22. Mai 2014

Weissrussland: die Klodeckel-Mütze sagt nein!

Borisov. Wies scheint liegt das alte Borisov am östlichen Ufer der Berezina. Jedenfalls sind da eine grosse orthodoxe Kirche, ein grosser Markt und viele buntangemalte Häuser aus dem 19. Jahrhundert. Schaut aus wie in Weissrussland.

Wir schlendern zwischen den Marktständen umher und beschauen die feilgebotenen Waren. Kartoffeln, Spielsachen, Schnaps, Gartenwerkzeug, Unterwäsche – einfach alles. Ich möchte eine Bratwurst, gibt es aber hier keine.

Es beginnt wieder zu regnen. Unsere Reisegruppe beschliesst in einem Shoppingcenter Schutz zu suchen. Ein riesiger Einkaufspalast. Die langen Regale platzen fast vor lauter Waren. Ich kaufe mir eine Wurst im Teig – besser als nichts.

Während Frau G. sich im Hotel entspannt, schlendere ich zum Bahnhof, Züge gucken. Es ist viel Eisenbahnverkehr und ich mache schöne Fotos von den exotischen Zügen. Auf einem Abstellgeleis fotografiere ich einen Bau-Zug mit einer M62. Und dann fährt ein neuer Stadler Flirt aus Schweizer Produktion ein. Und dann ein Fernzug nach Moskau. Und dann - kommt ein Uniformierter mit einer klodeckelgrossen Mütze und einem ernsten Gesicht. Pantomimisch erklärt er mir, dass es verboten sei Züge zu fotografieren; und ich nun die Bilder löschen müsse. Was ich natürlich verstehe, da könnte ja jeder kommen und ...

Als wir am Abend am Bahnhof vorbei fahren, fotografiere ich aus Trotz einen Güterzug mit Militärfahrzeugen drauf. Ha – das hat er nun davon, der Mützenmann. Ich hab sein Geheimnis gelüftet; die Armee fährt mit dem Zug.

21. Mai 2014

Weissrussland: Schicksal an der Beresina

Borisov. Die Nächte hier im Norden sind recht kurz, am Morgen ist jedenfalls immer schon taghell. Wie das hier im Hotel mit dem Frühstück geht, wissen wir nicht. Vermutlich hat man uns das gesagt, aber wir verstehen dieses Weissrussen so schlecht.

Wir erahnen aber, was die Kellnerin fragt und ich antworte: ääähm - zwei Kaffee und etwas zu futtern. Sie nickt und kurze Zeit später bekommen wir Spiegeleier mit Speck und Dill. Dazu einige Käsebrote und Kaffee. Perfekt. Fremdsprachenkenntnisse werden vielleicht doch überbewertet.

Das Wetter bessert sich allmählich und so fahren wir quer durch die Stadt zum nagelneuen Fussballstadion. Das liegt wie eine silberne Blase mitten im Wald. Geplant von slowenischen Architekturbüro OFIS, 13'000 Sitzplätze und sehr interessant anzuschauen.

Der Grund, warum wir ausgerechnet in Borisov halt machten – ihr ahnt es – ist ein anderer, nämlich die Beresina. Dieser Fluss spielt in der Schweizer Geschichte eine tragische Rolle.
Nur kurz die Geschichte dazu: Um 1800 herum war die Schweiz von Frankreich besetzt. Für Napoleons Russlandfeldzug musste sie deshalb Soldaten liefern. Die Grande Armée kämpfte sich dann quer durch Europa bis nach Moskau. Dort gewannen aber dummerweise die Russen die Oberhand und Napoleons Armee musste flüchten. Ende November 1812 erreichte sie die Beresina. Die Schweizer Regimente deckten hier den Rückzug der französischen Armee. Fast keiner von ihnen hat das überlebt. Am Ende kamen nur etwa 400 von den ursprünglich 8‘000 Soldaten zurück in die Heimat.

Heute erinnern verschiedene Denkmäler an die Toten von damals. Zuerst besuchen wir einige am westlichen Ufer. Viel Granit und Inschriften.
Wir fahren weiter nach Norden. Strassendörfer mit bunten Häusern, ab und zu eine Kirche. Dann über die Beresina hinüber zu einem weiteren Denkmal.

