31. Dezember 2016

steinharte Wintersonne

Wie Haferbrei lag der Nebel ums Haus herum. Deshalb fuhren wir gschwind zu unserer Alphütte hinauf. Hier oben strahlt die Sonne vom enzianblauen Himmel und erwärmte unser Gemüt.

Es ist Ende Dezember. Wir spazieren über die Alpweiden und geniessen die milde Wintersonne. Es hat kaum Schnee, aber die Bäche sind steinhart gefroren. Über die ersten beiden Furten kommen wir gut hinüber, doch über die dritte nicht. Das Eis ist glitschig und wir wollen lieber nicht in die Schlucht hinunter rutschen.

Wer sich noch erinnern kann – DAS ist Schnee.

30. Dezember 2016

ein Ausserirdischer landet in Giswil

Die Pressemeldung ging im vergangenen August um die ganze Welt: In Giswil kontrollierte die Polizei einen Sattelschlepper mit Diplomaten-Kennzeichen. Der Fahrer nannte sich „Jesus Zen Droïd“ und war Transportminister von „Île de Peilz“. Dass die Île de Peilz nun aber keine Nation, sondern bloss eine winzige Insel im Genfersee ist, machte die Polizisten stutzig.

Bildquelle: google.ch
Jesus Zen Droïd heisst in Wirklichkeit David und wohnt und arbeitet schon länger in dem umgebauten Sattelschlepper. Das Fahrzeug ist autark. Es hat eine Regenwasser-Aufbereitungsanlage, eignem Strom und einen Holzofen mit CO2-Wäsche (PCC). Aber es hat eben auch fragwürdige Bremsen und selber gemalte Kennzeichen; was die Polizei veranlasste, den Sattelschlepper vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen.

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Der „Transportminister“ war auf dem Weg nach Spanien. Seine Reiseroute war bisher Renens – Morges – La Chaux-de-Fonds – Zürich und nun Giswil, wo die Reise für Erste endete. David und sein Laster wurden bis auf weiteres auf einem unbenutzten Industrieareal zwischengelagert.
Als ich ihn einige Tage später besuchen wollte, war er aber schon wieder abgereist. Keine Ahnung, wie und wohin?

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Ganz besonders nett finde ich den Führerschein vom „Jesus“. Laut diesem darf er mit allem fahren; von Velo über Lastwagen bis zu Bagger, Seilbahnen und Supertankern. Und selbstverständlich auch Ufo.

Für mich ist er ganz eindeutig der „Schweizer des Jahres 2016“.

28. Dezember 2016

unser Reisejahr

Rückblick: Das 2016 war wieder ein wunderbares Reisejahr. Begonnen hat es im Januar mit unserer Zypern/Nordzypern-Tour. Weiter gings im April mit der grossen Iran-Rundreise. Im Mai fuhren wir mit dem Wohnboot durchs Burgund. Im Juni erkundeten wir das Centovalli und im September die Alpenpässe Oberitaliens. Und im Oktober städtereisten wir nach Mailand.

Bis jetzt habe ich fürs kommende Jahr erst eine Reise fix geplant. Im Februar geht’s wieder nach Marokko. Sechs Wochen goldgelbe Sanddünen, quirlige Märkte und Relikte aus längst vergangenen Zeiten.

Mehr habe ich noch nicht geplant. Im Frühling möchte ich mit der Bahn nach Trieste reisen. Und irgendwann nach Irland, denn da war ich noch gar nie.

26. Dezember 2016

kitschige Weihnachten

Diesen weihnächtlichen Beleuchtungswahn mag ich gar nicht. All die kitschigen Lämpchen, zappelnden Rentiere und blinkenden Leuchtsterne an allen Fassaden nerven. Ein Augengraus!

Mein Nachbar ist auch so einer. Sein Haus hat er über und über mit Lämpchen behängt. Mir ist das viel zu viel, und viel zu aufdringlich.
Aber – ich finde das irgendwie auch grossartig. Denn er macht das ja nicht nur für sich alleine, sondern er will damit offensichtlich vor allem die anderen Leute erfreuen. Und das finde ich nett und ein „Danke“ wert.

24. Dezember 2016

die Karawane zieht weiter

Heute buck Frau G. ‒ oder heisst es backte, oder bäckerte?  Weihnachts-Guetzli. Eine Kamel-Karawane aus Mürbeteig.

Doch von den vielen Kamelen hat keines den Abend erlebt...

22. Dezember 2016

Milchsuppe

Neulich assen wir in einer Gaststätte zum ersten Mal Milchsuppe. Ich fragte den Koch nach dem Rezept und kochten es dann zuhause nach. Schmeckte wunderbar altmodisch und währschaft.

