Am Wochenende besuchten Frau G. und ich eine Destillerie. Das tönt für mich nach Erdöl-Chemie, hat aber damit gar nichts zu tun. In einer Destillierie wird aus Obst Obstbrand gebrannt. Alkohol, Schnaps - also eigentlich nichts für mich. Doch das versprochene Nachtessen lockt mich hin.
Zuerst gänsemarschierten wir durch die Brennerei. Es riecht nach Vergorenem und feucht. Kupferne Kessel und vieleviele Chromstahlrohre, alle akkurat geputzt. Dann schauen mir einem Glasbläser beim glasblasen zu. Er bläst Schnapsflaschen mit so gläsernen Früchten drin. Kitschig und bunt. Wann es wohl zu Essen geben wird?
Im Keller beschauen wir riesigen Tanks mit mir unbekanntem Inhalt. Dann erzählt uns die Destillerie-Fachfrau von den verschiedenen Fruchtaromen. Kirsche, Birne, Himbeere und so. Aber auch Anis, Wachholder und was weiss ich. Und wir müssen an Flaschen riechen. Ich hätte nun Hunger.
Noch mehr Tanks und Holzfässer in langen Reihen. Kellergewölbe, dann eine Theke mit zahllosen Flaschen drauf. Alles verschiedene Obstbrände, Liköre und so. Die Schnapsfrau erzählt zu jeder Flasche eine Geschichte und von Goldmedaillen und Tradition. Sogar der Napoleon habe einst einen der Schnäpse gelobt. Ich wäre jetzt parat zum Essen! Aber zuerst dürfen noch „degustieren“, sagt sie. Ich versuche einige Liköre; „Swiss Cream“, „Mandarin Cream Liqueur“, „Crème Brulée Liqueur“, „Peach Melba Liqueur“. Gut. Dann noch einen „Eiercognac“ und „Eierkirsch“ oder umgekehrt. Schmecken auch gut. Aber was ist jetzt mit dem Essen?
Also versuche ich noch einen „Williams“. Schmeckt nach Birne. Mir ist etwas flau, und matt. Setze mich neben unseren Busfahrer. Er habe auch Hunger; und Durst. Lade ihn zu einem Schnaps ein, er will nicht. Mir ist komisch. Bin vielleicht wetterfühlig?
Ein Bergler auf Abwegen. Der Schweizer Weltenbummler, Klugscheisser und Sapperlot berichtet von weltweit und zuhause. Ein Reiseblog.
21. Oktober 2013
19. Oktober 2013
Bukarest: Mädchen auf Velo
Kürzlich in Bukarest: Ich wollte unbedingt eine einheimische Bratwurst essen. Im Izvor-Park neben dem Parlamentspalast sah ich viele Leute und es roch nach Grill. „Bike Fest“ stand geschrieben, also nix wie hin. Wurstmässig war es enttäuschend. Aber mittendrinn drängelten sich zahlreiche Fotografen und Fernsehleute.
Da gibt es was zu schauen, also ellbögelte ich mich ganz nach vorne. Und tatsächlich: Auf einem roten Teppich standen junge Frauen und präsentierten ihre Fahrrädern. Fahrräder aller Art, herausgeputzt und originell geschmückt. Toll.
Später fand ich heraus, dass die Veranstaltung „Femeia pe bicicleta“ heisst; "Frauen auf dem Velo". Und dabei geht es weniger um die Fahrräder, als vielmehr um die Frauen. Die zwölf Hübschesten werden nämlich prämiert und ihre Fotos erscheinen dann im „Chic Bikefest Kalender 2014“.
Hätte ich das alles vorher gewusst, hätte ich mich nicht so sehr auf die Zweirad-Technik konzentriert!
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Da gibt es was zu schauen, also ellbögelte ich mich ganz nach vorne. Und tatsächlich: Auf einem roten Teppich standen junge Frauen und präsentierten ihre Fahrrädern. Fahrräder aller Art, herausgeputzt und originell geschmückt. Toll.
Später fand ich heraus, dass die Veranstaltung „Femeia pe bicicleta“ heisst; "Frauen auf dem Velo". Und dabei geht es weniger um die Fahrräder, als vielmehr um die Frauen. Die zwölf Hübschesten werden nämlich prämiert und ihre Fotos erscheinen dann im „Chic Bikefest Kalender 2014“.
