1. November 2017

Bulgarien: eine menschenleere Stadt am Sonnenstrand

Gar nicht weit von Nessebar ist der berühmte „Sonnenstrand“. Entlang der fünf Kilometer langen Strandpromenade drängeln sich hier mehr als 800 Hotels mit zusammen über 200'000 Gästebetten. Und daneben gibt es auch noch mindestens ebenso viele Restaurants und Bespassungs-Einrichtungen.
Begonnen hat hier alles im Jahr 1958. Damals entschloss das kommunistische Bulgarien, hier in der Bucht die Tourismus-Industrie anzusiedeln. Und zwar planvoll und im grossen Stil. Zuerst entstanden ein Dutzend Strandhotels am sonnigen Strand. Und dann kamen jedes Jahr ein paar mehr dazu.

Mit der Wende kam dann die Wende. Und die Investoren mit der ganz dicken Geldbörse. Seither wurden unzählige neue Hotels gebaut. Jedes grösser und protziger als seine Nachbarn; Spiegelglas, polierter Marmor und goldglänzendes Messing. „Mafia-Barock“ nennen die Einheimischen diesen Baustil.

Der Sonnenstrand ist jeweils vom April bis Oktober geöffnet. Im Winter ist er komplett zu. Die ganze Stadt ist geschlossen. Kein einziger Tourist und kein einziger Tourismus-Arbeiter ist da. Alle sind weg.
Hunderttausend Arbeitsplätze sind dann im Winterschlaf. Eine menschenleere Stadt. Wir fahren hin und sehen uns um. Gähnend leere Strassen und verrammelte Eingänge. Nur die Parkplätze sind voll; voll mit dösenden Mietautos. Die Banken, die Einkaufszentren, die Spassbäder, die Tankstellen und McDonals - alle sind im Winterschlaf. Eine Geisterstadt.

Vor gut zehn Jahren machte ich schon einmal hier Urlaub. Damals im „Hotel Glarus“, einem der ältesten am Sonnenstrand. Und heute sieht es immer noch genau so aus, wie damals. Wie das hässliche Entlein zwischen all den neuen Hotelpalästen. Nebenan schlagen ein paar Männer einen Verkaufsstand zu Kleinholz. Ihr Jahresvertrag scheint ausgelaufen zu sein. Nächstes Jahr sucht hier ein anderes Geschäft sein Glück.

Kommentare:

  1. Wahnsinn... eine temporäre Geisterstadt, ein Lost Place, der dann doch jedes Jahr wieder wild erwacht! Vielleicht ist das ehrliche zu machen besser und günstiger, als das "durchseuchen", welches man von vielen anderen Ferienorten her kennt? Spannend allemal, aber auch ein wenig deprimierend... Liebe Grüsse, Miuh

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    1. Hoi Miuh. Ich finds einfach spannend, wie sie eine ganze Stadt abschalten. Und sie im Frühling wieder in Betrieb nehmen...

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  2. Hat doch auch seinen Flair, so eine Geisterstadt...

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