31. Mai 2013

der Pilatus gehört uns

Der Pilatus, der berühmte Luzerner Hausberg, steht gar nicht in selbigem. Zumindest der Gipfel, und um den geht es ja üblicherweise bei Bergen, teilen sich die Kanone Ob- und Nidwalden. Wobei der brauchbare Teil, der mit den Hotels und Bahnstationen gänzlich in Obwalden liegt. Nidwalden gehören da oben bloss einige unzugänglich schroffe Felswände. Und Luzern gar nichts.

Und da das kaum jemand weiss; will ich es laut und deutlich sagen: Der Pilatus gehört uns, und nicht den Luzernern.
öööhm - ich war kürzlich oben und es war wie immer wunderschön.
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30. Mai 2013

Kerns-Kägiswil wasdasdenn?

Der Bahnhof Kerns-Kägiswil war von Anfang an mit einem Makel behaftet; er steht nämlich weder in Kerns, noch in Kägiswil. Entsprechend lag das Passagieraufkommen oft bei ungefähr null.

Ursprünglich hat man sich zwar schon überlegt, den Bahnhof im Dorf zu bauen, entschied sich dann aber doch ihn direkt neben die Geleise zu stellen. Hundert Jahre lang hielten die Züge und niemand stieg ein, oder aus. Ausser ab und zu mal eine Auswärtiger, der es nicht besser wusste. Der musste dann halt die paar Kilometer nach Kerns oder Kägiswil laufen.
In den 1980-er Jahren wurde der Bahnhof abgebrochen. Heute erinnern einzig einige Sockelmauern an die wenig ruhmreichen Zeit des Bahnhofs "Kerns-Kägiswil".

29. Mai 2013

Indien: bodenlose Teetassen

Wer in Indien mit der Bahn fährt kennt sie, diese Einweg-Teetassen. Die henkellose Töpfchen heissen "Kulhar" und bestehen aus schwachgebrannten Ton. Sind sie leer getrunken, wirft man sie einfach aus dem Zugfenster. Der Regen löst sie dann in kurzer Zeit auf; und ausser Staub bleibt kein Abfall übrig.

Als Indien-Neuling möchte man natürlich die Kulhar gerne mehrfach benutzen; wäre ja schade drum. Nach anfänglichem Widerspruch schenkt der Chai-Verkäufer nach. Und schaut dann belustigt zu, wie sich schon nach kurzer Zeit der Becher aufzulösen beginnt. Und sich dann der Tee mitsamt dem Tonschlamms über die Hose des Neulings ergiessen.
Der Tee-Verkäufer hat seinen Spass und der Neuling etwas Wichtiges gelernt. So sind alle zufrieden - mehr oder weniger.
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28. Mai 2013

Humor wäre, wenn man trotzdem lacht

Das wesentliche Merkmal eines Witzes ist seine Lustigkeit. Löst er hingegen beim Verbraucher statt eines wiehernden Lachens oder wohligen Schmunzelns bloss ein peinliches Gähnen aus, so ist er keiner. Nicht mal ein Schlechter.

Die diesjährige Abschlussklasse hat sich ein T-Shirt bedrucken lassen: «Das Lehrerzimmer ist wie ein Altglascontainer, voller Flaschen!». Der Text ist fad, unoriginell, aus dem Internet abgeschrieben und von mangelnder Witzigkeit. Also eigentlich nur doof, aber was kann man schon von den Pubertanten anderes erwarten. Dennoch hat sich jetzt die Lehrerschaft mächtig empört - und mit drastischen Sanktionen gedroht. Man spricht von einem Skandal und rechtlichen Folgen!

Jetzt – wo sich die Pädagogen so empören, finde ich das T-Shirt plötzlich gar nicht mehr sooo unlustig.