Hätte ich das alles vorher gewusst, hätte ich mich nicht so sehr auf die Zweirad-Technik konzentriert!
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17. Oktober 2013
ein Deutscher annektiert Land in Obwalden
In allen Zeitungen kann man es lesen: Der Berliner Künstler Peter Kees (www.peterkees.de) hat am Ächerlipass in Kerns einen Quadratmeter Land besetzt und es zum Hoheitsgebiet von "Arkadien" erklärt. Konzeptkunst. Aber seien wir ehrlich, sowas geht nicht! Ein Stück Obwalden in deutscher Hand. Gestohlen. Widerrechtlich angeeignet. Landraub.
Also habe nahm ich all meinen Mut zusammen, ballte die Fäuste und ging hin. Den Eindringling zu vertreiben und meine unterjochte Heimat zu befreien. Für den Fall von gewalttätigem Widerstand war ich bewaffnet; mit einer Nagelfeile und einer Flasche Shampoo - gefährliche Waffen, wie man mir neulich am Flughafen versicherte.
Vorort war dann aber niemand da - hat er aber nochmal Glück gehabt, der Künstler! Ich marschierte also ein und eroberte die Länderei zurück. Meine Besitzansprüche markierte mit einer weissen Flagge. Das Land ist nun wieder frei und fest in meiner Hand. Hoch lebe - öööhm - Mugeristan.
Blick, 20min, nOZ und viele mehr ....
Also habe nahm ich all meinen Mut zusammen, ballte die Fäuste und ging hin. Den Eindringling zu vertreiben und meine unterjochte Heimat zu befreien. Für den Fall von gewalttätigem Widerstand war ich bewaffnet; mit einer Nagelfeile und einer Flasche Shampoo - gefährliche Waffen, wie man mir neulich am Flughafen versicherte.
Vorort war dann aber niemand da - hat er aber nochmal Glück gehabt, der Künstler! Ich marschierte also ein und eroberte die Länderei zurück. Meine Besitzansprüche markierte mit einer weissen Flagge. Das Land ist nun wieder frei und fest in meiner Hand. Hoch lebe - öööhm - Mugeristan.
Blick, 20min, nOZ und viele mehr ....
16. Oktober 2013
wo Schafe heilbaden
Das sogenannte „Schafbad“ bezaubert die Besucher durch seine klassisch antike Formensprache. Es erinnert unweigerlich an ein römisches Quellheiligtum. Ein langgezogenes Wasserbecken, längs von zwei Kolonnaden begrenzt - zugegeben; stark vereinfachten Kolonnaden. Im Osten ein sturzloses Portal und ein angedeutetes Atrium. Gewiss, ein kulturhistorisches Kleinod.
Doch, was war die Funktion dieser imposanten Anlage? Kultisch? Nein, sie diente der Tiergesundheit. Zweimal im Jahr, Frühling und Herbst, brachten Schäfer ihre frisch, rasierten Schafe hierher. In Einerkolonne prozessierten dann die Tiere durch die Anlage. Wobei auf der Eingangsseite keine Treppe ins Becken hinab führt und sie deshalb, von den Nachfolgenden gedrängt, kopfüber hinein plumpsten. Wieder aufgetaucht schwammen die Schafe wohl oder übel gegen Westen, wo sie erst eine Treppe und dann festen Boden erreichten.
Im Becken war dazu eine Suppe aus Wasser, Medikamenten und Angst-Pipi. Diese sollte das Nutzvieh vor der gefürchteten Schafräude schützen. Heutzutage verwendet man stattdessen eine simple Impfung.
Dieses weitherum unbekannte veterinärhistorische Relikt kann täglich besichtigt werden. Eintritt frei, Kinder zum halben Preis. Giswil: Grundwaldstrasse.
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Doch, was war die Funktion dieser imposanten Anlage? Kultisch? Nein, sie diente der Tiergesundheit. Zweimal im Jahr, Frühling und Herbst, brachten Schäfer ihre frisch, rasierten Schafe hierher. In Einerkolonne prozessierten dann die Tiere durch die Anlage. Wobei auf der Eingangsseite keine Treppe ins Becken hinab führt und sie deshalb, von den Nachfolgenden gedrängt, kopfüber hinein plumpsten. Wieder aufgetaucht schwammen die Schafe wohl oder übel gegen Westen, wo sie erst eine Treppe und dann festen Boden erreichten.
