1. März 2011

geheimes Geld und die Filzläuse

Ich reise ja nun schon seit einigen Jahren auf der Erdkugel herum. Die meisten Missgeschicke, die Neulingen so passieren können, sind mir bereits passiert und somit hinter mir. Ich bin jetzt wohl ein Routinier und trampe nicht mehr in jedes Fettnäpfchen - dachte ich.
Als ich neulich, zurück aus Istanbul, meinen Koffer ausräumte, fand ich darin nicht ganz unerwartet meine Schmutzwäsche. Was ich nicht fand, war mein Reserve-Notfall-Hunger-Geld. Ich hatte es ganz raffiniert im Koffer versteckt. Und nun war es nicht da; weg; verschwunden, spurlos!

Ich meine, man kennt das ja. Und sieht es täglich im Fernsehen. Dieses Ausland ist gefährlich. Da werden bleiche Touristen von ruchlosen Hoteliers bestohlen, von Taxifahrern um ihr Vermögen geprellt, vom Eiscremeverkäufer auf offener Strasse ausgeraubt und Meerblick hat ihr Hotelzimmer auch keinen. Bei uns war das aber anders. Alle waren ganz nett und zuvorkommend. Aber wo ist dann nun mein Geld?
Gehörte unser rehäugiges Zimmermädchen einer räuberischen Bande an? Kaum kehrt man ihr den Rücken zu, vergerift sie sich an Touristenkoffern? Nö, glaube ich nicht. Auch der Mann an der Rezeption schaute recht unkriminell aus. Und die Frühstücksköchin eigentlich auch.
Aber wer könnte denn dann in meinen Koffer gelangfingert haben? Die Zöllner - klar, die waren das! Wer weiss schon, was die im Halbdunkel des Flughafenkellers so alles mit meinem Koffer getrieben haben. Darin gewühlt haben die, und nach Wertvollem gesucht. Natürlich; deswegen durchleuchten sie ja auch jedes Gepäckstück. Die wollen sehen, wo man was stehlen kann. Und dann klauen sie das Geld und fressen die Biskuits aus den Koffern. Elendes Gesindel, Filzläuse sollen die bekommen.

Heute habe ich meine frischgewaschenen Istanbul-Hosen angezogen. Diese haben eine extra eingenähte Innentasche; ein geheimes Geheimversteck. Und jetzt ratet mal, was da drin war? Mein Geld, frisch gewaschen, zwar etwas geknüllt, aber noch brauchbar. Und vollständig. Ich muss mich nun wohl bei allen Istanbuliensern für meine Verdächtigungen entschuldigen. Und ganz besonders bei den Zöllnern; wegen der Filzläuse...

Kommentare:

  1. Interessant, wer in dem Istanbuler Hotel alles Zugriff auf Deinen Koffer hatte. Was macht denn die Frühstücksköchin in Deinem Zimmer?

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  2. Die Frühstücksköchin? Mich dünkte, manchmal wenn ich mir zum drittenmal ein Dutzend Börek vom Buffet nahm, hat die feindselig geguckt…

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  3. Du musst Dir nächstes Mal am Buffet soviel Du tragen kannst auf den Teller packen, dann fällst Du nicht auf. Dieses affektierte Kleine-Häppchen-Holen bringt Dich nicht weiter.

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