Milchsuppe gibt es schon seit vielen Jahrhunderten und es gibt verschiedene Rezepte. Meines ist ganz einfach: Eigentlich ist es eine verdünnte Béchamelsauce. Also aus etwas Mehl und viel Butter eine hellblonde Mehlschwitze herstellen, dann unter ständigem Rühren mit Milch ablöschen. Mit Salz, Pfeffer, Nelken und einem Lorbeerblatt würzen, und köcheln lassen. Fertig, so könnte man sie bereits essen. Ich habe mir aber aus Zwiebeln und Knoblauch eine Gemüsebrühe gekocht und die Milchsuppe damit ordentlich verdünnt und etwas gehackte Petersilie untergemischt.
Darüber streute ich in Butter geröstete und gesalzene Brotwürfel. Und das nächste Mal streue ich noch Pul Biber, diese türkischen Paprikaflocken, drüber.
Die Milchsuppe erinnert uns natürlich auch an die berühmte, historische "Kappeler Milchsuppe" von 1529. Doch was für eine Milchsuppe sie damals in Kappel gelöffelt haben, wurde nicht überliefert.

21. Dezember 2016

die Inder sind wie Kinder

Gestern haben wir über unsere alten Indienreisen geplaudert. Dabei fasste mein Bruder das Wesen der Inder knackig zusammen:

«Die Inder sind wie Kinder. Sie machen viel Lärm und Dreck – und scheissen überall hin!»

Was soll man dazu sagen? Genau so isses.

20. Dezember 2016

wohn mobil im Möbelwagen

Immer wieder fragt man uns, wie denn unser Möbelwagen innen aussieht. Deshalb will ich jetzt das Rätsel lösen. Also.
Unser Wohn-Mobil wurde seinerzeit von einer richtigen Wohnmobil-Manufaktur massgefertigt – allerdings nicht für uns, sondern für jemand anderes und nach dessen Vorstellungen. Auffallend sind, dass es keine seitliche Schiebetür, dafür aber zwei Tische gibt.

Die Fahrerkabine lässt sich mit einer Schiebetür vom Wohn/Schlafraum dicht abtrennen. Eine geniale Sache; denn so bleiben die Kälte, die Hitze und der Strassenlärm vorne. Und im Winter beschlagen vorne die Fenster nicht.

Wohnen tun wir hinten. Wenn wir die Hecktür öffnen, sitzen wir gleich im Freien. Und während es vor dem Auto oft unruhig ist, wohnen wir hintenraus ganz ungestört - und oft auch unbemerkt. Und anders als bei der seitlichen Schiebetür brauchen wir hinten auch keine Sonnenstore und es regnet nicht hinein.
Die Sitzgruppe im Heck ist gross genug für vier füllige Leute und auf dem langen Sofa kann ich gut mein Mittagsschläfchen machen. Der Schreibtisch hingegen ist eigentlich unnütz und dient uns mehr als Ablage.

Das Bett wird aus der Sitzgruppe umgebaut. Das Umbauen ist zwar etwas lästig, doch die zwei Minuten Arbeit am Morgen und am Abend bringen einen enormen Platzgewinn. Zudem können wir unser Bett auf zwei Arten umbauen, zum quer oder längs schlafen. Wir schlafen aber eigentlich immer quer. Ganz anders als in den meisten anderen Wohnmobilen haben wir über dem Bett 1,50 m Kopffreiheit; also keine Übereinanderkrabbeln und im Sommer kein Hitzestau.
Unser Badezimmer ist sehr praktisch und ohne jeden Charmes.

Insgesamt ist der Möbelwagen für uns nahezu ideal. Aussen klein und innen gross. Zumindest deutlich grösser als bei den meisten anderen Kastenwagen. Dafür hat er keine Heckgarage, was uns aber auch davor schützt unnötigen Krempel mitzunehmen. Deshalb ist unser Möbelwagen reisefertig beladen und vollgetankt auch nur 2'700 kg schwer.

19. Dezember 2016

stille Nacht, heilige Nacht, lala laaa

Was kaum einer weiss, das Weihnachtslied «Stille Nacht, heilige Nacht, lala laa…» wurde vor 200 Jahren in Arnsdorf bei Salzburg erfunden. 1816 dichtete der Hilfspfarrer Joseph Mohr den Text; zwei Jahre später komponierte ein Franz Xaver Gruber die Melodie dazu.

Heute gilt «Stille Nacht, heilige Nacht …» als das bekannteste Weihnachtslied weltweit und gehört zum UNESCO Kulturerbe Österreichs. Etwa so wie das Wiener Schnitzel oder das Hundstoaranggeln.

