31. Juli 2015

Skandinavien: Bergen, Wal-Wurst und die Lepra

Voss. Heute fahren wir mit der Bahn nach Bergen. Ich freute mich auf einen eleganten Fernzug mit weichen Polstersitzen und einem Bordrestaurant. Es war dann aber bloss ein bummliger Regionalzug mit ohne weich.

Die Strecke führt fast immer einem wunderschönen Fjord entlang. Leider sehen wir davon kaum etwas, da wir mehr als die halbe Strecke in Tunnels unterwegs sind. Oft kommen wir nur bei einem Bahnhof kurz ans Tageslicht, dann wurmt unser Zug gleich wieder in den Berg hinein.
Nach anderthalb Stunden erreichen wir den Endbahnhof Bergen. Eine schöne Glas-Gusseisenhalle mit nur vier Gleisen. Aber keine Fahrgästen, nur gähnende Leere.

Wir schlendern Richtung Hafen. Ein Stadt-Teich mit Springbrunnen, akkurate Rabatten mit Frühlingsblumen und paar Denkmäler. Schon bald kommen wir an den Fischmarkt am alten Hafen. An vielen Ständen werden Fische und Krebse verkauft, aber vor allem gekocht und gegessen. Wir probieren Elch- Rentier- und Walwurst. Und wunderbare Krabben, knackig und meersalzig.

Die Verkäufer und Köche tragen bei der Arbeit stylische Ganzkörper-Gummistiefel – schaut sehr – öööhm - malerisch aus.

Gleich neben dem Fischmarkt stehen die alten Handelshäuser aus dem vorigen und vorvorigen Jahrhundert. Die buntgestrichen Holzhäuser und mächtigen Backsteinpaläste erinnern an die Zeiten, als noch deutsche Händler hier geschäfteten. Heute sind in den Handelshäusern Gaststätten und Kunsthandwerkläden untergebracht. Und viele Souvenirläden mit Elch-Kitsch. Wir schauen uns auch einen Weihnachtsladen an, doch ich kann mich irgendwie nicht so recht dafür begeistern.

Die grossen Kreuzfahrtschiffe legen gleich neben der Altstadt an. Deshalb ist hier alles voller betagter Engländer und Rudel-Asiaten. Wir schauen dem Treiben zu und spazieren dann quer durch die alte Festung zurück in die Altstadt. Alte Kanonen, ein wenig königliches Gemäuer und ein Betonbunker aus dem Weltkrieg, eher wenig interessant.

Die Lamm-Pølse mit Röstzwiebeln und Rucola mundet tadellos. Dazu gibt es Gratis-Limonade so viel man mag. Toll dieses Bergen.
Als letzte Sehenswürdigkeit besuchen wir das Lepra-Museum. Früher brachten die Matrosen die Krankheit mit nachhause und wurden hier behandelt. Besonders witzig finde ich die Türfalle zum Lepra-Krankenhaus; eine Messing-Hand – mit allen Fingern dran!

Gegen Abend bringt uns der Zug wieder nach Voss. Der Zug ist der gleiche wie am Morgen, doch hält er nicht mehr an jedem Bahnhöflein an, so dass wir nur gut eine Stunde brauchen.
Wir übernachten noch einmal neben dem Friedhof. Letzte Nacht haben wir hier nämlich wunderbar geschlafen; sehr ruhige Nachbarn.

30. Juli 2015

Skandinavien: Norweger-Pulli des Grauens

Odda. Gestern war‘s den ganzen Tag bedeckt, wenn ich es richtig verstanden habe, sollte es heute sonnig sein. Und tatsächlich, am Morgen zeigen sich zwischen den Wolken erste scheue Löcher. Doch schon kurze Zeit später beginnt es wieder zu tröpfeln.
Gegen Mittag fahren wir weiter. Zuerst geht es über einen Berg und dann einem Fjord entlang bis nach Voss.

