24. August 2015

Skandinavien: zu Hitler ins Theater

Gestern lief ich in Helsingør einem Theatermann über den Weg. Er baute grad an einer Kulisse und befestigte Feuerwerk - und ich schaute zu. Er erzählte von einer grossen „Show“. So kam es, dass wir am Abend ein Strassentheater besuchten. Das Theater Albatross spielte „HELIG!“; ein bedrückendes Theaterstück über das Deutsche Reich, die Juden und so. Den dänischen Text verstanden wir nicht, aber die Szenen waren auch ohne einigermassen verständlich.

Manchmal sangen und tanzten die Spieler wie Gaukler, dann wieder ertönte stramme Militärmusik sie marschierten stramm unter wehenden Fahnen. Der Führer hatte Geierkrallen und wenn er sich zackig bewegte, staubte seine Uniform.

Der zweite Teil des Stückes spielte direkt vor der Festung. Zahlreiche Feuer loderten und verbreiteten eine gespenstige Stimmung. Dann ging das Tausendjährige Reich unter, es wurde kühl und wir gingen heim.

Über Nacht hat es aufgeklart, jetzt scheint manchmal sogar etwas Sonne. Wir brummen auf kleinen Nebenstrassen heimwärts. In dieser Gegend ist Dänemark sehr ländlich. Viel Gegend beidseits der Strasse; und Weizenfelder. Nur ab und zu unterbricht ein Dorf die Fruchtfolgeflächen.
Manche Häuser sind mit Stroh gedeckt. Besonders gefallen mir die Firstabdeckungen mit den Holzklammern. So was habe ich glaub noch nirgend gesehen.

Die Storebælts-Brücke verbindet die Insel Sjælland - wo auch die Hauptstadt Kopenhagen drauf ist - mit der Insel Fyn und dem Festland. Die Brücke ist enorm lang, insgesamt mehr als 13 Kilometer. Doch ganz besonders ist die die Hängebrücke in der Mitte. Sie hat eine Spannweite von 1‘625 Meter und ist damit eine der längsten Hängebrücken weltweit. Die Durchfahrt ist 65 Meter hoch, so dass auch die ganz grossen Kreuzfahrtschiffe darunter durch passen.

Wir übernachten am ehemaligen Fährhafen von Korsør (N55.3358 E11.1361) – also noch auf der Ostseite der Brücke - direkt am Quai.
Am Abend kommen einige Fischer und fischen Fische. Sie stehen an der Hafenmauer, lassen ihre Ruten schlapp ins Wasser hängen und futtern Pizza aus einer Kartonschachtel. Fangen tun sie nichts – gar nichts. Nur die Würmer hinauswerfen und im Wasser hin und her schwenken. Sie haben nicht einmal Eimer für die potentielle Beute dabei!

22. August 2015

Skandinavien: von Helsingborg nach Helsingør

Von unserem Schlafplatz ist es nicht weit bis nach Helsingborg. Als erstes besuchen wir da den McDonald und sein Internet. Zeitung lesen und das Wetter der nächsten Tage anschauen. Das sieht nicht so toll aus; jedenfalls erwartet uns keine Sonne.

Der Hafen liegt fast mitten im Stadtzentrum. Wir lösen ein Billet und können schon bald auf eine grosse Fähre fahren. Sie heisst „M/F Hamlet“; genauso wie dieser Schlageraffe. Oder hiess der nicht Gildo, wie dieser Westerwelle, odr so?
Wie auch immer: Die Fahrt vom schwedischen Helsingborg ins dänische Helsingør dauert bloss etwa eine halbe Stunde. Eine handvoll Fähren fräsen den ganzen Tag hin und her und baggern Autos hinüber. Lange warten muss keiner.
Wohl wegen den Erschütterungen hupten und blinkten während der ganzen Überfahrt die Alarmanlagen der Autos. Eine Kakophonie wie an der Fasnacht.

In Helsingør fahren wir direkt zum Jachthafen (N56.04221 E12.61623) und quartieren uns zwischen einigen trockengelegten Booten ein. Ganz in er Nähe ist das neue Meeresmuseum und Kunsthaus. Das Meeresmuseum ist in ein altes Hafenbecken hineingebaut. On oben sehen wir nur einige gläserne Verbindungsgänge, das eigentliche Museum ist im Erdreich vergraben.

