4. Mai 2015

Oberrhein: zottlige Kerle mit ohne Kougelhopf

Frau G. hat frei und ich grad Zeit, also nutzen wir die Gelegenheit und verreisen. Nach unserer Marokko-Tour braucht nämlich unser Möbelwagen einige Ersatz- und Ausrüstungsteile. So verbinden wir das Angenehme mit dem Schönen und fahren ins Elsass.
Irgendwann nach dem Mittag erreichen wir Basel. Kurzer Zwischenhalt zum Architektur gucken und dann weiter. Nach der französischen Grenze fahren wir gleich rechts an den Rhein und erholen uns von der anspruchsvollen Reise.

Auf dem Rhein schwimmen Gänse, Schiffe und Fischerboote. Am Ufer tummeln sich eine Gruppe polnischer Autoschieber und eine Handvoll Wohn-Lastwagen. Zottligen Kerle und Kerlinnen mit verfilzten Kötern sitzen drum herum. Warum diese „Aussteiger“ immer daherkommen wie Höhlenbewohner, bleibt mir wohl ewig ein Rätsel?
Gegen Abend wird es kühl und wir fahren zum Übernachten an die Schleuse Kembs. Wir schauen den Schiffen zu, wie sie millimetergenau in die Schleuse hineinfahren. Die meisten sind Tanker und fahren nach Basel, nur zwei leere Hotelschiffe fahren Rhein abwärts.

Übrigens: Die Schleuse Kembs (N47.65319, E7.52416) sorgt auch dafür, dass es im Basler Reinhafen Wasser hat. Als nämlich gegen Ende des zweiten Weltkrieges die Engländer die Schleuse Kembs bombardierten, lagen danach die Schiffe in Basel monatelang im Schlick herum.
Im kleinen Gartenlokal neben der Schleuse besorge ich uns Fleischterrine und Salat. Der legendären Kougelhopf ist aber leider aus - gefressen von den Ausflüglern!

3. Mai 2015

Freundin und Brotbelag

Ich plane ein Buch zu schreiben, einen romantischen Roman. Es soll eine mehrteilige Trilogie werden; eine sinnliche Liebesgeschichte voller Leidenschaft, inniger Zweisamkeit und erotischem Knistern.
Den Titel habe ich schon: „die Wurst - Freundin und Brotbelag“.
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1. Mai 2015

Marokko: einzigartige Hafenbahn in Sidi Ifni

Die Westsahara und Südmarokko waren lange Zeit ein spanische Kolonie und Sidi Ifni ein wichtiger Militärstützpunkt. Wegen der Steilküste und dem flachen Sandstrand konnte man keinen Tiefwasserhafen bauen, alles musst deshalb mühsam mit kleinen Booten oder Amphibienfahrzeugen an Land gebracht werden. Anfangs der 1960-er Jahre begann man dann mit dem Bau eines völlig neuartigen Hafens. Die Schiffe sollten künftig an einer künstlichen Insel anlegen, und von da werden Passagier und Fracht mit einer Seilbahn ans Ufer gefahren.

Die Bahn hatte eine Gesamtlänge von 1‘335 Meter und die längste Spannweite betrug beachtliche 813 Meter. Die beiden grossen Masten sind aus Stahlbeton und über 60 Meter hoch. Die künstliche Insel besteht aus mehreren, in Las Palmas vorgefertigten, Beton-Senkkästen. Obendrauf befand sich eine Platform mit der Bahnstation und zwei grosse Ladekräne.

Die Anlage hatte zwei feste Tragseile und dazwischen noch ein unabhängige kleine Werksbahn. An den schweren Tragseilen fuhren die eigentlichen Bahnfahrzeuge hin und her. Und zwar unabhängig voneinander. Auf jedem Seil konnten gleichzeitig auch mehrere Bahnfahrzeuge fahren, die See-Platform bot Platz für maximal zweimal drei Fahrzeuge.