Voss ist ein etwas grösseres Städtchen; ein wenig abgelebt zwar, aber doch ganz nett. Wir schlendern durch die Innenstadt, schauen Dinge in Schaufenstern an, und so. Frau G. friert und will sich einen Norweger-Pulli kaufen. Oder zumindest die Wärme eines Einkaufszentrums geniessen.
Das Shopping ist recht gross und ist voller Läden. Mich deponiert Frau G. gleich in einem Café und zieht alleine los. Kaum eine halbe Stunde ist sie bereits fertig mit Einkaufen. Nichts hat ihr gefallen und teuer war es zudem auch noch.
Auf dem Parkplatz steht ein Ford Taunus neben einem geilen alter Volvo - immerhin etwas.

Der Golfstrom sorge für das ganzjährig milde Klima in den Fjorden, habe ich gelesen. Die 10°C und Neuschnee bis tief in die Täler herunter lassen diese Theorie doch etwas gewagt erscheinen. Und es würde mich nicht wundern, wenn die Elche längst ausgestorben wären. Jedenfalls haben wir noch keinen gesehen.

Ganz in der Nähe gibt es den Fabrikladen einer berühmten Strickwarenfabrik, die machen die bekannten Norwegerpullis. Also flitzen wir hin. Die Pullover sind mehrheitlich unbeschreiblich hässlich und mit 400 Euro auch nicht grad preiswert.
Frau G. ist ein wenig enttäuscht. Am Bahnhof gleich neben dem Pulli-Laden versuche ich sie mit dem Anblick einer dreirädrigen Draisine zu erfreuen. Was soll ich sagen – hilft nicht.

Wir übernachten in Voss, gleich oberhalb des Friedhofs. Es regnet, dann wieder nicht, dann aber doch.

29. Juli 2015

Skandinavien: keine Kirschen in Odda

Die Morgensonne wird von Wolken bedrängt – und gibt nach. Der Hardangerfjord ist aber dennoch eindrucksvoll. Die schneebedeckten Berge fallen fast senkrecht ins Wasser. Da und dort hat es dazwischen etwas weniger steile Stellen. Da stehen entweder Häuser oder es werden Obstbäume angepflanzt. Die Kirschen sind bald reif, aber die Äpfel sind noch steinharte Niggeli.

In Lofthus schauen wir dem alten Schiff „Atløy“ beim Ablegen zu. Früher waren solche Schiffe die einzige Verbindung zur Aussenwelt, heute kutschieren sie nur noch Touristen im Fjord herum.

Seit zwei Jahren gibt es über den Eidfjorden eine spektakuläre Hängebrücke, die „Hardangerbrua“. Mit 1‘400 Meter Spannweite ist sie eine der längsten Brücken weltweit. Ganz besonders gefällt mir die gelborange Fahrbahnplatte mit dem hellblauen Geländer, richtig schick.

Da hier die Bergflanken fast senkrecht in den Fjord fallen, beginnt und endet die Brücke jeweils direkt in einem Tunnel. Tief im Berg drinnen, in einer riesigen Halle, ist dann ein grosser Kreisel für die verschiedenen Strassenabzweigungen. Blau und weiss beleuchtet wie ein Kunstwerk, grossartig.

Wie dem auch sei, wir erreichen das Dorf Eidfjord am Ende des Eidfjords. Netter Ort, gute Brötchen und schnelles Internet; was will man mehr. Einige Kilometer weiter hinten im Tal stürzt der Wasserfall „Vøringsfossen“ über die Felswand hinunter. Es soll der schönste Wasserfall sein, verspricht Frau G.
Das Beste ist, der Wasserfall fällt direkt neben der Strasse, man könnte im Auto sitzenbleiben. Wir schlendern aber ganz nach vorne an die Klippe und schauen von da hinüber. Nur wenige Zentimeter vor mir geht es geht mindesten hundertfünfzig Meter in die Tief.

Der Wasserfall selber ist halt so, wie man sich einen Wasserfall vorstellt. Milchweisses Wasser tosst über die Felsen hinunter und zerstäubt zu Gischt; kenne ich von zuhause.

Am Nachmittag kurven wir hinüber an den nächsten Fjord. Ganz hinten, im Dorf Ulvik, machen wir Feierabend. Manchmal kommen die grossen Kreuzfahrtschiffe bis hier her - heute nicht. Dabei hat sich Frau G. so darauf gefreut.
Wir übernachten mitten in Ulvik, wieder zwischen Kirche und Hafen.

