17. April 2013

Berlin: müde Lokomotiven und sehr tote Autos

Heute ist der sonnigste Tag seit viiielen Monaten; was liegt da also näher, als ein Museumsbesuch. Ins Technikmuseum die müden Fahr- und Fliegzeuge anschauen gehen. Deswegen bin ich ja schliesslich in Berlin.

In den alten Lokhallen stehen zahlreiche Lokomotiven; so gesehen, ist das keine grosse Überraschung. Ganz besonders gefällt mir, dass die meisten Ausstellungsstücke im Originalzustand dastehen. Mit allen Gebrauchsspuren, so wie sie zuletzt unterwegs waren. Und nicht zu Tode renoviert, wie so oft ...

Im Hauptgebäude stehen und hängen einige Flugzeuge. Viele davon sehen wie fabrikneu aus. Frisch bemalt und rekonstruiert. Oder noch schlimmer, das Blechkleid durchlöchert, damit man durch diese Sichtfenster die Innereien sieht! Wer will denn so was!

Nebenan ist die Autosammlung. Sehr schön präsentiert, aber alle Autos glänzen wie nie zuvor. Leblos und steril. Eigentlich schade um die interessanten Fahrzeuge; mag ich gar nicht.

Vom dämlich grinsenden Pinguin erzähle ich ein andermal. Jetzt will ich hinaus an die Sonne. Es gibt ja noch viel zu sehen.

16. April 2013

Berlin: die Viktoria lässt jeden drauf

Jetzt bin ich ja schon einige Tage in Berlin. Da ist es ja wohl mal Zeit ein Denkmal anzuschauen. An jeder Ecke steht eines. Die neueren sind meist aus trübgrauem Beton oder rostigem Stahl, und ducken sich in Bodennähe. Sie mahnen an die weniger ruhmreichen Phasen der deutschen Geschichte. Die alten Denkmäler hingegen sind meist aus edlem Stein oder Bronze. Sie ragen hoch in den Himmel und erinnern an berühmte Männer und/oder siegreiche Schlachten.

Die Siegessäule im Tiergarten ist so eines. Sie steht mitten auf einem Verkehrskreisel. Und obwohl ich der einzige Besucher bin, versucht mich ein Auto zu überfahren. Na gut, ich hätte ja die Fussgängerunterführung nehmen können; aber wegen den paar Autos gehe ich doch keine Umwege.

Bis in die 1930-er Jahre stand die Siegessäule vor dem Reichstagsgebäude. Die Nazis zügelten sie damals an den heutigen Ort. Vermutlich ahnten sie, dass es bald keine Siege mehr zu feiern gibt? Die Einschusslöcher am Sockel erinnern an diese unrühmliche Zeit.

Ganz zuoberst auf der Säule steht die „Viktoria“, freihändig und beflügelt. Sie ist mehr als acht Meter hoch und rundum goldig. Von der der Besucherterrasse erhasche ich einen Blick unter ihren goldenen Rock.

15. April 2013

Berlin: der Kotzbrocken glänzt nicht

Der Kerl neben mir im Bus sagt «Kotzbrocken» dazu; offiziell heisst das Ding aber „Humboldt-Box“. Sie ist ein provisorisches Infozentrum und soll Spendengelder für den Stadtschloss-Neubau anlocken.

Die Humboldt-Box werde wie ein „Diamant glänzen“, versprach damals der Planer. Aber glänzen tut hier definitiv nichts. Tagsüber geht’s ja noch, da ist es bloss seltsam. Aber nachts, da leuchtet sie kitschig bunt; wie ein türkischer Ramschladen.

Von der Dachterrasse sieht man die Humboldt-Box nicht, dafür wunderbar über die Stadt und auf die verschiedenen Baustellen hinunter. Und Baustellen mag ich gerne. So gesehen hat sich mein Besuch mehr als gelohnt.

Nachher besuche ich einen naheliegenden Inder. Also genau genommen seine Kostgeberei. Ich futtere Murgh Korma, Curry-Huhn mit Nüssen und Käse. Dazu Batura-Brot und ein Kartoffel-Raita. Berlin isst sooo gut.

14. April 2013

Berlin: mach die Schwiegermutter tot

Der Heilige Georg kämpft bewegungslos gegen einen grausligen Drachen. Böse Mäuler behaupten gegen seine Schwiegermutter. Gut gegen Böse.
Die Bronzeskulptur stand ursprünglich im Schlosshof des Stadtschlosses und wurde noch zu DDR-Zeiten hier im Nikolaiviertel aufgestellt. Wohl um das gerade neugebaute Quartier ein wenig zu hübschen.