Das Kunstmuseum steht gleich daneben und befindet sich in einem alten Werftgebäude aus Backsteinen. In den gezackten Glaserkern ist ein Wintergarten-Strassencafé untergebracht. Schick.

Heute ist hier in Helsingør ein Strassenfest. In der Fussgängerzone wimmelt es nur so von Leuten. Und obwohl ein eisiger Wind bläst, sind viele sommerlich angezogen – die scheinen äusserst robust und wetterfest zu sein!
Wir schlendern auf und ab – und essen Hacktätschli mit Beilagen. Schmeckt gut und füllt uns ordentlich aus.

Helsingørs Festung heisst „Kronburg“ und liegt auf einer Landzunge neben dem Hafen. Der Palast wird mehrfach von dicken Mauern, Wällen und Wassergräben geschützt. Um hinein zu kommen, müssen wir eine Brücke überqueren und mehrere Tore passieren. Und dann sind wir erst auf dem Vorplatz. Nochmals ein Wassergraben, eine hohe Mauer und ein Kassenhäuschen beenden unseren Vorstoss. Aber schön isch es trotzdem.

21. August 2015

Skandinavien: das UFO ist aus Beton

Unser Übernachtungsplatz in Falkenberg war tadellos. Gestern Abend haben sie zwar am anderen Ufer drüben noch Getreide aus einem Frachter gerüsselt. Aber danach war‘s dann ganz ruhig und romantisch.
Wir brummen weiter nach Süden. Das Wetter hält sich nicht an die Prognose und ist recht sonnig. Die Landschaft ist unaufgeregt flach. Ich sehe zwei Auto- und zwei Flugzeugmuseen – und fahre daran vorbei. Nicht bei dem schönen Wetter.

Gegen Mittag erreichen wir in der Nähe von Ängholm den Strand. Am 18. Mai 1946 hat Gösta Carlsson hier (N 56.2328 E12.8189) ein UFO gesehen. Und das wollen wir uns natürlich auch anschauen. Wir marschieren durch den dichten Dschungel, bis wir nach einer anstrengenden 5-Minuten-Wanderung auf ein UFO treffen.

In einer Waldlichtung steht ein UFO-Denkmal. Das Original UFO soll genau so ausgesehen haben, war aber achtmal grösser - und wohl auch nicht aus Beton. Wir sind beeindruckt und ja fast schon – öööhm – erregt.
Nach einer Eiscreme schlendern wir zum Strand. Der helle, feine Sand kitzelt zwischen den Zehen. Überall liegen Muschelschalen herum. Aber wo sind die Muscheln? Und warum haben sie ihre Schale ausgezogen? Fragen über Fragen...

Hinter dem Dorf Mölle steht auf einer Felsnase namens „Kullaberg“ ein Leuchtturm (N56.3011, E12.45169). Von hier oben sieht man fast rundherum das Meer. Und dahinter, zwar bloss eine graue Schliere am Horizont, Dänemark. Da müssen wir morgen hin.

Im Besucherzentrum Kullaberg steht ein Aquarium mit Fischen aus der Region. In einem unbeobachteten Moment greife ich hinein und streichle einen Seestern. Das wollte ich schon immer wissen, wie sich ein lebender Seestern anfühlt. Bis jetzt habe ich immer nur die getrockneten an Souvenirständen angefasst. Innen weich und aussen irgendwie knackigknusprig – ganz ähnlich wie diese Magnum Glace. Aber ohne Holzstiel.

Wir übernachten am Fussballplatz von Nyhamnslage (N56.24025 E12.54228); nicht besonders schön, aber was soll‘s. Den ganzen Abend ist Fussball-Training; zuerst die Buben, dann die Grossen. Ich schaue zu und esse Chips. Wie zuhause.

20. August 2015

Skandinavien: 62 mal bezahlen im Paradies

Als ob wir in der Autowaschanlage wohnen würden. Der Regen schmeizt am die Fenster. Es prasselt und spritzt, sintflutartig.
Eigentlich hätten wir – also vor allem Frau G. – ein wildromantisches Schloss an der Küste anschauen wollen. Doch bei dem Hudelwetter verzichten wir darauf. Auch auf die weiteren Sehenswürdigkeiten und fahren direkt nach Ullared. Hier steht Gekås (N57.13496 E12.71454), das grösste Einkaufszentrum Skandinaviens, wie die Werbetafel schreit.

