2. Februar 2011

duschen im Reisemobil?

Eine Dusche im Reisemobil; braucht man sowas? Darüber wurde kürzlich im Wohnmobilforum eifrig diskutiert. Ich sage; ja - braucht man; unbedingt.

In all den Jahren davor habe ich unzählige mal auswärts geduscht. Und dabei so meine leidvollen Erfahrungen gemacht. Es gibt Duschen, die sind so schmutzig, dass man besser die Stiefel anbehält. Oder spreizbeinig auf dem Rand der Dusche stehen muss. Dann gibt es Duschen ohne warmes Wasser, ohne kaltes Wasser, ganz ohne Wasser. Mit rostigem Wasser, mit schwefligem Wasser, mit tröpfelndem Wasser. Manche Duschen funktionieren zu Beginn, dann aber verebben sie. Oder man braucht Münzen, Jetons oder so. Und die bekommt man am anderen Ende der Anlage beim Pförtner. Der hat aber schon Feierabend, oder er kommt erst später.
Dann gibt es Duschen mit Türen ohne Schloss oder Türen die nicht zu gehen. Oder ohne Tür; ohne Dach, ohne Wände oder ohne Dusche. Und der Duschschlauch rinnt und spritzt in alle Richtungen. Bloss vorne kommt kaum Wasser raus. Dafür spritzt er die frischen Kleider nass.
Der Weg vom Reisemobil zur Dusche kann weit sein. Das ist ungünstig wenn es regnet, schneit, sandstürmt oder stockfinster ist. Unterwegs kann man auf strupfige Hunde, faustgrosse Käfer, durstige Schafe treffen. Oder auf australische Camping-Gruppen, Rotel-Tour-Busreise-Herden oder polnische Sporttrinker. Oder auf lokale Gaffer, ermattete Säufer und Taschendiebe.
In der Dusche angekommen ist keine Dusche frei. Oder bloss die eine, wo kein Wasser läuft. Oder der Abfluss verstopft ist (das ist allerdings gut für die durstigen Schafe, die müssten sonst aus der Toilette trinken). Oder es steht schon eine Kolonne halbnackter, wildfremder Mannen an. Ist man dann drin in der Dusche, hat es keinen Hacken um die Kleider und das Tüechli aufzuhängen. Und keine Möglichkeit das Shampoo hinzustellen. Und stellt man es auf den Boden, kann man es nicht mehr aufheben, da die Enge ein Bücken nicht zulässt. Hängt man sein Tüechli über die Tür, muss man Angst haben, dass es in die nasse Dusche zurück fällt. Oder aussen hinunter, wo es auch nass ist, und zudem sandig.
Ist man dann fertig geduscht, stellt man fest, dass es sibirisch kalt ist. Und wenn man schlotternd seine Hosen anzieht, schleifen die Hosenbeine durch die Pfütze. Oder die Unterhosen fallen ganz hinein. Das Tüechli hat von der Tür, wo es drüber lag, einen braungrauen Abdruck. Draussen stehen immer noch Leute; die eigenen Schuhe aber nicht mehr. Der Spiegel über dem Brünneli ist blind, oder er fehlt. Dafür hat es kein Tablar um die Zahnbürste abzulegen. Und legt man sie auf den Brünneli-Rand, fällt sie auf den Boden zu den Käfern. Also muss man die fertig präparierte Zahnbürste in den Mund stecken, während man mit den freien Händen den Deckel auf die Zahnpastetube dreht. Das Tüechli klemmt man während dessen zwischen die Knie. Und die Zahnpastatube dann in die Hosentasche. Dann rennt man durch den peitschenden Regen zurück zum Reisemobil. Wenn es aber Glatteis hat, sollte man nicht rennen. Und wenn es stockfinster ist, sollte man die Taschenlampe dabei haben. Hat man sie in der Dusche vergessen, braucht man nicht mehr retour zu gehen; die ist weg. Auch der Schirm. Das Wohnmobil findet man aber auch im Dunkeln; man hört die Hunde, die sich um den Müllbeutel streiten.

Darum, und nur darum, haben wir eine Dusche in unserem Reisemobil.
Siehe auch die Toiletten-Sache.

1. Februar 2011

zuhause: wenn der Himmel heult

Ich will euch frühzeitig vorwarnen. Morgen ist es wieder soweit. Am frühen Nachmittag vernimmt man ganz unvermittelt ein jammerndes Heulen, schauerlich und durchdringlich. «UUUUUuuuuuUUUUUU».
Schreien die Wolken, weinen die Hausdächer? Nein, es ist wieder Sirenentest, so wie jedes Jahr, am ersten Mittwoch im Februar.