In einer Sommernacht vor fünf Jahren kletterten zwei dunkle Gestalten auf den Drachen und klauten dem Georg sein Schwert. Fortan musste der tapfere Heilige mit der leeren Faust und der Fahnenstange gegen das Untier.
Das Schwert wurde nie wieder gefunden, vermutlich endete es als Altmetall in einer Giesserei. Später wurde die Skulptur restauriert und seither ist der Georg auch wieder vollständig bewaffnet. Und das neue Schwert ist diebstahlsicher verschraubt. Der heldenhafte Kampf kann weiter gehen.

13. April 2013

Berlin: eher schlichte Eleganz

Mein Hotel an der Warschauer Strasse ist im Hinterhof eines alten Fabrikgebäudes. Tolle Backsteinfassaden und ganz einfache Zimmer. Gefällt mir gut hier.

Gleich nebenan ist mein Lieblingscafé mit dem schönen Namen „Warschauer Pakt Kaffee Kombinat“.
Die Umgebung ist - öööhm - von sehr schlichter Eleganz.

Jetzt zügle ich aber weiter in ein Hotel in der Nähe vom Alexanderplatz.

Mein neues Hotel ist wieder ganz toll. Hier gibt es sogar zwei Sorten WC-Papier zur Auswahl. Herbes in rustikaler Vollkornoptik, wohl für werktags - und flauschig microsoftig für Sonn- und Feiertage. Heute ist nicht Sonntag - hoffentlich merkt niemand, dass ich beschissen habe?

12. April 2013

Berlin: aus Neu mach Alt

Da wo letztes Jahr noch eine grosse Rasenfläche war, ist jetzt eine Baugrube. Hier stand einst das Berliner Stadtschloss. Im zweiten Weltkrieg wurde es beschädigt, dann geflickt und 1950 gesprengt und entsorgt. Nachher war da längere Zeit nichts. Später der Palast der Republik und davor ein Grossparkplatz. Beides wurde vor ein paar Jahren auch entsorgt.

Jetzt wird hier eine Kopie des alten Stadtschlosses gebaut. Man möchte damit ein Stück vergangenes Berlin wieder aufleben lassen. Und vielleicht auch den verlorenen Krieg etwas vergessen machen?
Die umliegenden Bauten sind auch nur Rekonstruktionen - passt also.

In der Baugrube stiess man auf mittelalterliche Resten und auf ein paar Kellerräume des alten Stadtschlosses. Diese werden nun erhalten und im Neubau integriert. Ein wenig Original in der Schlosskopie.

Eines der alten Schlossportale steht gleich hinter der Baustelle. Es ist der Eingang zum ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude. Das Portal ist aber grösstenteils auch eine Nachbildung. So gesehen, passt es hervorragend zum neuen alten Schloss.

11. April 2013

Berlin: macht Kunst und Erbsensuppe

„Macht Kunst“ ruft die neue KunstHalle der Deutschen Bank und über zweitausend Künstler kamen. Alle konnte nämlich am letzten Wochenende sein eigenes Kunstwerk vorbeibringen und ausstellen. Als ich das erste Mal hin ging, standen üppig Künstler an. Manche hatten handliche Kleinkunst dabei, andere wiederum schleppten zu zweit Riesengemälde an.

Die Ausstellung dauerte dann genau 24 Stunden, von Mittag zu Mittag. Bei meinem ersten Anlauf war die Besucherschlange viele Hundert Meter lang. Beim zweiten auch, es waren aber zusätzlich noch Wurstverkäufer da. Also versuchte ich es am Abend nochmal. Aber wieder war ein Massenandrang - und Erbsensuppe aus der Gulaschkanone.

Meinen nächsten Versuch startete ich am nächsten Morgen um halb sechs. Und tatsächlich, keine Kolonne. Und eine kostenlose Brezel gibt es obendrein.

Die Bilder hängen bis zur Decke. Viele gute und einige ganz besondere. Ich war übrigens am frühen Morgen der 4‘900-ste Besucher. Und es werden wohl noch einige weiter dazu kommen.
Eine witzige Ausstellung. Ich könnte den Besuch empfehlen, doch leider schloss sie bereits wieder am Mittag - für immer.