27. Mai 2013

Sarnen: das Vater-unser-Silo

Der Volksmund nennt die Sarner Kollegikirche liebevoll „Vater-unser-Silo“. Die „Kollegiumskirche St. Martin“, wie sie korrekt heisst, wurde zwischen 1964 und 66 für das Benediktiner-Kloster und ihr Gymnasium gebaut. Es ist der erste Kirchenbau vom berühmten Architekten Ernst Studer aus Zürich.

Die geschwungenen Linien und bauchigen Wände erinnern an ein UFO oder an Le Corbusiers Kapelle in Ronchamp. Vor allem die Innenräume mit den zahlreichen Seitenkapellen und den Oblichtern sind Ronchmp sehr ähnlich. Ganz anders als diese, ist die Kollegikirche aber nicht aus Beton. Nein, die Wände sind aus Backstein und das Dach ist eine Stahlkonstruktion.

Die Mönche sind längst weggestorben; deshalb wird heutzutage Kirche vor allem von Hochzeitspaaren und Architekturstudenten heimgesucht. Ein zauberhaftes Baudenkmal, fünfzig Jahre und kein bisschen alt.

26. Mai 2013

alleine reisen als Frau

Alleine reisen als Frau?
Davon liest man ja immer wieder. Aber ich glaub nicht, dass das für mich was wäre? Ausserdem mag ich weder hohe Schuhe noch Handtaschen, geschweige den Röcke - da habe ich einfach nicht die richtige Figur dafür. Wohl definitiv nix für mich.
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25. Mai 2013

ich im chinesischen Fernsehen

Neulich besuchte ich doch „Oldtimer in Obwalden“. Dabei stolperte ich über ein Kamera-Team; Chinesen interviewten den OK-Chef. Ich schaute etwas zu und drängte mich dann wie zufällig seitlich ins Bild. Im Hintergrund, gleich neben dem Müller - ich will schliesslich auch mal im Fernsehen kommen.

Nun habe ich mir den Beitrag beim chinesischen Fernsehsenders CCTV angeschaut. Und was glaubt ihr, wen hat der Kameramann weggeschwenkt? Mich. Statt mir sieht man nichts als rechter Rand.
So ein Seich…
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24. Mai 2013

Sarnen - der Hang rutscht, gefääährlich

Wenn ich zum Fenster hinaus schaue, sehe ich den Hangrutsch am Schlimbach. Seit mehr als zwei Jahren rutscht da die ganzen Landschaft talwärts. Das Land, der Wald, die Häuser; alles rutscht. Jeden Tag - unaufhaltsam.
Dem wilden Wetter trotzend bin ich mal wieder hin gegangen, um mir die Sache aus der Nähe anzuschauen - bevor alles unten ist.

Der Hang rutscht täglich zehn bis zwanzig Zentimeter weiter. Wie ein riesiges Schiff; 300 mal 700 Meter gross; 8 Millionen Tonnen schwer,  pflügt er durch talwärts. Am oberen Rand bilden sich dabei breite und tiefe Spalten, unten meterhohe Erdwälle. Dazwischen sieht man nicht allzuviel, bloss einige Runzeln und Risse im Erdreich.

Die Häuser surfen einfach mit. Blöd ist bloss, wenn eines ausgerechnet auf einer Bruchlinie steht. Dann rutscht die eine Haushälfte mit, während die andere stehen bleibt. Das Haus auf dem Bild reissts buchstäblich auseinander, der Anbau steht nun schon einige Meter entfernt.

Zurzeit sind Bauarbeiter damit beschäftigt, die Erschliessungsstrasse fahrbar zu halten. Man planiert die Stufen im Belag aus und rückt Brücken wieder zurecht. Und man versucht den Schlimbach soweit herzurichten, dass er auch einem künftigen Hochwasser standhalten kann. Die Schneeschmelze ist jetzt zwar überstanden, aber schon bald kommen ja die Sommergewitter.

