9. September 2016

Alpenglühen: Weltkrieg auf dem Berg

Bis vor hundert Jahren war das Stilfserjoch die Grenze zwischen Italien und Österreich-Ungarn. Und gleich oberhalb der Passhöhe schob sich das Schweizer Territorium wie ein Keil zwischen die beiden Länder. Hier auf der Felsnase gleich stand damals das „Hotel Dreisprachenspitze“ und hier war der äusserste Posten der Schweizer Armee. Rechts davon verschanzten sich die österreichischen Truppen, links die italienischen.

Die Soldaten waren so nahe, dass sie einander sahen und hörten. Und dazwischen die neutrale Schweiz, die verhinderte dass die beiden Kriegsparteien übereinander herfallen konnten.
Wir nutzen den Wetterwechsel und steigen zur Dreisprachenspitze; heute heisst sie Trais Linguas (2‘850 müM), hinauf und schauen nach Überbleibseln von damals.

Gleich neben dem heutigen Refugio kann man noch die italienischen Schützengräben und Stacheldrahtverhaue erkennen. Und rechts davon stehen noch einige Mauern der damaligen österreichischen Stellungen.

Die österreichischen Barracken lagen direkt neben dem Schweizer Grenzposten. So nahe, dass die Italiener sie nicht beschiessen konnten, ohne die schweizer Neutralität zu verletzen. Was aber beide Kriegsparteien öfters taten. Dann gab es jeweils diplomatischen Protestnoten und die Schweizern Militärs versuchten mit den beiden Kriegsparteien gewisse Spielregeln zu vereinbaren, was aber nur mehr oder weniger gut gelang.

Auch vom damaligen Hotel Dreisprachenspitze (n46.5308, e10.4528) sind noch einige Mauerresten zu finden. Und auch die berühmte Marmor-Rondelle mit dem Bergpanorama ist noch hier, beschädigt zwar, aber immerhin nicht verloren.

Am Ende des 1. Weltkrieges verschwand die Österreichisch-Ungarische Donaumonarchie von der Weltkarte und das Südtirol kam zu Italien. Seither ist das Stilfserjoch keine Landesgrenze mehr und auch die Schweizergrenze am Trais Linguas ist längst unbemannt.
Im Oktober 1916 fiel auf der Dreisprachenspitze auch eine Schweizer Soldat - einer von zweien im 1. Weltkrieg.

Wir übernachten auf dem Stilfserjoch. Wir haben einen grossartigen Ausblick auf die Berge rundherum. Dann wird es kalt und regnerisch. Gut dass wir unsere Faserpelze dabei haben.

Kommentare:

  1. Wie ist der Möbelbus eigentlich beschriftet und wovor warnen die Aufkleber? Oder ist das geheim?

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    1. Auf unserem Möbelwagen steht „Labor“ und die Warn-Aufkleber sollen Gesindel und Amtspersonen von uns fernhalten. Was erstaunlicherweise auch ganz gut funktioniert.

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    2. Hier steht mehr dazu: http://dermuger.blogspot.ch/2014/08/warnen-und-tarnen.html

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