15. Dezember 2016

Tajine - ein Mund voll Marokko

Gestern habe ich eine Tajine gekocht. Tajine ist Marokkos Nationalgericht und die entsprechende Pfanne heisst genauso. Eine Tajine ist eigentlich bloss ein tönerner Schmortopf, worin man Gemüse, Fleisch und/oder Fisch solange schmurgelt, bis es ganz weich und geschmackvoll ist.

Für meine Tajine verwendete ich – ganz traditionell – einfach was grad da war: Kartoffeln, Paprika, Zwiebeln, Zucchini, Knoblauch, Oliven  und Tomaten.
Das Gemüse habe ich geschnitten und in einer Pfanne zu einem Kegel aufgetürmt, dann etwas Olivenöl drüber gegeben und gewürzt. Es gibt fertiges Tajinegewürz – oder man mischt es sich selber zusammen aus; Kurkuma, Pfeffer, Salz, Koriander, Kreuzkümmel, Ingwer, Zimt, Chili und einem Schluck Wasser.

Nun den Deckel auf die Pfanne und bei kleiner Hitze länger als eine halbe Stunde garen lassen. Ganz wichtig! Nicht umrühren, den Deckel nicht anheben – einfach sein lassen.

Guten Appetit, oder wie der Marokkaner sagen täte; „bssaha“.

14. Dezember 2016

das Aquädukt von Tunis

Das Aquädukt von Zaghouan ist schon fast zweitausend Jahre. Einst versorgte es das römische Karthago, heute ein Stadtteil von Tunis,  mit Trinkwasser. Dann kamen die norddeutschen Vandalen vorbei und machten es kaputt.

Mit mehr als 130 Kilometer ist es das längest römische Aquädukt. Noch heute kann man südlich von Tunis kilometerweit seine Ruinen sehen; n36.6271, e10.1268. Früher fuhr ich auf dem Weg nach Algerien unzählige Male daran vorbei. Und jetzt schon seit mehr als zehn Jahre nicht mehr...

13. Dezember 2016

mein Tiger aus Indien

Von meiner letzten Indienreise brachte ich einen Tiger mit nachhause. Ich kaufte ihn damals in Rajasthan direkt beim Steinmetz.

Mein Tiger ist aus rotem Aravalli-Sandstein und wiegt bestimmt mehr als siebzig Kilo - was ich jetzt beim Umzug wieder eindrücklich zu spüren bekam.
Der Transport damals von Indien nachhause ging einfacher. Denn wir waren mit unserem Reisebus unterwegs und verstauten ihn einfach zwischen den Sitzen. Und an jeder Grenze schmunzelten die Zöllner über mein Haustier.

12. Dezember 2016

die goldgelbe Dünen in Kerzaz

Kerzaz ist ein kleines Städtchen in Algerien und liegt direkt am Rand des Grand Erg Occidental. Gleich hinter Kerzaz (n29.4513, w1.4196) türmen sich die Sanddünen mehr als hundert Meter hoch.

Und dahinter erstreckt sich ein fast menschenleeres Sandmeer in der Grösse Österreichs. Früher übernachteten wir oft in dem hübschen Dorf, bevor wir in die Zentralsahara weiter reisten...

9. Dezember 2016

die hellblaue Felsen in Marokko

Viele Marokko-Reisende kennen die blauen Felsen von Tafraoute. Hellblaue Felsknödel mitten in einer grandiosen Landschaft.
Doch ursprünglich, 1984/85 hat sie der belgische Künstler Jean Vérame ganz anders bemalt, nämlich tintenblau und feuerrot. Doch mit der Zeit verblassten die Farben auf dem krümeligen Untergrund, bis kaum mehr etwas zu sehen war.

Vor etlichen Jahren erneuerten die Marokkaner das Kunstwerk. Doch statt Majorelle-Blau und Feuerrot verwendete man diesmal Pastell-Töne; Hellblau, Rosa und Blassgrün. Die Farben waren billiger – und den Touristen wird der Unterschied eh nicht auffallen, sagten sich die Leute.