Eine äusserst unschöne Sache! Aber so dramatisch es auch scheint, uns Einheimische ängstigt das kaum. Wir sind uns solche Hangrutsche gewohnt, denn es gibt sie immer mal wieder. Damit müssen wir einfach leben.
Das ist so wie mit einer Regenschauer; ärgerlich, aber es geht vorbei.

23. Mai 2013

blümerant, brohmsen oder reisemüde?

Heute, also eigentlich gestern, hat mich jemand gefragt, warum ich denn keine Reiseberichte mehr schreibe? Oder ob ich letztamend nicht etwa krank sei, bettlägrig odr so?
Nein, ich bin gesund – zumindest im landläufigen Sinn. Und schon bald gehen wir wieder Reisen. Und dann gibt es auch wieder frische Reisebericht. Etwa ab Mitte Juni fahren wir nach Lothringen, Belgien, Luxemburg und Deutschlandien.

Im Herbst möchte ich dann gerne nach Osteuropa fahren, zum Dracula und den Zigeunern. Und im November vielleicht wieder einmal in den Iran. Bahnfahren auf der Achse des Bösen. Da muss ich aber noch schauen, ob es klappt; terminlich und so. Wie auch immer, bald gibt es wieder fangfrische Reiseberichte

22. Mai 2013

rosa Affen

Neulich beglückte mich Frau G. mit einem IKEA-Besuch. Und wenn ich schon dahin muss, dachte ich mir, dann lieber gerne. Denn ungerne wäre mir zu blöd.

Also schlenderten wir durch das Möbelhaus und ich schaute gelangweilt nach dem Ausgang. Der regnerische Samstag hat viele Leute und Leutinnen angelockt. Zäher Kolonnenverkehr. Direkt vor uns zwei harte Kerle, beide üppig tätowierte und gepiekst. Lederjacken und Kampfstiefel. Sie diskutieren angeregt über „Einrichtungsgegenstände“. Finden dies und das „geil“ und ihr Einkaufswagen ist schon halbvoll damit. Beängstigend.

Als die Beiden kurz wegschauen um irgendwelche Kissen zu streicheln, greife ich mir so ein zartrosa Stofftier, wohl ein Affe, und werfe es in deren Einkaufswagen. Und dann stelle ich mir vor, wie die Kerle an der Kasse stehen. Und auf dem Band liegt der rosa Affe. Und beiden schämen sich ein wenig, weil sie denken, der andere kaufe sich einen rosa Stoffaffen. Wo sie doch zwei harte Kerle sind. Tätowiert und kampgestiefelt.
Mir wurde ganz warm ums Herz - wegen der Affen.
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21. Mai 2013

wenn der BMW platzt

Ich erinnere mich noch ganz genau daran; damals, noch im bildungsfernen Vorschulalter. Damals stand ich staunend davor. Vor dem Auto vom Viehhändler. Das Auto war kugelförmig und der Viehhändler klappte die ganze Front mitsamt dem Steuerrad beiseite. Dann sass er wie ein König in seiner Isetta und plauderte mit meinem Grossvater über dies und das.

Seit dieser Zeit, wünschte ich mir sehnlichst, einmal in einer BMW Isetta zu sitzen. So wie damals der Viehhändler. Und jetzt ging mein Wunsch endlich in Erfüllung, ich durfte mich in eine Isetta setzen. Und dabei wurde mir schlagartig bewusst, dass ich seit damals merklich gewachsen bin. Und dass der Viehhändler wohl ein schmächtiges Kerlchen war. Jedenfalls füllte ich den verfügbaren Raum komplett aus. Das Steuerrad drückte eine tiefe Furche in mein Gedärm und meine Knie schabten an meinen Ohren.
Aber schöööön war’s.

20. Mai 2013

Föhn macht wild

Alle Jahre das gleiche Geschiss an Pfingsten: Das Radio meldet alle paar Minuten Staumeldungen, mieses Wetter und ein noch mieseres Fernsehprogramm, dann ausgiebiges Kirchengeläut und zum Abschluss noch einmal Staumeldungen. Das ist nichts für mich.