Die Beresina ist noch ein völlig naturbelassener Fluss. Zahllose Flussarme schlängeln sich durch das flache Tal. Schilf und Sandbänke, Frösche und Fischer. Ein richtiges Paradies.

20. Mai 2014

Weissrussland: Grenzerfahrung

Vilnius. Die ganze Nacht hat der Regen ans Fenster geprasselt, wunderbar geschlafen. Das Frühstückbuffet ist ein Rechtsdreher und eine Insel. So kommen der eingelegte Hering und der Vanillekuchen direkt nebeneinander zu liegen. Schmeckt wunderbar, beides.

Zum Glück liegt unsere Autovermietung direkt neben dem Hotel. Wir werden da sehr nett bedient und bekommen einen feuerroten Ford irgendwas. Um zehn Uhr fahren wir los in Richtung Grenze. Die ist nicht weit weg und es sind kaum andere Autos da. Die Ausreise geht dementsprechend zügig.

Nach einigen Hundert Meter durchs Niemandsland erwarten uns die weissrussische Einreise; und eine laaange Autokolonne. Wir rücken schrittweise vor, dann kommt ein Grenzer und wir zeigen unser Eishockey-Tickets - und er schickt uns ganz nach vorne. Einreisezettel ausfüllen und den Pass zeigen und fertig. Kein Visum, kein Stempel, keine Pflichtversicherung, gar nix. Wir sind in Belarus.

Auch in Weissrussland regnet es. Die Strasse ist breit und zieht schnurgerade durchs Land. Um uns herum ist viel Gegend.
In der ersten Ortschaft wollen wir Geld wechseln und Kaffee trinken. Das Café hat zu, aber der Geldautomat schiebt 1,2 Millionen Rubel aus der Ritze. Nun sind wir Millionäre.

Fast alle Häuser stammen aus der 1950-er Jahren, keine sind älter - liegt wohl am letzten Krieg. Alles ist gross; Strassen, Plätze, Pfützen. Aber kaum Leute; vermutlich wegen des Regens.
Die Sache mit dem Kaffee trinken erledigen wir in der nächsten Stadt. Statt Kaffee gibt’s Limonade und dazu Teigröllchen mit Pflaumenmus drin, oder so was.

Da wir so zügig über die Grenze gekommen sind, beschliessen wir, heute noch bis Borisov zu fahren. Das liegt hinter Minsk und ist noch gut 100 Kilometer entfernt.

In Borisov quartieren wir uns im Hotel „Berezina“ ein. Es liegt gegenüber vom Bahnhof und ist von einer eher spröden Eleganz. Wir bekommen das Zimmer 28 in der 3. Etage. Es ist gross und – öööhm – etwas speziell. Viele wilde Muster in allerlei stumpfen Brauntönen, einzig die Tapete glitzert diamantig. Im Fernseher läuft Eishockey-Weltmeisterschaft; die Schweizer führen mit 0:0.

19. Mai 2014

Weissrussland: Sitzleder und Wolkendecke, dann Litauen

Sonntagmorgen. Es regnet. Und in Richtung Weissrussland sehe ich auch nur betongraue Wolken. Also setzen wir uns in die Bahn und fahren zum Flughafen Zürich. Hier setzen wir uns auf Wartegestühl und warten auf ein Flugzeug.

Unser airBaltic-Flieger flügelt pünktlich los und landet nach etwas mehr als zwei Stunden Warterei in Riga. Auch hier ist es feuchttrüb und gräulich. Wir setzen uns in eine Gaststätte und warten auf unsern Weiterflug. Draussen vor dem Fenster wuseln nasse, leuchtgelbe Männer herum. Kleine Koffer-Bähnchen schlängeln durch Pfützen und ein Tankwagen säugt einen prallen Flieger.

Unser Flugzeug nach Vilnius ist eine Propellermaschine; eine Bombardier Q400. Endlich wieder mal etwas anderes als diese immer gleichen Airbus oder Boeing. Auf diesen Flug habe ich mich schon lange gefreut. Sehr bequem und recht leise, fast schon gemütlich.