Ich finde die blauen Felsen grossartig ‒ jetzt halt eher in den Farben vom Chefchaouen. Denn erst durch den blauen Anstrich einiger ganz gewöhnlicher Felsen erkennt man, wie grandios die umliegende Felslandschaft wirklich ist. Und was mir auch gefällt, sind die künstlerischen Reaktionen der Besucher. Manche Felsen haben nun Gesichter und einer ist jetzt ein buddhistischer Mani-Stein.

8. Dezember 2016

Motor ok, dafür ist mein Compi tot

Sooo. Unser Möbelwagen ist zurück aus der Werkstatt und der Motor brummt wieder wie früher. Auf der Nachhausefahrt habe ich aus lauter Freude über die neuen 156 PS einige Kleinwagen vor mir her gejagt.

Dafür ist bei meinem Asus Reise-Laptop die Stromsteckdose abgebrochen. Ich dachte erst, da löte ich einfach eine anderen rein. Aber das Ding ist völlig unreparierbar mit der Platine verschweisst. Entweder bekomme ich also ein passendes Ersatzteil oder baue eines aus einem Schlacht-Laptop aus. Beides ist aber eher unwahrscheinlich. Und mir fehlen dazu die Nerven.
Deshalb habe ich mir einen neuen Computer gekauft. Einen kleinen schnellen Acer. Ärgerlich zwar; aber es ist ja eh bald Weihnachten.

Nachtrag: Kaputt war tatsächlich der Ladedrucksensor im Ansaugtrakt...

7. Dezember 2016

der Wüstensee in Libyen

Der Umm-el-Ma liegt ganz malerisch mitten in den Sanddünen und weit im Süden Libyens. Er ist einer (n26.7106, e13.3347) von mehreren Seen in den Ubari-Sanddünen. Früher lebten hier Fischer, jetzt aber nicht mehr.

Heute liegt der Umm-el-Ma genau auf den Grenzen zwischen drei Kriegsparteien des libyschen Bürgerkrieges. Und für uns einfache Touristen ist er längst in unerreichbare Ferne gerückt.

Aber es gibt auch Erfreuliches aus Libyen zu berichten: Gestern gelang es der libyschen Regierung die Stadt Sirte zu befreien, damit ist Libyen wieder frei von dem IS. Leider geht der Bürgerkrieg aber auch ohne IS weiter...

6. Dezember 2016

von mir aus hier

Zwischenzeitlich sind wir umgezogen. Es war viel Arbeit, aber es hat sehr gut geklappt; und kaum etwas ging dabei kaputt. Frau G. hat die neue Wohnung bereits wohnlich eingerichtet.
Unsere neue Wohnung ist hübsch und ruhig. Und ich lebe nun inmitten von Zimmerpflanzen. Selbst im Badezimmer lauern stützstrumpffarbige Blumensträussen.
Juhui - wie ich mich da freu…

Zur Begrüssung hat der Nachbarhund gleich einmal auf die Fussmatte geschissen. Ich weiss jetzt nicht, ob aus Begeisterung oder aus Angst? Dem Geruch nach würde ich aber eher auf "feindlich" tippen!

5. Dezember 2016

durch die tunesischen Berge

Einfach weil ich mich gerne an meine unzähligen Tunesien-Reisen erinnere. Unser Land Rover in der „Gorge de oued Hayfa“.

Wer selber einmal durch die enge Schlucht fahren möchte, findet sie hier: n34.3694, e9.2146

3. Dezember 2016

Adventskranz selber basteln

Draussen ist es trüb und frostig - und bereits am späten Nachmittag stockfinster. In der Bahnhofsunterführung panflöten sich Peruaner die Lippen franslig und im Aldi gibt’s für 19.90 Polyester-Weihnachtsmänner aus China.

Auch in diesem Jahr konnte ich mich dem Trend zu Besinnlichkeit und kindlichem Kitsch nicht verweigern und habe einen schicken Adventskranz gebastelt.

1. Dezember 2016

fast wie Chicken Curry Pie

Der Weihnachtsmarkt hiess eigentlich „Adventsmarkt“ und ich hoffte auf eine gebratene Wurst. Abgesehen vom föhnigen Spätherbst-Wetter sah ich nämlich sonst wenige Gründe hinzugehen. Wegen dem feilgebotenen Deko-Kitsch jedenfalls schon mal gar nicht.

