8. September 2011

Pneu-Wichser-Mofa

Männer in reiferem Alter legen sich gerne mal eine knackige Freundin und einen Töff zu. Oder einen Porsche. Sie tragen enge Lederjeans und kämmen ihr Resthaar zu einem Rossschwanz.

Ich möchte mich vorerst mit einem Motorrad zu begnügen. In Erinnerung an meine wilden Jugendjahre soll es der heisseste Feger der 1970er Jahre sein. Ein Töff mit futuristischer Technik, ein mobiles Kulturgut - ein Vélosolex 3800.
Wer das Vélosolex nicht kennt: Das ist ein französisches Mofa mit einem Frontmotor. Er überträgt die Kraft mittels einer Reibrolle auf das Vorderrad. Deswegen wird das Antriebssystem landläufig als „Pneu-Wichser“ bezeichnet.

Wer mir eines vermitteln kann, bekommt von mir ein Geschenk. 
Wahlweise eine Tonbandkassette mit indischer Musik oder ein grosses Glas Zwetschgenkonfi.
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7. September 2011

Knüppel im Gesicht

Damals war ich bald acht Jahre alt und es war Herbst. Seit gut einem Jahr nötigte man mich zum Schulbesuch. Grauer Morgennebel und auf den Stromdrähten hockten Krähen. Ich musste jeden Tag in aller Frühe aufstehen, gestrickte Strumpfhosen und eine Wollmütze anziehen. Wollene Strumpfhosen waren wegen der drohenden Erkrankungen zwingend erforderlich; bestimmte die Mutter. Und sie hatte recht, ich hatte immer gesunde Beine. Aber ich hasste die Strumpfhosen trotzdem. Egal ob die blauen oder die braunen, Strumpfhosen jucken und sind für Mädchen. Ich war aber ein Bub!
Im Schulhaus musste ich an ein Pult setzen. Mit geradem Rücken und mit Finken. Auf Kosten der Gemeinde wurde mir schreiben, rechnen und singen beigebracht. Ich machte widerwillig mit, bloss um keinen Konflikt zu provozieren. Nach unendlich vielen Stunden Unterricht durfte ich jeweils wieder nach Hause gehen. Nach so langer Abwesenheit war ich oft froh, mich überhaupt noch an den Heimweg zu erinnern.

Eines Tages meinte die Mutter, es wäre gut, wenn ich in den freiwilligen Musikunterricht ginge. Freiwillig! Ich wollte der Gemeinde jedoch keine weiteren Kosten verursachen und verzichtete auf das Angebot. Es stellte sich dann aber heraus, dass man „freiwillig“ unterschiedlich definieren kann! Ich musste in den Musikunterricht.
Dort erwartete mich eine graue Frau in einem grauen Kleid. Sie hatte einen unterarmlangen Knüppel in der Hand. Ich befürchtete Schläge. Es stellte sich dann aber heraus, sie hielt eine Blockflöte in den Klauen. Blockflöte ist etwas für Mädchen! Blockflöte! Ich musste hinein blasen, widererwarten kam aber keine Musik heraus. Nur schrille Pfiffe und wässriger Schnudder. Und aus meinen Augen Tränen. Wir einigten uns draufhin, dass diese zwanzig Minuten Musikunterricht vorerst genügen müssen.
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6. September 2011

tiiiefe Schlucht

Vor 9‘500 Jahren donnerten mehr als 30 Milliarden Tonnen Fels ins Rheintal hinunter und füllten es vierhundert Meter hoch auf. Dem Rhein blieb in der Folge nichts anderes übrig, als sich ein neues Flussbett in den Schuttkegel zu fressen. Es entstand die heutige Rheinschlucht. Zwischen Illanz und Reichenau in Graubünden, etwa 15 Kilometer lang.

In den letzten Jahren wurden einige neue Aussichtsplattformen gebaut. Am bekanntesten ist „il Spir“ in Conn. Die spektakuläre Stahlkonstruktion von der Churer Architektin Corinna Menn bietet eine spektakulären Ausblick in die Tiefe und Ferne. Vielleicht etwas zuviel Spektakel, die Aussicht hätte mir genügt. Aber wenn man hüpft, schwingt sie leicht auf und ab - herrlich.

Uns haben „Islabord“ und „Spitg“ gegenüber besser gefallen. Der Ausblick ist mindestens so grandios, und die Plattformen sind viel schlichter gestaltet. Und ein Spaziergang in der Schlucht unten ist auch ganz nett.

5. September 2011

alle Seen sehen

Bei uns in den Bergen gibt es nicht nur solche; sondern dazwischen auch Seen. Kürzlich habe ich mich auf meinen Velo geschwungen und bin rundum pedalt. Mein Velo ist dunkelgrauschwarz und es hat zahllose Gänge. Es ist ein gutes Velo, nur selten wirft es mich ab. Es hat so einen Gel-Sattel, in der Mitte geschlitzt und ganz ganz weich; wegen den Reibereien. Und wegen meinen Testikeln. Aber darum geht es jetzt nicht.

Meine sommerliche fünf-Seen-Rundfahrt in Obwalden:

Der Sarnersee, um den dreht sich alle...