28. Juli 2015

Skandinavien: zwischen den Fjorden ist viel Berg

Es tropft noch aus den Baumkronen, aber in Årdal scheint heute die Sonne. Bevor wir weiterfahren schauen wir uns noch die alte Kirche an. Eine schlichter Holzbau aus dem frühen 17. Jahrhundert. Innen über und über mit Heiligen und Blumenmustern bemalt. Bemerkenswert ist die Holzkonstruktion, kein hier üblicher Blockbau sondern ein Bohlenbau; deshalb auch der Name „Stavkirke“; Stabkirche.

Unsere Strasse Nr. 13 kurvt über die Hügel und an den Fjorden entlang. Wir geniessen die beschauliche Route und die grossartigen Ausblicke. Dann wieder eine Fähre, diesmal über den Jøsenfjord. Nicht weit, aber wie eine kleine Kreuzfahrt.

Und weiter geht’s, immer dem steilen Fjord entlang. Oft ist die Strasse aus dem senkrechten Fels gesprengt. Oder sie führt durch dunkelschwarze Tunnels, stockfinster und mit Tropfwasser von der Decke.
In Sand machen wir einen Boxenstopp. Ich kaufe mir einige Scheiben „Lammerull“, eine hier beliebte Wurst aus Lammfleisch – glaube ich zumindest. Schmeckt ganz gut, aber etwas gewöhnlich. Im selben Laden gab es wieder eine reiche Auswahl von Tuben-Käse, diesmal sogar in der Geschmacksrichtung „Käse“.

Und wir schauen uns die „Høsebrua“ an, eine nagelneue Fussgängerbrücke aus rostigem Stahl und Alu-Kiemenblechen.
Die Strasse schlängelt sich weiter durch die Landschaft. Seen, Wasserfälle und Schluchten. Auf und ab und durch zahlreiche Tunnels. Dann kommen wir nach Rødal. Hier steht eine der ältesten Stabkirchen Norwegens. Sie ist fast achthundert Jahre alt, allerdings wurde sie zwischenzeitlich arg erneuert und erweitert, so dass vom ursprünglichen Kirchlein kaum mehr etwas zu erkennen ist.

Auch hier ist der Kirchenraum üppig ausgemalt, aber etwas dezenter als in Årdal. Weitherum berühmt ist das Kruzifix über dem Altar. Der Holz-Jesus schwitzt jedes Jahr am 6. Juli. Und dieser Schweiss habe wundersame Wirkung, er könne Blinde sehend machen - sagt man.

Hinter Rødal geht’s hoch hinauf und über einen Pass. Hier oben liegt immer noch Schnee. In einem Seitental sehen wir einen mächtigen Gletscher und direkt an der Strasse einige imposante Wasserfälle. Ist jetzt für uns Bergler nichts wirklich überraschendes, aber dennoch schön anzuschauen.

Dann erreichen wir Odda, die grösste Stadt weitherum. Sie liegt an einem Seitenarm des Hardangerfjords und ist eigentlich bloss ein Dorf. Der Atlantik fingert hier 80 oder 100 oder - was weiss ich - 180 Kilometer weit landeinwärts. Hier lebt man eingekeilt zwischen den Schneebergen, den Felsen und dem Meer.
Wir übernachten in Odda zwischen Kirche und Hafen. 1a Sonnenuntergang und kalter Wind; keine Elche.

27. Juli 2015

Skandinavien: Stavanger mag uns

Novemberwetter, neblig und kühl - kurzschwänzig würden wir zuhause dazu sagen. Wir legen zeitig ab und fahren nach Stavanger. Alle warnten uns, es gäbe in Stavanger keine Parkplätze, nur Einbahnstrassen und Sackgassen. Wir fahren deshalb mitten hinein und parkieren direkt vor dem Rathaus. Nur wenige Schritte vom historischen Hafen und den alten Holzhäusern entfernt.

Wegen dem trüben Wetter wirkt alles etwas öd. Zudem scheinen die Norweger eher lange zu schlafen, denn jetzt vor dem Mittag ist sozusagen niemand unterwegs. Nicht einmal Touristen.
Wir schlendern durch die Altstadt. Zwischen Neubauten stehen alte Handelshäuser aus Holz. Manche mit schicken Restaurants im Erdgeschoss, oder mit Design-Läden. Wir sehen viele schöne Dinge.