Es gab zwar Bratwurst, doch ich entschied mich für die wunderbaren, würzigen Fischbrötchen aus kaltgeräucherten Forellen. Und für kleine, mit Hühner-Curry gefüllte Pasteten. Der Brite täte dazu wohl „Chicken Curry Pie“ sagen. Und so schmeckten sie auch – guut und nach englischer Bergarbeiter-Kantine.

30. November 2016

der Selbstbedienungs-Sperrmüll-Automat verschluckt mein Bett

Bei uns gibt es seit kurzem Selbstbedienungs-Sperrmüll-Automaten. Während unseres Umzuges waren diese super praktisch. Einfach gschwind hinfahren und die alten Möbel loswerden ‒ öööhm ‒ entsorgen. Jederzeit und rund um die Uhr.

Bild: ezvow.ch
Diese Sperrmüll-Automaten funktionieren eigentlich genau gleich wie unsere altbekannten Hausmüll-Automaten: Erst die Kehricht-Karte in den Schlitz stecken; dann öffnet sich das Maul und schnappt sich den Müllbeutel, wiegt ihn, schluckt ihn runter und bucht den Betrag von der Karte ab ‒ fertig. Der neue Sperrmüll-Automat hat bloss einen grösseren Mund und kippte danach den Unrat von oben in einen Press-Container.
Ausgerechnet bei mir blieb ein Lattenrost im Kipper stecken. Ich kletterte hinauf und zerrte das sperrige Teil unter den bösen Blicken der Wartenden eigenhändig heraus. Und jetzt weiss ich auch weshalb die Dinger „Selbstbedienungs"-Sperrmüll-Automat heissen.

29. November 2016

Motor krank

Neulich war es wieder soweit, Fahrzeugprüfung beim Strassenverkehrsamt. Es wurde gerüttelt, geklopft, geblinkt und gebremst. Einzig die dritte Bremsleuchte ist kaputt – flicke ich aber demnächst. Alles ok.

Auf dem Nachhauseweg bemerkte ich aber, dass der Motor deutlich weniger Leistung hat. Er lief zwar tadellos, aber war sehr träge und lustlos. Und viel mehr als 80 km/h schaffte er kaum noch! Seltsamerweise zeigte er aber keine Fehlermeldung an.
Wird wohl etwas im Bereich der Turbo-Steuerung sein? Diese komische Unterdruckdose oder ein Leck im Unterdrucksystem, oder die Verstellung der Laderschaufeln hakt? Wäre nämlich der ganz Turbo kaputt, würde es unangenehm heftig aus dem Auspuff rauchen. Und wäre es ein gravierender Schaden, würde der Motor wohl abstellen. Da er aber munter brummt, fahre ich erstmal heim und lasse mir nichts anmerken. Und vereinbare einen Werkstatt-Termin beim Mercedes-Heiler.

28. November 2016

Huhn im Darm

Eine Legehenne legt in ihrem kurzen Leben etwa 300 Eier. Dann nimmt ihre Legeleistung ab und sie endet als Suppenhuhn – im Idealfall, doch meistens als Tiermehl.

Das ist doch keine Lösung, sagte sich der Eierproduzent Nufer in Alpnachstad und macht nun aus den ausgelutschten Hennen feine „Geflügel Rauchwürste“. Mit pfeffrigem Geschmack und herzhaftem Biss. Richtig gut. Und eine richtig gute Idee.

26. November 2016

Fundsachen 6: uraltes Sex-Heftli

Wie ihr vielleicht wisst, ziehen Frau G. und ich demnächst um. Die Packerei bringt manch wunderliche Dinge zum Vorschein: Heute ein uraltes Sex-Heftli.

Die Illustrierte heisst „sex 69“; wobei sich die 69 auf den Jahrgang bezieht, und nicht auf die allseitig beliebte Stellung. Im Heft sind ausschliesslich um paarungswillige Leute abgebildet. Die meisten davon sind nackt und erstaunlich gelenkig; und die Texte eher mono-thematisch.
Das Heft habe ich vor vielen Jahren in einem Abbruchhaus gefunden und mitgenommen. Und vergessen. Jetzt ist es wieder aufgetaucht - und ich habe schon ein Weihnachtsgeschenk für meine Angehörigen.

