20. Januar 2016

Zypern: es regnet ins steinige Paradies

Heute ist da Frühstücksbuffet in Insel-Form und die knusprigen Gipfeli sind abwesend. Aber alles andere ist da und schmeckt toll. Aber draussen ist der Himmel grau und es sieht nach Regen aus. Wir beschliessen heute einen Ausflug in die Berge zu machen, bestimmt scheint ja bald wieder die Sonne. 

Am Stadtrand von Larnaka steht gleich neben der Hauptstrasse das „Kamares Aquädukt“ (N34.9122, E33.5987) aus der osmanischen Zeit. Erbaut in der Mitte des 18. Jahrhunderts und bis 1939 in Betrieb. Heute steht das dreihundert Meter lange Bauwerk eher hilflos im Ödland.
Am Horizont sehen wir einen hohen Berg mit einem Kloster auf dem Gipfel. Da fahren wir hin. Es beginnt zu regnen und wir nehmen eine Abkürzung, die dann allerdings abrupt vor einem Kasernentor endet. Dann schlängelt sich die Strasse weit bergauf bis zum Stavrovouni-Kloster (N34.8857, E33.4356).

Von hier oben ist die Aussicht schier grenzenlos. Weit unten sehen wir Larnaka und das Cape Greco. Das Kloster ist nur für Männer zugänglich; aber heute nicht. Wir sehen grad noch einen der Mönche abschliessen und mit seinem Pickup wegfahren.

Der Regen wird heftiger und wir fahren weiter. Zuerst wieder hinunter ins Tal und dann kreuz und quer über die Hügel bis nach „Kato Lefkara“ (N34.8619, E33.3163). Kato Lefkara ist ein kleines verschlafenes und regennasses Bergdorf. Malerisch. Aber heute ist es hier wie ausgestorben, keiner da; Regen und Wintersaison.

Etwas oberhalb liegt „Pano Lefkara“ (N34.8676, E33.3063), grösser und ebenso nass. Wir schlendern durch die malerischen Gassen und sehen einen anderen Touristen. Die meisten Schaufenster sind leer oder verschlossen. Da und dort ist aber dann doch ein Geschäft geöffnet. Es werden Silberwaren und Stickereien feil gehalten; oder Souvenir-Plunder.
Die Häuser und Strassen bestehen alle aus dem gleichen Kalkstein, bloss da und dort ist eine Mauer hellblau angepinselt.

Wie setzen uns in das einzige offene Café. Es ist äusserst schlicht eingerichtet und ausser Kaffee und zwei Katzen auf dem Fenstersims gibt es hier nichts. Drei alte Männer sitzen um den Ofen und lesen Zeitung.
Wir bestellen einen Kaffee; mit etwas Milch. «MILCH! - nööh?» kopfschüttelt der Wirt.

Der Regen hat nachgelassen und wir fahren nachhause, nach Larnaka. Kaum da, reissen die Wolken auf und es scheint wieder die Sonne. Dann verschwindet sie hinter den Bergen und die Abenddämmerung legt sich leise über die Stadt.
.

19. Januar 2016

Zypern: Wunschbäume und Blauhelme

Auf einem Hügel hinter Protaras steht die kleine „Profitis Elias Kapelle“ (N35.0184, E34.0411). Sie sieht zwar alt aus, wurde aber in den 1980-er Jahren neu gebaut. Von hier oben haben wir eine grossartige Aussicht über das Städtchen und weit aufs Meer hinaus. Am Horizont sehen wir sogar Famagusta in Nordzypern drüben, das wir später auch noch besuchen wollen.

Ich bin aber eigentlich wegen der „Wunschbäume“ hier oben. Die Leute knüpfen Stoffstreifen an die Bäume und hoffen dass damit ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Manche gehen auf sicher und knüpfen gleich einen dichtbeschriebenen Wunschzettel ins Geäst. Und ganz vorsichtige stecken ihre Wünsche sogar vorher noch in eine wasserdichte Plastikflasche.

Unsere Rundfahrt geht über Paralimni nach Sotira, wo wir im Dorf herum schlendern und uns umsehen. Aber viel gibt es hier nicht zu sehen; eine alte griechisch-orthodoxe Kirche mit einem verträumten Friedhof und ein geschlossenes Museum. Sonst ist es hier wie ausgestorben. Aber nett.

Auf der Heimreise machen wir noch einen Abstecher nach Pyla. Das kleine Dorf ist eigentlich nichts Besonderes, doch es liegt als einziges mitten in der UN-Pufferzone; dem Sperrgebiet zwischen den beiden verfeindeten Zypern. Direkt am Dorfplatz steht einer dieser UN-Kontrollposten (N35.0135, E33.6925). Heute halten hier serbische UN-Soldaten die beiden Kriegsparteien auf Distanz und sorgen so für Ruhe. Frieden ist aber auch nach mehr als vierzig Jahren nicht in Sicht.

Pyla ist das einzige Dorf in Zypern, wo seit dem Krieg von 1974 türkisch- und griechischsprachige Zyprer zusammen leben. Damals wurde Zypern „gesäubert“; viele Hunderttausend Einwohner mussten in den türkischen oder griechischen Teil Zyperns flüchten. Nur Pyla wurde „vergessen“, hier leben sie immer noch beisammen. Mehr oder wenig friedlich. Am Dorfplatz können wir zwischen einer Taverne, einem Pub und einem türkischen Kaffeehaus wählen. Wir gehen zum Türken und geniessen einen Kahve.
Grad als wir die christliche Kirche anschauen, beginnt der Muezzin vom Minarett zu rufen. Isch schön hier.

