Das „Murten Panorama“ von 1894 kann man zurzeit leider nicht zu besichtigen, es liegt im Depot. Ich sah es das letztemal an der Expo.02. Und in Ascona gibt es auch noch ein Panoramabild, das schauen wir uns ein andermal an.
Ein Bergler auf Abwegen. Der Schweizer Weltenbummler, Klugscheisser und Sapperlot berichtet von weltweit und zuhause. Ein Reiseblog.
9. August 2011
Kunst: den Kopf verdreht
Schon lange vor den heutigen IMAX und 3D-Kinos gab es die Panorama-Gemälde. Riesengrosse Rundbilder in eigens dafür erbauten Gebäuden. In der Schweiz gibt es noch eine handvoll davon; wir haben einige heimgesucht.
Das „Wocher Panorama“ in Thun ist das weltweit älteste Rundpanorama. Es zeigt die Stadt Thun im Jahr 1810. Der Maler setzte sich zum malen extra auf ein Hausdach im Stadtzentrum. Das Bild ist bloss 7,50 x 38 Meter gross, aber sehr lebendig. Leider hat es kein Vorgelände und der Zustand ist auch etwas angeschlagen.
In Luzern steht das „Bourbaki Panorama“ von 1881. Es zeigt Szenen aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1871; die Flucht der französischen Bourbaki-Armee in die Schweiz. Dieses Bild ist riesig, 10 x 112 Meter und verfügt über ein verblüffende realistisches Vorgelände. Früher war es noch grösser, wurde dann aber beschnitten. Sehr berühmt und sehr eindrücklich.
Das „Panorama Einsiedeln“ zeigt biblische Szenen rund um die Kreuzigung Christi. Es entstand ursprünglich 1893. Das Panorama wurde bei einem Brand 1960 komplett zerstört. Dann zwei Jahre später als Rekonstruktion wieder eröffnet. Das Panorama misst 10 x 100 Meter und hat ein etwas tristes Vorgelände.
Das „Murten Panorama“ von 1894 kann man zurzeit leider nicht zu besichtigen, es liegt im Depot. Ich sah es das letztemal an der Expo.02. Und in Ascona gibt es auch noch ein Panoramabild, das schauen wir uns ein andermal an.
Das „Murten Panorama“ von 1894 kann man zurzeit leider nicht zu besichtigen, es liegt im Depot. Ich sah es das letztemal an der Expo.02. Und in Ascona gibt es auch noch ein Panoramabild, das schauen wir uns ein andermal an.
8. August 2011
Abenteuer in der Flasche
Meine Tante hiess nicht Emma, sie hatte aber genau einen solchen Laden. Wir Schulbuben bewunderten mit grossen Augen das reichhaltige Warenangebot. Erdbeer-, Bananen- UND Haselnussjoghurt. Schmelzkäse mit Schinkenaroma. Und Salami. Aber ganz besonders hatte uns damals Afri-Cola gelockt. Eine dunkelbraune Limonade in einem kleinen Fläschli mit einer weissen Palme drauf. Wenn wir so eines erhielten, was ganz selten vorkam, hockten wir uns damit auf das Mäuerchen vor dem Laden. Und wir fühlten uns wie richtige Abenteurer. Genau so wie der Buffolo Bill aus dem wilden Westen.
Kürzlich entdeckte ich bei uns im Coop so ein Afri-Cola Fläschli. Es gibt es wieder und es schmeckt wie damals. Aber das Gefühl von Abenteuer und wildem Westen wollte sich nicht so recht einstellen. Vielleicht hätte ich mich in kurzen Hosen auf das Mäuerchen setzen müssen?
6. August 2011
das anonyme Ich...
Neulich hat Herr und Frau Müller in ihrem Blog alle dazu aufgerufen, ein Bild von sich zu zeigen. Also ein Bild von mir, hier.
Eigentlich wollte ich zuerst das Bild vom Rossschwanz nochmals zeigen. Aber Frau Müller will nichts Gezeichnetes, sie will ein Foto. Von mir...
