19. Dezember 2013

Malta: brillenlose Tiefspüler im Untergrund

Was unterscheidet den Menschen vom Tier. Es ist nicht der fehlende Schwanz, sondern die Toilette. Während das Getier einfach unbekümmert ins Gebüsch scheisst, gebraucht der Mensch ein Klosett. Eine kulturelle Leistung von epochalem Ausmass. Und deshalb besuche ich ab und zu welche und berichte darüber; diesmal natürlich aus Malta.

Im Gestrüpp hinter dem Busbahnhof Valletta führt eine unscheinbare Treppe in die Tiefe hinab. Ein finsterer Schlund in den Untergrund. Unten dann eine elegante Halle, vom bleichen Neonlicht erhellt und eindrücklich odoriert.
Entlang der linken Seitenwand reihen sich, Gebetsnischen gleich, sieben Toilettenschüsseln. Allesamt Tiefspüler, brillenlos und mit Wasserspülkasten. Ein dunkler Rand lässt sie optisch über dem Boden schweben. Im Innern der Schüsseln wird das gleissende Weiss durch einen gelbgräulichen Dekor lieblich gemildert.
Trennwände strukturieren diese Monumentalanordnung. Die Individuen voreinander schützend, offen gegenüber der Gesellschaft. Schöner kann das Wesen menschlicher Zivilisation nicht versinnbildlicht werden. Den Besuch dieses wenig beachteten Kleinodes kann ich jedem nur empfehlen; kostenlos und täglich geöffnet.

Kommentare:

  1. Im alten Rom sass man auf langen Marmorplatten mit nebeneinander ausgeschnittenen Löchern. Das Fehlen von Trennwänden erlaubte, die Konversation ungehindert aufzunehmen. Mit den Trennwänden hat der Abstieg unserer Zivilisation begonnen.

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    1. Gut – ich würde die Römer jetzt deswegen nicht unbedingt als zivilisiert bezeichnen. Sie hielten sich Lustknaben und verfütterten Christen an exotisches Getier. Dank der Latrinen-Trennwände endete wohl diese Ära.

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    2. Das war in Kinderkrippen und Kindergärten im Osten Deutschlands auch so. Also nicht das mit den Marmorplatten. Wir hatten schon Töpfe, aber nebeneinander und ohne Trennwände. So zum Stuhlgang und zur Konversation gezwungen, leiden wir noch heute an einer Art zwanghafter Sozialkompetenz. Es wird wohl noch zwei drei Generationen dauern, bis auch unsere Kinder und Kindeskinder alle ordentlich sozialisierte Individuen mit kräftigen Ellenbögen sind.

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    3. Kriegt man von Trennwänden kräftige Ellenbögen? Weil man sich die an den Wänden stößt?

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  2. übrigens komt der Begriff "Geld stinkt nicht" aus dem alten Rom, als man Eintritt in die öffentlichen Bedürfnisanstalten nahm.
    blueberry

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  3. Glückliches Malta! Keine analfixierten Zwangscharaktere.

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  4. Wer behauptet, Geld stinke nicht, dem empfehle ich mal das Schnuppern an einem indischen Rupienschein.

    Übrigens: Sollte man nicht Flachspüler bevorzugen?
    Grüße
    Heinz

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    1. Inwiefern sollte man nicht Flachspüler bevorzugen?
      Ich glaube sowieso, das ist alles Geschmacksache...

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  5. Bei Flachspülern kann man sich das Ergebnis der Verdauung noch einmal so richtig in Ruhe anschauen und analysieren, was von der Tagesspeisung den Körper bereits wieder verlässt. :-) Für Selbstdiagnostiker sagen Farbe, Geruch und Konsistnez etwas über mögliche Disharmonien im Verdauungstrakt aus.

    Ich bin jedenfalls froh, dass es in unseren Breitengeraden üblich ist, eine abgeschlossene Rückzugsinsel zum Entleeren zu haben.

    Gute Verdauung allseits mit Flach- oder Tiefspülern mit und ohne Trennwände oder auf dem Plumpsklo.

    Indi

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  6. Ja, sieht doch nett aus. Also ich hab da schon anderes gesehen. Ecklige Plumpsklos. ;)

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