Aber insgesamt hat der Öl-Reichtum dem Stadtbild nicht besonders gut getan. Viele banale Bürohäuser und protzige Hotels drängeln sich zwischen die wenigen Altstadthäuser. McBurger und die immer gleichen Modeläden dominieren die Hafenpromenade. Aber sonst ist es hier eigentlich sehr nett.

Unter der Altstadt verbirgt sich ein eher flacher Hügel. Oben auf dem höchsten Punkt steht ein alter Wachtturm. Einige alte Kanonen protzen mit ihren strammen Rohren. Doch es ist weit und breit kein Feind in Sicht - vielleicht tun sie hier sprichwörtlich mit Kanonen auf Spatzen schiessen?
Im Felsen tief unter dem Turm verbirgt sich ein Parkhaus, das zugleich auch ein Schutzraum ist. Dicke Türen und Schilder mit Verhaltens-Hinweisen verströmen den Charmes des Kalten Krieges.

Nach zwei Kaffees für weit mehr als zehn Franken fahren wir nach Sola und besuchen das „Flyhistorisk Museum“ (N58.8983, E5.6317). In einem alten Hangar stehen mehr als dreissig Flugzeuge. Darunter einige wirkliche Raritäten; aber davon berichte ich vielleicht ein andermal.

Die nächsten Tage wollen wir der Strasse Nr. 13 folgen. Es regnet heftig. Die Strasse ist schmal und kräuselt sie sich über die Hügel. In Høle soll uns eine Fähre über den Høgsfjorden bringen. Doch die Kassenfrau sagt; «heute geht nix mehr, die Fähre ist defekt». «Und morgen?». «mmhm - nej!»
Grummel - also bleibt uns nichts anderes übrig, als nach Stavanger zurückzufahren und die Fähre nach Tau zu nehmen; 70 Kilometer Umweg.

Die Fähre ist nicht nur gross, sondern auch unglaublich schnell und wendig. Die Überfahrt dauert kaum mehr als eine Viertelstunde. In Tau stauen sich die Autos aus der Gegenrichtung bereits mehrere Kilometer. Wir aber haben freie Fahrt. In Årdal machen wir Feierabend und übernachten gleich neben der Kirche. Es regnet und regnet und der Nebel schleicht um die Berge.

25. Juli 2015

Skandinavien: Schiffe vergraben?

Schon in Dänemark, und noch vielmehr hier in Norwegen, liegt auf fast jedem Kreisel-Rondell ein alter Anker. Warum, frage ich mich, vergraben sie ihre alten Schiffe im Verkehrs-Kreisel? Und warum lassen sie den Anker aus der Erde schauen?

Nur mal so: Wäre es andersherum nicht viel hübscher?
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24. Juli 2015

Skandinavien: Gnappistein und Bus-Kultur

Grau statt blau. Die Wolken hängen bedrohlich tief am Himmel, es schaut nach Regen aus. Während Frau G. sich kultutbeutelt, mache ich Frühstück. Es gibt wie jeden Tag Pulverkaffee, Brot und eine reiche Auswahl von Köstlichkeiten aus dem Kühlschrank. Heute; Käse mit Speckgeschmack aus der Tube. Schon erstaunlich, was die hiesigen Kühe können!

Irgendwo im Niemandsland sehe ich einige Oldtimer-Busse stehen. Gleich hin und anschauen. Die Busse sind aus den 1960-er Jahren. Genauso wie der Besitzer, der auf einmal neben mir steht. Mächtig stolz erzählt er mir die Geschichte eines jeden einzelnen Fahrzeuges – auf Norwegisch! Ich verstehe Volvo, Scania und „Veteranbussklubben SamSør-Agder“.

Unser nächster Halt ist das Städtchen Flekkefjord. Der Ortsteil Hollenderbyen ist wegen seinen weissen Holländer-Häusern bekannt. Dicht gedrängt stehen sie um den Hafen und warten auf die Ausflügler. Jetzt am Vormittag sind wir noch ganz alleine hier.