Der Föhn trieb Wolkenfetzen über den blauem Himmel, dann wieder Regen; also ideal für einen Ausflug zu unserer Alphütte.

Der Schnee ist geschmolzen und hat unzählige Mäusehaufen freigelegt. Die ersten Blumen blüteln hervor und die Bienen bestäuben schon eifrig. Jetzt ist es hier oben noch ganz ruhig, denn die Wanderer kommen erst in einigen Wochen. Und die Kühe auch.

19. Mai 2013

Sprichwort: s‘Rederli vom Seckel

Neulich beschrieb einer einen anderen mit den folgenden Worten: «Firnä Zwuräbätzler liäch sich dä äs Rederli vom Seckel abhoiwä». Sollte uns das nicht zu denken geben - ich meine ja.

Und die Übersetzung für Fremdsprachige: Für zwanzig Cent liesse der sich ein Scheibchen von seinem Gemächt abschneiden.
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18. Mai 2013

Oldtimer in Obwalden

Heute und morgen findet, wie jedes Jahr an Pfingsten, das „OiO“ statt - „Oldtimer in Obwalden“. Am Samstagvormittag in Sarnen, am Nachmittag in Giswil treffen sich mehr als 500 alte Autos, Lastwagen, Busse, Töffs und unzählige Leute. Und das Beste ist, man kann die Autos nicht nur anschauen, sondern auch mitfahren.

Ach so! Ich bin auch wieder dabei. Wenn’s regnet erkennt man mich an meiner Hello-Kitty-Regenjacke. Und wer ag, kann mit mir zusammen eine Bratwurst futtern. Oder mich ein wenig streicheln...

Nachtrag: Heute ist wunderschönes Wetter und ich trage keine Regenjacke.

17. Mai 2013

Ausscheidungen von Malmö

Gestern Nacht setzte ich mich pflichtbewusst vor den Fernseher und schaute Malmö; die Ausscheidung zum „Eurovision Song Contest“. Beide Daumen fest gedrückt, deswegen sowieso unfähig zum umschalten. Also liess ich es laufen.
In den letzten Jahren glänzte der Schweizer Beitrag ja jeweils eher am Ende der Rangliste. Gaaanz am Ende. Bei denen mit "nüll points". Dieses Jahr soll das nun ganz anders werden. Besser, viiiel guter. Man hat nämlich eine Heilsarmee-Truppe zum mitmachen genötigt. So eine Hochzeitskapelle in Heiratsschwindler-Klamotten. „Takasa“ nennen sie sich; wohl aus Scham?

Und gestern Nacht war nun eben diese Ausscheidung zum „Eurovision Song Contest“. Der Mann im Fernsehen sagte: «...wichtig ist, was hinten raus kommt!». Und was hinten raus kommt, sieht vielleicht manchmal aus wie Schokolade – ist aber meist keine. Eigentlich nie.
Leider hat mich bereits noch vor dem Beginn der Veranstaltung eine komatöse Müdigkeit übermannt. Und deshalb habe ich leider den grandiosen Beitrag verschlafen. Aber ich bin mir sicher, wir gewinnen ja sowieso - zumindest die Herzen.

16. Mai 2013

Stahlrosse in Volgelsheim

Vor genau dreissig Jahren erblickte sie das Licht der Welt, die CFTR - „Chemin de Fer Touristique du Rhin“. Für uns Grund genug, die Bahngesellschaft in ihrem Depot heimzusuchen.

Die CFTR befährt die Strecke Volgelsheim – Marckolsheim. Aber nur gelegentlich und nur mit Touristen. Sinnlos schön.

Sechs Dampf- und acht Diesellokomotiven stehen im Depot herum. Vom Dampf-Schientraktor bis zur riesigen amerikanischen Diesellok ist alles vorhanden. Auch ein schöner Seilbagger und andere fossile Fahrhabe.