Gegen Abend sind wir wieder in Larnaka. Direkt vor unserem Hotel war anscheinend heute ein Oldtimer-Treffen. Einige sind noch da; vor allem englische, aber auch einige Mercedes und ein etwas peinlicher Porsche.

18. Januar 2016

Zypern: rechts lenken, links fahren

Larnaka. Läge unser Hotelzimmer vorne raus, würden wir über dem Meer den Sonnenaufgang sehen. Tut es aber nicht und wir sehen stattdessen kopulierende Tauben im Hinterhof.
Das Frühstücksbuffet ist ein Linksdreher. Von allerlei Brot über Gebratenes und Gesottenes bis zum Joghurt und den Früchten ganz links aussen gibt es alles, was man essen mag - und weisse Bohnen in roter Tunke für die Engländer.

Jetzt wo wir schon mal hier sind, müssen wir wohl die nächsten Tage planen. Das haben wir nämlich noch nicht gemacht. Frau G. hat ihren Zypern-Reiseführer ja auch erst gestern gekauft. Fünf Millimeter geballtes Wissen zwischen zwei bunten Buchdeckeln. Nicht viel, aber das Beste was wir haben.

Unser Kia hat nicht nur das Lenkrad rechts – nein, er hat auch feuerrote Nummernschilder, damit jeder sieht, dass es ein Mietauto ist. Quasi als Warnung für die Einheimischen!
Wie dem auch sei, wir halten uns links und fahren nach Osten. Zum Glück hat es kaum Verkehr und so kann ich noch ein wenig Linksverkehr üben. Der Verkehr ist auch gar nicht mein Problem, vielmehr mühe ich mich mit der ungewohnten linke-Hand-Schaltung ab.
Gar nicht weit hinter Larnaka erreichen wir Ayia Napa, ein Zentrum der Tourismusindustrie. Kilometerweit Strandhotels. Jetzt im Winter sind fast alle zu. Ebenso all die Restaurants, Shoppings und anderen Bespassungsanlagen. Wir parkieren am Alten Hafen (N34.9818, E34.0013) und spazieren auf die Mole. Viele Schiffe und ein paar Fischer. Und glasklares Wasser.

Mitten auf dem Hafen-Platz steht eine kleine orthodoxe Kirche, innen komplett mit Heiligen bemalt. Die „Isaac Tavern“ nebenan hat auch offen – wegen der Skandinavier, die hier überwintern, erzählt der Chef. Wir setzen uns in den Schatten der Bäume und geniessen seinen wunderbaren Kaffee. Ein paar kleine flauschige Wolken ziehen über den blauen Himmel. Gefällt mir irgendwie besser, als der Bodennebel und Schneematsch zuhause.

Hinter Ayia Napa endet Südzypern am Cape Greco. Hier fallen die ockergelben Felsen abrupt ins türkisgrüne Wasser. Mancherorts hat das Meer sogar richtige Löcher (N34.9719, E34.0755) aus den Felsen gebissen und skurrile Formen entstehen lassen.
Ansonsten ist die Landschaft karg und menschenleer. Einzig das britische Militär betreibt hier eine grosse Funkanlage und tut geheimnisvoll.

16. Januar 2016

Zypern: wie im Fluge

Das Wetter ist zweifelhaft und wir sind viel zu früh am Flughafen Basel-Mulhouse. Die Abflughalle ist mollig warm und bequem bestuhlt, dazu gibt es eine funktionierende Steckdose, freies WiFi und Kaffee aus dem Automaten. Besser als zuhause.
Unser 18-Euro-Easyjet-Airbus ist regennass und nicht ganz voll. Ich zwänge mich auf den Stuhl 18A und verkeile meine Beine kreuzweise im Zwischenraum. Der Flug selber ist eher ereignisarm und dauert knapp dreieinhalb Stunden. Einzig in der Sitzreihe hinter mir herrscht Aufregung. Die Frau sucht ganz verbissen ihr Handy. Sie habe damit gespielt und sei dann eingenickt; und jetzt ist es weg. Sie kriecht unter die Sitze und durchwühlt eifrig das gesamte Umfeld. Nach langer und intensiver Suche findet sie es dann - in ihrer Handtasche.

Am Flughafen Larnaka - oder Λάρνακα, wie sie hier sagen – haben wir einen Mietwagen reserviert. Er ist weiss und heisst Kia. Und er hat das Lenkrad rechts – also, verkehren wir halt links!
Bereits am allerersten Kreisel begrüsst uns ein Einheimischer mit einem kräftigen Huuuuper. Isch ja gut!

Unser Hotel liegt mitten in Larnaka und direkt an der Strandpromenade. Es ist deutlich nobler als ich es gewohnt bin. Aber jetzt in Nebensaison sind die Preise niedrig und Frau G. hat‘s verdient.

Ich bin jedesmal wieder verblüfft, wie schnell man doch heutzutage irgendwo ist. Mit dem Auto oder der Bahn hätte die Reise hier hin fast eine Woche gedauert; wir heute nicht mal einen ganzen Arbeitstag.