Ab nun fahren wir auf der Nebenstrasse 44 weiter. Sie führt zwar der Küste entlang, aber vom Meer sehen wir kaum etwas. Dafür steile Berge und viele Birkenwälder. Und manchmal weit unter uns im Regendunst einen Fjord. Grossartig und unbeschreiblich schön.

Unterwegs ausflügeln wir in ein Seitental hinein und schauen uns den Ruggesteinen (N58.3505 E6.3433) an. Der 70 Tonnen Brocken lässt sich von Hand hin und her kippen. Bei uns in Obwalden heissen diese „Gnappisteine“.
Weiter geht’s auf und ab. Die Strasse schlängelt sich um Felsnasen und durch Tunnels. Als wir in Egersund ankommen, regnets immer noch. Ideal für ein ausgiebiges Nachmittagsschläfchen in unserem Möbelwagen.

Gegen Abend bessert sich das Wetter, die Sonne scheint zaghaft, aber es bleibt kalt. Das Städtchen gibt nicht viel her und es sind kaum Leute unterwegs. Zwei Pubertiere schleppen einen riesengrossen Fernseher durch die Gassen - geklaut? Einige Frauen mit Blumen im Haar biegen kichernd um die Ecke – sonst ist niemand zu sehen.
Wie hausen am Hafen (N58.4541 E6.0021).

23. Juli 2015

Skandinavien: Norwegen ist Gudbrandsdalsost

Schon um fünf Uhr morgens glitzern die Wellen in der Morgensonne. Es ist mild und ein frisches Lüftchen weht. Ich spaziere barfuss über die Bootsstege und schaue nach Fischen. Keine da, aber das Wasser ist voller violetten und orangen Quallen. Bis jetzt dachte ich, die gibt’s bloss in den Tropen.

Nach acht verlassen wir Risør und dümpeln gegen Westen. Die Gegend ist unwirklich schön. Kleine rote Häuser stehen an tiefblauen Seen; wie in diesen Frauenfilmen. Strassenschildern versprechen Hirsche und Elche.
Die nächste Stadt ist Kristiansand. Gleich gegenüber vom neuen Kulturzentrum stellen wir uns an die Hafenmauer und warten auf besseres Fotolicht. Das kommt nicht und die Architektur bleibt im Schatten. Aber dann taucht direkt vor uns ein Helmtaucher auf. Was er da Unterwasser gemacht hat, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Sprachkenntnisse sind halt eben doch das Å und Ø eines jeden Weltreisenden.

Wir machen einen Stadtspaziergang und sehen Würdigkeiten an. Dann weiter bis nach Mandal, der südlichsten Stadt Norwegens. Hier haben sie ein brandneue Kulturzentrum. Erst grad fertiggeworden, ebenso die kühn geschwungene Brücke hinüber in die Stadt. Es gefällt uns hier so gut, dass wir beschliessen, gleich hier (N58.0247 E7.4555) zu übernachten.

Den ganzen Nachmittag lümmeln wir herum. Schlendern durch die einzige Altstadtgasse und kaufen dies und das. Braunkäse und Unbekanntes, aber Wurst gibt es hier keine! Es ist perfektes Ferienwetter; wunderbar sonnig, aber nicht heiss. Die Wellen plätschern an die Hafenmauer und die Segelboote klimpern im Wind.

Zum z‘Nacht versuchen wir „Gudbrandsdalsost“, den hier so beliebten Braunkäse. Der schmeckt so wie er heisst – eigenwillig. Und nach Karamell. Das ist bestimmt nicht der beste Käse, aber ich habe auch schon weitaus schlechtere gegessen.

22. Juli 2015

Skandinavien: wir fähren nach Norwegen

Hirtshals. Es stürmt und seicht die ganze Nacht. Ich kann kaum erkennen wo die Pfützen enden und das Meer anfängt. Als wir in den Hafen Hirtshals einfahren, landet auch grad unsere Fähre. Das Einchecken dauert keine zwei Minute. Alles ist wohl geordnet und bestens organisiert, das sollten sich die Genuesen mal abschauen!

