31. Oktober 2012

Österreichischer Nationalstolz

Neulich war ich doch in Österreich unterwegs. Mozartkugeln, Wiener Schnitzel und Eitrige; kennt jeder. Aber was ich auch noch entdeckte, übertrumpft alles.

Schier unglaublich: In Österreich gibt es sogar Zahnpasta in Gestalt ihrer Landesflagge. Rot-weiss-rot.

30. Oktober 2012

isch alles lässig

Neulich war ich in Zürich Architektur gucken; ich habe darüber doch berichtet. Und da man vom gucken nicht satt wird, besuchten wir bereits im Voraus eine Gaststätte zwecks Morgenkaffee. Ein gemütliches Strassencafé mit Art-Deko Ausstattung und einer dunkelbraunen Bar mit Messingbeschlägen und einer geschliffenen Marmorplatte. Aber darum geht es gar nicht...
Zwei Kellner bedienten uns. Beide mit langen Schürzen und neckischen Krawatten. Sie sprachen weicher Stimme und hatten eine überaus warmen Ausstrahlung. Als wir unsere Tassen leer hatten, fragte einer:
«...und bi oi isch alls lääässig?».

29. Oktober 2012

Räuberhöhle am Giswilerstock 2. Teil

Jakob Beuggert wurde im August 1906 in Unterseen bei Interlaken geboren. Sein Vater habe getrunken und ihn oft geschlagen. Bereits als zehnjähriger Bub wurde weggegeben. Erst viele Jahre später erfuhr er, dass er noch sechzehn Geschwister habe! Er hütete Ziegen, arbeitete als Landarbeiter und später auf dem Bau. Beuggert hat sich von Jugend an zu einem eigensinnigen Menschen entwickelt. Er war misstrauisch und Menschenscheu. Er liebte die Natur und zog sich wann immer möglich in die Berge zurück. Schon bald lebte er für sich allein auf den Alpen. Was er zu Leben brauchte, holte er sich in den Alphütten. Die Polizei wurde ihm ab und zu habhaft und der Beuggert verbrachte die kalte Jahreszeit gerne im Gefängnis. In 30 Jahren wurde er zu etwa 15 Freiheitsstrafen verurteilt.

Im Dezember 1956 beschloss er, nie mehr mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Und er hielt sein Versprechen zeitlebens ein. Er fand eine Anstellung bei der Gemeinde Meiringen und später im Freilichtmuseum Ballenberg. Sein Lohn reichte ihm, um die früher erhaltenen Fürsorgegelder zurück zu zahlen. Jakob Beuggert wohnte die letzten Jahre in Meiringen in Gädeli und Scheunen; im Staldi, in der Funtenen und der Schwendlen. 1992 brannte seine Unterkunft ab und die Gemeinde spendierte ihm einen mäusefreien Wohncontainer. Diesen bewohnte er aber bloss kurze Zeit, er zog die Freiheit vor. Die Gesundheit zwang ihn dann aber zu mehreren Klinikaufenthalten, die er nur schwer ertragen hat. Nach kurzer Krankheit verstarb Jakob Beuggert im Mai 1995 im Spital Meiringen.

27. Oktober 2012

Reisetipp: Taschendiebstahl

Der Reisetipp am Samstag: Der gewöhnliche Taschendiebstahl ist wahrscheinlich das häufigste Verbrechen, dem wir unterwegs begegnen. Man kennt das: Im Gedränge fingert eine fremde Hand unbemerkt in die eigene Hosentasche und fischt das Papiergeld oder Portemonnaie raus.
Dagegen kann man gut vorbeugen. Ich stopfe zum Schluss immer ein Papiertaschentuch in die Tasche; als Abschluss sozusagen. Greift ein Dieb in meine Hosentasche, erbeutet er statt des Geldes bloss ein schmieriges Taschentuch.

26. Oktober 2012

Räuberhöhle am Giswilerstock

Im Herbst 1951 wurde in Giswil immer wieder in Alphütten eingebrochen. Da neben Lebensmitteln und Werkzeugen auch jeweils Wecker gestohlen wurden, ahnte die Bevölkerung, wer der Dieb ist: Der "Bergschnoisi";  mit bürgerlichem Namen Jakob Beuggert. Die Polizei fahndete schon länger - und vergebens nach ihm.