Drum hier ein Bild von mir beim „ägyptischen-Wandern“. Wandern, wie die alten Ägypter. Allerdings bekleidet; und mit Schuhen.
Es ähnelt ein wenig dem Nordic Walking, aber ohne Stöcke. Und ohne Leggins und ohne Füdli-Buffet.
Zur Präzisierung: Links bin ich, rechts der Herr aus Ägypten.
Eigentlich wollte ich zuerst das Bild vom Rossschwanz nochmals zeigen. Aber Frau Müller will nichts Gezeichnetes, sie will ein Foto. Von mir...
Es ähnelt ein wenig dem Nordic Walking, aber ohne Stöcke. Und ohne Leggins und ohne Füdli-Buffet.
Zur Präzisierung: Links bin ich, rechts der Herr aus Ägypten.
5. August 2011
mein Coiffeur und die Staunässe
Mein Coiffeur gehört einer aussterbenden Gattung an; er ist ein Herren-Coiffeur - ein Haarschneider für Männer.
Über der Eingangstür steht werbewirksam „Herren“ geschrieben. Und im Schaufenster locken zwei Bilder von prächtigen Haarschöpfen und ein weisslicher Vorhang. Durch eine Glastür betritt man seinen „Salon“. Er ist etwa drei mal vier Meter gross und dreigeteilt. Gleich links vom Eingang steht eine Bank, mit Kunstleder bezogen. Hier setzt man sich hin und wartet bis man dran kommt, denn anmelden kann man sich bei meinem Haarschneider nicht. In der Mitte des Salons steht der „Behandlungsstuhl“. Schwarzes Kunstleder, hellgelbes Fahrgestell. Ganz vorne an der Stirnwand ist seine Werkbank mit einem Waschbecken und ein paar Schubladen. Darüber ein Spiegel. Ansonsten gibt es nicht viel; kein Raumschmuck, keine trendige Illustrierten – doch, eine Deckenlampe mit einem Blendraster hat es noch.
Also setzte ich mich auf die Kunstlederbank und warte. Meine Beine sollte ich nicht übereinanderschlagen, denn der Platz ist rar und dem Coiffeur vorbehalten. Nach ein paar Minuten ist mein Vordermann fertig beschnitten und ich setze mich auf den elektrischen Stuhl. Mein Coiffeur fragt: «schneiden?». Ich sage «ja». Eigentlich ist die Frage überflüssig, ich wüsste jedenfalls nicht, was er sonst noch anbieten täte. Und da nun alle Stylingfragen geklärt sind, beginnt er mit Haare schneiden.
Keine Viertelstunde später bürstet er mir einige entflohene Haare von den Schultern. Schabt noch mit einem Rasiermesser die Nackenhaare und fertig. Keine Pflegespülung, keine Duftwässerchen, kein Getue.
Die Viertelstunde Bearbeitungszeit hat gerade knapp gereicht, um die Vor- und Nachteile von Zementplatten auf dem Gartensitzplatz zu erörtern. Ich empfehle ihm eine Holzveranda, auch wenn der Unterhalt aufwendiger ist. Aber sie heizt sich im Sommer weniger auf und ist einfach viel wohnlicher. Wichtig ist aber ein Längsgefälle von mindestens zwei Prozent. Aber das ist ja auch bei Zementplatten nicht anders. Und keine Staunässe, also unbedingt auf eine ausreichende Entwässerung achten. Wir konnten uns noch nicht entscheiden, aber in drei Monaten werden wir noch einmal darüber sprechen.