10. April 2013

Berlin: schön und lustig beim Merkel zuhause

Das Ehepaar Sauer-Merkel wohnt im vierten Stock eines gelben Hauses, gleich gegenüber der Museumsinsel. Er ist Chemieprofessor - sie die deutsche Kanzlerin.

Die Adresse „Am Kupfergraben 6“ findet man leicht. Denn vor dem Hauseingang gehen Tag und Nacht zwei Polizisten auf und ab. «Wer hier wohnt, kann ich Ihnen nicht sagen», meint der ältere der Beiden Beamten.

Neben „Prof. Dr. Sauer“ wohnen auch noch „Ganz“, „Schön“ und „Lustig“ im Haus. Und das sind ganz bestimmt keine für Sicherheitsleuten angemietete Wohnungen!

Ich hätte die Frau Merkel gerne auf eine Wurst eingeladen. Aber die beiden Polizisten wollten nicht erlauben, dass ich bei ihr klingle. Schade - so musste ich halt meine Bratwurst ganz alleine essen.
Am Abend sehe ich die Merkel im Fernsehen. Sie ist in Hannover, zusammen mit diesem Putin. Und sie sagte, der Putin sei ein Freund...

9. April 2013

Berlin: das etwas peinliche Denkmal

Zurzeit wird in allen Zeitungen über die „East Side Gallery“ berichtet. Dies wegen einiger Lücken, die wegen wegen Bauarbeiten in das 1,3 Kilometer lange Kunstprojekt geschlagen wurden. Dabei ist die Aufregung eigentlich vergebens, da das ursprüngliche Kunstwerk bereits zerstört wurde.

1990 ist die Mauer offen und die DDR am Sterben. Der "Ministerrat der DDR" stimmt dem ersten gesamtdeutschen Kunstprojekt, der „East Side Gallery“ zu. Gut hundert Künstler aus aller Welt bemalen ein Stück der hinteren Sperrmauer. Im September 1990 wird sie eröffnet, eine Woche später hörte die DDR auf zu existieren.

In den Jahren darauf litten die Bilder unter dem Vandalismus  und dem bröckelnden DDR-Beton.

2009 wurde dann die gesamte Mauer aufwändig renoviert. Dazu wurden erst einmal alle Bilder entfernt, dann der Beton geflickt und dann die Bilder wieder frisch hingemalt. Einige der Künstler waren über die Zerstörung dermassen empört, dass sie sich weigerten, ihre Bilder ein zweites mal zu malen.

Auf mich wirkt das "gesamtdeutschen Kunstwerk" kitschig und etwas peinlich. Vor allem weil die Bilder bloss aufgehübschte Kopien sind. Als ob man zwischendurch mal die Mona Lisa neu gestrichen hätte!

8. April 2013

Berlin: an den Wolken kratzen

Ich will unbedingt einmal auf den Berliner Fernsehturm hinauf. Aber seit ich in Berlin bin ist es trüb und saukalt. Doch eines Morgens, man glaubt es kaum, sonnenscheint es kurzzeitig durch einige Wolkenlücken.

Der Fernsehturm ist 45 Jahre alt und 368 Meter hoch. Sein Fundament reicht aber grad einmal fünf Meter tief in den Boden.

In nur vierzig Sekunden rauscht der Lift nach oben in die Kugel. Der Ausblick aus zweihundert Meter Höhe ist grandios, ich sehe bis zum Horizont. Vielleicht noch weiter.

Ich setze mich an die Turm-Bar und fühle mich wie ein Siebensiech. Wie James Bond oder so ein arabischer Milliardär. Der Herrscher über die Welt. Einzig mein Milchkaffee verrät, dass ich bloss der Muger bin.

6. April 2013

Berlin: immer auf den Arsch gucken

Auch wenn man die Ameisen und Tauben nicht mitzählt, ist der Berliner Zoo der mit den meisten Tieren. Es gebe hier tausende exotischer Tiere aus aller Welt zu sehen. Und jetzt im Frühling sei es da ganz besonders schön. Habe ich gelesen.

Heute ist es trüb und sibirisch kalt; nordsibirisch. Wir gehen trotzdem hin. Die Bäume sind kahl und das Gebüsch struppig braun. In den Tiergehegen liegen Schneereste und da und dort ein paar Gagel. Kaum Viecher.

Ein Nashorn starrt auf seine Stalltür und fröstelt. In einem anderen Käfig schaut ein Zebra, ob Besucher da sind - und wendet sich angewidert ab.