Mitte Dezember wurde erneut eingebrochen. Das liess dem Giswiler Dorfpolizisten nun keine Ruhe mehr. An seinem freien Tag machte er sich auf die Suche nach dem Dieb. Er stieg den Berg hoch. In einem abgelegenen Wald hörte er "ein lautes Knacken" und dann stand er plötzlich einem wildfremden Mann gegenüber. Der Ertappte gestand sogleich, er sei der gesuchte Jakob Beuggert.
Beuggert sass dann längere Zeit in Sarnen im Gefängnis. Der Dorfpolizist besuchte ihn regelmässig und zwischen den beiden entwickelte sich eine langjährige Freundschaft. Beuggert wurde später, gegen seinen Willen, in ein Berner Gefängnis überstellt, wo er dann noch bis 1957 einsass.

Beuggerts Höhle liegt am Nordhang des Giswilerstockes unter einem grossen Sturzblock. Vom Eingang geht es fast zwei Meter senkrecht in die Tiefe. Der Zugang ist recht eng - und die "Wohnung" auch. Von Beuggerts Anwesenheit konnte ich kaum mehr Spuren finden. Einige Holzbretter, einige rostige Büchsen und ein Ledergurt - mehr nicht.

demnächst gibt es noch den zweiten Teil der Geschichte.

25. Oktober 2012

den Ölch würgen

Auf unserer Osteuropa-Tour stellten wir fest, dass unsere Bettdecken fuseln. Da kommen überall so kleine Federn raus. Die kitzeln dann in der Nase und kleben im Haar. So geht das nicht weiter! Wir brauchen neue, ohne Geflügel drinnen.
Getrieben vom Wunsch nach einer fuselfreien Bettdecken reisen wir also nach IKEA.

Der Laden versteckt sich in einer blaugelben Wellblechhalle im Industriegebiet. Also hinein, Rolltreppe hinauf ins Obergeschoss. Gleich am ersten Schalter können junge Pärchen ihre Kinder entsorgen. Haben wir keine mit, also weiter. Pfeile am Boden schleusen uns im Zickzack voran. Die Möbel heissen wie Diktatoren: Ein Sofa SÖDERHAMN, ein Sessel POÄNG. Oder wie Hautkrankheiten DUDERÖ, VÄTE und SCHORF. Nach einem kilometerlangen Marsch kommen wir dann zu den Bettdecken.
Wir entscheiden uns für MYSA STRÅ - «eine füllige Synthetikdecke für alle, die nachts leicht frieren und sich warm zudecken wollen». Eng gerollt und in Plastik eingeschweisst; wie eine Riesensalami.

Über der Kasse hängt ein grosses Schild: Eine Wurst für einen Franken; mit Brötchen und Senf drauf, wellenförmig dieser. Hat sich die weite Anreise schlussendlich doch noch gelohnt.

24. Oktober 2012

iPad mini - eine Ecke ab

Neulich hat doch diese komische amerikanische Apel-Firma vor Gericht einen Patentstreit gewonnen. Das Patent für ein "Rechteck mit abgerundeten Ecken" ist ihnen zugesprochen worden.

Aus lauter Angst, irgendwelche apelige Patente zu verletzen, habe ich meinem iPad mini Dings eine Ecke abgeschnitten. Mit der Geflügelschere geht das ganz gut. Und sieht jetzt noch schicker aus; find ich.
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23. Oktober 2012

getarnt Reisen

Wenn wir unterwegs sind übernachten meist „frei“, also nicht auf Camping- oder Stellplätzen. Damit wir belästigungsfrei ruhen können, haben wir unser Wohnfahrzeug getarnt. Das tönt jetzt spektakulär, ist es aber überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil; unser Bus schaut völlig gewöhnlich aus, uninteressant und laaangweilig.

Damit unser Sprinter noch weniger wie ein Reisemobil aussieht, haben wir vorne und hinten rotweisse Warnstreifen angebracht. Zudem waschen wir ihn nie vor der Reise, so dass ihn eine üppige Staubschicht überzieht. So getarnt sieht er aus wie einer vom Strassenunterhalt oder der Kanalreinigung.