14. Januar 2016

1770 im Nirgendwo

Neulich irgendwo im Internet gesehen: Im australischen Queensland gibt es ein Dorf mit dem schönen Namen „1770“.

Und jetzt ratet mal die Postleitzahl: 4677!

13. Januar 2016

das perfekte Wurstbrot

Das Wurstbrot – vollwertige Mahlzeit und Rezept zugleich. In den letzten Jahren wurde viel darüber geschrieben und dennoch bleibt es ein ukullisches Rätsel.
Für ein perfektes Wurstbrot braucht es eigentlich gar nicht viel: Wurst und Brot. Fertig. In Hanglagen ist allenfalls noch Butter oder Mayo als Rutschsicherung erlaubt. Aber sonst braucht es gar nix. Keine Tomate, keine Gurkenscheibe und erst recht kein Salat oder anderes Begleitgrün. Nur Wurst auf Brot. Und etwas Butter; aber keinesfalls Senf oder Ketschöp. Nichts dergelichen.

Wagemutige Forscher, Exzentriker und Besoffene haben schon unzählige Varianten erprobt. Aber es hat sich gezeigt, schlussendlich funktioniert nur Wurst AUF Brot. Wurst unter dem Brot ginge geschmacklich zwar auch, klebt aber auf dem Tisch und lässt sich deshalb kaum verspeisen.

Der prüde Engländer bedeckt die Wurst auf dem Wurstbrot schamhaft mit einer zusätzlichen Scheibe Brot - und nennt diesen kulinarischen Missgriff „Sandwich“. Der Italiener verwendet statt Fleischwurst eine grobe Pökelwurst namens Salami und der Franzos ein längs halbierte Baguettes statt Brot. Geschmacklich in Ordnung, aber es kommt bei weitem das Original heran. An das Wurstbrot mit nicht als Wurst auf Brot.

Das muss man ja noch sagen dürfen!

12. Januar 2016

die Sache mit dem Brennholz

Man kann Brennholz so ...

oder so lagern.

11. Januar 2016

Geheimtipp: Rollbeutel für Kleider

Neulich sah ich im Migros Kompressionsbeutel für die Reisekleider. Probehalber kaufte ich einige und erprobte sie auf miner Genua-Reise. Bis jetzt verwendete ich ja einfache Stoffbeutel. Diese sind nun aus Plastik; Wäsche hinein, verschliessen und die Luft hinausdrücken. Fertig.
Die Kleider sind vakuumiert, bleiben sauber und nehmen weinig Platz weg. Und weil die Beutel durchsichtig sind, sieht man bereits im Voraus, was man anzieht.

Die Beutel mit dem schönen Namen „Compactor Jet Roll Bag“ gibt es in verschiedenen Grössen. Ich kaufte die kleinen, Grösse „S“, 35 x 50 cm. Ein Doppelpack der Rollbeutel bekommt man bei uns im Migros für 2,50 Franken - im billigen Ausland oder Internet für etwa 5 bis 9 Euro.
Fazit: Kann man gebrauchen, geht aber auch ohne.

9. Januar 2016

wir reisen zu den beiden Zypern

Wie jeden Januar machen Frau G. und ich eine kleine Winterreise. Diesmal zu den beiden Zypern - der Republik Zypern (Κυπριακή Δημοκρατία Kypriakí Dimokratía) und der Türkische Republik Nordzypern (Kuzey Kıbrıs Türk Cumhuriyeti).
Das eine Zypern wird von niemandem anerkannt, die andere ist in der EU - aber bis auf die Euro-Münze haben sie’s trotzdem nicht geschafft.

Wir fliegen nach Zypern, weil wir noch nie da waren und weil da jeden Tag die Sonne scheinen soll, sagt man. Auch im Winter! Und dass unser Flug bloss 19 Euro kostete, hat uns auch nicht grad von der Reise abgehalten.
Wenn wir gelandet sind, werde ich reiseberichten...

7. Januar 2016

Mode aus dem Iran

Nicht dass ihr jetzt denkt, ich lese so Mode-Heftl! Aber im Zusammenhang unserer Iran-Reise-Vorbereitungen stiess ich auf tolle Fotos aus dem Iran. Junge Frauen räkeln sich vor den grossartigen Moscheen Persiens und zeigen Mode.

Die Fotos erschienen im Dezember 1969 in der „Vogue“; fotografiert von Henry Clarke. Die Bilder zeigen die Ali-Moschee in Isfahan. Beim rechten Bild bin ich mir aber nicht ganz sicher?
Vielleicht weiss jemand mehr dazu?

6. Januar 2016

Aschenbecher Singapur - hüstelhüstel

Neulich irgendwo im Internet gesehen:

In  Singapur gibt es Aschenbecher im neckischen Lungenkrebs-Design.

5. Januar 2016

Grasse – die Stadt der Düfte

Grasse ist ein zauberhaftes Städtchen in Südfrankreich und für seine Parfüms weltbekannt. In den dortigen Parfümerien werden aus allerlei Essenzen feinste Düfte gezaubert. Lavendel, Rosen und Jasmin. Ambra, Vanille und Sandelholz.
Damals, als ich noch ab und zu als Reiseleiter tätig war, musste ich immer wieder mal in Grasse die Parfümerien besuchen. Und da das alle anderen Touris auch machten, waren diese Parfümläden immer voller Leute, was ich gar nicht mochte. Ein Gedränge und Geschupse. Und alle Leutinnen schnüffelten an Papierstreifen und quickten vor Begeisterung.