Der Wichelsee, eigentlich bloss ein gestauter Bach.

Auf dem Holzsteg am Alpnachersee entlang.

Das Gerzenseeli mit zahlreichen Seerosen und Fröschen liegt mitten im Kernwald.

Der Lungerersee, diesmal mit Wasser.

Rund um alle Seen sind es etwa 70 Kilometer. Wer nicht mehr mag, kann auch abkürzen.

4. September 2011

mein ockerbrauner Husten

Neulich haben wir uns ja so nett darüber unterhalten, warum immer rosa WC-Papier verkauft wird. Und ob ein trübes Ockerbraun nicht dem Anlass besser entsprechen täte?

Heute bin ich nun zur Erkenntnis gelangt, dass ein trübes Ockerbraun auch für Autos keine schlechte Farbwahl wäre...
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3. September 2011

Lichtkreuze - nett und bunt

In den Weltstädten Berlin, Wien und Paris waren sie schon zu sehen; die „Lichtkreuze“ von Ludger Hinse aus Recklinghausen. Zur Zeit sind sie in der Obwaldner Nichtweltstadt Lungern ausgestellt.
Wenn der Künstler extra so weit fährt, um uns seine Lichtkreuze zu zeigen, so musste ich auch hin und sie anschauen.

Mit dem Kopf im Nacken stand ich dann da und schaute steil nach oben. Und hing dann so ein Kreuz. Aus buntem Plastik war es. Hübsch anzuschauen; mehr aber nicht. Warscheinlich liegt es an mir: Aber hätte ich dafür nach Berlin, Wien oder Paris reisen müssen - ich wäre enttäuscht gewesen...
Die Lichtkreuze hängen in verschiedenen Kirchen und Kapellen in Lungern.

2. September 2011

Sprichwort: Haar am Schwanz

Es gibt Sätze, die man kaum auswendig lernen kann.
Zum Beispiel diesen hier:

«Soviel Tag im Jahr, wie der Fuchs am Schwanz hat Haar»

...und jetzt auswendig wiederholen.

1. September 2011

die Schlampen-Torte

Wir stellen uns folgende Situation vor: Es ist ein trübregnerischer Samstag. Du liegst auf dem Sofa und starrst teilnahmslos an die Zimmerdecke. Im Fernseh kommt nichts oder Formel-1-Training. Und im Arte ist grad Thementag „Geigenbau in Grønland“. Eine Fliege klettert nichtsnutzig am Fensterglas auf und ab. Plötzlich klingelt das Telefon, eindringlich: Parasitäre Verwandtschaft droht mit einem spontanen Besuch.
Vor deren Einmarsch muss noch gschwind ein schneller Kuchen her. Flach und nicht zu gross, damit er gschwind gegessen ist. Und nicht allzu gut, denn sonst kommen sie bald wieder zu Besuch und wollen erneut von der feinen Torte haben.

die Zutaten:
1 Tortenboden, den gibt es im Supermarkt fixfertig zu kaufen
1 Tüte Pudding, die gibt es im Supermarkt ...
½ Liter Milch, die kommt fixfertig unten aus der Kuh raus
Banane oder Beeren, ich hatte grad Trauben da

Aus Milch und Puddingpulver einen Pudding herstellen. Wie das geht steht im Kleingedruckten auf der Tüte. Die Banane schälen und in Scheiben schneiden. Die Trauben auch. Die Hälfte der Früchte nun auf den Tortenboden werfen. Pudding darüber und noch einmal Früchte darauf. Schon fertig - die Torte in den Kühlschrank stellen, damit der Guss fest wird.
Wenn die Eindringlinge da sind, aufschneiden und verabreichen.

31. August 2011

Hänge-Brücke

Wer die Autobahnbrücke unterhalb von Wassen ganz genau anschaut, der erkennt es: Die Brücke hängt durch! Was man heute erst auf den zweiten Blick sieht ist, das sah im August 1987 wesentlich dramatischer aus.

Das Hochwasser der Reuss hatte einen der Brückenpfeiler unterspült. So stark, dass der mitsamt dem Fundament ins rutschen geriet. Knapp 1.20 m nach unten und 70cm talwärts. Die Beton-Fahrbahn hing bedrohlich durch. Zudem drohte die oberhalb liegende Kantonsstrasse auch noch abzurutschen und den Brückenpfeile endgültig zu fällen.

Was tun? Abbrechen oder reparieren. Man entschied sich für das Zweite. Der Brückenpfeiler wurde vom alten Fundament abgesägt, mit hydraulischen Pressen angehoben und seitlich verschoben.

Trotz 1‘100 Tonnen Hubkraft liess sich die Brücke nicht mehr ganz hochdrücken, es blieb ein kleiner Durchhänger von etwa 16 cm übrig.

30. August 2011

rosa Arschwisch

Warum bloss wird WC-Papier eigentlich immer in Pastellfarben verkauft? Weiss, rosa oder hellblau.
Wäre da ein trübes Ockerbraun nicht passender? Oder will man den Anwender über die unschönen Farben hinwegtäuschen, die solchen Ausscheidungen nachgesagt werden ...