24. November 2016

Fundsachen 5: Flasche mit Schwarzem Meer

Wie ihr vielleicht wisst, ziehen Frau G. und ich demnächst um. Die Packerei bringt manch wunderliche Dinge zum Vorschein: Heute eine Flasche mit Wasser aus dem Schwarzen Meer. Manchmal staune ich schon, was ich damals von meinen Reisen nachhause geschleppt und dann vergessen habe?

Unten in der Flasche hat es auch noch etwas bulgarischer Strand. Und IM Wasser schwimmt ein glibberiges Etwas. Ich weiss nicht was das ist, aber immerhin sieht es tot aus. Ich schütte es jetzt ins Klo und schaue, ob es sich doch noch bewegt?

23. November 2016

Fundsachen 4: Flug über Uzbekistan

Wie ihr vielleicht wisst, ziehen Frau G. und ich demnächst um. Die Packerei bringt manch wunderliche Dinge zum Vorschein: Heute ein altes Billet der Oʻzbekiston havo yoʻllari, der usbekischen Nationalfluggesellschaft.

Der Flug ging damals von Urgench nach Taschkent und kostet 37 USD. Damals hatte die Uzbekistan Airways einige nagelneue Airbus, aber wir hatten Glück und flogen mit einer Tupolew 154. Und obwohl der Flug nur gut eine Stunde dauerte, servierte man uns ein Nachtessen; „Plov“, das usbekische Nation-Essen.

22. November 2016

Fundsachen 3: die Glücks-Münze

Wie ihr vielleicht wisst, ziehen Frau G. und ich demnächst um. Die Packerei bringt manch wunderliche Dinge zum Vorschein: Heute eine komische Münze.

Diese Münze stammt aus der Zeit, als ich regelmässig fremde Kinder hütete. Die Kinder durften die Münze werfen um zu entscheiden, ob sie fernsehschauen dürfen oder nicht. Und um ihr brutales Schicksal etwas abzumildern, durften sie jeweils sogar ein zweites Mal werfen. Ihre Chancen lagen damit immerhin bei fast 66,7%. Wenn aber das „X“ oben lag, nützte kein Jammern und Winseln: Heute kein Fernsehen.

Und: Wegen des stürmischen Föhns war es gestern bei uns 21,6°C warm - Schweizerrekord! Heute soll es erneut so warm werden...

21. November 2016

Fundsachen 2: eine Flasche Boga

Wie ihr vielleicht wisst, ziehen Frau G. und ich demnächst um. Die Packerei bringt manch wunderliche Dinge zum Vorschein. Heute: Eine Flasche BOGA aus Tunesien.

BOGA war bis in die späten 90-er Jahre DIE tunesische Limonade. Und zudem die weltweit beste. Es gab sie mit Zitronengeschmack. Oder als BOGA cidre, das nach Apfelmost schmecken sollte, es aber nicht tat - sondern nach Schokoladen-Kaugummi. Ich mochte BOGA sehr gerne: Bis die Firma von Coca-Cola aufgekauft wurde. Ab dann schmeckte BOGA zuckersüss und nach Sprite. Und ganz gewöhnlich.
Meine Flasche ist aber noch das alte gute BOGA – und noch voll!

19. November 2016

wer möchte mit uns nach Marokko reisen?

Im Februar 2017 reisen wir wieder nach Marokko. Es wird eine Wüsten-Tour zu den goldgelbe Sanddünen, einsame Bergtäler und zu den bunte Lehmdörfer im Süden. Und natürlich besuchen wir die Königsstädte Marrakesch, Fes und/oder Meknès.
Wir werden mit mehreren Fahrzeugen unterwegs sein und eher genussvoll reisen

Und: Wir hätten noch Platz für ein oder zwei Mitreisende. Entweder für die gesamte 4-Wochen-Tour oder für eine 2- oder 3-Wochen Teilstrecke mit einem Flug ab/bis Marrakesch. Oder eine Kombination von beidem - wir sind da ziemlich flexibel.

Wer mit uns verreisen möchte; melde sich bitte hier: muger@bluewin.ch

Wir täten uns sehr über anregende Reisepartner freuen. Und ich freute mich zudem ganz besonders über einen Videofilmer oder einen Eisenbahner. Odr so.