Das Einkaufsparadies begrüsst uns mit einem schier endlos grossen Parkplatz. Weit vor dem Eingang greifen wir uns einen der mehrere Tausend Einkaufswagen. Zusammen mit einer langen Prozession von Einkaufswilligen eilen wir dem Eingang zu. Etwas widerwillig marschiere ich mit.
Der Laden ist in der Tat gross. Riesig. Eine trostlose Industriehalle mit kilometerlangen Regalen voller Waren und Leute. Es gibt einfach alles zu kaufen, ich möchte aber bloss Brot und Wurst und Chips. Und schnellstmöglich wieder hinaus.
Wir bezahlen unsere paar Einkäufe an einer der 62 Kassen - und dann hält uns nichts mehr. Nur raus aus dem Gekås.

Es regnet immer noch, also fahren wir weiter nach Falkenberg (N56.89961 E12.49602). Ein nettes Städtchen an der Küste. Kaum sind wir da, scheint aufs Mal die Sonne. Wir schlendern ein wenig durch die Altstadtgassen und schauen dies und das. Herrlich bunt hier. Was so ein bisschen Sonne doch ausmacht!

Auch hier in Falkenberg fällt es mir wieder auf: Junge Männer spazieren mit Kinderwagen und/oder Kleinkindern umher. Diese hippen Kerle habe ich schon vielerorts gesehen und bewundert. Grossartig.

Gegen Abend fahren wir an den Bootshafen (N56.89414 E12.49335), tanken Wasser und bleiben gleich dort stehen. Die Abendsonne scheint tapfer zwischen durch die Wolkenlücken. Lange wird sie aber wohl nicht mehr durchhalten. Die Wetterprognose sieht nämlich nicht allzu gut aus.

19. August 2015

Skandinavien: Göteborg ist etwas feucht

Ich will ja nicht jammern, aber es muss einfach mal gesagt sein: Diese ewige Regnerei nervt. Mein Faserpelz ist schon ganz feucht; er fühlt sich an wie Sauerkraut. Und riechen tut er – öööhm – ach lassen wir das.
Was wir bis jetzt von Göteborg gesehen haben, war recht hübsch – nur einfach deutlich zu nass. Also machen wir heute einen Stadtbesichtigungs-Ausflug.

Ganz in der Nähe von unserem Schlafplatz ist die Fährstation „Klippan“ – so heisst auch mein Ikea-Sofa. Wir fahren mit dem Fährschiff in die Stadt. Jetzt, frühmorgens um kurz nach zehn, scheint Göteborg noch zu schlafen, kaum jemand ist auf den Beinen.
Als erstes besuchen wir die „Fischkirche“ – den alten Fischmarkt. Die Markthalle schaut aus wie eine Kirche, darum der eigenwillige Name. Drinnen werden alle Arten von Fisch feilgehalten. Frischen, eingelegten und geräucherten. Ich würde gerne probieren, aber so kurz nach dem Frühstück ist mir nicht nach eingelegtem Hering.

Wir flanieren, soweit es der Regen zulässt, durch die Gassen, schauen Schaufenster an und gehen da und dort hinein. Oder weiter. Irgendwann kommen wir am Bahnhof vorbei. Während ich auf dem Klo sinniere, kauft sich Frau G. eine Handtasche. Dabei hat sie ja schon eine!

Vorbei am Hafen und den alten Schiffen endet unser Rundgang an der Markthalle. Eine schöne Gusseisen-Konstruktion aus der Jahrhundertwende und innendrin voller Lebensmittelgeschäfte und kleiner Gaststätten. Wir setzen uns an eine Theke und bestellen „Köttbullar“ und ich „Nötfärsbiff“. Beides sind Hackfleisch-Kügeli – meine etwas grösser – mit Kartoffelstock und Salat. Schmecken wirklich gut, diese schwedischen Hacktätschli.