Das änderte sich dann genau an dem Tag, als mir mitten in so einem Duft-Paradies ein überaus imposanter Darmwind entfleuchte. Plötzlich herrschte im Raum eine ganz andere Stimmung. Wie eine bleierne Wolke kroch mein Furz durch den Raum und rang die edlen Düfte nieder. Manche legten angewidert die Duftstäbchen beiseite. Andere schauten suchend umher.
Nur selten hat meine Anwesenheit einen solchen Eindruck hinterlasse. Stolz kehrte ich den Besuchermassen den Rücke zu und setzte mich zu den Männern, die ihren Wissensdurst vis à vis in der Gaststätte stillten .

Seither mag ich die Parfümerien von Grasse. Ich kann jedem den Besuch empfehlen. Geht hin uns lasst einen fahren. Die angewiderten Blicke werden es euch danken.

4. Januar 2016

Marokko: das Teufelsloch

Das Trou du Diable misst etwa 30 Meter im Durchmesser und ist wohl ebenso tief. Mitten in der kahlen Ebene öffnet sich der Abgrund. Vom Rand kann man weit unten den Atlantik gurgeln und schäumen sehen. Die Möwen kreisen und hoffen auf einen an den Felsen zerschmetterten Fisch. Grauslig schön.

Als wir im Frühling da waren, war das Wetter dermassen schlecht, dass ich kein Bild zeigen mochte. Das hole ich jetzt nach und hoffe, dass der eine oder andere diese eher unbekannte Sehenswürdigkeit (N28.107, W12.038) demnächst besuchen mag.

2. Januar 2016

ein neues Jahr

Vorsicht - harter Stoff! Und beachtet den virzuosen Pianisten am rechten Bildrand, das könnte ich sein...
.

31. Dezember 2015

mein wunderbares Reisejahr

Das 2015 ist demnächst aufgebraucht. Es war ein wunderbares Jahr mit vielen anregenden Reisen. Zuerst ein Ausflug nach Südspanien, dann eine Rundreise durch Marokko und die Westsahara. Im Sommer eine Skandinavien Rundreise quer durch Deutschland, Dänemark, Norwegen und Schweden. Und dazwischen ging es immer wieder einige Tage nach Frankreich und Italien.

Fürs 2016 sind zwei Reisen schon fix geplant – beide in den Orient. Im Januar reisen wir nach Zypern und in die Republik Nordzypern und im April in den Iran.
Nachher muss ich dann alleine reisen, denn Frau G. hat erst im November wieder Urlaub. Mal schauen, vielleicht findet sich ja noch jemand, der mitkommen mag...

30. Dezember 2015

Mann mit Dudelsack

Es stand Ende Oktober in allen Zeitungen: Mitten im Gotthard-Tunnel unterhielt ein Mann im Schottenrock die staugeplagten Autofahrer mit seinem Dudelsack. «Als die Einsatzkräfte eintrafen, sei der Mann allerdings wieder verschwunden gewesen, sagte ein Sprecher der Urner Kantonspolizei. Eine Identifikation der Person sei bislang nicht möglich gewesen.»

Was sich so spektakulär liest, war eigentlich ganz harmlos. Wegen einer Panne wurde der Verkehr im Strassentunnel angehalten und der Dudelsackspieler nutze die Gelegenheit für ein kleines Ständchen. Und bevor er sich wieder hinters Steuer setzte, kommentierte er noch kurz die aktuelle Verkehrslage.
Der „Unbekannte“ heisst Jean-Claude und kommt nicht aus Schottland, sondern aus der Umgebung von Basel. Er ist schier weltbekannt, denn wann immer er mit seinem Lastwagen irgendwo warten muss, spielt er Dudelsack. Ob Baustelle oder Autobahn – egal, er dudelt mit seinem Sack.

Für mich ist er ganz eindeutig der „Schweizer des Jahres 2015“.

29. Dezember 2015

harte Zeiten für die Mäuse

Auf dem Bänkli vor unserer Alphütte war es gestern seich-lew; oder wie der Hochdeutsche sagen täte: „sehr lau“.

Die Wintersonne blinzelte fast waagerecht über die Krete. Die Gänseblümchen blühen als ob‘s Frühling wäre. Nur im Schatten liegt da und dort noch etwas Rest-Schnee.

Jetzt wo der herbstlichen Schnee weggeschmolzen ist, sieht man das Strassennetz der Mäuse. Ohne die schützende Schneedecke sind sie nun eine beliebte Zwischenmahlzeit für die Bergdohlen. Ein Häppchen zwischendurch - sozusagen im Fluge.

28. Dezember 2015

Sissi, der weisse VW und die Ohrfeige

Fernsehmässig bedeuten diese Festtage eine endlose Reihe von Don Camillo, Skispringen, Sandalen-Römer, Aschenblödel und Helene Fischer Show.
Hätte nicht am Vorabend mein Bruder erzählt, dass im Sissi-Film Autos herumfahren, ich hätte ihn nie und nimmer geschaut - den Film. Aber tatsächlich: Nach knapp einer halben Stunde Sissi-Kitsch sieht man wie der Gendarmeriemajor Boeckl im Grünzeug lauert; und im Hintergrund – ennet der Traun – einige Autos vorbeifahren. 185?.