Über der Eingangstür steht werbewirksam „Herren“ geschrieben. Und im Schaufenster locken zwei Bilder von prächtigen Haarschöpfen und ein weisslicher Vorhang. Durch eine Glastür betritt man seinen „Salon“. Er ist etwa drei mal vier Meter gross und dreigeteilt. Gleich links vom Eingang steht eine Bank, mit Kunstleder bezogen. Hier setzt man sich hin und wartet bis man dran kommt, denn anmelden kann man sich bei meinem Haarschneider nicht. In der Mitte des Salons steht der „Behandlungsstuhl“. Schwarzes Kunstleder, hellgelbes Fahrgestell. Ganz vorne an der Stirnwand ist seine Werkbank mit einem Waschbecken und ein paar Schubladen. Darüber ein Spiegel. Ansonsten gibt es nicht viel; kein Raumschmuck, keine trendige Illustrierten – doch, eine Deckenlampe mit einem Blendraster hat es noch.
Keine Viertelstunde später bürstet er mir einige entflohene Haare von den Schultern. Schabt noch mit einem Rasiermesser die Nackenhaare und fertig. Keine Pflegespülung, keine Duftwässerchen, kein Getue.
Die Viertelstunde Bearbeitungszeit hat gerade knapp gereicht, um die Vor- und Nachteile von Zementplatten auf dem Gartensitzplatz zu erörtern. Ich empfehle ihm eine Holzveranda, auch wenn der Unterhalt aufwendiger ist. Aber sie heizt sich im Sommer weniger auf und ist einfach viel wohnlicher. Wichtig ist aber ein Längsgefälle von mindestens zwei Prozent. Aber das ist ja auch bei Zementplatten nicht anders. Und keine Staunässe, also unbedingt auf eine ausreichende Entwässerung achten. Wir konnten uns noch nicht entscheiden, aber in drei Monaten werden wir noch einmal darüber sprechen.
4. August 2011
3. August 2011
2. August 2011
1. August 2011
Schweizer Nationalfeiertag
Am 1. August feiern wir Schweizer alljährlich unsern Nationalfeiertag. Und da hier zahlreiche Auswärtige mitlesen, erkläre ich mal, worum es bei unserem Nationalfeiertag geht:
An einem regnerischen Abend* im August 1291 trafen sich ein paar Mannen auf einer abschüssigen Wiese am Vierwaldstättersee. Sie kamen von Uri, Schwyz und Unterwalden. Sie sassen unter einer Tanne am schärmen, tranken Most und plauderten ein wenig. Über die aktuellen Viehpreise, die Habsburger und die Zukunft. Da meinte einer, sie könnten doch mal etwas ganz Verwegnes tun, etwas, wovon man noch in vielen Jahren spricht: Amerika entdecken, ins Weltall fliegen oder sogar Tofu essen?
Aber dann merkten sie, dass Amerika wohl im Unterland liegt und soweit wollten sie nicht; und die Rakete noch gar nicht erfunden ist. Und dass sie Tofu nicht mögen, überhaupt nicht; schmeckt wie nasse Socken.
Dann meinte einer: Einen eigenen Staat gründen wäre doch was. Ohne fremde Vögte und Könige. «Die huäre Fetzlä chennid mir is Fiddlä blasä», meinte der Urner. Also gründeten sie einen neuen Staat; die „Schweiz“. Aber ohne die Berner, Zürcher und die Welschen und so.
In den darauffolgenden Jahrhunderten machten dann nach und nach auch anderen Kantone mit. Manche freiwillig, andere mussten mit Knüppeln überzeugt werden. Ab und zu kamen ausländische Heere vorbei; die schlug man tot. Und ab und zu heimsuchte man das umliegende Ausland und brandschatzte ein wenig.
Die Schweiz gedieh prächtig. Man erfand den Turbolader, das Nescafé-Pulver und die Computermaus. Und am Ende des 19. Jahrhunderts erinnerte man sich der stolzen Geschichte und erfand die 1. Augustfeier. Und deshalb feiern wir jedes Jahr am 1. August unseren Nationalfeiertag. Wir bleiben zuhause und schiessen Raketen gegen den Nachthimmel; und essen keinen Tofu.
Jawohl; so war das damals - genau so.