Göteborg hat etwa ein Dutzend Strassenbahnlinien. Wir stellen uns eine Tram-Rundreise zusammen, um die Stadt im Vorbeifahren anzuschauen. Wegen Bauarbeiten fahren die Strassenbahnen heute allerdings nicht so, wie auf dem Plan vorgesehen. Manche Teilstücke sind ganz gesperrt, manche Linien werden umgeleitet; und einmal wechselt unser Tram unterwegs einfach seine Liniennummer – von Linie 2 wird es zur Linie 11 und fährt mit uns ganz woanders hin.

Grad als wir wieder am Ausgangspunkt ankommen, scheint für einen kurzen Augenblick die Sonne. Wenn das kein Grund für Eiscreme ist! Doch als die Glace-Frau meine Portion fertig in der Keksschale montiert ist, nieselte es bereits wieder.

Der Regen wird stärker. Tropfen so gross wie Kuhfladen platschten auf den Asphalt. Wir drückten uns den Hauswänden entlang bis hinauf zum Hafen. Schon wenige Minuten später kommt unser Fährschiff und bringt uns zurück zum Möbelwagen. Der steht tropfnass, aber unversehrt an seinem Platz. Feierabend für heute.

Neben uns steht so ein koreanischer Kleinwagen. Auf der Rückbank knutscht ein Pärchen. Von Zeit zu Zeit schaue ich rüber, um zu sehen wie‘s läuft? Mit der Zeit beschlagen die Scheiben und ich kann kaum mehr was erkennen. Vielleicht sollte ich ihnen meinen Hirschleder-Lappen ausborgen?

18. August 2015

Skandinavien: Flugzeuge im Bauch

Jönköping. Anfangen tut es ja noch mit halbwegs blauem Himmel; doch schon bald nieselt es wieder. Schon wieder alles grau in grau. Wie ein übler Novembertag. Was nun - ausharren oder Museum? Und wenn Museum: Saab, Volvo, Mofas oder Flugzeuge. Wir entscheiden uns für letzteres. Also los nach Westen.

Unterwegs machen wir Rast in Borås, einer ganz gemütlichen Stadt zwischen Jönköping und Göteborg. Wir schlendern durch die Gassen und schauen Kunst; possierliche Skulpturen und ein riesiges Wandbild. Dann schieben sich wieder dunkelgraue Wolken vor die eh schon schwächliche Sonne - und wir fahren weiter.

Das „Aeroseum“ (N57.7717 E11.8813) möchten wir weniger wegen den ausgestellten Flugzeugen anschauen, viel mehr wegen der besonderen Lokalität. Das Museum befindet sich in einem Bunker aus den 60-er Jahren. Hier, tief in einem Berg, waren während es Kalten Krieges Flugzeuge der schwedischen Flygflottilj in ständiger Alarmbereitschaft.

Bereits der Eingang zum Flugzeug-Bunker befindet sich in einer unterirdischen Halle. Hinter einem mächtigen Tor führt ein langer gebogener Korridor, grösser als ein Autobahntunnel, in die Tiefe. Hier unten sind drei querliegende Kavernen, in denen früher die Flugzeuge standen. Ganz zuhinterst gibt es noch einen zweiten Eingang und natürlich noch zahlreiche Nebenräume.

Heute ist alles mit historischen Flugzeugen vollgestellt. Ein paar recht interessante, aber einige sind auch zu einem Kinderspielplatz verkommen. Kleine Kinder spielen mit Raketensprengköpfen und klettern auf Bombern herum. Für uns wirkt das etwas – öööhm – seltsam.

Zum Übernachten fahren wir nach Göteborg hinein.Am Fährhafen finden wir einen ganz ordentlichen Platz. Nicht sooo romantisch, aber sehr verkehrsgünstig gelegen. Manchmal regnet es nicht, grau ist es immer.

17. August 2015

Skandinavien: Regen,nicht aufregen, Jönköping

Es regnet in Motala. Die ganze Nacht und auch jetzt am Morgen. Doch neustens zeigen sich vereinzelt Wolkenlöcher. Vielleicht wird heute doch noch sonnig?
Wir machen los und fahren südwärts. Schon bald kommen wir nach Vadstena (N58.44558 E14.8819) und parkieren direkt vor dem berühmten Renaissance-Schloss. Für einen Moment scheint sogar ein wenig die Sonne.