Die Werkstätten befinden direkt an der Schleuse zum Colmar-Kanal. Hier habe ich mir vor Jahren einen Rüffel eingefangen, weil ich mit dem Boot zu schnell gefahren bin; 8 statt der erlaubten 6 km/h. Ich bin ein Langsam-Raser.

15. Mai 2013

das Abenteuer Blutwurst

Wenn ich bisher eines ums verrecken nicht essen mochte, dann war das Blutwurst. Es liegt nicht am Geschmack, denn ich hatte ja noch nie. Nein. Es ist alleine die Vorstellung, woraus BLUT-Wurst hergestellt wird. Aus Blut. Und so.

Da ich keinesfalls einst unwissend sterben möchte, kaufte ich mir in einer französischen Charcuterie ein Stück „saucisson noir“ – Schwarzwurst. Nur so zum Probieren.
Und was soll ich sagen; schmecken tut sie gut. Würzig und herzhaft. Aber nein - ich esse auch künftig wohl keine Blutwurst. Das blutige Geheimnis graust mich weiterhin. Eigentlich Schade.

14. Mai 2013

gefangen im Elsass

Breisach. Gestern konnte ich im Baumarkt dann doch noch einen passenden Wasserhahn mit Auszugbrause kaufen. Ein knubbliges Ding namens „Tibio“. Ich wollte ihn gleich einbauen, doch dabei entdecke ich den Defekt am alten Wasserhahn; der Frost hat zwei Dichtungen rausgedrückt. Das lässt sich gut reparieren. Dicht - also bringe ich den hässlichen Tibio zurück in den Laden. Das Rückgeld investiere ich gleich in Diesel.

Wir fahren um den Kaiserstuhl herum. Eigentlich bloss ein Hügel, früher ein Vulkan, heute ein Weinberg. Dann über den Rhein und hinüber ins Elsass; nach Sélestat. Das Wetter ist trüb und das Städtchen auch. Obwohl – von früheren Besuchen wissen wir, hier kann es wunderschön sein. Heute ist's eher nass.

Wir sitzen im Wagon und erledigen Dinge. Wenn zwischendurch mal kurz der Regen nachlässt und etwas Sonne scheint, rennen wir nach draussen. Schlendern durch die Gassen. Strassencafé. Frühlingsgefühle. Dann beginnt es meist wieder zu regnen und wir verkriechen uns in den Wagon. Gepflegtes Nichtstun, schreiben, essen.

Am Abend fahren wir nach Kintzheim auf unsern gewohnten Übernachtungsplatz. Ein Festwagen mit einer Blasmusik oben drauf lässt uns eine örtliche Festivität vermuten. Von überall her eilen Familien dem Gemeindesaal zu. Sternmarschmässig. Die Jungmannschaft voraus rennend, die Herde stramm hinterher. Um uns herum füllt sich der Platz mit Autos, schon bald sind wir eingekesselt. Kein entkommen möglich.

13. Mai 2013

keine Tapeten, aber ein Mückengesicht

Kembs. Eigentlich wollten wir mit dem Heissluft-Ballon fliegen. Doch das Wetter wollte nicht und so fuhren wir halt ins Elsass. Ich bin immer noch etwas rekonvaleszent, deshalb endet unsere erste Tagesetappe bereits an der Rhein-Schleuse in Kembs. Schiffe gucken, aber vorwiegend nichts tun.

Am nächsten Morgen trommelt der Regen aufs Dach trommelt. Nasse Schiffe schleichen sich vorbei und wir fahren nach Mulhouse. Frau G. braucht Tapeten und ich einen Wasserhahn. Im Baumarkt haben sie weder das eine noch das andere. Dafür steht vor uns ein Kerl, der wirklich gut stinken kann. Wie ein nasser Köter; und brennender Kehricht.

