18. April 2011

Balkan: Müll- und andere Berge

Die Sonne scheint wieder. Wir fahren früh los und wollen erst Durres, die alte Hafenstadt, besuchen. Auf der Hinfahrt werden wir von endlosen Baustellen und Müllbergen begleitet. Und im Stadtzentrum ist es kaum besser. Bloss in den ganz alten Gassen sieht es etwas besser aus. Wir schlendern zum römischen Amphitheater. Hier weiden die Schafe und die Anwohner werfen ihren Hausmüll über den Zaun.

Am Hafen steht eines der zahlreichen Denkmäler. Es scheint, es stellt einen flüchtenden Touristen dar? Wir folgen seinem Beispiel und fahren weiter nach Tirana, der Hauptstadt. Auf der Autobahn liefern sich die Albaner mit ihren Mercedes und BMW ein wildes Rennen. Nur Feiglinge bremsen am Rotlicht.

Tirana ist recht grosszügig und wesentlich weniger verschandelt, wie die bisherigen Städte. Wir kaufen uns eine Glace und setzen uns in einen Park. Der grosse Platz im Zentrum ist zur Zeit grad eine einzige Baustelle. Rund darum stehen imposante Prachtbauten aus der kommunistischen Ära Albaniens. Nationalmuseum, Nationaltheater und etliche Ministerien. Dem Finanzministerium hat jemand auf die Türschwelle geschissen. Ich kann es irgendwie gut verstehen…

Etwas nördlich der Hauptstadt besichtigen wir das Skanderbeg-Denkmal. Laut unserem Buch ein Kleinod in den Bergen, das «man keinesfalls versäumen sollte». Das Kleinod entpuppte sich als hässliches und verlottertes Kaff am Steilhang; und das Denkmal war bloss peinlich. Wir essen eine Pizza (Fr. 4.50, gut) und fahren wieder ins Tal hinunter.

Auf der nagelneuen Autobahn brummen wir gemütlich Richtung Nordosten. Der Verkehr wird immer weniger und die Landschaft immer schöner. Ab und zu ein verschlafenes Dorf und gelegentlich ein Fussgänger oder Geisterfahrer auf der Autobahn; alles wie gewohnt. Wir übernachten in
Kukës. Das alte Kukës ertrank 1976 im Stausee. Das neue Kukes wurde auf einem nahen Hügel neu erbaut und ist in seiner Hässlichkeit und Dreckigkeit kaum zu überbieten. Wenn hier über Nacht ein Wirbelsturm durchziehen würde, man täte am nächsten Morgen wohl keinen Unterschied erkennen! Seltsames Albanien. Ennet den Bergen ist das Kosovo.

17. April 2011

Balkan: oh Albanien...

Die Grenze von Mazedonien nach Albanien passierten wir problem- und kostenlos. In Albanien sind die Überlandstrassen um einiges besser, wir kamen zügig voran. Und es geht bergab, der Adria und Wärme entgegen. Schon nach kurzer Fahrt stoppt mich die Polizei: Licht an, auch tagsüber!

Leider ist der Himmel wolkenverhangen, und es regnet ab und zu. Aus dem Internet habe ich einen „Geheimtipp“ für einen wunderbaren Campingplatz direkt am Strand. Laut Karte und Navi gibt es keine Strasse dahin. Aber wir finden einen Wegweiser und folgen ihm. Es geht kilometerweit durch die regennasse Landschaft. Die Strasse ist löcherig und dreckig. Irgendwann erreichen wir unser Ziel. Wäre das Schild „Kampingu“ nicht gewesen, hätten wir gedacht, wir seine auf einer Müllkippe. Lecke Boote, allerhand Hausrat und Hausmüll lagen herum, eingerahmt von kniehohen, modrigen Algenhaufen. Nicht schön - der Geheimtipp kann weiterhin geheim bleiben!