Zuerst hinter der Kaiserin-Elisabeth-Brücke ein schwarzes und ein graues. Dann bei den Bäumen direkt vor dem Cafe Sissi ein schneeweisser VW-Käfer. Nur für einen Augenblick zu sehen, dann filmt die Kamera wieder das junge Sissilein, das kurz darauf den feschen Kaiser Franz Joseph kennenlernt, sich zwei Tage später verlobt und ihn im Jahr darauf heiratet. Dann haut Bud Spencer dem Schurken seine Faust auf den Schädel. Aber das ist wohl eine andere Geschichte?

27. Dezember 2015

mein Festtags-Zwischenbericht

Allerhand Ver- und Bekannte und feines Essen. Vorgestern brillierte Frau G. mit wachsweichen Eiern im Speckkörbchen und Nüsslisalat. Dann Schweinefilet-Medaillon mit Couscous und buntem Gemüse.

Gestern starteten wir mit einer üppigen Käseplatte von Herrn E. Von Blue Stilton und Cambazola bis zu Fluonalper Bergkäse und Sbrinz. Dazu sauereingelegte Zucchetti, Kaki und Birnenweggen. Und viel mehr. Anschliessend servierte Frau R. mit Zitrone, Ingwer und Rosmarin marinierte Hühnerbrust; dazu dreierlei Pizokel und glasierte Rüebli.

Und natürlich jeweils ein grossartiges Dessert. Mandarinen-Tiramisu und halbflüssigen Schokokuchen; und gestern Schokomusse mit Orangensauce und Schlagrahm. Und allerlei selbergemachte Chräpfli und Praliné.

Heute machen wir Verdauungspause, morgen geht es weiter mit Schlemmen.

24. Dezember 2015

Herr J. und Frau M. erwarten die Nachwuchs

Neulich in Nazareth: Der Schreiner Josef und sein Weib Maria warten auf die Niederkunft.

Und es pressiert, denn schon morgen ist Weihnachten...

23. Dezember 2015

Janis Joplins neuer Porsche

Habt ihr bestimmt auch gelesen: Kürzlich wurde Janis Joplins kifferbunte Porsche für 1,7 Millionen Dollar versteigert. Ein hübsches Auto mit einer spannanden Geschichte und ein Käufer mit sehr viel Geld. Soweit also nix besonderes.
Bemerkenswert daran finde ich aber, dass an dem Porsche 356 kaum mehr etwas original ist. Die Bemalung erst recht nicht; Janis Joplin hat diese jedenfalls nie gesehen!

Nach ihrem Tod 1970 wurde das Auto gründlich „renoviert“; es bekam einen neuen Motor und eine „delphingraue“ Lackierung.
Erst 1995 wurde von der Bühnenmalerin Jana Mitchell die berühmte Hippie-Malerei wieder aufgepinselt. So gut es eben ging - wer etwas genauer hinschaut, findet auch schnell Unterschiede zur originalen Bemalung. Schade.

Es ist halt ein bisschen so, als täte man die Mona Lisa mal gründlich abschleifen, grundieren und neu anmalen. Sinnlos!

22. Dezember 2015

Marokko und der Krieg

Kürzlich traf ich auf die interessante Frage nach Marokko und der Westsahara. In der Tat ist die Lage dort unten etwas verwirrend. Deshalb habe ich eine Skizze gemacht.

Das Königreich Marokko habe ich grün eingefärbt. Die seit den 1980-er Jahren von Marokko besetzten Gebiete der Westsahara sind orange.
Die Demokratische Arabische Republik Sahara mit der provisorischen Hauptstadt Bir Lehlu ist rot abgebildet. Die Sahraoui, wie sich die Bevölkerung nennt, beanspruchen die ganze Westsahara für sich. Es ist ihre Heimat, obwohl die meisten von ihnen seit vierzig Jahren in den Flüchtlingslagern rund um die algerische Stadt Tindouf wohnen.

Der von Marokko besetzte Teil der Westsahara kann problemlos bereist werden. Ausser den vielen militärischen Kontrollposten und den UN-Soldaten fällt einem kaum auf, dass hier Krieg ist.
Die Grenze zur Republik Sahara hingegen ist komplett zu. In die Republik Sahara kann man einzig mit dem Flugzeug über Tindouf einreisen. Der Landweg von Marokko her ist nicht möglich. Und von Algerien her eigentlich auch nicht, aber das ist eine andere Geschichte.

Die genaue Lage der Grenze zwischen Marokko und Algerien ist seit dem Waffenstillstand 1963 eh ungeklärt. Und da der Krieg bis heute nicht beendet wurde, ist die Grenze komplett dicht. Bloss in den 1990-er Jahren war sie für kurze Zeit offen, was wir damals gerne nutzten...

21. Dezember 2015

billig Bahnfahren in Italien

In Italien mit der Bahn zu reisen ist grossartig und übel zugleich. Auf den Rennstrecken zwischen den grossen Stäten sausen Superschnellzüge mit bis zu 300 km/h hin und her. Pünktlich, sehr gepflegt und spottbillig, zumindest wenn man die Biglietti frühzeitig im Internet bucht. 90% Rabatt sind da schon drin.
Die Regionalbahnen und Vorortszüge sind genau so billig. Und Bigletti bekommt man auch noch kurz vor der Abfahrt am Automaten. Diese Züge sind aber oft abgelebt und vollgesaut. Und sie verkehren gerne mit einer halbe Stunde Verspätung.