Die einzelnen Bahnfahrzeuge waren eine Art Kran-Traktoren mit einem eigenen Chauffeur und einem 260 PS Dieselmotor. An zwei Seilwinden hing eine Aufhängevorrichtung. Daran befestigte die Bodenmannschaft eine Frachtplattform oder eine Passagierkabine. Die Bahnfahrzeuge fuhren mit etwa 15 km/h und konnten in der Regel 10 Tonnen Last tragen, ausnahmsweise auch mal 20 Tonnen. Jedes Fahrzeug konnte pro Stunde etwa 300 Passagiere oder 60 Tonnen Fracht hin und her befördern.

Die Hängebahn ging 1965, nach vier Jahren Bauzeit, in Betrieb. Zehn Jahre später übergab Spanien die Kolonie Sidi Ifni an Marokko. Diese bauten gleich einen richtigen Hafen und legten die Bahn still. 1992 wurden die Tragseile und Aufhängungen abgebaut und die meiste Bahntechnik verschrottet.

In der grossen Seilbahnhalle (N29.36065, W10.18555) hängen zurzeit die letzten zwei Fahrzeuge - ausgeschlachtet und missbraucht. Da und dort liegt noch Bahntechnik-Schrott, aber die Anlage ist komplett verwüstet und geplündert.

Neustens gibt es zwar sogar Bestrebungen, die einzigartige Bahn wieder aufzubauen und damit Ausflugsfahrten zu machen. Allerdings sind auch Betonstrukturen nach 50 Jahren Salzwasser in einen erbärmlichen Zustand, was das Vorhaben wohl unbezahlbar machen dürfte.

30. April 2015

wireless tanken wär schon praktisch

Jetzt weiss ich, wie es sich anfühlt, wenn einem kleinen grauen Auto auf einer stotzigen Bergstrasse das Benzin ausgeht. Erst röchelt es, dann ein weinerlicher Seufzer, dann Stillstand.
Da die Strasse hier nicht nur steil, sondern ausgerechnet auch kurvig und unübersichtlich ist, löst mein spontanes Verweilen bei den übrigen Verkehrsteilnehmern wenig Freude aus. Was also tun? Rückwärts bis zu einer Wendemöglichkeit hinunter rollen lassen, in einer Spitzkehre mit Schwung wenden, dann die verbleibenden drei Kilometer vorwärts weiter bergab rollen lassen. Kurz vor der Ebene weg von der Bremse und laufen lassen bis zum Kreisel. Hier scharf rechts, über den Höcker drüber und bis zur Tankstelle. Grosse Erleichterung.
Jetzt Benzin rüsseln und es brummt wieder, als sei nichts geschehen.

Jemand müsste dringend einmal so eine kabellose Tankstelle erfinden.
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29. April 2015

ohne Motor und ohne Bremse

Kaum sind wir zurück aus Marokko, luden uns R+R auf ihr Segelboot ein. Obwohl mir ja generell Fahrzeuge ohne Motor oder ohne Bremsen suspekt sind – und Segelboote haben weder das eine noch das andere – freute ich mich riesig. Eine Frühlings-Kreuzfahrt.

Das Segelboot heisst „Angelique“ und ist etwa sieben Meter lang. Oder acht oder sechs, odr so. Es hat eine Kabine mit einem Wohn- und einem Schlafraum und ist richtig gemütlich. Ausser beim Segeln, da ist alles schräg und kaum benutzbar. Aber da sassen wir ja auch aussen, also hinten im Boot.

Wir segelten über den Alpnachersee, der wiederum ein Teil vom Vierwaldstättersee ist und an der Achereck-Brücke endet. Um unter der Brücke durch zu kommen, müssen die Dampfschiffe ihren Kamin und die Segelschiffe ihren Mast ablegen. Tun wir aber nicht. Wir wenden und lassen uns vom Rückenwind zurück in den Hafen treiben.

Keiner ist über Bord gegangen, keiner musste sein letztes Essen stornieren. Ein rundum geglückter Ausflug. Und wunderschön - danke vielmal.
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28. April 2015

Gerda, heute nicht

Ich sag's mal so - heute tue ich nichts schreiben.

Als Trost präsentiere ich euch dafür ein Archiv-Bild. Es zeigt die kleine Gerda W., die zeitlebends unter einem Parasiten litt.
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