18. November 2016

Fundsachen 1: Unterhaltigsspiel und Tänz

Wie ihr vielleicht wisst, ziehen Frau G. und ich demnächst um. „Zügeln“ sagen wir in der Schweiz dazu.
Die Packerei bringt manch wunderliche Dinge zum Vorschein: Heute ein schmales Büchlein in aufdringlichem orange: «30 Unterhaltigsspiel und Tänz - gsammlet und zämmebüschelet vom Heiri Gysler».

Das Büchlein dürfte aus den 1940-er Jahren sein. Doch woher und warum ich es habe, weiss ich nicht.
Aber zu Weihnachten werden Frau G. und ich bestimmt einige der dreissig Unterhaltungsspiele nachtanzen. Gaaanz sicher.

17. November 2016

washalb fensterputzen UND Vorhänge?

Jetzt wo ich aus meiner alten Wohnung ausziehe, ist es Zeit rückblickend einige Sachen zu klären. Ich habe in den fast siebzehn Jahren, wo ich hier wohnte, bloss drei, viermal die Fenster geputzt.
Natürlich schreien jetzt alle: «Pfui, sechzehn Jahre lang dreckige Fenster!»
Aber so habe ich mir nicht nur die Vorhänge gespart, sondern auch ‒ ich hab‘s ausgerechnet ‒ 96 Stunden Lebenszeig gewonnen. Statt fensterputzen konnte ich auf dem Balkon stehen und die Landschaft bewundern, oder in der Hängematte liegen und Chips essen. Oder im Internet Unsinn lesen. Auf jeden Fall war alles davon besser als fensterputzen.

Gewisse Leutinnen in meinem näheren Umfeld sehen das trotz aller Vorteile ganz anders und wollen künftig Vorhänge UND die Fenster putzen! Warum nur?

16. November 2016

wenig Bahn nach Eriswil

Kürzlich waren wir in Huttwil. Und da konnte ich natürlich nicht wegschauen, als ich einige Resten der ehemaligen HEB - Huttwil-Eriswil-Bahn  - sah. Die Huttwil-Eriswil-Bahn fuher seinerzeit von Huttwil bis ins kleine Nachbardorf Eriswil; 4,5 Kilometer Streckenlänge und etwa 8 Minuten Fahrzeit. Mehr nicht!


Umso erstaunlicher ist, dass die HEB doch sechzig Jahre in Betrieb war und erst 1975 einging.
Von der einstigen Bahnlinie konnte ich noch zwei Relikte finden. Eine Eisenbahnbrücke ganz ohne Eisenbahn und ein Stück Gleis auf dem Holzlagerplatz einer Zimmerei. Nicht viel, wenn man an die grossen Pläne von damals denkt.

15. November 2016

in Uruguay ist nichts los

Ursprünglich gingen wir ja mit dem Gedanken schwanger, diesen Herbst nach Brasilien, Uruguay und Argentinien zu reisen. Stattdessen reisten wir dann aber nach Mailand. Und dort trafen wir ganz unvorbereitet auf „Uruguay“ - die Metro-Station Uruguay.

Wir stiegen extra aus, stampften die Treppe hoch und schauten uns dieses Uruguay an. Eine totgetrampelte Rasenfläche und dahinter banale Wohnblocks. Keine Gaucho, keine Lamas und keine gegrillte Meerschweinchen! Uruguay ist laaangweilig - aber Hauptsache in Italien.

14. November 2016

Stink-Tofu mit betäubend würzigem Geschmack

Kürzlich kaugfte ich in einem Chinaladen in Mailand einen Beutel "Irgendwas". Keine Ahnung was das ist, aber das Bild auf der Packung hat mir gefallen.
Neulich durchsuchte ich die Schränke nach einem Feierabend-Snack. Und da fiel mir diese China-Tüte in die Hände. Perfekt. Im Beutel drinnen ist ein zweiter Beutel; vakuumiert und dicht verschweisst. Jetzt im Nachhinein weiss ich es nun auch; das war eine Warnung!