Im Becken war dazu eine Suppe aus Wasser, Medikamenten und Angst-Pipi. Diese sollte das Nutzvieh vor der gefürchteten Schafräude schützen. Heutzutage verwendet man stattdessen eine simple Impfung.
Dieses weitherum unbekannte veterinärhistorische Relikt kann täglich besichtigt werden. Eintritt frei, Kinder zum halben Preis. Giswil: Grundwaldstrasse.
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14. Oktober 2013
Pferd, Hund und eine ...
Neulich besuchte Frau G und ich so einen Herbst-Bauern-Markt. Oder war es ein Bauern-Herbst-Markt? Da bin ich mir jetzt nicht sicher, sagen wir mal, ein Bauernmarkt im Herbst. Jedenfalls waren da viele Stände wo angebliche Bauern Honig, Konfitüre und Strickwaren feil hielten. Rotbackige Kinder sangen Kinderlieder und gleich daneben röstete einer tote Hühner. In einem Zelt drinnen wurde gegessen und gevolksmusikt. Die Besucher waren zahlreich und bester Laune.
Wie dem auch sei; mich traf ein entfernter Verwandter. Ich versuchte noch mich gschwind zu ducken, er erkannte mich aber. Also kam nicht umhin, mit ihm zu plaudern. Er erzählte von Verwandten, von deren Geburten und Krankheiten und Todesfällen. Also alles Zeug, was ich nicht wissen wollte.
Schlussendlich war ich dann aber doch froh, ihn getroffen zu haben. Denn während er redete, schaute ich seinem Hund zu. Einem Stinker, fast wie Lassie, aber mit kurzen Haaren und gräulich, aber auch mit so einem treudoofen Blick. Jedenfalls: Derweilen frass der Kläffer einen Rossbollen. Einen ganzen Pferdeapfel – Mist, Kot, Fäkalien – komplett. Und es schien ihm zu munden, jedenfalls schwanzwedelte er gierig.
Wie dem auch sei; mich traf ein entfernter Verwandter. Ich versuchte noch mich gschwind zu ducken, er erkannte mich aber. Also kam nicht umhin, mit ihm zu plaudern. Er erzählte von Verwandten, von deren Geburten und Krankheiten und Todesfällen. Also alles Zeug, was ich nicht wissen wollte.
Schlussendlich war ich dann aber doch froh, ihn getroffen zu haben. Denn während er redete, schaute ich seinem Hund zu. Einem Stinker, fast wie Lassie, aber mit kurzen Haaren und gräulich, aber auch mit so einem treudoofen Blick. Jedenfalls: Derweilen frass der Kläffer einen Rossbollen. Einen ganzen Pferdeapfel – Mist, Kot, Fäkalien – komplett. Und es schien ihm zu munden, jedenfalls schwanzwedelte er gierig.
11. Oktober 2013
Lebenshilfe im Vorbeigehen
Bei mir um die Ecke gibt es einen weitherum unbekannten Kraftort. Ein Ort wo der Erdenmensch alles findet, was er im Leben braucht.
Eine Dreifaltigkeit aus Orientierung, Schutz und Trost. Umfassende Lebenshilfe im Vorbeigehen.
Giswil: Chilchweg/Rüteli
Eine Dreifaltigkeit aus Orientierung, Schutz und Trost. Umfassende Lebenshilfe im Vorbeigehen.
Giswil: Chilchweg/Rüteli
10. Oktober 2013
Peti in Fahrt
Gestern habe ich wieder einmal meinen alten Reisefreund Peti getroffen. Er kam mit dem Postauto angereist. Aber natürlich nicht als Fahrgast, neiiin - er sass am Steuer des Linienbusses. Wir begossen seine Mittagspause mit reichlich Kaffee und plauderten übers Reisen. Und wir beklagten die trüben Herbsttage - ergebnislos.