Wie man noch gut sehen kann, war das Schloss vorher eine bullige Festung. Wir schlurfen hinter einer Touristengruppe nach in den Innenhof hinein und lauschen deren Fremdenführerin. Sie trägt ein romantisches Burgfräulein-Kostüm und redet schwedisch. Ich vadstena nix.

Gleich neben dem Schloss ist ein kleiner, alter Bahnhof; davor einige historische Bahnwagen und ein skurriler Schneepflug. Schon wieder so ein Zufall - hat sich der Schlossbesuch also doch noch gelohnt!

Etwas weiter im Süden besuchen wir die Ruine des Klosters Alvastra (N58.29672 E14.65923). Im frühen 12. Jahrhundert kamen Zisterziensermönche aus Frankreich und gründeten hier eine erste Filiale in Nordeuropa.

Es beginnt zu regnen und wir flüchten uns in den Möbelwagen. Der Regen wird stärker, je näher wir Jönköping kommen. Von Niesel- zu Bieselregen. Als wir im Stadtzentrum landen, ist es grad einen Moment trocken. Wir schauen uns die Innenstadt an – aber so auf den ersten Blick gibt es nicht viel Spannendes zu entdecken. Aber nett isches hier schon.

Wir finden einen schönen Übernachtungsplatz direkt an der nagelneuen Uferpromenade. Ein brachliegendes Grundstück (N57.77185 E14.16118) inmitten von schicke Neubauten, wie für uns und unser Labormobil gemacht. Es regnet. In den wenigen sonnigen Momenten renne ich gschwind hinaus und schaue mir die Architektur an. Spektakulär und interessant.

Da wo wir übernachten, standen ganz früher einmal das Schloss und die grosse Bastion von Jönköping. Davon ist ausser ein paar kümmerlichen Mauerresten, die man durch ein Bodenschaufenster anschauen kann, nichts erhalten geblieben. Und aus unserem Übernachtungsplatz soll demnächst ein Stadtpark werden. Es beginnt wieder zu regnen.

16. August 2015

als Erster über den Gotthardpass

Schon wieder ein Jubilum: Genau vor 120 Jahren, am 18. August 1895, fuhr das erste Auto über den Gotthardpass; ein Peugeot Quadricycle Type 3. Ein Grafen Cognard aus Frankreich fuhr mit seiner Gattin, einem Mechaniker, einem Wachhund und 75 kg Gepäck damit über den Alpenpass ins Tessin. Für die damalige Zeit eine Sensation

Der Peugeot Quadricycle Type 3 wird von einem kräftigen Zweizylinder-Viertaktmotor mit 2 PS angetrieben. Von dem Auto wurden in den Jahren 1891 bis 1894 vierundsechzig Stück gebaut, was für diese Zeit schon eine Gross-Serie war. Der Typ 3 war 2,50 m lang und 1,35 m breit und hatte vier Sitzplätze. Zudem war er serienmäßig mit vier Schutzblechen, zwei Laternen und einem Klappdach ausgestattet.
Zum Gedenken an die abenteuerliche Fahrt findet im Sommer jeden Samstag eine Stau statt - auch heute ...

14. August 2015

Skandinavien: woher du all die Sachen?

Der Göta-Kanal geht quer durch Schweden und verbindet Göteborg und Stockholm. Die Schiffe können seither durchs Innenland fahren und ersparen sich den weiten Weg aussen herum. Aber eigentlich sind es mehrere einzelne Kanalabschnitte und Seen.

Heutzutage fahren auf dem Kanal nur noch Freizeitboote und Ausflugsdampfer herum, so wie die berühmte „Juno“. Wir schauen und staunen, als sie an unserem Esstisch vorbei fährt. Ein prächtiges Schiff - wie aus einem alten Abenteuerfilm.

Die Wolken kommen und wir gehen. Wir nutzen wieder die kleinen Waldwege als Abkürzung. Man braucht zwar länger, aber am Strassenrand gibt es immer etwas zu sehen. Zum Beispiel einen – ach  –nur Schrott.

In Motala fahren wir zum Hafen (N58.53399 E15.03737). Gleich nebenan ist - und ich schwöre, es ist purer Zufall - das „Motala Motormuseum“. Es zeigt eine stattliche Anzahl alter Autos, dazu unglaublich viele Zweiräder, Radios,Telefone und ...

