2. Juni 2015

die Kulturgeschichte des Schnorrenbox

In den ländlichen Gebieten der Zentralschweiz gehört der „Schnorrenbox“ seit alters her zur ländlichen Gesprächskultur. Diese soziokulturelle Interaktion dient der Meinungsbildung und bildet oft den Abschluss einer angeregten Unterhaltung.

Für einen herzhaften Schnorrenbox braucht es mindestens zwei Gesprächspartner. Kann man sich nun im Verlauf eines Gesprächs nicht einigen, so wendet man ihn folgendermassen an: Der Teilnehmer mit der richtigen Meinung ballt seine Faust und schlägt damit seinem Gegenüber mitten ins Gesicht. Er wird daher als der "aktive Schnorrenboxer" bezeichnet. Am besten haut er auf die Oberlippe oder die Nase seines Gesprächspartners, mit dem Ziel, dass etwas Blut aus selbiger heraus rinnt. Keinesfalls aber auf die Zähne, denn daran könnte er sich verletzen.
Der andere Gesprächspartners - der "passive Schnorrenboxer" - versucht dem eindrücklichen Argument seitlich oder nach hinten auszuweichen. Das gelingt aber nur in seltensten Fällen, so dass er sich entweder nun selber zum aktiven Schnorrenboxer wandelt - oder bloss ein wenig winselt und sich mürrisch der richtigen Meinung anschliesst.

Von Aussenstehenden wird der „Schnorrenbox“ manchmal mit dem „Chlapf a Grind“ verwechselt. Der „Chlapf a Grind“ wird aber wie die gewöhnliche Ohrfeige mit der flachen Hand ausgeführt. Das Ziel ist aber der Hinterkof des Gesprächspartners; und natürlich auch das Erkennen von richtig und falsch.

Um als Aussenstehende einmal einem authentischen Schnorrenbox beizuwohnen - die Sozialwissenschaft spricht hier von „teilnehmender Beobachtung“ - muss man bloss am Dorfbeizen-Stammtisch den Anwesenden die Vorzüge eines EU-Beitritts zu erläutern. Schon kurze Zeit später kann man den Schnorrenbox mit eigenen Augen kommen sehen.

Kommentare:

  1. Ja, ihr habt schon eigenartige Bräuche in der Schweiz, wenn es um Meinungsverschiedenheiten geht. Wir hier in Norddeutschland regeln das wie unsere Altvorderen. Man nennt das Duell. Doch Schuss- oder Hiebwaffen wir früher sind dabei heute out. Die Kontrahenten stellen sich heute zehn Meter voneinander auf. Dann greift sich jeder einen von den zuvor angehäuftem Steinhaufen und versucht, den Kontrahenten damit zu treffen. Wer zuerst getroffen wird, hat verloren. Schön anzusehen ist dabei, wenn auch etwas Blut fließt.

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    1. öööhm - finde ich jetzt eine wenig distanziert. Etwas Unpersönlich. Wir mögen halt lieber das direkte Gespräch ;-)

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  2. Was der Muger noch wusste und ja, er hat recht :-) ...... so ein "Box uff d Schnorre" kann Wunder wirken :-))))

    Mir ist noch aus der Lehre der sogenannten " Tschutt in Arsch" bekannt;-)............ weil auch ein "Tschutt" in den Arsch bringt einen einen Schritt vorwärts :-)

    Freundliche Grüsse in die Runde
    Martin

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    1. Der "Tschutt in Arsch" ist für den Dialog am Stammtisch weniger geeignet. Beim Steh-Apero hingegen funktioniert er hervorragend...

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  3. Wenn du die Vorzüge eines EU Beitritts erklärst, bist du idR der sog. "passive Schnorreboxer".
    Odr so.

    CR yw

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