Mit unserem „getarnten“ Fahrzeug haben wir sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Positiv ist: Wir können ihn überall abstellen, niemand interessiert sich dafür. Wir übernachten an den schönsten Plätzen, ob Flussufer oder Altstadt; immer problemlos. Wenn mal Parkgebühren anfallen, dann nicht die hohen für Wohnmobile, sondern die billigen für Lieferwagen. Und ganz witzig ist es an Baustellen und Umleitungen; da werden wir oft wie einheimische Baufahrzeuge behandelt und gleich durch gewunken.
Negativ ist aber: Wir werden von anderen Reisenden nicht als solche erkannt. Manchmal wäre es nämlich ganz nett, mit denen ein paar Worte zu wechseln. Und bei Polizei- und Zollkontrollen werden wir gerne raus gewunken, da die meinen, wir transportieren Fracht.
Insgesamt hat sich die "Tarnung" sehr gut bewährt. Wir sind damit unauffällig und sicher unterwegs. Keiner sieht uns, kein will etwas von uns. Wir werden ignoriert und in Ruhe gelassen.

22. Oktober 2012

Architektur ist gefrorene Musik

Am letzten Freitag besuchte ich die «Architektur 0.12» in der Maag Halle in Zürich. Hier werden Arbeiten von siebzig Architekturbüros präsentiert. Es sind viele spannende und anregende Projekte zu sehen. Und Architekten mit bedeutungsschwangerem Blick und schwarzen Rollkragen-Pulli.

Die Ausstellung war ganz clever gestaltet. Jeder Aussteller hat den gleichen weissen Klotz; 4x1x0,6 Meter, als Ausstellungsfläche zur Verfügung. Was er darauf oder damit macht, ist ihm überlassen.
«Wäre die Natur behaglich, hätten die Menschen die Architektur nicht erfunden» steht an einer Wand geschrieben. So kann man es auch sehen.

Ein Besuch lohnt sich, respektive hätte sich gelohnt, denn die Ausstellung dauert bloss drei Tage und ist leider schon wieder vorbei. Aber in einem Jahr gibt es vermutlich wieder eine.
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21. Oktober 2012

nutzlose Gebäude 4

Die sogenannte „Allmend-Gädeli“ stehen meist auf der freien Wiese. Da sind sie dem Wetter ausgesetzt und brauchen dauernden Unterhalt.

Manche der geschwächten Bauten überleben dann halt einen Föhnsturm nicht mehr.

20. Oktober 2012

nutzlose Gebäude 3

Manche der „Allmend-Gädeli“ wurden nicht als Scheune, sondern als Kantine benutzt. Hier konnte man am Schärmen das Znüni essen.

Heutzutage braucht niemand mehr diese Gädeli und sie verfallen. Jedes Jahr werden es weniger. Dieses hier wird aber ab und zu noch benutzt.

19. Oktober 2012

nutzlose Gebäude 2

Da das Echo gestern so überwältigend war, hier gleich noch ein „Allmend-Gädeli“.

Es leidet bereits etwas unter der Schwerkraft und ist inzwischen schon verschwunden.

18. Oktober 2012

nutzlose Gebäude

Wer bei uns übers Land geht, kommt immer wieder an so kleinen Gebäuden vorbei. Sie stehen auf der freien Weite und sind meist recht klein. Manche winzig. Das sind sogenannte „Allmend-Gädeli“.

Kleine Scheunen auf Gemeindeland. Die Wiesen können jeweils für einige Jahre gepachtet werden, dann werden sie an einen neuen Nutzer verlost. Heutzutage braucht niemand mehr diese Gädeli und sie verfallen. Jedes Jahr werden es weniger - eigentlich schade.

17. Oktober 2012

der Alltag ist wieder da

Draussen ist Herbst und der Alltag hat mich voll erwischt. Da sitze ich nun und denke wehmütig an die vergangenen Reisen. An die fremden Länder, die verhaltensoriginellen Menschen und die schönen Landschaften.

Nur gut, dass wir demnächst für einige Tage nach Berlin reisen. Mir fiele sonst die Decke auf den Kopf.

16. Oktober 2012

Osteuropa: und wie war es im wilden Osten?

Nun sind also zurück aus Osteuropa, wieder zuhause. Und nun - wie war es?
Schön war’s. Gut 4‘000 Kilometer, null Probleme und pannenfrei. Wir haben immer frei übernachtet, nie auf einem Camping- oder Stellplatz. Jetzt im Herbst waren die meisten sowieso geschlossen oder zu. Aber es gibt ja genug wunderschöne Übernachtungsplätze.