17. Dezember 2016

frostige Zeiten

Ich mag die Zeit gerne, wo die Sonne tief steht ...

und die Blätter mit einem frostigen Zuckerguss überzogen sind.

16. Dezember 2016

Kopfschütteln gegen die Naivität

Neulich in der Zeitung: «Tanzen als Zeichen gegen häusliche Gewalt»

Und was kommt als Nächstes? Lichterkette gegen Lawinen; oder vögeln für die Jungfräulichkeit! Kopfschütteln gegen Naivität!

15. Dezember 2016

Tajine - ein Mund voll Marokko

Gestern habe ich eine Tajine gekocht. Tajine ist Marokkos Nationalgericht und die entsprechende Pfanne heisst genauso. Eine Tajine ist eigentlich bloss ein tönerner Schmortopf, worin man Gemüse, Fleisch und/oder Fisch solange schmurgelt, bis es ganz weich und geschmackvoll ist.

Für meine Tajine verwendete ich – ganz traditionell – einfach was grad da war: Kartoffeln, Paprika, Zwiebeln, Zucchini, Knoblauch, Oliven  und Tomaten.
Das Gemüse habe ich geschnitten und in einer Pfanne zu einem Kegel aufgetürmt, dann etwas Olivenöl drüber gegeben und gewürzt. Es gibt fertiges Tajinegewürz – oder man mischt es sich selber zusammen aus; Kurkuma, Pfeffer, Salz, Koriander, Kreuzkümmel, Ingwer, Zimt, Chili und einem Schluck Wasser.

Nun den Deckel auf die Pfanne und bei kleiner Hitze länger als eine halbe Stunde garen lassen. Ganz wichtig! Nicht umrühren, den Deckel nicht anheben – einfach sein lassen.

Guten Appetit, oder wie der Marokkaner sagen täte; „bssaha“.

14. Dezember 2016

das Aquädukt von Tunis

Das Aquädukt von Zaghouan ist schon fast zweitausend Jahre. Einst versorgte es das römische Karthago, heute ein Stadtteil von Tunis,  mit Trinkwasser. Dann kamen die norddeutschen Vandalen vorbei und machten es kaputt.

Mit mehr als 130 Kilometer ist es das längest römische Aquädukt. Noch heute kann man südlich von Tunis kilometerweit seine Ruinen sehen; n36.6271, e10.1268. Früher fuhr ich auf dem Weg nach Algerien unzählige Male daran vorbei. Und jetzt schon seit mehr als zehn Jahre nicht mehr...

13. Dezember 2016

mein Tiger aus Indien

Von meiner letzten Indienreise brachte ich einen Tiger mit nachhause. Ich kaufte ihn damals in Rajasthan direkt beim Steinmetz.

Mein Tiger ist aus rotem Aravalli-Sandstein und wiegt bestimmt mehr als siebzig Kilo - was ich jetzt beim Umzug wieder eindrücklich zu spüren bekam.
Der Transport damals von Indien nachhause ging einfacher. Denn wir waren mit unserem Reisebus unterwegs und verstauten ihn einfach zwischen den Sitzen. Und an jeder Grenze schmunzelten die Zöllner über mein Haustier.

12. Dezember 2016

die goldgelbe Dünen in Kerzaz

Kerzaz ist ein kleines Städtchen in Algerien und liegt direkt am Rand des Grand Erg Occidental. Gleich hinter Kerzaz (n29.4513, w1.4196) türmen sich die Sanddünen mehr als hundert Meter hoch.

Und dahinter erstreckt sich ein fast menschenleeres Sandmeer in der Grösse Österreichs. Früher übernachteten wir oft in dem hübschen Dorf, bevor wir in die Zentralsahara weiter reisten...

9. Dezember 2016

die hellblaue Felsen in Marokko

Viele Marokko-Reisende kennen die blauen Felsen von Tafraoute. Hellblaue Felsknödel mitten in einer grandiosen Landschaft.
Doch ursprünglich, 1984/85 hat sie der belgische Künstler Jean Vérame ganz anders bemalt, nämlich tintenblau und feuerrot. Doch mit der Zeit verblassten die Farben auf dem krümeligen Untergrund, bis kaum mehr etwas zu sehen war.

Vor etlichen Jahren erneuerten die Marokkaner das Kunstwerk. Doch statt Majorelle-Blau und Feuerrot verwendete man diesmal Pastell-Töne; Hellblau, Rosa und Blassgrün. Die Farben waren billiger – und den Touristen wird der Unterschied eh nicht auffallen, sagten sich die Leute.