Unsere Fähre „Stavangerfjord“ soll uns in viereinhalb Stunden hinüber nach Langesund. Wir fahren nicht etwa dahin, weil wir nach Langesund wollen, sondern weil es neulich beim Buchen die billigste Fährverbindung war. Das Schiff ist nagelneu und fährt mit Erdgas. Es hat vier Gasmotoren, jeder mit über 7‘000 PS.
Um neun legen wir ab und fahren hinaus in die grauschwarze Nordsee. Das Wasser kraust sich und die Luft sehr nass. Doch mit der Zeit bessert sich das Wetter und manchmal kommt sogar die Sonne. Nach dem Mittag tauchen am Horizont die ersten Berge auf und etwas später sind wir in Langesund und in Norwegen. Langesund ist eigentlich bloss ein Dorf, aber ein schönes. Die Häuser sind weiss, oder rot und höchstens zweigeschossig.

Ein Schwall Autos quillt aus unserer Fähre und flutet die einzige Dorfstrasse. Wir fahren direkt weiter nach Westen. Die Strasse schlängelt sich kurvenreich durch die Wälder. Manchmal ein kleiner See oder Bauernhof, dann wieder Wald. Und überall Felsen, jede Menge Fesen.

Schon bald biegen wir von der Hauptstrasse ab und fahren ans Meer; nach Risør. Das Dorf liegt ganz malerisch in einer Bucht. Alle Häuser sind weiss gestrichen. Ausser das Polizeigebäude, das ist gelb. Und gleich daneben finden wir einen wirklich zentral gelegenen Übernachtungsplatz. Direkt an der Hafenpromenade.

Diese Tage findet hier der grosse Kunsthandwerkermarkt statt. An zahlreichen Ständen präsentieren die Künstler vor allem Glas- und Keramikkunst, Mode und Schmuck. Frau G. bekommt sogleich Fieberwallungen und kann sich kaum sattsehen.

Heute essen wir vegetarisch; Chips und Cola. Ich habe Kopfschmerzen - ob wegen oder trotzdem weiss ich nicht - und lege mich ein wenig in unsern Möbelwagen. Als ich wieder aufwache ist es schon Abend.

21. Juli 2015

Skandinavien: das Ende von Dänemark

Aalborg liegt am Wasser – wir auch. Wir schauen vom Bett aus den Ruder- und Segelschiffen zu wie sie ausfahren. Zauberhafte Morgensonne, doch blaugraue Wolken jagen über den Himmel. Die Möwen fliegen hin und her und schreien. Im Wasser planschen handtellergrosse, violett glibberige Quallen.
Kaum sind wir unterwegs, verschwindet auch schon die Sonne hinter schmutziggrauen Wolken. Wir rollen übers flache Land, kaum Verkehr, viel Gegend. In der Nähe von Blokhus (N57.25488, E9.58014) fahren wir einige Kilometer direkt auf dem Strand. Der ist hart und glatt, fast wie eine Autobahn.

Weil das Licht so schön ist, fahren wir in Løkken noch einmal hinüber zum Strand (N57.3803, E9.7179). Hier hat es wieder zahlreiche freigespülte Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Schief und schräg liegen sie auf dem Sandstrand. Einige ragen weiteroben aus der Böschung; dort wo sie von der Wehrmacht einst hingebaut wurden, damals als der Strand noch weiter draussen war.

Wer es sich leisten kann, hat eine Badekabine am Strand. Kleine weisse Einzelzimmer-Holzkisten auf Kufen, brav nebeneinander und durchnummeriert – 485 gibt es allein hier in Løkken –- und sie dürfen nur im Sommerhalbjahr am Strand stehen. Im Herbst müssen alle wieder weg. Sonst nimmt sie der Sturm.

Unser Strandspaziergang endet im Regen. Und es regnet nicht von oben, sondern quer. Grad noch rechtzeitig erreichen wir unseren Messwagen. Bei Kaffee und Kuchen schauen wir zu, wie regenfest die Dänen sind.

Kurz vor Hirtshals schauen wir uns den alten Leuchtturm an. Der steht ganz malerisch auf einer Sanddüne hoch über dem Meer. Rundherum sind die Dünen ganz zerfurcht. Darunter verbergen sich an die siebzig Bunker aus dem letzten Krieg. Heute sind sie ein Freiluftmuseum.

