22. April 2016

Iran: Frühlingserwachen

Pünktlich um acht schlendern wir quer durch die Grünanlage zum Frühstücks-Pavillon. Mitten im Raum steht ein riesiges Cheminée, daneben das Buffet. Ein Kellner ist grad dabei den Ofen in Betrieb zu nehmen - vergebens. Gut dass wir den Faserpelz anhaben.

Der Frühlingshimmel ist tiefblau und die Schneeberge glasklar zu sehen. Wir fahren stadtauswärts. Obwohl es noch früh ist, hat es schon viel Verkehr. Das liegt daran, dass heute der wichtigste iranische Feiertag ist. Heute fahren alle hinaus in die Natur zum Picknicken. Viele Autos haben eine Schale mit Rasen aufs Dach geschnallt. Und aus dem Inneren lachen uns ganze Grossfamilien an.

Der Strassenverkehr ist heute wieder ganz besonders – öööhm – individuell. Jeder fährt wie und wo er will. Wir werden rechts überholt und gleichzeitig von links geschnitten. Ab und zu kommt uns ein Auto auf unsere Spur entgegen oder eines hält mitten auf der Strasse an. Der Start an der grünen Ampel erinnert jeweils an ein Formel1-Rennen. Alle stürmen los und wühlen sich nach vorn an die Spitze. Wenn man das wie ich, mag, dann ist das Autofahren im Iran das reinste Vergnügen. Wenn nicht, dann weniger.

Die Strasse kurvt mit uns durch eine grossartige Berglandschaft. Steile Felsen, weite Täler und immer wieder Obstgärten. Und am Horizont Schneeberge.
Schon vor dem Mittag erreichen wir die Bishabur. Die archäologische Ausgrabung lassen wir links liegen und schauen uns stattdessen die Felsrelief gleich daneben an. Die riesigen Könige wurden hier vor etwa 2‘200 Jahren aus dem Fels gemeisselt und sehen auch heute noch grossartig aus. Da könnte manch ein Grafitti-„Künstler“ noch was lernen. So macht man das, wenn‘s etwas länger halten soll!

Heute sind viele Feiertags-Ausflügler hier. Das Flussufer wird von Picknickern gesäumt, manche haben Zelte und Sonnendächer werden wie Prominente von überall her gegrüsst, eingeladen und müssen für Erinnerungsfotos posieren.
Für die Weiterfahrt nehmen wir eine Abkürzung durch die Schlucht. Zuerst ist das Strässlein ganz gut, dann wird es zu einer Schlaglochpiste, führt durch ein Bachbett endet dann kurz vor dem Ende der Schlucht an einem Geländeabsatz. Für unsern Tondar unüberwindlich.

Jetzt am Nachmittag sind die Strassen fast leer. Kaum ein Auto ist unterwegs, dafür sehen manche Wiesen wie Zeltplätze aus. Wie’s scheint sind alle Iraner am Picknicken.
Auch Shiraz ist wie ausgestorben, die Strassen leer und alle Ladengeschäfte zu. Wir fahren mitten ins Stadtzentrum und bekommen ein Zimmer im Sasan Hotel (n29.6199, e52.5377). Hier haben wir auf früheren Reisen immer gerne übernachtet. Das Doppelzimmer kostet 49,50 Dollar, das letzte Mal waren es noch 6 Dollar.

Wir machen gleich einen ersten Stadtspaziergang. Alles zu, auch der Bazar. Einzig ein Fresskiosk bietet Falafel-Sandwichs mit allerlei sauer eingelegtem Gemüse an.
Erst nach Sonnenuntergang kommt das Leben zurück in die Stadt. Die Ausflügler kommen heim und es dröhnt, scheppert und hupt.

Kommentare:

  1. Hey.
    Was hat das mit dem Rasen auf dem Autodach für eine Bewandnis. habe ich vor 35 Jahren nie erlebt.
    Mlg
    Heidi und Stephan

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    1. Der grüne „Rasen“ sind Sprossen, die am Feiertag rituell ins Wasser geworfen werden.

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  2. ....oh, wie schön! Ich wünschte ich wäre dort!
    LG

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