Ich finde die blauen Felsen grossartig ‒ jetzt halt eher in den Farben vom Chefchaouen. Denn erst durch den blauen Anstrich einiger ganz gewöhnlicher Felsen erkennt man, wie grandios die umliegende Felslandschaft wirklich ist. Und was mir auch gefällt, sind die künstlerischen Reaktionen der Besucher. Manche Felsen haben nun Gesichter und einer ist jetzt ein buddhistischer Mani-Stein.

8. Dezember 2016

Motor ok, dafür ist mein Compi tot

Sooo. Unser Möbelwagen ist zurück aus der Werkstatt und der Motor brummt wieder wie früher. Auf der Nachhausefahrt habe ich aus lauter Freude über die neuen 156 PS einige Kleinwagen vor mir her gejagt.

Dafür ist bei meinem Asus Reise-Laptop die Stromsteckdose abgebrochen. Ich dachte erst, da löte ich einfach eine anderen rein. Aber das Ding ist völlig unreparierbar mit der Platine verschweisst. Entweder bekomme ich also ein passendes Ersatzteil oder baue eines aus einem Schlacht-Laptop aus. Beides ist aber eher unwahrscheinlich. Und mir fehlen dazu die Nerven.
Deshalb habe ich mir einen neuen Computer gekauft. Einen kleinen schnellen Acer. Ärgerlich zwar; aber es ist ja eh bald Weihnachten.

Nachtrag: Kaputt war tatsächlich der Ladedrucksensor im Ansaugtrakt...

7. Dezember 2016

der Wüstensee in Libyen

Der Umm-el-Ma liegt ganz malerisch mitten in den Sanddünen und weit im Süden Libyens. Er ist einer (n26.7106, e13.3347) von mehreren Seen in den Ubari-Sanddünen. Früher lebten hier Fischer, jetzt aber nicht mehr.

Heute liegt der Umm-el-Ma genau auf den Grenzen zwischen drei Kriegsparteien des libyschen Bürgerkrieges. Und für uns einfache Touristen ist er längst in unerreichbare Ferne gerückt.

Aber es gibt auch Erfreuliches aus Libyen zu berichten: Gestern gelang es der libyschen Regierung die Stadt Sirte zu befreien, damit ist Libyen wieder frei von dem IS. Leider geht der Bürgerkrieg aber auch ohne IS weiter...

6. Dezember 2016

von mir aus hier

Zwischenzeitlich sind wir umgezogen. Es war viel Arbeit, aber es hat sehr gut geklappt; und kaum etwas ging dabei kaputt. Frau G. hat die neue Wohnung bereits wohnlich eingerichtet.
Unsere neue Wohnung ist hübsch und ruhig. Und ich lebe nun inmitten von Zimmerpflanzen. Selbst im Badezimmer lauern stützstrumpffarbige Blumensträussen.
Juhui - wie ich mich da freu…

Zur Begrüssung hat der Nachbarhund gleich einmal auf die Fussmatte geschissen. Ich weiss jetzt nicht, ob aus Begeisterung oder aus Angst? Dem Geruch nach würde ich aber eher auf "feindlich" tippen!

5. Dezember 2016

durch die tunesischen Berge

Einfach weil ich mich gerne an meine unzähligen Tunesien-Reisen erinnere. Unser Land Rover in der „Gorge de oued Hayfa“.

Wer selber einmal durch die enge Schlucht fahren möchte, findet sie hier: n34.3694, e9.2146

3. Dezember 2016

Adventskranz selber basteln

Draussen ist es trüb und frostig - und bereits am späten Nachmittag stockfinster. In der Bahnhofsunterführung panflöten sich Peruaner die Lippen franslig und im Aldi gibt’s für 19.90 Polyester-Weihnachtsmänner aus China.

Auch in diesem Jahr konnte ich mich dem Trend zu Besinnlichkeit und kindlichem Kitsch nicht verweigern und habe einen schicken Adventskranz gebastelt.

1. Dezember 2016

fast wie Chicken Curry Pie

Der Weihnachtsmarkt hiess eigentlich „Adventsmarkt“ und ich hoffte auf eine gebratene Wurst. Abgesehen vom föhnigen Spätherbst-Wetter sah ich nämlich sonst wenige Gründe hinzugehen. Wegen dem feilgebotenen Deko-Kitsch jedenfalls schon mal gar nicht.

Es gab zwar Bratwurst, doch ich entschied mich für die wunderbaren, würzigen Fischbrötchen aus kaltgeräucherten Forellen. Und für kleine, mit Hühner-Curry gefüllte Pasteten. Der Brite täte dazu wohl „Chicken Curry Pie“ sagen. Und so schmeckten sie auch – guut und nach englischer Bergarbeiter-Kantine.