Die Seehunde (der Robben, wer weiss das schon so genau) verstecken sich unter Wasser. Ich frage mich, woher ihr Badewasser eine solch eigenartige Farbe hat? Nebenan steht ein Vogel untätig im knietiefen Wasser und schaut mürrisch. Mein Schneeballwurf bringt etwas Bewegung in sein eintöniges Leben. Nichts zu danken, hab ich gerne gemacht.

Ich will an die Wärme. Also gehe wir ins Affenhaus, da wird es ja wohl tropisch warm sein. Tatsächlich, ist es. Hinter Glasscheiben hocken Affen und schauen - weg.

Nach einem Schweineschnitzel im Zoo-Restaurant gehen wir heim. War ein schöner Tag im Zoo.

5. April 2013

Berlin: Mädchen wie Welpen

Berlin ist gross. Die Häuser, die Strassen, die Baustellen - alles ist riesig. Ich bin mächtig beeindruckt.

Von meinem Hotelbett aus, sehe ich gleich gegenüber den Hauptbahnhof. In der Glashalle fahren Fernzüge und S-Bahnzüge. Und ich sehe Leute, die auf welche warten.
Mit meinem Hotelzimmer gibt es aber leider ein kleines Problem, ich muss morgen raus. Also sollte ich mich wohl um eine neue Bleibe suchen. Durch einen glücklichen Zufall finde ich ein preiswertes Hotel am Bahnhof „Warschauer Strasse“.

Den ganzen Tag waren wir unterwegs. Zuerst Kultur, dann Shopping mit meinem Göttimeitli. Sie ist sechzehn und eigentlich eine ganz liebe. Heute aber litt sie unter Quengelei und Misstimmungen. Sie hat kein Geld; und das scheint irgendwie ihr Shoppingvergnügen zu beeinträchtigen?
Immer wenn sie etwas Kaufbares entdeckt hat, schaut sie wie ein Hundewelpe. So mit grossen Augen und einem treuherzigen, glückseligen Blick. Nur schanzwedeln tut sie nicht. Je nach meiner Reaktion ändert sich ihr Blick schlagartig. Giftig und voller Abscheu.
Vermutlich sind das hormonell bedingte Stimmungsschwankungen – aber wer versteht schon die jungen Mädchen.

4. April 2013

Berlin: wo ist die Bombe?

Berlin. Heute will ich auf den Fernsehturm. Die Warteschlange davor ist aber wesentlich länger als meine Geduld. Dann erfahre ich von der Fliegerbombe am Hauptbahnhof. Toll, die will ich mir anschauen. Und der Filip, der kleine Bruder vom Göttimeitli, auch.

Also fahren wir zum Hauptbahnhof. Hier ist es wie immer. Viele Leute und viele Züge; aber keine Bombe. Nichts. Ich frage einen Bauarbeiter nach der Bombe. Er weiss nichts von einer Bombe. Und er sei sowieso nicht von hier.
Am Wurststand erklären uns dann drei orange Bauarbeiter den Bombenfundort. Die liege fast 1,5 Kilometer hier in einer Baugrube! Gut, da gehen wir hin.
Schon nach wenigen Metern treffen wir auf ein Polizeiauto. Es steht quer auf der Strasse blaulichtet. Wir grüssen präventiv die Insassen und gehen gschwind weiter. Bald steht schon wieder ein Polizeiauto quer auf der Strasse; diesmal zusätzlich mit rotweissen Bändern geschmückt. Ich frage den Beamten nach der Bombe und wo wir die sehen können. Er gibt uns einige sachdienliche Hinweise. Und in wenigen Minuten beginne die Entschärfung. Dann erzählt er noch von seinen Eltern und dem Krieg. Keine Zeit, wir müssen weiter.
Wenig los hier, die Strassen sind menschenleer. Wir marschieren in die angegebene Richtung. In der Ferne sehen wir die Baustelle und den Lastwagen der Bomben-Entschärfer. Wir müssen noch näher heran, sonst verpassen wir den Höhepunkt.

Leider versperrt uns kurz vor dem Ziel erneut ein Polizeiauto den Weg. Diesmal ist es ein grüner Bus voller Uniformierter. Erst zeigen sie verhältnismässig wenig Freude an unserem Besuch. Ich spüre sogar eine gewisse Feindseligkeit. Es entsteht dann aber doch noch eine nette Plauderei. Sie erzählen stolz von ihrem „vierhundert-Meter-Sperrgebiet“ und der Evakuierung, und so. Ich äussere meine Bewunderung über ihr Tun, aber wir möchten jetzt lieber die Bombe sehen. Sie wollen nicht. Sie beharren stur auf ihrem Konzept und wollen uns ums Verrecken nicht näher heran lassen. Dann halt nicht.
Sollte ich mal eine Bombe finden, zeige ich die auch keinem.

