19. Februar 2017

Marokko: Esel und Schnecken unterwegs

Chefchaouen. Gestern Abend warf ich gedankenlos eine Bananenschale ins Gebüsch. Frank fand das unpassend! – und eigentlich hat er damit ja auch Recht. Aber wir drei alten Wüstenfüchse behaupteten natürlich sofort und übereinstimmend, dies sei hier so üblich und ausserdem würde die Bananenschale eh von den Eseln gefressen. Ja, sie sei sogar einen gewichtigen Beitrag zur Ernährung der hiesigen Haustiere. Odr so.

Und beim Frühstück kommt doch tatsächlich ein Esel heran geschlurft und gesellt sich zu uns. Und er frisst liebendgerne all unsere Resten frisst – ausser die Bananenschalen, die mag er überhaupt nicht.

Wir verlassen Chefchaouen und fahren weiter südwärts. Die Hügel sind grasgrün und die Bäume blühen – und es so gar nicht nach Wüste aus. Ganz vorne fährt auch heute wieder der Raja mit seinem Mowag-Ungetüm. Immer wenn er bergauf schneckt, kommt aus dem Auspuff ein dermassen stinkiger Qualm, dass keiner von uns hinter ihm herfahren will. Der Rauch kommt übrigens daher, weil Raja aus Kostengründen ab und zu Heizöl tankt.

Am Mittag picknicken Frank und ich an einem schönen Fluss. Schon bald kommen ein paar Schulkinder aus dem nahen Dorf um die komischen Touristen anzuschauen. Und auch gleich nach einem Bonbon fragen. Wir zeigen ihnen stattdessen wie man flache Steine übers Wasser hüpfen lässt.

Irgendwann am Nachmittag kommen wir bei den römischen Ruinen von Volubilis vorbei. Auch wenn ich schon öfters hier war, will ich mir die alten Steine gerne ein weiteres Mal ansehen. Vielleicht wurde ja zwischenzeitlich was Neues gebaut oder entdeckt. Aber nein, immer noch alles wie neulich.

Im dichten Feierabendverkehr müssen wir quer durch Meknès fahren. Meinen Lieblingsplatz unter den Olivenbäumen an der Stadtmauer (n33.8899, w5.5658) gibt es immer noch. Zwar ist er noch schmutziger und lärmiger als letztes Mal, aber mir gefällt es hier trotzdem.

Im Sonnenuntergand schlendern wir zum Place el Hedim. Ein wuseliges Durcheinander von Marktstände, Gaukler, Musikanten, Schlangenfänger und Ess-Ständen.

Als wir dann zufällig beim Schneckenkocher vorbeikommen, wusste ich sofort. Heute versuche ich die Schnecken im Cola farbigen Sud.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber die gekochten Schnecken und der Schneckensud schmecken ausgezeichnet. Bloss dass einem die Tiere beim Essen auch noch zuschauen, irritiert mich dann doch ein bisschen.

Kommentare:

  1. Warum machst du beim Schneckenessen nicht die Augen zu. Dann siehst du die Bauchfüßler nicht, wie sie zutiefst erschrecken, wenn einer ihrer Artgenossen zwischen deinen Zähnen zermalmt wird.

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    1. ... aber geschmeckt haben sie erstaunlich gut; auch das Scheckenwasser.

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