeinander legen - einfalten - einrollen und die beiden Socken drüber stülpen; ganz einfach.
Wenn ich länger verreise und mit dem Flieger zurück fliegen muss, lasse ich eine meiner Kleiderwürste vakuumieren. So braucht sie kaum Platz und die Kleider bleiben sauber und trocken.

8. September 2014

ein Berg rutscht nach Giswil

Durch den Nebel hörte ich ein dumpfes Grollen, an diesem 8. September 1986. Kurze Zeit später sagte jemand, auf der Brünigstrasse habe es einen Bergrutsch gegeben. Ich fuhr hin. Aufs Mal verschwand vor mir die Strasse und die Landschaft in einem haushohen Haufen aus Felstrümmern, Dreck und zerquetschten Bäumen. Es roch nach Erde und überall lag schuhtief grünes Laub.

An diesem Vormittag hat sich ohne jede Ankündigung ein Hang gelöst und ist ins Tal hinuntergestürzt. 1,5 Millionen Tonnen Material donnerten gut 300 Höhenmeter hinunter und rissen die Bahnlinie weg und verschüttete die Strasse.
Augenzeugen berichteten von verschütteten Fahrzeugen. Eines fand man ziemlich bald; ein Toter und ein Schwerverletzter. Den vermissten Lastwagen fand man etwas später; der Fahrer war tot. Von einem dritten Auto fehlte lange jede Spur, bis es sich dann glücklicherweise als Irrtum herausstellte.

Eine der beiden Eisenbahnbrücken fand man etwa zweihundert Meter weiter unten, die zweite wurde nie mehr gefunden.
Bereits drei Wochen nach dem Bergrutsch eröffnete man die eiligst erstellte Ersatzstrasse, mehr als ein Kilometer lang und zweispurig. Und nach drei Monaten war auch die neue Bahnlinie mitten durch das Rutschgebiet wieder aufgebaut.

Heute, 28 Jahre später, sieht man von damaligen Bergrutsch bloss noch die Anrissstelle. Der Schuttkelgel ist längst wieder im Wald verschwunden.

6. September 2014

Zimmerbrand oder Erdbeermilch

Gestern hat es im Nachbarhaus gebrannt. Dunkelschwarzer Rauch quoll aus dem Fenster. Jetzt ist die erdbeermilch-farbige Fassade stellenweise antikrosa.
Sieht jetzt irgendwie schöner aus...

5. September 2014

Wolf im Schafspelz

Seit damals ein Wolf dieses Rotkäppchen gefressen hat, weiss man um seine Gefährlichkeit.

Ich zitiere mal aus dem Protokoll:
«Aber Großmutter, was hast du für ein grosses Maul?»
«Damit ich dich besser fressen kann.»
Also - nehmt euch vor dem Wolf im Schafspelz in acht.

4. September 2014

über 172 Milliarden geschenkt

Wenn man bedenkt – jede Nacht bekommt jeder Erdenmensch frische 24 Stunden geschenkt. Bei 7,2 Milliarden Menschen sind das über 172 Milliarden Stunden, oder umgerechnet 19‘726 Jahre. Und das jede Nacht!

Schier unglaublich - mir gibt sowas zu denken.

3. September 2014

Linz: Kaiserschmarrn an der Autobahn

Die Morgensonne wirft das Vorgangmuster auf die Wand. Aufstehen. Ein letztes Mal quer durchs Frühstücksbuffet futtern – und dann um halb neun nachhause fahren. Autobahn abraspeln.

Vor Salzburg ist Stau. Als wir ankommen, sind schon viele Autos da. Manche Fahrer telefonieren, andere bohren in Gesichtsöffnungen oder blicken stoisch geradeaus. Ich schaue zu . "Teilnehmende Beobachtung“ würde der Soziologe dazu sagen.

Am Mittag kehren wir unterwegs in einem Gasthof ein. Das Tagesmenü ist aus, also essen wir Kaiserschmarrn mit Ribiselmarmelade.

Dann brummen wir weiter heimwärts. Frau G. fährt, ich döse. Kilometer um Kilometer verschwindet die Strasse unter unserem Auto. Endlos sausen Lärmschutzwände vorbei. Über den Bergen blähen sich Gewitterwolken auf. Innsbruck, dann durch den Arlberg, dann acht Minuten Liechtenstein. Dann die Schweiz.
Nach 670 Kilometer erreichen wir gegen Abend unser Zuhause. Schön war's.