Und was haben wir gelernt:
+ Die Leute sind wie fast überall freundlich und hilfsbereit. Auch jene, die kyrillisch reden.
- Wenn man schon extra Landkarten kauft, sollte man sie auch mitnehmen.
- Die Tierwelt versteckt sich scheinbar. Jedenfalls sahen wir keine Bären, Wölfe oder Mammuts.
+ Die Grenzen sind problemlos; es sind bloss ein Pass und etwas Geduld erforderlich.
+ Der Strassenzustand ist nicht schlecht, mancherorte ist der Asphalt halt einfach etwas lückenhaft.
- Die "gute alte Zeit" ist definitiv vorbei; kaum mehr Ostprodukte. Irgendwie schade.
- Wir brauchen dringend neue Bettdecken. Bei den jetzigen kommen immer Feder-Fuseln raus.
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15. Oktober 2012

Doitschland: der letzte Tag

Ammersee. Die Morgensonne scheint und ich bin mürrisch, weil heute unser letzter Reisetag ist. Und ich erkältet bin. Seifiger Schnuder und kalter Schweiss - ein handvoll Aspirin sollen etwas Linderung bringen.

Am Ammersee hat es viele Wasservögel und Oldtimer. Den ersteren werfen wir altes Brot nach. Ich würde ja auch den blasierten Oldtimer-Fahrern altes Brot zuwerfen; aber die fressen das ja sowieso nicht.

Ja dann, fahren wir halt heim. Alles Autobahn, ein-, zweimal Baustelle, sonst ist wenig los. Hinter den Leitplanken spärliches Begleitgrün und sehr viel Umgebung.
In Memmingen machen wir Mittagsrast. Gucken an den alten Häusern hoch und trinken Kaffee. Für unterwegs kaufen wir zwei Schwarzwäldertorten-Stücke. Wie sich später zeigt, ohne Schokolade und mit zu überaus süsser Kirschenschmiere drin.
Eigentlich wollte ich noch bei "Feinkost Albrecht" Kohlsalat kaufen. Denn den gibt es im Aldi Suisse nicht. Aber als es mir wieder in den Sinn kommt, ist es schon zu spät. Bregenz, Korridorvignette für zwei Euro. Dann ein laaanger Tunnel, dann Lustenau. Dann die Schweiz.

Frau G. fährt. Ich sitze mit einem Sofakissen auf den Knien daneben, den Laptop tippsend. Geht ganz gut, jedenfalls muss nicht kotzen. Gut.
Gegen Abend sind wir daheim. Auch gut.

13. Oktober 2012

Deutschland: mia san Münchn

Die ganze Nacht hat es geregnet. Es herbstet in Freyung, buntes Laub und Regennässe überall. Wir autobahnen quer durch Bayern. Auf der Gegenfahrbahn hat es Stau; leichte Schadenfreude meinerseits.


Gegen Mittag scheint wieder die Sonne und am Horizont sehen wir München. Wir fahren jedoch weiter bis nach Germering, denn von hier fährt S-Bahn mit uns direkt in die Münchner Innenstadt.

Vor dem Rathaus rolltreppen wir wieder ans Tageslicht. Es sind viele Leute da, dreierlei Gattungen: Asiaten mit Filzhüten und Rollkoffern, bierschwangere Trachtenträger und einige wenige Normale - wie wir.

Viele schöne und andere Häuser hier. Wir gehen als erstes zum Viktualienmarkt (nicht Fäkalienmarkt - NICHT lustig!) und essen eine Wurst. Eine rote Bratwurst mit ohne Senf.

Am Viktualienmarkt werden eine schier unglaubliche Auswahl an Esswaren feilgeboten. Exotische Früchte und Gemüse. Pilze und Fleisch von allen möglichen Tieren. Heute im Sonderangebot, Weisswürste vom Fohlen (das sind Pferdekindern!).
Die Eingeborenen versammeln sich unter Bäumen und stillen ihren Durst mit vegetarischen Getränken.

Mit der Dämmerung kommt auch wieder der Regen und wir fahren zurück nach Germering. Also wir täten - aber die S-Bahn steht wegen eines Unfalls still. Grad als ich mich ärgern will, reisst der Polizist das rotweisse Absperrband weg und wir dürfen hinunter in den Keller und mit der S8 heimfahren.
Am Ammersee finden wir dann ein schönes Plätzchen zum Übernachten.