3. April 2013

Berlin: Ham wa nich

Milder Frühlingstage. Die Bäume tragen zartes Laub und ich sitze in einem Strassencafé und blinzle in die Sonne. Genau so stellte ich mir Berlin vor. „Ham wa nich“ sagt ein Eingeborener! Es ist trüb und sibirisch kalt. Ein Pullover täte gut. Ham wa nich.

Gegen Mittag treffe ich mich mit meinem Göttimeitli, das zurzeit auch in Berlin ist. Wir streifen durch die Stadt und schauen uns dies und das an. Die kalten Ohren treiben uns immer wieder in die Fänge der Gastronomie.

Am Abend wird es dunkel und die Wolken gehen weg. Mir ist kalt. Ich gehe heim und ich weiss nicht was schreiben.

2. April 2013

Berlin: dänkiuu Doitsche Bahn

Seit bald 125 Jahren gibt es ein Bahngleis von Giswil nach Berlin. Also will ich das mal ausprobieren und dahin fahren. Für 39 Euro habe ich mir im Internet ein Billet besorgt.
Stockdunkle Nacht und eiskalter Regen. Um acht Uhr bin ich bereits in Basel und steige in den ICE um. Gestern Abend habe ich extra noch gschwind einen Sitzplatz reserviert; Wagen 3, Platz 22. Jetzt bin ich der einzige Fahrgast im Wagen. Wir fahren nach „Böörlin“ quäckt der Lautsprecher mehrsprachig. Gut, da will ich auch hin.

Vor dem Fenster zieht viel Landschaft vorbei. Flach und neblig. Um zehn kommt die Sonne und dann Karlsruhe. Beides ist aber schnell vorbei. Neben mich setzt sich eine Lufthansa-Tante. Sie hat ein rosa Telefon und duftet nach Gummibärli. In Mannheim verlässt sie mich, dafür kommt nun wieder die Sonne. Dann kurz nach elf treffen wir auf Frankfurt. Im Abteil gegenüber ist man erstaunt darüber, dass wir rückwärts weiterfahren; das ist aber bei einem Kopfbahnhof nicht unüblich.
Um halb zwei halten wir in Göttingen. Nun haben wir plötzlich eine halbe Stunde Verspätung! Wieso - ich bin doch bloss kurz eingenickt!
Um vier Uhr bin ich am Ziel; Berlin HB. „Dänkiuu for träveling wiss doitsche Bahn“ ruft mir der Lautsprecher hinter her. Es ist arschkalt und der Wind treibt feine Schneeflocken über den Bahnhofplatz.

1. April 2013

die Lampe in der Tasche

Während meiner letzten Marokkoreise vermisste ich meine Taschenlampe. Sie war weg. Spurlos und unauffindbar. Ich war mir ganzganz sicher, sie eingepackt zu habe, aber sie blieb verschwunden! Von meiner Reisetasche verschluckt, dachte ich damals.
Gestern musste ich für meine nächste Reise packen. Die Marokko-Tasche war noch halbvoll mit ungebrauchter Wäsche und so. Und was glaubt ihr, was finde ich ganz tief unten? Ich meine, ausser sauberen Unterhosen und einer Herde Fuseln.
Genau – meine längst aufgegebene Taschenlampe. Ganz friedlich döste sie zwischen den Socken.
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29. März 2013

knallbunte Ostern

Zum ersten Mal sah ich sie vor vielen Jahren im Iran – die farbige Küken. Es gibt sie aber anscheinend in ganz Asien. Und nun schwappt die Kücken-Mode auch nach Europa über.

Die Tierschützerinnen landauf-landab sind empört - von wegen Tiere quälen; und so. Ich finde aber, warum soll man bloss ungefärbte Hühner quälen dürfen?
In diesem Sinne - frohe Ostern.

28. März 2013

mein Schöneuterpreis

Neulich fragte ein Kumpel: «Muger, du bist doch ein schlauer, grosszügiger und hübscher Kerl» – gut, hat er nicht genau so gesagt, aber ich wollte es mal erwähnen - «... wohlhabender Kerl, würdest du nicht für unser Jubiläum etwas spenden?» Auf meine Nachfrage, um was es denn gehe, erklärte er mir: Die Braunviehzuchtgenossenschaft feiere ihr 100-jähriges Bestehen und veranstalte deshalb eine Viehschau. Und sie täten sich usinnig freuen, wenn ich einen Preis spenden würde.

