21. Januar 2016

Zypern: Merhaba Nordzypern

Larnaca. Die Morgensonne scheint lieblich auf meinen Frühstücksteller. Heute gibt’s wieder ofenwarme Gipfeli und diesen würzigen zypriotische Kräuterkäse. Danach befreien wir unser Auto aus dem Hinterhof und fahren ostwärts aus der Stadt hinaus.

Schon nach wenigen Kilometern kommen wir in das souveräne Gebiet des britischen Militärstützpunktes Dhekelia. Heutzutage können wir uns da frei bewegen, aber bis vor einigen Jahren war das alles Sperrgebiet. Und jetzt wird es geografisch etwas unübersichtlich; vom britischen Stützpunkt führt ein schmaler Korridor genau auf der Grenze von Zypern und Nordzypern. Hier ist immer noch Krieg. Beiderseits der Strasse, nur wenige hundert Meter entfernt, sehen wir die Soldaten auf den Wachtürmen. Briten, UN-Blauhelme, Türken, Zyprer und Nordzyprer bewachen sich gegenseitig. Dazwischen überall Brachland, Gestrüpp und zerstörte, menschenleere Dörfer.

In Ayios Nikolaos erreichen wir am Checkpoint „Black Knight“/Akyar (N35.0962, E33.9016) die Grenze zu Nordzypern. Kurze Polizeikontrolle, dann noch eine Auto-Haftpflichtversicherung abschliessen; 3 Tage für 20 Euro und - Merhaba - wir sind in der türkischen Republik Nordzypern. Das Land ist zwar international nicht anerkannt, hat aber alles was ein eigenständiger Staat braucht.

Bereits wenigen Kilometer hinter der Grenze erreichen wir Famagusta. Wir fahren direkt in die mittelalterliche Altstadt hinter den mächtigen Festungsmauern.
Hier gefällt es uns auf Anhieb. Jetzt am Morgen sind die Händler grad daran, ihre Ladengeschäfte zu öffnen und die Waren zu drapieren. Wir schlendern durch die Gassen, ziehen Geld aus einem Automaten und setzen uns in ein Kahvehani und trinken Kavhe; kräftig und süss.

Die „Lala Mustafa Paşa Moschee“ wurde im 11. Jahrhundert von den französischen Kreuzrittern erbaut und ist unverkennbar eine gotische Kathedrale (N35.1248, E33.9426). Vor fünfhundert Jahre eroberten die Ottomanen Famagusta, bauten ein Minarett oben drauf und nutzen die ehemalige Nikolaus Kathedrale seither als Moschee.

Wir plaudern ein wenig mit dem Muezzin, der grad auf seinen Einsatz wartet - das Mittagsgebet. Er ruft jeden Tage fünfmal und immer „live, mit Mikrophon“, wie er erzählt.
Die Gebetsnische ist nicht etwa im Chor, sondern in der östlichen Seitenwand – hier beten die Moslem quer.

In der Altstadt Famagustas gibt es mehr als ein Dutzend Kirchenruinen. Einige werden als Moschee, andere stehen leer oder im Inneren sind jetzt Parkplätze. Die Kirchen wurden aber nicht etwa im 1974-er Krieg zerstört, sondern fünfhundert Jahre früher bei der osmanischen Eroberung.

Uns ist es hier vögeliwohl. In der „Petek Pastanesı“ essen wir Bakhlawa und diese spezielle türkisch Eiscreme. Süss und sanft - ihr wisst schon wie; als ob man einen Engel frisst.

Kommentare:

  1. Die Menschen, die du fotografierst, haben immer so strahlende Augen... wie machst du das?

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    1. ... das ist wohl wegen meinem sonnigen Gemüt und meinem schafartigen Wesen.

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  2. Schön geschrieben, prima Bilder. Kennen auch beide Teile von Zypern. Mir persönlich hat der türkische teil mehr zugesagt. Ist aber letztendlich egal, denn die Insel ist so, so schön.
    LG, Wi grenzenlos
    Freue mich auf weitere Berichte!

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    1. vielen Dank fürs Lob. Das freut mich sehr - grad von dier, dem Meister-Reiser. ;-)

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  3. ja,da hats mir auch gut gefallen,im Norden ....

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