Peti ist ein Phänomen. Nicht nur, dass er schon zeitlebens herum reist. Nein, ich kenne niemand anderen, der mit so vielen verschiedenartigen Fahrzeugen fahren darf und kann. Von der Dampflok bis zum Passagierflugzeug, vom Mofa, Hotelbus und Gleitschirm bis zum Motorschiff. Einfach mit allem, was irgendwie fährt. Oder fliegt, schwimmt odr so...
War schön dich wieder mal zu sehen. Hab mich riesig gefreut.
Peti ist ein Phänomen. Nicht nur, dass er schon zeitlebens herum reist. Nein, ich kenne niemand anderen, der mit so vielen verschiedenartigen Fahrzeugen fahren darf und kann. Von der Dampflok bis zum Passagierflugzeug, vom Mofa, Hotelbus und Gleitschirm bis zum Motorschiff. Einfach mit allem, was irgendwie fährt. Oder fliegt, schwimmt odr so...
War schön dich wieder mal zu sehen. Hab mich riesig gefreut.
9. Oktober 2013
8. Oktober 2013
Reiselust und Fernweh
Manchmal frage ich mich, hört das denn nie auf – das mit der Reiselust und dem Fernweh? Jedenfalls leide ich zurzeit ganz arg darunter. Also verreisen. Bloss – ich habe zwei Probleme:
Erstens; ich muss alleine fahren, denn Frau G. kann nicht mit. Und zweitens; ich weiss nicht wohin? Wo man schaut, ist mieses Wetter. Und da wo‘s sonnig ist, ist weit weg.
Was soll ich bloss tun?
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Erstens; ich muss alleine fahren, denn Frau G. kann nicht mit. Und zweitens; ich weiss nicht wohin? Wo man schaut, ist mieses Wetter. Und da wo‘s sonnig ist, ist weit weg.
Was soll ich bloss tun?
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7. Oktober 2013
die Gerbereien von Marrakesch
Fes. Auf den Ansichtskarten sehen diese Leder-Gerbereien immer so schön bunt und pittoresk aus. Am berühmtesten ist die von Fès. Aber auch in Marrakesch gibt es eine, gleich neben dem "Bab El Debbagh", dem Gerber-Tor. Ist nicht zu verfehlen.
Durch ein grosses Tor kommt man in einen Innenhof. Der Boden ist über und über mit gemauerten Bottichen bedeckt. Männer in Gummistiefeln wuseln herum, zerren an nassen Häuten oder stapeln getrocknete Felle. Der Duft ist – öööhm – herbwürzig. Geht schon eindeutig in Richtung „stinken“.
Hier werden vor allem Schaf- und Ziegenfelle verarbeitet. Ganz hinten werden die angelieferten Felle mit Kalk enthaart, dann in einer Brühe aus Vogelkot gebeizt. Die eigentliche Gerbung geschieht dann mit Gerbstoffen aus Eichenrinde in viereckigen Gerbergruben. Zumindest war das traditionell so. Heute werden auch verschiedene moderne Chemikalien zugemischt. Der Gestank wird deswegen aber nicht weniger.
Aber eigentlich bin ich von den Gerbereien enttäuscht. Sieht alles so trist aus. Und man steht dauernd in einer cremigen Sauce aus Abwässern. Und die Arbeiter sind zu uns Besuchern eher unfreundlich. Schade.
Durch ein grosses Tor kommt man in einen Innenhof. Der Boden ist über und über mit gemauerten Bottichen bedeckt. Männer in Gummistiefeln wuseln herum, zerren an nassen Häuten oder stapeln getrocknete Felle. Der Duft ist – öööhm – herbwürzig. Geht schon eindeutig in Richtung „stinken“.
Hier werden vor allem Schaf- und Ziegenfelle verarbeitet. Ganz hinten werden die angelieferten Felle mit Kalk enthaart, dann in einer Brühe aus Vogelkot gebeizt. Die eigentliche Gerbung geschieht dann mit Gerbstoffen aus Eichenrinde in viereckigen Gerbergruben. Zumindest war das traditionell so. Heute werden auch verschiedene moderne Chemikalien zugemischt. Der Gestank wird deswegen aber nicht weniger.
Aber eigentlich bin ich von den Gerbereien enttäuscht. Sieht alles so trist aus. Und man steht dauernd in einer cremigen Sauce aus Abwässern. Und die Arbeiter sind zu uns Besuchern eher unfreundlich. Schade.
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