Ich buche die Fahrkarten direkt bei „Trenitalia“. Da kann man die Tickets gleich ausdrucken - auch für die Auslandstrecken. So kann man dann zum Beispiel für 18 Euro von Zürich nach Rom oder von Wien nach Venedig fahren. Oder bis nach Sizilien hinunter.

19. Dezember 2015

vorweihnachtliches Fahrradventil

In Fahrradventil ist das Wort "Advent" verborgen.
Ich wollte das nur gesagt haben, falls mal jemand danach fragen tut. Odr so.

18. Dezember 2015

Mein Kampf

In Kampf gegen meine Bettwanzen komme ich ganz gut voran. Bisher habe ich drei Dosen Wanzengift versprüht und wichtiges dazu gelernt: Das Zeug stinkt bestialische! Was meiner Wanze egal sein dürften, da solche - wie ich im Internet lese - gar keine Nase haben.
Im Internet schreiben sie auch, dass man Wanzen mit Hitze totmachen kann. Bei 55 Grad ist ausgewanzt. Gute Sache, habe ich gedacht, das stinkt wenigstens nicht sos ehr. Also stopfe ich einige Kleidungsstücke in den Backofen und lasse niedertemperaturgaren. Zwanzig Minuten bei 70 Grad dürften genügen. Obacht - du Sau.

Kleinere Sachen und solche ohne Metallteile, wie Mützen und Unterwäsche lasse ich im Mikrowellenofen schmurgeln. Später muss ich allerdings erkenne: Im Prinzip eine gute Idee - aber: Als ich nachsehe, schlägt mir ein beissender braungelber Qualm entgegen. Auf dem Drehteller motteten meine Socken und Unterhosen stumm vor sich hin; nun einheitlich schwarz und merklich geschrumpft. Fünf Minuten Mikrowellen-Vollgas sind wohl doch etwas zuviel. Aber immerhin bin ich mir sicher; keine Überlebende.

17. Dezember 2015

ich hab jetzt meine eigene Bettwanze

Jetzt ohne Scherz. Ich wurde von Bettwanzen attackiert und bin nun voller juckender Pusteln. Das wäre an sich nicht soo schlimm, denn die Blätzen und die Juckerei gehen irgendwann von alleine wieder weg. Aber gestern habe ich eine nagelneue Bissstelle entdeckt! Zuhause - auf dem Sofa!
Wie‘s ausschaut, habe ich mir eine Bettwanze mit nachhause gebracht. Und das finde ich nun gar nicht witzig.

Also auf in den Kampf! Das Reisegepäck auf dem Balkon ausklopfen, das Sofa absaugen und eine ganze Sprühdose Insektengift drüber. Die Kissen spende ich der Textilsammelstelle und meine Reisekleider kommen sowieso in die Kochwäsche.
Als ich dann ganz erschöpft so dasitze, spaziert aufs Mal eine Wanzen vorbei. Also doch!!! Das Viech ist etwas grösser als eine Ameise und kupferbraun. Präventiv zerquetsche ich das Untier mit dem Daumen und rieche am Matsch. Süsslich-fruchtig - also eindeutig, eine Bettwanze!

Hoffentlich war das die einzige. So oder so - morgen besorge ich mir noch mehr Wanzengift. Und zwar vom teuflischen Sorte; "Wanzen-Killer machallestot XXXL". Odr so.
.

16. Dezember 2015

so ein richtiger HipHop-Taliban-Gangster

Gestern; im Dorfladen an er Kasse: Vor mir steht ein junger Kerl. So einer mit Schnürstiefeln, Kapuzenpulli und Hipster-Gesichtsfell. Und tätowierten Pfoten - also so ein richtig harter Hund.

Und jetzt ratet mal, was er aufs Band legte – ein 6er-Pack Erdbeermilch. Fettarm.
.

15. Dezember 2015

Ligurien: Schiene-Chaos im Sonnenschein

La Spezia: Es ist ein wunderschöner Morgen. Die Sonne scheint vom tintenblauen Himmel, das Herbstlaub leuchtet farbigst - und ich muss nachhause. Etwas wehmütig setze ich mich ins Bahnhof-Café und schaue den Zügen zu. Um Viertel vor elf fährt meiner los.

Jetzt bei dem schönen Wetter ist die Fahrt der Küste entlang wunderschön. Bunte Städtchen und türkisfarbenes Wasser – wie im Prospekt. Erst ist der Zug halb-, später randvoll. Die ganze Zeit zerren Sitzplatzsucher ihre viel zu grossen Koffer durch den Mittelgang und poltern gegen meine Schulter.

Später. Die Reisfelder in der Po-Ebene sind kurzgeschoren und die Berge am Horizont tragen Schneemützen. Schön anzuschauen. Die Zeit vergeht wie im Zuge.

Umsteigen in Milano. Wegen einer Betriebsstörung fährt der gebuchte EuroCity 158 nicht. Stattdessen bringt uns ein Trenord/SBB TILO-Extrazug zum Grenzbahnhof Chiasso. Hier ist die Strecke wegen einer Baustelle gesperrt und ich muss mit dem Ersatzbus bis nach Mendrisio fahren. Hier geht es mit der S10 TILO nach Lugano weiter. Da müssen wir erneut umsteigen; jetzt in den SBB IC-Neigezug 688. Draussen wird es langsam Nacht und wir brummen den Alpen entgegen.