Die Stadt Hirtshals ist eigentlich gar keine, eher ein hin geklatschtes Dorf am obersten Ende Dänemarks. Uns gefällt es von Beginn an; gemütlich und übersichtlich. Ich muss mir neue Hosen kaufen, weil meine aktuellen hinten gerissen sind. Ein Riss, gross genug um den Kopf durchzustecken. Meine Wahl fällt auf dunkelblaue, welche mir Frau G. entgegenstreckt.
Gleich nebenan bietet ein Lokal namens „Peking Grill“ dänische Speisen an. Wir essen eine Wurst mit Röstzwiebeln und süssen Gurken.

Als der Regen wieder etwas nachlässt, schlendern wir zum Hafen hinunter. Da sind - wenig überraschend – viele Schiffe. Fischkutter und Fähren. Nach Norwegen, Schweden, Island, den Färöer-Inseln und so.
Der Hauptbahnhof Hirtshals ist gleich nebenan und das nördliche Ende der Eisenbahn. Er hat aber bloss ein einziges Gleis – und zwischen dem einen Gleis und dem Bahnhof ein Gitterzaun! Ohne den Gitterzaun könnte man bestimmt wesentlich einfacher einsteigen. Wer weiss, vielleicht würden dann auch mehr Leute bahnfahren?
Wir übernachten gleich hinter dem Güterschuppen.

20. Juli 2015

Skandinavien: bei dän Dänen

Niebüll. Als ich um halb sechs aufstehe, ist es in der Stadt noch ganz ruhig. Und herbstlich kühl. Heute wollen wir zeitig los, denn bereits übermorgen fährt unser Schiff nach Norwegen; ganz oben in Dänemark. Kurz vor sieben sind wir über die Grenze und schon wenig später in Esbjerg. Die Stadt ist noch schlaftrunken, kaum jemand ist unterwegs.
Wir schauen ein wenig Architektur von Jørn Utzon an und brummen dann weiter nordwärts. Bei den „Menschen am Meer“ (N55.4877, E8.4114) machen wir kurz Halt, schauen übers graue Meer und trinken einen Kaffee. Es bläst ein eisiger Wind, es ist mehr als 20° kälter als die letzten Tage.

In Blåvand hat der Sturm an der Küste einige alte Wehrmachtsbunker freigespült. Die dicken Betonwürfel liegen nun direkt am Strand. Ein - ich glaube britischer - Künstler – hat sie zu Seepferden (N55.5492, E8.1104) umgestaltet. Oder vielleicht sind es auch Bunker-Esel, wer weiss das schon?
Es ist kalt und windig. Mich schaudert, als ich sehe, wie ein Däne im Meer badet. Der scheint ein ganz harter Hund zu sein – der völlig gefühllos.

Die Häuser ducken sich hinter die Sanddünen und tragen pelzige Dächer. Schön anzuschauen.

Die Landschaft ist malerisch und wenig besiedelt. Um die Bauernöfen herum stehen meist Bäume oder Gebüsch; und auch zwischen den Feldern und entlang der Strasse wachsen lange Hecken. Man meint, man fahre immerzu durch einen Wald, dabei ist alles fruchtbares Bauernland.

In Herning machen wir Mittagspause. Wir fussgängern durch die Fussgängerzone und schauen in Schaufenster. Am einzigen Grillstand erwerbe ich zwei „Pølser med brød“; Grillwurst mit Brot. Dazu gibt es verschiedene Saucen vom Senf-Euter.
Später setzen wir uns in die Stadtbibliothek und geniessen das schnelle Internet. Die Stadtbibliothek ist übrigens ein grossartiges Gebäude; eine umgebaute Fabrik oder so.

Wir reifeln weiter durch Dänemark obsi. Lieblich Landschaften und Backsteinhäuser. Heute übernachten wir im Hafen von Aalborg, ganz in der Nähe des Marinemuseums. Ich schaue über den Zaun und sehe wie die Kinder mit einem Weltkriegs-Torpedo Schaukelpferd spielen. Schwerter zu Pflugscharen, sozusagen.