Denn im zweiten Beutel war etwas drin, das aussah und roch, wie ‒ öööhm ‒ hinein geschissen! Einige glitschigen Knödel, die grauslig nach fauligem Kehricht und Eselkadaver stinken! Doch davon lasse ich mich nicht täuschen. Wenn das die Chinesen essen, dann ich auch.
Also beisse ich tapfer in einen dieser Gagel. Und ich muss sagen – schmecken tut er markant besser als riechen. Wobei das noch keineswegs bedeutet, dass er gut schmeckt.
Mal schauen was das Internat dazu sagt: Das ist "Chou Doufu", Taiwans Nationalgericht. Auch „Stinkender Tofu“ genannt. Dazu wird der Tofu monatelang in einer Lake fermentiert und dann vor dem Genuss noch in einer Gewürzbrühe mariniert. Er habe dann einen «für den europäischen Gaumen fast betäubend würzigen Geschmack», steht da zu lesen. Würzig!!!

12. November 2016

die Umwelt abschaffen

Die «Abschaffung der Umwelt, weil es schwer sei, sie sauber zu halten, und sie so viel Platz verbrauche» forderte die kanadische „Parti Rhinocéros“ in den 80-er Jahren. Ein pfiffiger Gedanke, wie ich finde.
Mit der "Gegend" ist es nämlich genau so. Wo man hin blickt ist Gegend, viel Gegend. Und nicht nur einfach Gegend; nein, richtiggehend feindlich gesinnte Gegend mit Reifglätte, Schneematsch oder überfrierender Nässe. Odr so.

11. November 2016

überm Meer

Über dem Nebelmeer war es mild und sonnig. Also segelten wir in die Berge und genossen den bunten Spätherbst.


Dazu gab es sauereingelegtes Gemüse, Tomatensalat mit wildem Schnittlauch und Safran-Risotto. Ööööm – und eine sonnengebräunte Brühwurst vom Hausschwein.

10. November 2016

sex – öööhm ‒ ja warum denn nicht?

Gestern lachten mich vor unserem Dorfladen zwei Klemmbrett-Burschen an. Ob ich ihren Fragebogen ausfüllen täte?
«... aber gerne doch.»
Auf dem Zettel standen bloss zwei Fragen; bei beiden geht's um Braunvieh: „Was halten Sie vom Embryo-sexen?“ Und. „Was halten Sie vom Sperma-sexen?“ Und unten drunter jeweils drei Linien für eine kurze Stellungnahme.

Ja – öööhm ‒ ja, nun stand ich da und war etwas sprachlos. Ich weiss zwar grad noch knapp, worum es hier geht. Aber ehrlich gesagt, habe ich mir bisher recht wenig Gedanken zum viehischen Sex gemacht und, und eine eigene Meinung dazu habe ich auch nicht!

Und jetzt – was soll ich hinschreiben? Grummmel grummel...

9. November 2016

die Amerikaner hatten die Wahl

Nicht alles was braun ist und am Wegrand liegt …

… ist Schokolade.

Schopftintling oder Tintenschopfling?

Mit Pilzen kenne ich mich, ausser in der Küche, so gar nicht aus. Doch diese hier haben mir so gut gefallen, dass ich ein Foto machen musste.
Kurz darauf trafen wir zum Glück auf einige Pilzsammler und fragte sie, wie diese Pilze denn hiessen? Schopftintling oder Tintenschopfling behauptet das Leittier.

Mit ihren gefiederten Hüten sehen die Schopftintlinge ja ganz hübsch aus, doch schon wenigen Tagen später verfärben sie sich schwarz und werde zu einem schleimigen Matsch. Jung sollen sie vorzüglich schmecken, behauptete der Pilzler, und wollten unbedingt wissen, wo genau wir die Barbie-Pilze denn gefunden hätten? Doch wir konnten uns ‒ leider, leider ‒ nur noch wage an den Fundort erinnern.

8. November 2016

mit dem Wohnmobil nach Mailand?

Unsere Mailand-Städtereise ist zu Ende – ein Blick zurück und einige Reisetipps von mir.

+In Mailand selber gibt es keine Campingplätze, bloss ausserhalb. Eh nix für uns - deshalb haben wir auf einem Parkplatz neben einer Metrostation gehaust. Es war ruhig und kostenlos, und wir wurden weder belästigt noch vertrieben. Uns hat es da sehr gut gefallen.