Wir bestaunen das älteste Auto Schwedens, ein De Dion-Bouton von 1899 und einen Rolls aus dem schwedischen Königshaus. Königlicher Besuch war übrigens auch schon hier. Im Prospekt steht, die Kronprinzessin Victoria sei beeindruckt gewesen und habe gesagt: «Woher du all die Sachen?»

In Motala ist heute Stadtfest. Grad als wir losgehen, beginnt es zu regnen. Die Stimmung ist dementsprechend trüb. Nasse Punys drehen auf dem Karussell unbemannt ihre Runden, der Mann am Schiessstand kaut an seiner Zigarette und der Bierzapfer starrt teilnahmslos ins Leere. Auf der grossen Bühne schrammeln ein paar ergraute Rocker Hits aus den 90-er Jahren. Nicht schön, aber schön laut. Der Regen wird stärker. Wir gehen heim.

Unser Parkplatz, wo wir eigentlich übernachten haben gewollt, wäre heute nicht das Stadtfest, ist ab heute Abend gesperrt. Wir übernachten deshalb am anderen Ende der Stadt, direkt an der Schleusentreppe Borenshult (N58.5556 E15.0785). Trotz des Regens schleusen viele Segelboote hinauf in die Stadt, hinunter an den See aber kein einziges.
Der Regen prasselt auf unser Dach; es tönt beinahe wie Applaus.

13. August 2015

Skandinavier: Ente gut, alles gut am Göta-Kanal

Gestern Abend kamen immer mehr Wohnmobile, vermutlich war das hier ein offizieller Womo-Stellplatz? Heute Morgen tankten wir im Bootshafen Trinkwasser und fuhren zeitig los. Nach Karlstadt.

Karlstad ist eine kleine Stadt ohne wirkliche Sehenswürdigkeiten. Einzig die alte steinerne Brücke (N59.38452 E13.51316) ist bemerkenswert, aus schlichten Bruchsteinen gemauert und bereits seit einigen Jahrhunderten in Betrieb.

Ausgerechnet heute ist in der Fussgängerzone eine Fressmeile aufgebaut. An bunten Ständen werden Köstlichkeiten aus der ganzen Welt angeboten. Wir flanieren dazwischen herum und naschen hie und da ein Häppchen. Käse aus dem Jura, Landjäger aus Deutschland, Süsskram aus Grossbritannien. Die Verkäuferin hat ein rosiges Gesicht und nennt mich „Darling“.

Nach einem erweiterten Frühstücks-Kaffe bei „Anitas Brödbod“ fahren wir gegen Mittag weiter. Noch ist der Himmel himmelblau, doch am Horizont quellen Quellwolken. Die Landschaft ist kitschig schön, ob bloss wegen des schönen Wetters, oder überhaupt, wissen wir auch nicht.
Dass ich unterwegs ein Eisenbahn-Depot besichtige, getraue ich schon gar nicht mehr zu erwähnen. Jedenfalls erreichen wir Mitte Nachmittag Sjøtorp am Göta-Kanal. Hier wöllten wir eigentlich übernachten und den Schiffen zu gucken. Ungefähr Drölfzigtausend andere hatten die gleiche Idee. Die Kombination aus Sommerferien und sonnigem Wetter scheint alle an den Göta-Kanal zu locken! Dazu ganze Heerscharen von Wohnmobilen, die unseren Platz besetzen. So geht das nicht!

Einige Kilometer weiter, an der Kanalbrücke in Rigstorp (N58.8139 E14.0356) finden wir dann einen wunderschönen Platz direkt am Wasser. Und ganz für uns allein. Die Boote fahren sozusagen mitten durch unser Esszimmer.
Zwei Enten lümmeln herum und werden von mir mit hartem Brot beworfen. Sie schnäbeln gierig danach, selbst wenn ich nur so tue, als ob ich werfe.
Am Abend schaue ich noch lange raus, ob vielleicht ein Elch kommt? Es kommt aber nur die Schläfrigkeit.

