3. Februar 2017

nach Marokko: genial, wenn´s funktioniert hätte

Gestern in Béziers: Am westlichen Stadtrand verläuft der berühmten „Canal de midi“, die historischen Schiffsverbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik. Hier musste der Kanal einen Berg hinauf. Im 18. Jahrhundert baute man dazu eine Serie von neun Schleusen; die Schleusentreppe von Fonserannes - ein Meisterwerk barocken Wasserbaukunst.

In den 1970-er Jahren wollte man den Canal du midi modernisieren und die Schleusentreppe flinker machen. Dafür ersann man eine grandiose Konstruktion; das Schiffshebewerk Fonserannes (n43.3302, e3.1999) gleich neben der alten Schleusentreppe.

Das Prinzip ist recht einfach: Eine Betonrinne und darauf ein gigantisch Traktor in der Grösse eines Wohnblocks. Mit einer Art Schneepflug schiebt er das Wasser mitsamt den darin schwimmenden Schiffen einfach den Berg hinauf. Kein Trog wie andernorts, nein, nur das Wasser, etwa 1´800 Tonnen schwer und die Schiffe. Korrekt spricht man deshalb hier von einem Wasserkeil-Hebewerk.

Der Traktor wird aber nicht etwa von einer Zahnstange oder einem Gegengewicht gehalten. Nein, er fährt einzig auf seinen mannshohen Gummireifen über die abschüssige Betonrinne auf und ab. Eine einzigartige und geniale Konstruktion. Und noch besser wäre es gewesen, wenn sie funktioniert hätte!

Die Anlage ging 1983 in Betrieb. Von Anfang an gab es techische Probleme. Im Jahr 1984 gab es dann einen schweren Zwischenfall: Der Traktor rutschte mitsamt seiner Wasser-Schiff-Ladung rückwärts hinunter.
Daraufhin baute man ihn um und verbesserte seine Konstruktion. Aber die technischen Probleme blieben. Manchmal funktionierte das Hebewerk - meistens aber nicht. 1999 schob man das letzte Mal ein Schiff auf den Berg, und im Frühling 2001 legte man dann die Anlage endgültig still. Seither steht der Traktor steht in der Bergstation und gammelt vor sich hin.
Als wir gestern da waren, war der gesamte Canal du midi trockengelegt und das Schleusenareal eine einzige Baustelle. Ich musste deswegen über den Zaun klettern und leide nun einer wüsten Fleischwunde am Knie. Schon wieder...

Kommentare:

  1. Die geneigte Leserschaft weiß die Opfer, die Du für solche Bilder (und damit auch für uns) auf Dich nimmst, sehr zu schätzen!

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    1. endlich einer der meine Opfer anerkennt - danke-dankedankeee

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