Symbolbild
Da konnte ich natürlich nicht Nein-sagen. Ich stiftete den „Schöneuterpreis für Erstlaktierende“; und zwar für den Gewinner.
Es ist halt einfach ein gutes Gefühl, sich für das Braunvieh zu engagieren. Und für schöne Euter beim Nachwuchs.

27. März 2013

Giswil: nicht schön hier ...

Kürzlich hatte ich Auswärtige zu Besuch. Ich zeigte ihnen mein Heimatdorf; Giswil. Und auch die Landschaft drum herum. Die Berge, Seen und Sehenswürdigkeiten. Über uns der enzianblaue Himmel und im Geäst zwitschern die Vögelein. Am Wegesrand recken die Schneeglöggli ihre Hälse. Sooo schön.
Mit stolzgeschwellter Brust sagte ich: «oooh - ist das nicht schön hier». «Ja das stimmt – ist nicht schön hier» meinte einer!
Sowas - sowas tut weh im Herzen ...
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26. März 2013

Verbrechen lohnt sich nicht mehr

Vor einigen Jahren eigentumte ich ein blaues Velo. Wenn ich auf ihm durchs Quartier ritt, fühlte ich mich wie ein König. Der Fahrtwind wirbelte durch meine Frisur und die alleinerziehenden Mütter grüssten uns mit einem lieblichen Schmunzeln. Eine Pannenserie beendete dann leider unsere gemeinsame und glückliche Zeit.

Der Versuch, mein blaues Velo zu verkaufen, misslang kläglich. Und auch geschenkt wollte es keiner haben. Also stellte ich mein blaues Velo in aller Öffentlichkeit ab - und hoffte auf einen Dieb. Nach einigen Tagen schaute ich nach. Es stand immer noch da, einzig der Sattel wurde entwendet. Selbst auf die Diebe ist kein Verlass mehr.

25. März 2013

in den Kopf gestiegen

Arona ist ein hübsches Städtchen am Lago Maggiore, in Norditalien. Auf einem Hügel am Stadtrand steht das grosse Denkmal für den heiligen Karl Borromäus; San Carlo Borromeo. Die kolossale Figur ist stolze 35 Meter - und das ist für eine Statue aus dem späten 17. Jahrhundert Weltrekord.

Die Statue ist komplett mit Kupferblech verkleidet. Im Inneren verbirgt sich eine Eisenkonstruktion, die wiederum von einer schulterhohen Granitsäule gestützt wird.

Auf der Nordseite kann ich durch eine Luke dem Borromeo unter den Rock schlüpfen und über enge Treppen und Leitern bis in den Kopf hinauf klettern. Der ist völlig hohl, was von einem Heilige nicht unbedingt erwartet hätte. Vor mir das Gesicht von innen, drei Meter hoch - seltsam. Durch die Augen und Nasenlöcher gucke ich in die Landschaft hinaus.

Wegen der Enge dürfen jeweils bloss zwei Leute gleichzeitig hinaufsteigen. Wer mag, kann sich einen Sicherungsgurt ausleihen. Aber wer den nimmt, sagt der Pförtner, kehrt sowieso nach ein paar Metern wieder um.

23. März 2013

mein Esel in der Sahara

Neulich habe ich in Marokko ja auch Felsbilder gesucht. Die Betonung liegt auf „gesucht“, denn gefunden habe ich kaum etwas. Dass die Sucherei aber auch ganz anders ausgehen kann, beweist meine Lieblings-Felszeichnung; mein Esel in Algerien.

Diese jungsteinzeitliche Gravuren fand ich in der Nähe von El Ghicha (33.9423, 2.1348) in Algerien. Sie zeigt vermutlich nicht einen Esel, sondern ein Zebra. Das vermutet man wegen der Ohrenlänge und der Streifen im Fell.
Die Felszeichnung wurden 1897 von zwei Franzosen, Reynaud de la Gardette de Favier (und das ist erst der Nachname!) und Joly, wiederentdeckt. Sie ist seither etwas in Vergessenheit geraten, vielleicht schützt sie das etwas vor dem allgegenwärtigen Vandalismus.

22. März 2013

heute keine Gummistiefel

Es regnet nicht mehr - die Wolken sind wohl grad defekt.

Von mir aus könnte der Frühling jetzt aber loslegen.