Nach Dreiviertelstunden Flug bodigen wir in Vilnius, der litauischen Hauptstadt. Schon wenige Minuten später sind wir raus aus dem Flughafen. Wir setzen uns auf ein Bänkli und warten geduldig auf den Bus in die Stadt. Schon wieder warten. Nach langer Zeit kommt er dann endlich und kaum zehn Minuten später sind wir im "Bombardier Q400.". Zimmer 409 mit einem wunderbaren Ausblick zum Bahnhof hinüber.

Ein kurzer Abendspaziergang und ein Wurstbrot essen, dann machen wir Feierabend. Ein wunderbarer Regenbogen tut so, als würde die Sonne scheinen. Uns ist pudelwohl.

17. Mai 2014

sprechende Steine: Brünigpass, Schweiz

Ein letztes mal berichte ich von Steinen: Von dem da ...
Der Findling trägt keinen Namen und steht kaum beachtet in der Nähe vom Brünigpass. Ein Gneis-Findling mit einem eingehauenen Kreuz und unbekannter Herkunft. Der Volksmund erzählt, es sei ein „keltischer“ Grenzstein, odr so. Wohl eher nicht.

Der Stein am Brünig ist ein schönes Beispiel für die unzählige Megalithen in der Schweiz. Schade, dass sie so wenig beachtet werden…

16. Mai 2014

sprechende Steine: M'sora, Marokko

Und noch einmal will ich von Steinen erzählen: Diesmal von einem hohen ...
Im grossen Steinkreis von M’soura, südöstlich von Asilah, steht ein mächtiger Megalith. Mehr als fünf Meter hoch und sehr beeindruckend. Man vermutet, dass die Anlage in der Jungsteinzeit errichtet wurde, weiss aber nichts Genaues.

Der Steinkreis zieht seit Jahrhunderten Forscher und Touristen an. Seit kurzem ist er eingezäunt und bewacht. Anschauen lohnt sich.

15. Mai 2014

sprechende Steine: Menhir de Nobles, Frankreich

Auf dem Weg ins Burgund kommen wir oft am "Menhir de Nobles" vorbei. Er steht in der kleinen Ortschaft La Chapelle-Sous-Brancion und wurde vermutlich in der Bronzezeit aufgestellt. Er fällt wegen seines Kreuzes auf. Solche wurden in der frühen Neuzeit gerne angebracht um solche „heidnischen“ Steine zu Christianisieren.

Der Menhir ist seit gut hundert Jahren denkmalsgeschützt. Im letzten Krieg fiel er um und wurde dann 1958 wieder aufgestellt. Deshalb steht er heute auf einem Betonsockel.

14. Mai 2014

sprechende Steine: Radimlja, Bosnien-Herzegowina

Noch mehr Steine: Heute von toten ...
In der Nähe von Stolac, südlich von Mostar, findet sich ein grosses Gräberfeld aus Spätmittelalter (n43.0923, e17.9239). Diese Grabmäler nennen sich „Stećci“ und sind in dieser Gegend recht verbreitet.

Interessant sind vor allem die Reliefs auf den Steinplatten. Jäger, Tiere, allerhand Ornamente und ab und zu auch eine Inschrift. Als wir da waren, wurden die Steine grad mit Säure abgewaschen, manche sahen danach wie Gipsmodelle aus.

13. Mai 2014

sprechende Steine: Tscholpon-Ata, Kirgisien

Diese Woche erzähle ich von Steinen: Heute von diesen da ...
Am Ufer des Issyk-Kul, einem riesigen See in Kirgisien, finden sich über zweitausend Felszeichnungen. In einem Geröllfeld unweit des Badeortes Tscholpon-Ata (Cholpon-Ata).

Die Felszeichnungen (n42.6583, e77.0569) sind etwa 3‘000 Jahre alt und sollen von den Skythen gemacht worden sein. Was ich aber eher bezweifle, denn die Skythen waren geschickte Kunsthandwerker und machten weit filigranere Werke.

12. Mai 2014

sprechende Steine: Cham des Bondons, Frankreich

Die nächsten Tage berichte ich von meinen sprechenden Steinen: Heute von diesen ...
Rund um den Mont Lozère in Südfrankreich stehen unzählige Monolithen. "Cham des Bondons" nennt sich die grösste der Fundstellen. Hier stehen, verteilt über einen Quadratkilometer, etwa 150 Steine.