Auf der anderen Seite des Gotthardtunnels treffen wir auf die angedrohte Betriebsstörung. Ab Göschenen gehts mit dem Ersatzbus weiter. Zurzeit sind für die achthundert Fahrgäste leider nur gerade zwei Busse da. Die anderen sind grad irgendwo unterwegs. Ich erschleiche mir einen Sitzplatz und erreiche so den Anschlusszug in Flüelen; die SBB S2 nach Arth-Goldau. Hier umsteigen in den Voralpen-Express 2484 nach Luzern, wo ich mit knapp einer Stunde Verspätung ankomme. jetzt nur boch zweimal umsteigen. Doch Frau G ist da und holt mich von den Geleisen. Danke!

La Spezia-Milano; Trenitalia Intercity 35666, 3:05 h, 2.Klasse, 9 Euro
(Milano-Luzern; SBB, 4:03 h, 2.Klasse, 9 Euro)

14. Dezember 2015

Ligurien: es schifft im Museum

La Spezia: Das „Museo Tecnico Navale della Spezia“ – das Schiffsmuseum – müsse ich uuu-unbedingt anschauen, sagen die Eisenbahner. Wegen dem miesen Wetter wollte ich eigentlich nicht hin, aber jetzt wo alle davon schwärmen, muss ich wohl.
Das Schiffsmuseum befindet sich innerhalb der militärischen Marinebasis. Am Tor stehen Uniformierte mit Maschinenpistolen und strengem Blick. Nach meinen Erfahrungen mit eingezäunten Schiffen und Wachleuten benehme ich mich diesmal äusserst wohlerzogen und gehe gleich zum Haupteingang. Die Kassenfrau warnt mich, wegen der Bauarbeiten seien einige Ausstellungssäle vorübergehend geschlossen. Dafür koste der Eintritt zurzeit auch nur 1,55 Euro. Na dann.

Sollte sich jetzt jemand ganz speziell für Torpedos interessieren – hier findet er sein Paradies. Lange und kurze, dicke und dünne Torpedos; daneben noch aufgeschnittene und zerlegte Torpedos. Torpedo-Einzelteile und Torpedo-Modelle.
Im Saal daneben stehen Kanonen. Viele Kanonen; lange und kurze, dicke und – öööhm – viele andere Kanonen. Wer's mag…

Hier endet die 1,55 Euro-Ausstellung auch schon wieder. Alle übrigen Räume des Museums sind geschlossen. Im Garten schaue ich mir noch das U-Boot MSM-1S „Woodstock“ an. Seinen Namen habe es übrigens vom gelben Vogel und besten Freund Snoopy's.
Das U-Boot steht erst seit einigen Wochen hier im Rasen, davor tauchte es zwanzig Jahre lang fürs Militär und die Forschung. Ihm macht der Regen nichts aus - mir schon. Ich gehe nachhause.

Heute nächtige ich im „Hotel Mary“ gleich gegenüber vom Bahnhof. Ich bekomme ein wirklich nettes 40 Euro-Zimmer. Zwar klein und schlicht, aber mit allem Notwendigen. Und mit funktionierendem Internet. Und Blick auf den Bahnhof – ich bin ein Glückspilz!

Am Abend esse ich drüben im Bahnhofrestaurant Bohnen-Zwiebel-Fleisch-Eintopf. Das Froilein fragt, ob ich ein Russe sei? Ob wegen meiner Bären-Mütze oder meinem Akzent – ich weiss es nicht? Gute Nacht.

13. Dezember 2015

Ligurien: spiel mir das Lied vom Tod

In diesen italienischen Städten gibt es alles - ausser freie Parkplätze. Ich schlendere dann manchmal einfach mit meinem Autoschlüssel in der Hand herum und geniesse die Aufmerksamkeit der parkplatzsuchenden Autofahrer.
Dann schlage ich urplötzlich einen Haken und gehe in die entgegengesetzte Richtung. Diese enttäuschten Gesichter und die leeren Augen solltet ihr mal sehen. Einfach köstlich.

11. Dezember 2015

Ligurien: einbahn nach La Spezia

La Spezia: Kurz nach sieben verlasse ich mein Genua-Hotel endgültig. Es war eine nette Unterkunft. Doch heute habe ich im Internet gelesen, hier gäbe es Bettwanzen. Ich glaube das zwar nicht, doch es erklärt die in Plastikfolie eingewickelte Matratze und die juckenden Pusteln an meinen Beinen. Das Mädel am Empfang verabschiedet mich mit einem leblosen «m-hmh».

Am Bahnhof-Automaten ziehe ich ein Biglietto nach La Spezia. Heute fahre ich mit dem Regionalzug, da der an allen Bahnhöfen anhält und ich den Ausblick auf die berühmet Cinque Terre geniessen will. Doch der Nebel und die schmutzigen Fenster vereiteln wirkungsvoll mein Vorhaben.