12. August 2015

Skandinavien: wie in einem schwedischen Heimatfilm

Würden am Waldrand noch ein Elch röhren, es wäre hier genauso kitschig schön, wie in diesen schwedischen Heimatfilmen. Die Seerosen schaukeln vergnügt in den Wellen, die Hummeln nuckeln an den Blüten und wir liegen im Bett und schauen zur offenen Tür hinaus zu. Um uns nur menschenfreie Biomasse.

Wir hügeln über die Waldstrasse auf und ab, kommen kaum nach mit schauen. Alles blüht und grünt. Nur das Navi mahnt unablässig; «bitte wenden – bitte wenden». Tun wir aber nicht. Irgendwann wird der Wald lichter. Felder mit „Michel von Löneburga“-Bauernhöfen tauchen auf, dann erreichen wir die Teerstrasse. Und dann kommen wir nach Arvika.

Das Wetter ist herrlich und das Städtchen gefällt uns auf Anhieb. Wir schlendern über den Bahnhofplatz ins Stadtzentrum - was ein und das selbe ist.

Auf einem Plakat lese ich, dass hier demnächst ein Oldtimer-Treffen stattfindet. Das erklärt vermutlich auch die zahlreichen Ami-Schwarten hier im Ort. Chromjuwelen und gammlige Strassenkreuzer flanieren durch die Strassen. Dazwischen knattern stelzbeinige Oldtimer herum.

Hinter dem Bahnhof finden wir einen tollen Übernachtungsplatz direkt am See (N59.6522, E12.5909). Es sind noch ein paar Wohnmobile hier. Unsere Nachbarn haben einen Hund in der Grösse eines Bisons, einfach noch haariger. Er heisst Cesar und ist etwas scheu. Ich freunde mich gleich mit ihm an - vorsichtshalber, denn wer weiss, was mir so ein Tier nachts antun könnte?

Seit unzähligen Jahren benutzen wir einen Flötenkessel zum Kaffeewasser kochen. Und fast ebenso lange ist er stumm. Wenn das Wasser siedet und er flöten sollte, macht er bloss «…», manchmal «…h». Das aber nur ganz selten. Und nur ganz leise. Myschteriös!

11. August 2015

Skandinavien: manche unterstellen mir eine gewisse Vorliebe für Oxydation …

Bis zur schwedischen Grenze ist es nicht mehr allzu weit. Norwegen wird immer flacher und nach etwa einer Stunde Fahrt sind wir da. Grad nach der Grenze biegen wir gleich rechts ab und holpern in den Wald hinein. Nach gut 15 Kilometer Kiesstrasse erreichen wir Båstnäs – sozusagen mein Ziel dieser Skandinavien-Rundreise. Hier stehen mitten im Nirgendwo einige Hundert Oldtimer herum.

Die Autos wurden ursprünglich hier zwischengelagert, um sie später nach Norwegen zu exportieren – öööhm - schmuggeln. Das war in den 1960-er Jahren ein lukratives Geschäft - bis Norwegen die Gesetze änderte und der Handel schlagartig zu Ende war. Seither dösen die Autos im Wald und warten auf - öööhm - Zukunft.

Unglaublich, wie brutal die Natur mit diesen Kulturschätzen umgeht. Das Grünzeug siedelt nicht nur auf den Karossen, nein, manches spriesst sogar im Interieur. Kriecht über die Armaturen und frisst die schönen Autos buchstäblich von innen auf. Oder erschlägt sie mit Astwerk.

Wir schlendern lange herum und schauen Autos. Und Lastwagen. Bis wir schweren Herzens den einzigartigen Platz verlassen und weiterfahren müssen. Zurück zur Hauptstrasse.
Etwas später biegen wir wieder auf eine dieser, von uns so geliebten, kleinen Nebenstrassen ab. Wieder geht’s in den Wald hinein. In den Waldlichtungen blühen bunte Blumen und auf den Tümpeln weisse Seerosen.

Grad jetzt sind die Heidelbeeren reif. Die Folge sind blaue Finger und blaue Zungen.
Wir übernachten an einem Waldsee. Ein traumhafter Platz direkt am Wasser (N59.4272 E12.5307). Die Wellen plätschern ans Ufer, die Birken rauschen und der Wind jagt weisse Wolken über den Himmel. Und nichts spräche gegen einen Elch…