+Der Öffentliche Verkehr in Milano funktioniert mit Metro, S-Bahn, Bus und Tram wie anderswo und hervorragend. Neben dem üblichen Biglietto gibt es am Automaten auch praktische Ein- und Zweitageskarten für 4,50/8,25 €. Aber Obacht, diese gelten nur im eigentlichen Stadtgebiet und nicht auf dem ganzen Netz. Die Messehallen liegen zum Beispiel ausserhalb der Gültigkeit.
+Ende Oktober ist auch in Mailand das Wetter nicht mehr ‒ öööhm ‒ sehr sommerlich. Die Touristenschwemme im Stadtzentrum ist deshalb aber nicht wesentlich kleiner. Doch bereits in den Nebengassen ist es ruhig und beschaulich. Und der Cappuccino kostet da auch bloss noch 1,50 €.

Unser Fazit: Milano war und ist eine grossartige Stadt und jederzeit einen Besuch wert. Auch mit dem Wohnmobil, Camper oder Möbelwagen. Oder mit der Eisenbahn; Trenitalia fährt schon für 9 Euro ab Zürich oder Luzern.

7. November 2016

in Huttwil ist Zibelemärit

Kürzlich fand in Huttwil der legendäre und alljährliche Zibelemärit, der Zwiebel-Markt, statt. Frau G. wollte ihn anschauen und ich begleitete sie gerne und freudig. Es ist jetzt aber nicht so, dass ich mich sonderlich für Zwiebeln interessieren täte. Nein, vielmehr freute ich mich auf den Ausflug und die Möglichkeit einer Grillwurst.

Am  Zibelemärit werden - wenig überraschend - allerlei Zwiebeln feilgeboten. Rote, weisse und gelbe; lose und zu Zöpfen gebunden. Aber auch Öpfuchüechli, Krapfen und Fisch-Knusperli. Und wie erwartet Rauchwürste, Hot-Dog und Bratwürste. Ich erwerbe dann aber einen Schinkengipfel und einen Nidelkuchen, der, wie sich später herausstellt, am Einpackpapier klebt und leicht nach Gummistiefel riecht.
Dann weicht der Bodennebel und die Sonne lösst das abgestorbene Laub herbstlich bunt leuchten. Und wir fahren nachhause.

5. November 2016

Milano: Hexenschuss

Wir hausen immer noch in unserm Möbelwagen-Ferienhaus auf dem Parkplatz der Metrostation San Leonardo. Die Nacht war ruhig aber kalt. Aus der Heizung strömt nur ein lauwarmes Lüftchen, denn sie läuft auf Stufe 1. Schalte ich sie auf Stufe 2 leuchtet bloss ein rotes Licht – und das macht auch nicht wärmer.
Als ich aufstehe, sticht es mich unsäglich in den Rücken. Ich weiss zwar nicht wie sich ein Hexenschuss anfühlt, aber etwa so stelle ich mir den vor. Mit der Zeit und mit der Bewegung wird der stechende Schmerz weniger und wir fahren wie jeden Tag mit der Metro 1 in die Stadt.

Jetzt ist es Abend – und der Hexenschuss hat mich wieder mächtig getroffen. Ich liege im Möbelwagen und winseln leise vor mich hin. Ich kann mich kaum bewegen.
Etwas später gehen wir noch gschwind in die Bar nebenan in der Metrostation. Wobei; ich tue weniger gehen, als vielmehr gebückt hin tippseln. Frau G. stützt mich wie einen Betagten. Zum Glück hat‘s Barhocker, sonst hätte ich an der Theke abhängen müssen. Wie ein Besoffener – odr so.

Am Abend werden meine Rückenschmerzen immer heftiger. Ich kann nicht stehen und nicht liegen – aber wenigstens relativ schmerzarm sitzen. Deshalb fährt mich Frau G. nachhause. Die Autobahn ist ohne Autos und wir sind kurz nach zwölf zuhause. Gut, denn morgen ist Weltmännertag.

3. November 2016

Milano: grellbunte Kerle und feuchte Hände

Ich mag Mailand ganz besonders wegen der skurriler Sehenswürdigkeiten und schriller Typen, den Möchtegern-Designer und Mode-Tussis.