Mit diesem uralten Ritual begrüsst die offizielle Schweiz alljährlich den Frühling. Ab nun werden die Tage spürbar länger. Bald schon blühen die ersten Scheeglöggli und Krokusse. Und die Kröten und Nordic-walkingerinnen erobern das Seewegli zurück.

Also, morgen Nachmittag mitheulen und den Frühling willkommen heissen.

31. Januar 2011

tunesischer Salat Mechouia

Nach den Brik letzter Woche habe ich mich erneut an einem Rezept aus Nordafrika versucht: „Salat Mechouia“. Salat Mechouia ist ein Salat aus gegrillten Paprika. Das hört sich erst mal etwas eigenartig an, schmeckt aber ganz fein.
In Algerien und Tunesien verwendet man dazu grüne Spitz-Paprika. Arabisch heissen die „Felfel“ (فلفل), oder so ähnlich. Im hiesigen Gemüseladen gibt es die leider oft nicht, es geht aber auch mit ganz normalen grünen Pepperoni.

die Zutaten für 2 Personen:
3 grüne Paprika
1 bis 2 Fleischtomate
1 Zwiebel
Knoblauch
Harissa
gemahlener Kreuzkümmel
gemahlener Koriander

Die Paprika sollte eigentlich auf dem Holzkohlegrill gegart werden. Ich benutze dazu den Backofen. Die Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch putzen, halbieren und auf einem Backblech auslegen. Bei Vollgas (250°C Oberhitze) „backen“ bis die Haut schwarz ist. Nun das Gemüse zugedeckt auskühlen lassen. Die angekohlte Haut kann dann ganz einfach abgezogen werden.

Alle Gemüse hacken, die Gewürze, etwas Harissa und Olivenöl dazu und mit einer Gabel ein wenig vermantschen. Mit Thon und einem gekochten Ei garnieren.
Fertig! Geniessen und von den endlosen Weiten der Sahara träumen.

30. Januar 2011

berauschende Architektur in Spiez

Zur Zeit wird in Spiez direkt neben der Autobahn das "BeoCenter" gebaut. Ein bemerkenswerter und markanter Bau von "HMS Architekten und Planer" aus Spiez.

Drei abgedrehte und in der Höhe gestaffelte Baukörper; alles von einer zauberhaften Fassade umschlossen. Eine wirres Strahlenmuster und zahllose spitzwinklige Glasflächen. Der Bau errinnert ein wenig an das "Westside" in Bern oder an das olypische Nationalstadion "Vogelnest" in Peking. Aber irgendwie überzeugt er mehr als diese...
Unbedingt mal einen Blick drauf werfen.

28. Januar 2011

zuhause: die Sache mit dem Spinatbrei

Heute Vormittag musste ich Kinder hüten, genau genommen EIN Kind. Ein kleines, fiebriges Mädchen mit einer geröteten Schnuddernase. Ich hab es vor den Fernseher gesetzt, damit es sich an den Strahlen etwas aufwärmt. Im Vormittagsprogramm zappelte eine Horde von grellbunten Zeichentrickfiguren. Ein gelber Klotz in Unterhosen, ein aufgeblasenes rosa Etwas und rehäugige Manga-Mädchen mit hautengem Kleidchen. Bodenlos doof. Aber darum geht es jetzt nicht.

Ich habe nämlich etwas überaus Bemerkenswertes gelernt: Spinatbrei sieht vor und nach dem Kotzen genau gleich aus.
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26. Januar 2011

wenn der Zipfel glüht

Habe ein Bild gemalt. Es heisst „Blasenentzündung“ und erinnert an ein unschönes Vorkommnis im vergangenen Herbst.   

Der Arzt fragte: «Pollakisurie?» öhhhm – muss ich jetzt sterben?» So ein Seich, hätte ich damals in der Schule bloss besser aufgepasst. Französisch, oder ist das italienisch…
«Nein, ist bloss eine Cystitis». Er lächelt schelmisch. Für mich tönt das nach einem Ungeziefer. Würmer; ich hab WÜRMER! «kann man die irgendwie tot machen?»
Ich musste dann so Pillen schlucken, daumendicke und hellgelbe. Nach ein paar Tagen ging es mir wieder besser. Und von den Bauchwürmern habe ich seither nichts mehr vernommen. Ob die noch drinnen sind?