Wir fahren Richtung Durres. Die Strasse wird beiderseits von Baustellen und Müllhalden eingerahmt, beide oft kaum zu unterscheiden. Wir finden dennoch einen schönen Übernachtungsplatz in einem Pinienwäldchen direkt am Strand. Als ich 1994 das letztemal hier war, säumten diese Pinienwälder die ganze Bucht von Durres. Heute sind die Pinien fast restlos abgeholzt und die ganze Küste ist mit klotzigen Hotelkästen bebaut. Schade um diesen malerischen Landstrich.

Die Albaner sind sehr freundlich und hilfsbereit. Und die Strassen und der Verkehr sind viel besser als ihr Ruf. Zumindest die Fernstrassen. In den Ortschaften sind die Strassen löcherig und wellig. Aber was wirklich erschreckend ist, ist der allgegenwärtige Müll und die zügellosen Bauerei. Ich bin ja nicht heikel, aber DAS ist schon schlimm. Frau G. hat jedenfalls Albanien noch nicht in ihr Herz geschlossen. Ich hoffe auf Durres und Tirana….

16. April 2011

Balkan: Registrierung in Mazedonien

Bitola. In Mazedonien muss sich jeder Ausländer registrieren lassen. Normalerweise macht das das Hotel, wir mussten und wollten das aber selber erledigen.
Zuerst suchten wir einen Polizeiposten, dazu immer der Beschilderung „192“ folgen. Gleich gegenüber der Polizei konnten wir in einem Schreibwarenladen die entsprechenden Formulare erwerben. Die Ladenfrauen erledigten auch gleich die Schreiberei, da wir uns mit der mazedonischen Sprache immer noch etwas schwer tun. Das Ganze kostete für uns beide 60 MAK, etwa Fr. 1.50.

Nun die Formulare zusammen mit den Reisepässen bei der Polizei abstempeln lassen. Der Beamte im Pförtnerhäuschen erledigte das ohne mit der Wimper zu zucken. Fertig! Dauerte bloss 10 Minuten und schon halten wir uns ganz legal in Mazedonien auf.

Balkan: wir in Mazedonien

Wir verlassen Griechenland nordwärts. Die Nacht war kühlschrankkalt und in den Bergen ist Neuschnee gefallen. In schattigen Kurven hat es Glatteis und der Schneepflug begegnet uns.

Gegen Mittag kommen wir an die Grenze nach Mazedonien. Die Grenzformalitäten dauern bloss wenige Minuten, einmal die Pässe und Versicherungskarte vorzeigen; und wir sind drin in Mazedonien. Oder Makedonien oder Macedonia; die Griechen sagen verärgert F.Y.R.O.M. oder Republik Skopje dazu.

Dank der Zeitumstellung von einer Stunde verspüre ich erneut Mittagshunger. Wir fahren deswegen gschwind ins nahe Bitola, der einstigen Hauptstadt Makedoniens. Die Stadt hat viel Charme, vermag ihn aber recht gut zu verbergen. Wir schlendern durch das Zentrum, wechseln Geld und trinken Kaffee.

Mich dünkt es gemütlich hier. Der Frau G. ihre Begeisterung ist noch etwas zurückhaltend. Es bläst zudem ein eisiger Wind, daher fahren wir an den Ohridsee, in der Hoffnung, dass es dort etwas wärmer ist...
Wir finden einen einsamen Platz direkt am See. Der Wind peitscht die Wolken über den Himmel und die Wellen ans Ufer. Die Bäume blühen und es ist wunderschönen hier – in Makedonien.
Die Nacht war dann aber wieder eiskalt. Als ich am Morgen zum Fenster hinaus schaue, sehe ich wie sich die Wasservögel versammeln. Ich vermute, zum Flug in den Süden. Und ich glaube, es waren auch einige Pinguine dabei...

Die leidige Sache mit den komischen Buchstaben hat sich noch nicht gebessert. Keine griechischen, nein, jetzt sind die kyrillischen Buchstaben dran.