Man schätzt das Alter der Anlage auf ungefähr 4‘000 Jahre. Weder die Erbauer noch die Funktion sind bekannt; und deshalb vermutet man, wie immer in solchen Fällen, etwas „Heiliges“.

10. Mai 2014

im Grunde ist alles doch ganz einfach

Im Bahnhof Luzern kostet die Toilette 1,50 Franken Eintritt. Fürs gleiche Geld gibts im Laden gegenüber eine grosse Tafeln Milchschokolade.
Da frage ich mich dann halt schon - gibt es da einen Zusammenhang?
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9. Mai 2014

Weissrussland im Navi

Vor unserer Weissrussland-Reise habe ich mir mal das Navi angeschaut. Das kennt dort nur ein paar Hauptstrassen; also unbrauchbar. Eine bessere Karte muss her. In den unendlichen Weiten des Internets fand ich dann eine detaillierte und routable OpenStreetMap von Belarus. OSM ist ein Geoprojekt aus dem Hause Wikipedia, also immer aktuell und kostenlos. Und deshalb auch immer zu empfehlen.

Die OSM-Daten im Navi zum Laufen zu bringen war dann aber doch etwas kniffliger als ich dachte. Erst habe ich habe die entsprechende .IMG-Datei auf eine Speicherkarte kopiert und dann versucht mit „Garmin BaseCamp“ ins Navi zu importieren. Erst funzte es nicht. Aber nach etwa pröbeln und fummeln ging es dann schlussendlich doch. Nun sind selbst die abgelegensten Dörfer und kleinsten Feldwege in der Taiga zu sehen.

8. Mai 2014

überschäumende Vorfreude

«nach Weissrussland wollt ihr – wozu?» fasste mein Kumpel unsere Reisepläne stirnrunzelnd und knapp zusammen. Da fressen ausgemergelte Wölfe in nebligen Nächten den Besoffenen die Beine ab. Und Leute mit schadhaftem Gebiss und strähnigen Schnäuzen lauern den Durchreisenden auf...

Ja, warum reisen wir nach Weissrussland? Zum einen weil wir noch nie da waren. Ein Land mitten in Europa, eher verschlossen und wenig bekannt – also interessant. Zum anderen weil die Obrigkeit während der Eishockey-Weltmeisterschaft das Land einen spaltbreit öffnet. Diese Einladung wollen wir nutzen. Zudem könnte es sein, dass es das heutige Belarus mit seinem verhaltensoriginellen Diktator schon bald nicht mehr gibt. Denn seit den Unruhen in der Ukraine ängstigt man sich vor dem einzigen Freund - Russland. Es riecht es nach Veränderung.
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7. Mai 2014

triebhaft und Kaninchenglück

Kürzlich besuchten Frau G. und ich die Messe in Luzern. Hallenweise Aussteller. Vom Hubsteiger und Kaninchenställen bis zu Vollkornnudeln und Exzenterschleifern wurde allerlei angeboten. Aber am anregendsten war die Halle mit den Gesundsalbern und Feng-Shui-Fressern.

Eine ausgemergelte Frau mit ledriger Haut und orangen Haaren will mich von „gesunder Nahrungsergänzung“ überzeugen. Einen Stand weiter schmiert man mir eine Olivenöl-Handcreme auf den Arm und versichert, dass sie keineswegs nach Olive stinke – die Schmiere. Wir lassen uns von einer Massage-Sitzauflage den Rücken massieren. Mit „runden Kugeln“ prahlt der Anpreiser, und nicht etwa mit abgeflachten, wie beim Mitbewerber. Den Scharlatan mit den abgeflachten Massagekugeln strafe ich mit Nichtbeachten und schlenderte unmassiert weiter.