12. Oktober 2012

Tschechien: Nutten-Schwemme

Auf kleinen Nebenstrassen kurven wir durch den Böhmerwald. Hügel, Wälder und Seen. Ab und zu überqueren wir die Moldau, die hier oben bloss noch ein Bach ist.

Im 18. Jahrhundert war Brennholz in den österreichischen Städten rar und teuer. Hier im Böhmerwald hatte es davon reichlich. Aber wie nach Wien bringen?
Man baute einen Kanal, in dem das Brennholz relativ bequem ins Tal und dann bis nach Wien geflösst werden konnte. Der "Schwarzenbergsche Schwemmkanal" (n48.6454, e14.0486) funktionierte bis ins 20. Jahrhundert hinein, bevor ihm die Kohle und die Eisenbahn endgültig den Garaus machten.
Heute sind noch Resten des Kanals ein alter Kanaltunnel zu sehen.

In Prachtice schauen wir uns die alten Häuser an und essen das Tagesmenü; es gibt gebratene Wurst und Linsenbrei. Ist gut.

Ich hatte Vimperk als nettes Städtchen in Erinnerung. Jetzt erscheint es mir aber klein und öd. Und ein offenes WiFi haben sie auch keines.

Bis zur Grenze ist nicht mehr weit. Am Strassenrand stehen knapp bekleidete und junge Frauen und winken uns zum Abschied hinterher. Eigentlich nett von ihnen. Aber ich weiss was die von mir wollen – mein Sackgeld.
Diese Route war einst bekannt für die zahlreichen Nutten-Caravans am Strassenrand. Die gibt es auch heute noch, die Lustgewerblerinnen - nun aber ohne Wohnwagen, freistehend.

Im letzten Dorf vor der Grenze haben sich ein Haufen Ramschläden (n48.9072, e13.7237) angesiedelt. Alles Vietnamesen, die für sehr wenig Geld tolle Markenartikel und kistenweise Schnaps feilhalten. «Ich hab gross Jacke», sagt ein schmächtiger Asiat zu mir. Hab ich auch.

11. Oktober 2012

Tschechien: Hochwasser, Japaner und Kuchen mit Loch

Vor zehn Jahren wurde Český Krumlov (Krumau) vom Hochwasser verwüstet. Mancherorts stand das Wasser damals zwei Meter hoch. Und in den Häusern. Heute ist ausser vereinzelten Hochwassermarken kaum mehr etwas davon zu sehen.

Krumau liegt ganz malerisch auf einem Hügel in einer Flussschleife; rund herum die Moldau. Um den Marktplatz drängeln sich prächtige Häuser. In der Mitte die obligate barocke Mariensäule. Japanische Touristen zerren ihre Rollkoffer übers Pflaster.
Wir setzen uns in ein Gasthaus: "Rinderlende mit böhmischen Knödeln". Schmeckt wie früher und sauguuut.

Nebenan thront hoch oben auf einer Felsrippe das Schloss Krumlov. Fünf Höfe, 360 Räume und ein grandioses Theater, das über eine mehrstöckige Brücke erreicht wird. Über eine weitere Brücke konnten einst die Blaublütler in den Park hinüber flanieren. Wir auch.

In kleinen Bäcker-Kämmerchen werden süsse Teigrollen, Trdelník, gebacken. Sind vergleichbar mit den Baumkuchen, bloss weniger Baum und wesentlich mehr Loch. Und mehr Zucker.

Gegen Abend fahren wir noch ein Stück die Moldau aufwärts und übernachten in Rožmberk bei den Enten.

10. Oktober 2012

Tschechien: der Türke hat einen Vogel

Das Schloss Hluboká liegt auf einem Hügel über der Moldau, und gar nicht weit von Třeboň entfernt. Das Schloss gleicht einwenig einem Prinzessinnenschloss aus einem Mädchenfilm. Rundtürme, Erker, Zinnen; wie im England des 19. Jahrhunderts.

Der Eindruck täuscht nicht, das Schloss Hluboká ist nicht sehr alt. Fürst "zu Schwarzenberg" liess es um 1850 bauen; als romantisches Jagdschloss. Die alte Burg, die seit dem Mittelalter hier stand, wurde dafür ratzeputz entfernt.