In einem schäbigen Durchgang unweit des Domplatzes gibt es auch einen „Walk of Fame“. Allerlei Prominente haben hier ihre Handabdrücke im feuchten Beton hinterlassen. Sophia Loren, Roger Moore, Patrick Swayze und sogar MacGyver trat hier in den weichen Mörtel.

2. November 2016

Milano: mit dem Flieger ins Hochhaus

Das Pirelli-Hochhaus wurde in den späten 1950-er Jahren gebaut und ist eine Ikone der italienischen Nachkriegs-Moderne. Mit seinen 128 Metern war es lange Zeit auch das höchste Gebäude Mailands. Und zehn Meter höher als der Mailänder-Dom.

Am 18. April 2002 röhrte ein Flugzeug quer über den Bahnhofplatz und prallt ins Pirelli-Hochhaus. Italien war geschockt. Die Terroranschlägen in den USA waren ja erst einige Monate her und nun befürchtete man Ähnliches.
Der Brand im  im 26. Stockwerk konnte recht zügig gelöscht werden. Was übrig blieb waren drei Tote und über 50 Verletzte. Und einige komplett zertrümmerte Stockwerke im "Pirellone".

Das Flugzeug war eine Rockwell Commander (HB-NCX) und kam aus Lugano. Sein Pilot war ein schweizer Rentner und alleine unterwegs. Lange Zeit rätselte man, ob es nun ein Terroranschlag oder ein Unfall war. Später zeigte es sich dann, es war ein Selbstmord.

Der „Pirellone“ (n45.4847, e9.2011) ist längst wieder renoviert und im 31. Stock befindest sich heute eine Gedenkstätte und mit einem grandiosen Ausblick über die Stadt. Die ist allerdings nur am Sonntag geöffnet. Doch als wir da waren - nicht.

1. November 2016

Milano Centrale, grauslich schön

Der Mailänder Hauptbahnhof „Milano Centrale“ ist ein richtiger Eisenbahn-Tempel. Ein riesengrosser Kopfbahnhof mit 24 Geleisen. Ein imposanter Palast aus hellem Sandstein und voller patriotischem Schmuckwerk, himmelhohe Hallen und dicke Marmorsäulen. Von den Gesimsen äugen Löwen und Adler und bunte Mosaike künden vom Fortschritt.

Ursprünglich stand der Hauptbahnhof auf der heutigen Piazza della Repubblica. Als es da zu eng wurde, verlegte man ihn etwa 1 Kilometer weiter nach draussen. Geplant wurde er noch in der Pferdekutschenzeit, gebaut dann aber erst in den 1930-er Jähren. Deshalb war er auch schon von Anfang etwas altmodisch und veraltet.
Für den König gibt es einen Extra-Zugang und einen prunkvollen Wartesaal, den „Sale Reale“ im östlichen Seitenflügel. Doch der König nutzte den kaum, dafür hat der Duce Mussolini hier gerne seinen deutschen Freunde empfangen! Man legte dazu sogar extra einen schicken Hakenkreuz-Parkett.

Ganz in der Nähe ist die „Cappella di Stazione“, die Bahnhofskappelle. Nirgends sonst kann man im Bahnhof so ruhig und ungestört sitzen und sich ausruhen.
Da das Gelände um den Bahnhof herum etwas abschüssig ist, die Geleise aber unbedingt waagerecht sein müssen, befinden sie sich zuvorderst mehr als zehn Meter über der Strasse. Von der ehemaligen Kutschenhalle gelangt man über zwei prachtvolle Treppen in die eigentliche Bahnhofshalle hinauf. Und von da in die komplett verglasten Geleishallen mit ihren fünf Gusseisen-Bögen.

Im  Hohlraum unter den Geleisen befand sich früher eine richtiger Güterbahnhof. Er hatte aber keinen eigenen Gleisanschluss, die Güterwagen wurden stattdessen einfach mit einem grossen Lift in die Halle hinauf gehoben.
Und von hier wurden zwischen 1943 und 45 auch zahlreiche Mailänder in verschiedene deutsche und italienische Konzentrationslager abtransportiert. Seit einigen Jahren gibt es darum im Keller unten eine kleine Gedenkstätte.
Doch jedesmal wenn ich bisher da hinein wollte, war sie geschlossen! So auch heute.