Ohrid ist ein wunderschönes Städtchen in einer Bucht. Die Altstadthäuser wurden renoviert statt abgerissen. Und es sind einige bemerkenswerte mittelalterliche Kirchen erhalten geblieben. Wir bewundern die Fresken aus dem 13. Jahrhundert, einzigartig in ihrer Farbenpracht und lebendigen Darstellung, ganz anders als wir das sonst aus dieser Epoche gewohnt sind.

14. April 2011

Balkan: den Hund würgen...

Die beiden Hunde auf dem Campingplatz heissen "YES" und "NO". Sie lassen sich gut unterscheiden, "Yes" trägt eine praktische Gehhilfe am Nacken...

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Balkan: kühles Nordgriechenland

Der Mittwoch-Morgen begann mit wunderbarem Frühlingswetter. Im Baum über unserem Bett hockte ein Vogel und ruft immerzu „guck-guck“ zu uns hinunter. Gegen Mittag verlassen wir Klambaka und fahren nordwärts. Erst einem bewaldeten Tal entlang, dann auf der nagelneuen Autobahn. Kein Verkehr, wir ganz alleine. Ich befürchtete schon, irgendwo steht jetzt dann ein Eröffnungskomitee und überreicht uns Blumen und die Blaskapelle spielt die Nationalhymne. Aber nichts von allem.

In Kastoria ist heute Wochenmarkt. DA sind also all die Fahrzeuge - alles ist verstopft mit Autos und Lieferwagen. Wir kaufen Orangen und für mich Arbeitshandschuhe, beides für je 1 €. Dazu noch Oliven, die, wie sich später herausstellt, nach dem Schlucken im Hals brennen.

Das Wetter wir langsam schlechter, Wolken ziehen auf und es bläst ein kalter Wind. Aber das Städchen am See ist wunderschön.

Mit der griechischen Schrift habe ich immer noch so meine Probleme. Einzelne Buchstaben kenne ich ja aus dem Mathe-Unterricht. Das hilft aber nicht wirklich; und wenn ich die Buchstaben dann entziffert habe, ist da ja immer noch diese griechische Sprache. Schwierig, schwierig.

Beim Einkaufen muss ich immer mit den Fingern auf das Essbare zeigen. Oder das essen, wo ein Bild auf der Packung ist. Wobei; beim Käse war ein Schaf abgebildet, obwohl drinnen keines war. Und die Wurst mit dem lachenden Bergbauern drauf, getraue ich mich schon gar nicht anschneiden. Und die Büchse mit dem Baby drauf...

13. April 2011

Balkan: Griechenland im Frühling

Dank der neuen Autobahn waren wir recht gschwind in Ioannina. Die Stadt ist eigentlich nichts Besonderes, aber die Lage am See ist schön. An der Uferpromenade reihen sich zahllose Gartenrestaurants und jetzt zur Schulferienzeit quillt sie fast über vor Besuchern.

Am Dienstag fahren wir früh los. Wir wollen nach Kalambaka, die berühmten Meteora-Klöster anschauen. Die Autobahn bringt uns über die Berge. Hier liegt noch viel Schnee und der Frühling ist noch kaum spürbar.

Gleich hinter Kalambaka sind die komischen Felsen mit den Klöstern drauf. Die Bauten kleben förmlich auf den Felsnasen. Einige sind bloss mit der Seilbahn erreichbar, bei anderen werden die Mönche mit Seilwinden hochbefördert. Und wiederum andere sind touristengängig mit Treppen erschlossen. Die besten Ausblicke hat man von den Felsklippen; atemberaubend schön.

12. April 2011

der letzte Hund im All

Heute Morgen vor genau 50 Jahren, am 12. April 1961, wurde Juri Gagarin mit einer Rakete ins Weltall geschossen. Die Rundreise dauerte gut eine Stunde, kurz vor 8 war er schon wieder zuhause. Es war eine mutige Unternehmung, aber alles ging gut und der Gagarin war somit der erste Mensch im Weltraum. Vor ihm waren da oben bloss ein paar Hunde unterwegs.