Dann entdeckt Frau G. einen Anbieter von Handschrift-Analysen; und ich einen Schreibfehler auf seiner Werbetafel. Man schreibt "Analysis" und nicht ... aber darum geht's jetzt nicht. Unsere Handschrift wurde in ein monströses Gerät gesteckt und ein Schreibstift beginnt wie wild auszuschlagen. Und nun habe ich es schriftlich vor mir: Ich bin mittelmässig normal, dem Sport zugeneigt und triebhaft. Habe ich jetzt – ehrlich gesagt – nicht gewusst…
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6. Mai 2014

neue Kindersicherung in Giswil

Beim Schulhaus steht seit einigen Tagen so eine Anzeigetafel. Wenn man vorbeifährt, zeigt sie wie schnell man ist. Allerdings geht die Anzeige nur bis 99 km/h, was ich gegenüber Schnellfahrern diskriminierend finde. Von wegen Leistungsgesellschaft, und so!

Es sei zur Sicherheit unserer Kinder - doch dafür hat mein Auto doch extra eine Kindersicherung. Verstehe einer unsere Behörden…
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5. Mai 2014

die Wurst zur Tour

Der Franzos ist ja berühmt für seine exquisite Küche. Und ganz besonders für die ausgezeichneten Wurstwaren. Die wollte ich keinesfalls versäumen und erwarb deshalb eine Wurstzubereitung namens „Hot-Dog“. Sie befand sich in einer buntbebilderten Kartonschachtel und kostete genau 90 Cent.

Ein schlauchförmiges Etwas - wohl das Würstchen - lümmelte teilnahmslos zwischen zwei länglichen Schwämmen von kartonkrümeliger Konsistenz. Unter dem Appendix etwas Käse-Imitat und darüber ein Schlacks Fettschmiere. Das Ganze in der Geschmacksnote „verdünnter Nebel“.
Eigentlich nicht schlecht – ich habe jedenfalls schon für deutlich mehr Geld weit Übleres verspiesen.
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3. Mai 2014

verwegen und zügellos und Donnerstag-Socken

An solchen Samstage wie heute - da bin ich manchmal verwegen und zügellos.

Dann trage ich Donnerstag-Socken und fühle ich mich wie ein Rebell - ja wie ein richtiger Aufwiegler.

2. Mai 2014

Frankreich: seichnasse Dinosaurier mit Pizzafüssen

Die Wolken hängen an den Hängen und spucken auf uns herab. Die Sonne glänzt durch Abwesenheit. Kann ich bei dem Wetter gut verstehen. Wir sitzen in der Wärme und schauen hinaus. Zum Glück gibt es ganz in der Nähe etwas zum anschauen: eine Felswand mit Dinosaurierspuren.

Vor etwa 140 Millionen schlurfte hier eine Dinosaurierfamilie durch den Morast. Der versteinerte daraufhin und wölbte sich zum Jura auf. Und vor ein paar Jahren kamen sie beim Strassenbau wieder zum Vorschein. Nun stehen wir davor und staunen über die Pizzagrossen Füsse dieser Urtiere.

Das kleine Dorf Lavancia wurde 1944 fast komplett zerstört. Nach dem Krieg erhielt man eine neue Kirche, ein Überbleibsel einer Bauausstellung. Sie ist komplett aus allerhand tropischen Hölzern aus den französischen Kolonien. Leider sind die heute mit kackbrauner Farbe überpinselt, so dass man heute kaum mehr etwas sieht. Unsere Drei-Minuten-Besichtigung war sie aber allemal wert.

Wir fahren weiter. Das Wetter hat sich nicht gebessert, aber ich möchte unbedingt noch nach Frasne und den dortigen Bahnhof anzuschauen. Denn an diesem kleinen Dorfbahnhof halten aus technischen Gründen alle TGV, und von hier ist man in drei Stunden in Paris - wenn man wöllte

Jetzt steht aber bloss ein schnöder SBB-Regionalzug hier. Der nächste TGV kommt erst in einer Stunde. Ich warte, doch als dann die Chips-Tüte leer ist, mag ich nicht mehr warten. Ich wecke Frau G. aus ihrem Mittagsschläfchen – und sie fährt uns nach Hause. Es regnet mal mehr, mal weniger.

1. Mai 2014

Frankreich: Applaus in der Nacht

Port Revel. Besser könnte so ein Sonntagvormittag gar nicht beginnen: Morgensonne und Fleischpastete. Die Frühlings-Landschaft um uns herum blüht und grünt. Die Vögel zwitschern inbrünstig, und neben unserem Möbelwagen schläft eine Ratte mitten auf dem Weg.