Es regnet immer noch, also fahren wir über den Rhein nach Breisach. Die Tapetenfabrik macht grad Feierabend, als wir ankommen. Wir dürfen aber noch einen kurzen Blick auf die Tapeten werfen – und dann ist Schluss. Nächstes mal.

Wir übernachten im nahen Burkheim auf einem Waldparkplatz an einem See. Die Sonne scheint, es ist herrlich hier. Die Vögel zwitschern und die Kröten machen seltsame Geräusche.

Am Seeufer hocken ein paar Leute mit Gummistiefeln und Tarnjacken im Gras und richten ihre Gerätschaften aus. Ornithologen, Heckenschützen - Spanner? Nein. „Makro-Fotografie“ erklären sie mir. Und tatsächlich, sie fotografieren winzig kleine Insekten, ganz gross.

Ich bin so beeindruckt, dass ich meinen Knipser auch drauf halte. Freihändig und ohne so ein Gestell. Geht doch.

11. Mai 2013

Rundreise mit der Oensingen-Balsthal-Bahn

OeBB heisst „Oensingen-Balsthal-Bahn“ und die hat gar nichts mit den "Österreichischen Bundes Bahnen" zu tun. Die Oensingen-Balsthal-Bahn bedient die Eisenbahnlinie Oensingen – Balsthal. Und da die beiden Städtchen unmittelbar nebeneinander liegen, beträgt die Gesamtlänge des OeBB-Streckennetzes nur etwa 4‘010 Meter. Meter, nicht etwa Kilometer!

Gestern erfüllte ich mir meinen langgehegten Wunsch und lud Frau G. zu einer Reise mit der OeBB ein. In Balsthal bestiegen wir den Zug nach Oensingen. Aufgrund der erwarteten Fahrzeit von zehn Minuten, verzichtete ich auf ein Taschenbuch. Wir platzten in einem Grossraumwagen und warteten auf die Abfahrt.

Der Zug glitt sanft und normalspurig dahin. Rasante Fahrt entlang eines Gewässers. Nach zwei Haltestellen und zehn Minuten erreichten wir die Endstation Oensingen. Grosse Zufriedenheit meinerseits.

Nach einem kurzen Aufenthalt setzte sich der Zug erneut in Bewegung. Diesmal in umgekehrter Richtung und zurück nach Balsthal. Die Landschaft ist uns jetzt schon etwas vertrauter. Umso mehr geniessen wir die Zugfahrt durch die wilde Bergwelt. Erschöpft und glücklich entsteigen wir in Balsthal dem Zug.

10. Mai 2013

ööööhm - heute nix

Heute schreibe ich nichts, weil ...
und auch kein Bild davon!
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9. Mai 2013

die Sache mit den Windmühlen

Windmühlen sind eigentlich völlig überflüssig - Wind ist doch von natur aus schon sehr fein.
Das müsste uns zu denken geben.
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8. Mai 2013

marokkanisch kochen

Im Rahmen meiner Marokkoreise habe ich dort auch ein Buch erworben. Jetzt hatte ich endlich Zeit, sie etwas eingehender zu betrachten. Das Werk heisst: „الساندويتش أكلات خفيفة“ (belegte Brote) und wurde von Rachida Amhowh verfasst.

Es beginnt auf Seite 2 gleich mit einem ersten Höhepunkt; dem "Lachs-Käse-Brot". Gefolgt von einem mediterranen "Käse-Brot". Auf Seite 3 gleich ein weiterer Höhepunkt, das "Thunfisch-Brot". Ein wahres Feuerwerk aufregender Rezepte. Sowohl die Zutaten, wie auch die Zubereitung sind detailliert und gut verständlich beschrieben, so dass auch ein ambitionierter Laie das Gericht nachkochen kann. Ich möchte das mal am Beispiel des anfangs erwähnten Lachs-Käse-Brotes aufzeigen.