Die Türklinke zeigt einen Raben, der einem Türken in den Kopf hackt. Genau so einer schmückt auch das Wappen der Familie "zu Schwarzenberg". Der Türkenpicker soll an die siegreiche Schlacht vom Raab (heute Győr) erinnern. Aber nett ist das trotzdem nicht.

Die Glas-Gusseisen-Konstruktion der Orangerie war damals das Modernste und Feinste, und auch heute noch ganz ansehnlich.
Wir rollen weiter durch die Hügellandschaft und kommen so nach Holašovice. Eigentlich bloss ein kleines Bauerndorf im böhmischen Hinterland. Aber was für eines: Langweilig schön.

Um den Dorfteich herum gruppieren sich die Bauernhäuser mit ihren verzierten Giebeln und bunten Fassaden. Jedes schöner als die anderen; Bauernbarock.

Hinter jedem der Häuser steht eine Scheune. Und dahinter der Hausgarten und dann die Felder. Wie aus dem Lehrbuch für ländliche Strassensiedlungen. Aber keine Gaststätte hat auf! Mein Vorhaben "böhmisch essen" scheitert erneut.

9. Oktober 2012

Tschechien: ich will keine böhmische Pizza

Die Strecke nach Třeboň ist hüglig und lieblich. Zwischen den Wäldern sehen wir immer öfter Karpfenteiche. Diese wurden vor gut dreihundert Jahren künstlich angelegt um Fische zu züchten. Im Winter wird dann das Wasser abgelassen und die Karpfen mit Körben eingesammelt. Und gebraten.

In Jindřichův Hradec besuchen wir die Schmalspurbahn „JHMD“. Diese Eisenbahngesellschaft befährt ein Streckennetz von stolzen 33 Kilometer; und das auf einer ungewöhnlichen Spurweite von nur 76 Zentimeter! Die Diesellokomotiven sind aus den 1950-er Jahren und die Personenwagen nur unwesentlich jünger. Das ganze sieht aus wie eine zu gross geratene Modellbahn.

Auch Třeboň hat, wie so viele böhmische Städte, einen grandiosen Hauptplatz. Wieder diese schnuckeligen Häuser, ein stattliches Schloss und eine stolze Kirche. Also alles da.
Wir steigen auf den Rathausturm; hundert Treppenstufen und eine wunderbare Aussicht über die Dächer und die umliegenden Karpfenteiche.

Am Abend wollen wir böhmisch essen gehen. Doch das Restaurant entpuppt sich als ein Italiener; und ich wollte doch unbedingt Knödel. Aber Knödel gibt’s beim Italiener keine. Na gut; futtern wir halt einen Salat und flüchten dann.

Wir übernachten am Stadtrand. Die Sonne flüchtet vor der kommenden Nacht. Und ich schaue bis spät in die Nacht Web-Fernsehen.

8. Oktober 2012

Tschechien: bonbonfarbene Häuser und Bienenkuchen

Telč ist mein Lieblingsort in Böhmen. Rund um den langgezogenen Hauptplatz stehen dichtgedrängt die Bürgerhäuser. Alle in so einem barocken Zuckerbäcker-Stil und herzallerliebst bonbonfarbig angestrichen. Die Giebelfassaden aufwändig mit allerhand Zierrat geschmückt. Hübsch.

Die niedlichen Häuser sind aber nicht etwa wegen den Touristen da; nein, sie wurden vor mehr als dreihundert Jahren genau so gebaut. Inmitten zahlreicher Fischteichen. Es sieht fast so aus, als ob Telč auf einer Insel liege.

Unter den Arkaden sind ein paar Cafés und viele Souvenirläden beheimatet. Frau G. hat eine Erkältung und ich WiFi. Und deshalb verbringen wir den Vormittag auf sehr unterschiedlich Weise. Wobei ich wohl die bessere Wahl getroffen habe.

Am Abend riecht man den Rauch der Kohlenöfen. Genau wie in der "guten alten Zeit", als ich zum ersten Mal hier war.

Diesen Honigkuchen nennen sie hier „Medový dort“, was auf deutsch wiederum "Honigkuchen" heisst – sowas kann doch kein Zufall sein! Und er schmeckt auch noch wie ein Honigkuchen. Mysteriös.