25. Januar 2011

Giraffen, Schnecken und ich

Neulich habe ich im Fernsehen zugeschaut wie sie eine tote Giraffe sezieren. Man schneidet den Giraffenhals der Länge nach auf und klaubt das Gschludder einzeln heraus. Ich meine, es ist gut zu Wissen, wie man sowas macht. Vielleicht finde ich irgendwann eine tote Giraffe und möchte gerne mal hinein schauen?
Aber darum geht es jetzt nicht.

Mir ist nämlich aufgefallen, dass manche Tiere einen langen Hals haben und andere gar keinen. Zum Beispiel Schnecken und Fische haben keinen; Schweine auch nicht. Und als ich mich heute morgen im Spiegel betrachtete, musste ich mit Bedauern feststellen - ich habe auch keinen. Irgendwie liegt mein Unterkiefer direkt auf den Schlüsselbeinen! Ich habe keinen Hals.

Was das wohl zu bedeuten hat - ich weiss es nicht. Ich bin etwas verunsichert...

23. Januar 2011

Brik mit Thon und Ei

In meinen wilden Sahara-Jahren bin ich weit mehr als zwanzig-mal nach Tunesien gefahren. Ein wunderbares Land mit wirklich lieben Leuten. Zurzeit ist in Tunesien grad Revolution und wir alle hoffen auf eine bessere Zukunft für dieses schöne Land. Die Erinnerungen an die "Guten alten Zeiten" haben mich verführt, wieder einmal mein tunesisches Lieblingsrezept zu gekocht - "Brik au thon et à l'oeuf".

die Zutaten für 2 Personen:
Brik-Teig, ich nahm Jufka-Teig vom Coop
2 Herdäpfel
1 Zwiebeln
1 kleine Dose Thon im Öl
2 Eier
1 Bund glatten Peterli
Harissa, das ist eine scharfe Gewürzpaste aus Tunesien, z.B. im Migros

Herdäpfeln kochen und die Zwiebeln andünsten. Zusammen mit dem Peterli grob hacken eine Füllung mischen.
Die hauchdünnen Brik-Teig-Blätter auslegen und etwas Harissa drauf schmieren. Aber Achtung, das Zeug ist ordentlich scharf. Dann etwas von der Füllung drauf und einige Brocken Thon darüber streuen. Eine Mulde in die Füllung drücken und ein rohes Ei hinein geben. Den Brik-Teig zu einer dreieckigen Tasche falten; die Ränder mit Wasser befeuchten, dann klebt es besser. Die Brik nun in Olivenöl schwimmend braten.
Die hauchdünnen Teigblätter heissen in der Türkei „Fillo“, in Griechenland „Yufka“ und Nordafrika „Malsouka“.

So ein Brik ist aussen herrlich knusprig. Innen vermengt sich das scharfe Harissa mit der milden Herdäpfelfüllung und über alles ergiesst sich das noch flüssige Eigelb - ein Traum. Dazu könnte man einen bunten Salat servieren, hätte man einen gemacht.

22. Januar 2011

im Theater Giswil

Gestern Abend besuchten Frau G. und ich die Premiere im Theater Giswil - «Lang lebe Jacky Pott». Ein Stück über die Leute der kleinen Insel Derrymore und den erhofften Lottogewinn. Eine herrliche irische Komödie; erfrischende und voller hinterlistigem Schalk.

Ganz besonders hat uns das Bühnenbild begeistert. Wie schon in den vergangenen Jahren hat der Peter Halter eine grandiose Spiellandschaft geschaffen. Üppig und voller seltsamer und skurriler Überraschungen.

Meine Empfehlung – unbedingt hin gehen und anschauen!
Theater Giswil - «Lang lebe Jacky Pott»

21. Januar 2011

Fussgängerinnenstreifen

Neulich konnte man überall lesen, sollen einige überflüssige Verkehrsschilder abgeschafft werden. Und alle Verkehrsschilder sollen künftig  „geschlechtsneutral“ gestaltet werden. Geschlechtsneutral, wie die Schnecken. Das mag ja eine nette Idee sein, aber...

Heisst es dann FussgängerInnenstreifen? Und wie bezeichnet man künftig die Frauenparkplätze?
„Parkplätze für Verkehrsteilnehmende weiblichen Geschlechts“
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