Der eigentliche Grund weshalb ich noch einmal nach La Spezia fahre, ist naturlich das Museo Nazionale dei Trasporti - das berühmte Eisenbahnmuseum. Wobei; jetzt im Winter ist es weniger ein Museum, als mehr eine Werkstatt. Die „guten Fahrzeuge" seien in einem auswärtigen Depot eingelagert, hier seien momentan nur die Patienten.

Heute bin ich der einzige Besucher. Nachdem ich dem Lackierer geholfen habe einige Abdeckfolien zu verräumen, führt er mich durch die Sammlung. Er weiss zu jedem Ausstellungsstück etwas zu erzählen. Und er zeigt mir die Lokomotive, mit der er als Schulbub mit seinem Vater mitfahren durfte.

In der Werkstatt steht eine schwerkranke Dampflok. Sie wurde 1909 als von "Krauss & Comp." in München gebaut. Jetzt ist sie an schwerer Korrosion erkrankt und braucht eine Kessel-Revision. Die notwendigen Ersatzteile werden in der eigenen Werkstatt und von Hand angefertigt. Von Mechaniker die nur wenig jünger als die Dampflok sind.

Im Aussengelände einige alte Güterwagen der Marinebasis und Rangierloks aus der Umgebung. Dazwischen thront eine mächtige „E.626“. Diese Lokomotive ist ein Meilenstein in der italienischen Eisenbahn-Geschichte. Mit ihr wurde in den 1930-er Jahren die Elektrifizierung eingeläutet. Von diesem robusten Arbeitstier wurden einst weit über vierhundert Stück gebaut und sie war bis vor wenigen Jahren im Einsatz. Doch davon sind nur ganz wenige übriggeblieben. Die E.626.089 bräuchte dringend etwas Zuneigung, aber dazu fehlt das Geld.

Zum Abschied bekomme ich ein tolles Souvenir geschenkt und den Wunsch mit auf den Weg, ich solle doch zuhause allen Eisenbahnliebhabern davon erzählen. Man freue sich über jeden Besucher - und das nicht nur wegen den 3 Euro Eintritt.

Genova-La Spezia; Trenitalia Reg 33825, 2:09 h, 2.Klasse, 7,50 Euro

10. Dezember 2015

Ligurien: in schwarze Löcher gucken

Genova: Als ich neulich auf dem Righi war, habe ich da oben nicht nur die Aussicht genossen, sondern mir auch das dortige Observatorium angeschaut. Die Tür zur Sternwarte stand weit offen, also ging ich hinein. Und die Treppe hinauf. Die Frau Astronomin guckte etwas erstaunt aus ihrem Fernrohr - eigentlich habe sie ihren Freund erwartet, nicht mich. Ausserdem sei die Anlage nur für Forscher zugänglich.

Da ich aber schon mal hier bin, darf ich mir das Teleskop und die anderen Gerätschaften anschauen. Leider sieht man im Fernrohr lauter schwarz, im Weltall scheint es noch Nacht zu sein...

Eine ganz andere Messeinrichtung lockt mich in den Hafen. Gleich hinter dem Aquarium steht ein unscheinbarer Glaskasten voller Elektronik und einem Schwarzen Loch im Boden. Das ist der „Pegel Genova“. Der Pegel misst für halb Italien - und die ganze Schweiz – den Wasserstand des Mittelmeeres. Nicht dass das Meer unbemerkt leerläuft...

Nach soviel Wissenschaft widme ich wieder meinen eigenen Forschungen - der schier grenzenlosen Welt der Wurstbrote.

9. Dezember 2015

Ligurien: kein Schwimm, bloss Kran

Genova: Es sieht nicht nur nach Regen aus, es tut. Was tun? Da ich ja weiss, dass sich viele von euch für Kräne interessieren, will ich heute einen ganz besonderen anschauen gehen. Den Schwimmkran „Langer Heinrich“, der heuer seinen 100. Geburtstag feiert.

Gebaut wurde der Kran 1915 für die die Kaiserliche Werft Wilhelmshaven, denn zum Bau der riesigen Schlachtschiffe brauchte es auch einen riesigen Kran. Den damals weltgrössten. Die Sache mit dem 1. Weltkrieg endete für dem deutschen Kaiser eher ungünstig. Doch der Kran blieb ganz und man nutzte ihn im 2. Weltkrieg zum Bau von Kriegsschiffen und U-Booten. Wieder endete der Krieg anders als erwartet und der Kran ging in den Besitz der US-Marine über. In den 1990-er Jahren wurde der Lange Heinrich nach Genua verkauft, wo er bis heute krant.

Nach meinem neulichen Besuch bei der "Williamsburg", muss das heute klappen. Den Kran sehe ich zwar schon von weitem, doch erneut ist ein Gitterzaun im Weg. Die beiden Wachmänner am Tor sind ganz nett und finden den Kran auch ganz toll – aber aufs Gelände lassen sie mich trotzdem nicht!

Bildquelle: Google.it
Also steige ich gegenüber auf die alte Festungsmauer und schaue über die Dächer. Vom Schwimmkran sehe ich nur den Kran, der Schwimm bleibt hinter den Häusern verborgen.

Es beginnt wieder zu regnen. Ich setze mich in eine Kneipe zu den alten Männern. Die Stimmung ist gelöst. Der Kaffee dunkelschwarz und Salamibrot das knusprig-flauschig-würzige. Friedlich hier.
Doch die Sache mit den nicht gesehenen Schiffen nagt schon ein wenig an meinem Stolz.