8. Dezember 2015

Ligurien: armlose Heilige und ein speckiger Hund

Da ich grad in der Nähe bin, schaue ich mir noch einmal die Kathedrale San Lorenzo an. Aussen wie innen ist sie zebramässig gestreift; schwarzer und weisser Marmor. Ganz besonders beeindruckt mich das gotische Portal mit den vielen verschiedenen Säulen und den Friesen mit Marmor-Intarsien. Einfach nur grossartig.

Am Fuss einer der Säulen liegt ein handtellergrosser Hund aus Marmor. Um ihn ranken sich viele Legenden. Wer ihm über den Rücken streichelt wird glücklich oder fruchtbar. Odr so. Und der Hund ganz speckig.

Ich steige in die Krypta hinunter, wo heute die Schatzkammer untergebracht ist. Gotische Kunstschmiedearbeiten aus Gold, Silber und Edelsteinen. Ein byzantinisches Reliquienkreuz enthält sogar originale Holzsplitter vom Kreuz Jesu. Daneben werden in einer Vitrine die Unterarme der heiligen Anne und vom heiligen Jakob ausgestellt. Würde mich aber nicht wundern, wenn anderenorts noch ein Dutzend weitere Anna- und Jakob-Arme präsentiert würden.

Diese Schale besteht aus einem einzigen schillernden Halbedelstein. Es soll sich um den Teller handeln, worauf man damals dem römischen Stadthalter den abgeschlagenen Kopf des heiligen Johannes präsentiert hat. Sein Kopf wird übrigens in Amiens aufbewahrt. Und sein rechter Unterarm in Istanbul. Ich sag's nur, sollte jemand von euch weitere Teile vom Heiligen Jaohannes anschauen wollen.
Die katholische Kirche beherrscht solche Inszenierungen schon immer meisterhaft - besser als jede Jahrmarkts-Geisterbahn.

An einer Seitenwand der Kathedrale entdecke ich diese Steintafel mit einem Arm drauf. Dieses Zeichen war im Mittelalter weit verbreitet und wurde auch von den Nicht-Lesern verstanden. Heute nicht mehr. Wir kennen aber noch den Ausdruck „öffentliche Hand“.

Kommentare:

  1. Hallo Muger,
    das hat nichts mit öffentlicher Hand zu tun. Die Steinritzarbeit (Arm mit Richtungsanzeige) ist ein mittelalterlicher Wegweiser. Ortsangabe und Kilometerangabe fehlen, weil die meisten Menschen in dieser Zeit ja weder lesen noch schreiben konnten.
    Erst in der Neuzeit wurden daraus die gelben Schilder mit schwarzer Schrift, die wir ja alle kennen.

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    1. Du hättest recht, wenn es so wäre. Ist es aber nicht. Die Arm und die Hand (Hamdschuh) waren im Mittelalter ein weitverbreitetes Rechtssymbol. Sieht man noch gelegentlich auf alten Grenzsteinen oder in Wappen. Und so...

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  2. Ich sage mal so: Falls das tatsächlich die Wortherkunft wäre, wäre ich nicht nu baff, sondern auch hoch erfreut. Ich liebe solche Spurenelemente im Strom der Geschichte, im Sinne von: Historische Gepflogenheiten hinterlassen Spuren in unserer Gegenwart...

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    1. Der Handschlag und der Schwur sind auch noch solche Überbleibsel dieses Rechtssymboles.

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