Wir brummen gemütlich gegen Norden. Einsame Landstrassen mit langen Alleen. Kaum jemand ist unterwegs. Hie und da fahren wir durch ein verschlafenes Dorf. Ein paar alte Männer sitzen im Strassencafé und rauchen. In den Schaufenstern liegt Oster-Süsskram.

Frau G. überrascht mich mit einem winzigkleinen und längst stillgelegten Bahnhof. Rostige Schienen und eine vielfach überpinselte Dampflok. So Schööön. Die „Chemin de fer de l'Est de Lyon“ befuhr einst östlich von Lyon ein ganzes Netz von Schmalspurbahnen, die alle nach und nach eingingen. Auf der vier Kilometer lange Strecke von Montalieu-Vercieu nach Sault-Brenaz fährt heute manchmal ein Touristenbähnli.

Eigentlich habe ich Frau G. im nächsten Städtchen mit einem Eisenbahnmuseum überraschen wollen. Doch wir können es nicht finden. Die Hinweisschilder zeigen immer in die entgegengesetzt Richtung. Später stellt sich heraus, dass dieses Eisenbahnmuseum im Stadtzentrum, und nicht wie erwartet an den Gleisen liegt. Und sowieso…

Nun schlängeln wir uns dem Ain entlang. Der Fluss und die Strasse winden sich zwischen hohen Felsen durch eine Schlucht. Es ist richtig mild, die Berge halten den kalten Wind ab. Wir finden einen netten Übernachtungs-
platz direkt am Fluss. Die Grillen zirpen und die Schmetterlinge flattern aufgeregt umher.
Gegen Abend kommen erst die Wolken und dann der Regen. Wenn’s auf unser Dachfester regnet, tönt es wie Applaus.

30. April 2014

Frankreich: haut ab - hier gibt’s nichts zu sehen!

Der Wind treibt blaue Wolkenlöcher über den Himmel und niesst auf unser Dachfenster. Es ist kalt und ich hungrig. Eine warme Dusche und ein Kaffee ändern daran nichts Grundsätzliches.
Wir verlassen Genf und fahren gegen Süden. Schauen uns noch gschwind den Pont de la Caille an. Als 1838 die Hängebrücke erbaut wurde, war sie mit ihren 150 Meter die höchste weltweit.

Autobahn, graue Wolken und gelbe Rapsfelder. Dann brummen wir erst über die Landstrasse, dann über immer schmäler werdenden Waldweg. Wir suchen eine geheimnisvolle Anlage. Kein Schild weist den Weg und auf der Karte ist sie auch nicht eingezeichnet: den „Port Revel“.

Auf diesem abgelegenen Teich mitten im Wald werden Hochsee-Kapitäne ausgebildet. Sie fahren in Modellschiffen umher. Zahlreiche Hafenanlagen und Leuchtfeuer sind nachgebildet; Manhattan, den Suezkanal und viele internationale Häfen im Massstab 1:25. Dazu gibt es noch Wellenmaschinen und Windgebläse um das miese Wetter nachzubilden.

Bildquelle: Tageszeitung//www.etools.ch
Wir schlendern die letzten Meter gaaanz unauffällig zum „Port Revel“. Kaum da, kommt auch schon ein Mann und erklärt uns – ich fasse es mal zusammen – „verboten, haut ab!“ Wir schlendern einen Umwegbogen und erreichen dann doch noch die grünen Hangars mit den Modellschiffen. Noch bevor ich Fotos machen kann, kommt auch schon wieder der Mann von vorhin angeschossen. Irgendwas scheint ihn zu erzürnen. Er spricht einige energische und auch etwas unfeine Worte. Ja dann - wir wollten ja sowieso grad gehen...

Da unser Besuch bei den Schiffen etwas gar kurz ausfiel, machen wir einen faulen Nachmittag. An einem malerischen Teich ganz in der Nähe finden wir einen schönen Platz. Am Ufer wimmelt es von Kaulquappen und im Schilf hocken einige Fischer und ruten Fische. Manchmal kommt etwas Sonne durch, aber meist ist es bloss trübkalt.