* An dem Tag muss es geregnet haben; denn bei schönem Wetter hätten die Bergeler zuhause bleiben und heuen müssen. Und es musste am Abend gewesen sein, denn bei Regenwetter mussten sie ja tagsüber güllen...
Aber dann merkten sie, dass Amerika wohl im Unterland liegt und soweit wollten sie nicht; und die Rakete noch gar nicht erfunden ist. Und dass sie Tofu nicht mögen, überhaupt nicht; schmeckt wie nasse Socken.
Dann meinte einer: Einen eigenen Staat gründen wäre doch was. Ohne fremde Vögte und Könige. «Die huäre Fetzlä chennid mir is Fiddlä blasä», meinte der Urner. Also gründeten sie einen neuen Staat; die „Schweiz“. Aber ohne die Berner, Zürcher und die Welschen und so.
In den darauffolgenden Jahrhunderten machten dann nach und nach auch anderen Kantone mit. Manche freiwillig, andere mussten mit Knüppeln überzeugt werden. Ab und zu kamen ausländische Heere vorbei; die schlug man tot. Und ab und zu heimsuchte man das umliegende Ausland und brandschatzte ein wenig.
Die Schweiz gedieh prächtig. Man erfand den Turbolader, das Nescafé-Pulver und die Computermaus. Und am Ende des 19. Jahrhunderts erinnerte man sich der stolzen Geschichte und erfand die 1. Augustfeier. Und deshalb feiern wir jedes Jahr am 1. August unseren Nationalfeiertag. Wir bleiben zuhause und schiessen Raketen gegen den Nachthimmel; und essen keinen Tofu.
Jawohl; so war das damals - genau so.
* An dem Tag muss es geregnet haben; denn bei schönem Wetter hätten die Bergeler zuhause bleiben und heuen müssen. Und es musste am Abend gewesen sein, denn bei Regenwetter mussten sie ja tagsüber güllen...
31. Juli 2011
30. Juli 2011
Chriesibrägel und Stinkwanzen
„Chriesibrägel“ sind ein uraltes Rezept. Ich kenne es von meiner Mutti. Sie hat es von ihrer Mutter und die wohl auch von ihrer. Chriesibrägel sollte man aber nicht mit „Chriesigaax“ verwechseln. Mit Chriesigaax bezeichnen wir hierzulande die „Grüne Stinkwanze“ (Palomena prasina). Sie ist hässlich, aber harmlos. Und sie hat die beneidenswerte Fähigkeit, sozusagen auf Knopfdruck zu stinken.
„Chriesibrägel“ kann man mit frischen Kirschen zubereiten; oder aber auch mit eingelegten oder tiefgekühlten.
Die Zutaten für zwei:
1/2 Kilo schwarze Kirschen
25g Butter
25g Weissmehl
3 – 4dl Milch
Salz
Zucker
Gleichviel Butter und Mehl in einer Pfanne rösten, bis sich am Rand ein weisser Saum bildet. Dann die Milch dazu giessen, so dass eine sämige Sauce entsteht. Diese etwa 10 Minuten köcheln lassen. Mit etwa einem halben Kaffeelöffel Salz würzen. Nun die Kirschen dazu geben. Mit etwa einem Suppenlöffel Zucker abschmecken. Die Sauce soll eher salzig als süss sein. Noch einmal köcheln lassen bis sich die Sauce violett färbt. Und schon ist’s fertig.
„Chriesibrägel“ werden traditionell mit angebratenen Herdäpfelwürfeli gegessen. Ein währschaftes z'Nacht für Bergler.
„Chriesibrägel“ kann man mit frischen Kirschen zubereiten; oder aber auch mit eingelegten oder tiefgekühlten.
Die Zutaten für zwei:
1/2 Kilo schwarze Kirschen
25g Butter
25g Weissmehl
3 – 4dl Milch
Salz
Zucker
„Chriesibrägel“ werden traditionell mit angebratenen Herdäpfelwürfeli gegessen. Ein währschaftes z'Nacht für Bergler.
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