Gagarin soll später mal gesagt haben: «Ich war nicht der erste Mensch, ich war der letzte Hund im All.»

11. April 2011

Balkan: ab nach Italien und weiter

Der erste Tag unserer Balkan-Reise führte uns nach Italien, nach Padua. Padua-Neuguinea, wie Frau B. neulich meinte. Die Stadt präsentierte sich frühlingsgrün und himmelblau. Und 29°C warm. Wir schlenderten durch die Altstadt und besuchten natürlich die berühmte Kirche vom Heiligen Antonius. Drum herum wurden zahllose Antonius-Souveniers angeboten, wir entschieden uns für einen Antonius-Kuchen, mit Puderzucker darauf.

Wir übernachteten direkt im Stadtzentrum auf einem grossen Platz unter Linden. Der Parkautomat erkennt bei der Einfahrt vollautomatisch das Nummernschild und macht zum Schluss die Abrechnung.

Wir fahren nach Venedig, es ist ja nicht mehr weit. Wir verfahren uns aber trotzdem. In Venedig ist viel los, überall kriechen bunte Touristengruppen durch die Gassen. Wie ein endloser Tausendfüssler. Wir schauen uns die Rialtobrücke und den Markusplatz an. Aber schon bald wird uns der Rummel zuviel, also fahren zu einer Insel gegenüber. Hier ist es sehr viel malerischer und wir sitzen lange auf einer Treppenstufe und schauen den Schiffen zu.
Auf einem Landzipfel steht eine nagelneue Statue; ein Bub mit einem Frosch, bewacht von einem übellaunigen Polizisten. Auf dem Heimweg lassen wir uns von einer Gondel über den Kanal rudern. So kommt Frau G. doch noch zu einer Gondelfahrt, kostete mich nur 50 Cent, dauerte halt nur fünf Minuten; aber es ist eine Gondelfahrt.

Der Volksmund behauptet immer, Venedig sei die Stadt der Kanäle. Das mag sein, aber Venedig ist noch viel mehr die Stadt der unzähligen Treppen. Jede Brücke bedeutet auch immer zwei Treppen, eine hinauf, eine drüben hinunter.
Wir übernachten direkt im Hafen von Venedig. Ist recht schön, unter Bäumen und direkt am Meer.

Am Sonntag Vormittag fahren wir hinüber zum Fährhafen. Die „Lefka Ori“ der ANEK LINES ist schon da. Nach kurzer Wartezeit können wir drauf fahren. Pünktlich und fast unmerklich legt die das Schiff ab. Wir fahren genüsslich an Venedig vorbei, am Markusplatz ist schon wieder der Tausendfüssler unterwegs. Wir winken zum Abschied hinüber. Es war schön in Italien, jetzt wollen wir aber nach Griechenland.

Die Überfahrt nach Igoumenitsa ist sehr angenehm. Obwohl das Schiff komplett voll ist, sind kaum Leute an Deck. Den Sonnenuntergang sehen wir uns ganz allein an, sauromantisch.

Am Montag Mittag sind wir nun pünktlich in Griechenland gelandet. Und gleich weiter ins Innenland gefahren. Nun sitzen wir in Ioanina am Seeufer und schauen schon wieder dem Sonnenuntergang zu.
Davon aber später...

8. April 2011

Balkan: unterwegs nach Urlaub

Seit heute Morgen sind wir unterwegs. Wir fahren nun erst einmal nach Venedig, wo eine Fähre nach Griechenland auf uns warten soll. Und dann geht’s im zickzack der Ägäis-Küste entlang heimwärts.

In einigen Tagen wird hier dann der erste  Reisebericht von unterwegs zu lesen sein - wenn alles klappt...