Zu den Zutaten: Für zwei belegte Brote benötigen wir vier(!) Scheiben Brot, mindestens zwei Scheiben Lachs und Käse und Butter. Die Zubereitung kann man dann in mehrere Phasen einteilen. Als Erstes alle Brotscheiben, einseitig, mit Butter bestreichen. Dann die bebutterten Brote mit einer Scheibe Lachs oder Käse belegen. Bis dahin unterscheidet sich das Rezept kaum von der uns vertrauten mitteleuropäischen Küche. Nun aber - je eine mit Lachs und mit Käse belegte Brotscheibe so aufeinander trapieren, dass die beiden Belage aufeinander zu liegen kommen. Mit den beiden übrigen Brotscheiben wiederholen wir den Vorgang. Nun haben wir also zwei belegtes Brot - der Engländer würde dazu wohl Sandwich sagen - mit aussen herum Brot und Lachs/Käse im Inneren. Vom Geschmack her ginge es auch andersherum, aber nur so entspricht es der traditionellen marokkanischen Küche.
Als Serviervorschlag empfiehlt und der Autor die beiden belegten Brote mittels eines Diagonalschnittes zu teilen. Als Garnitur eignen sich eine ausgelutschte Zitrone und eine gehäkeltes Deckchen von der Schrankwand.
Wie ihr seht, mit etwas Übung lässt sich die marokkanische Küche durchaus nachkochen.

7. Mai 2013

das Gürteltier ist so eine Sau

Zu den Folgen solch eines viralen Infektes gehören ausgiebiger Schleimhusten, Albträume und Agonie. Und das sind erst die angenehmen Folgen. Ans Bett gefesselt bleibt mir bloss Dösen und/oder Fernsehen schauen. Viel zu schwach um zu zappen, werde ich genötigt exotischen Tieren beim Kopulieren, naiven Mädchen beim singhopsen und Börsenexperten bei der Luftverdrängung zuzuschauen.
Dann kommt eine bizarre Reportage von zwei Päpsten, die zusammen gezogen seien! Irgendwie erinnert mich das an die alte Frage: Dürfen katholische Pfarrer heiraten? «Ja - aber nur, wenn sie sich wirklich lieb haben».

Wo bleibt eigentlich der vom Sigi Freud versprochene "sekundären Krankheitsgewinn"? Ich will gesund werden - bittääää.
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6. Mai 2013

Hirnmassenverlust

Ich bin immer noch krank
Bellender Husten mit schlifrigen Ausscheidungen
Etwa 400° Fieber, abgerundet und im Schatten gemessen
Mugerweh

chraaank  :-(
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5. Mai 2013

mundartig

Neulich sagte einer zu mir: «Friäner isch är sonä Spränzel gsi – etz ä gherigä Schlari». Hat mir gefallen, der Mundart-Satz. Das ist Poesie, und genau so reden die Leute um mich herum.

Hier mein Versuch einer Übersetzung: "Früher war er so ein Winzling – jetzt ein richtig strammer Bursche". Ein Schlacks, odr so.
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4. Mai 2013

Krankigkeit und Siechtum

krank
ich bin krank
krrraaank!
krachender Husten
Schnudder, Schleim, Säfte
schmierige Auswurfschnecken
seifigglitschig denoch geschmacklos
furchtbare Gliederschmerzen, alles ausser selbiges
unmenschlich
Siechtum
schlimm schlimmschlimm
muss ich dereinst sterben?
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3. Mai 2013

wir verrückten Hunde

Heute habe ich wieder den ganzen Tag meine Behinderten herumkutschiert. Frühlingswetter. Landauf landab roch es nach Gülle, nur bei der Birchermüesli-Fabrik in Sachseln ganz fein nach Kuchen.
Meine Fahrgäste waren den Umständen entsprechend nett, so wie meistens. Lukas präsentiert uns seine Signalton-Imitationen aus seinem Spanienurlaub. Taatüüü – jiiiep-jiiiep, piuuupiuuu-piuuu. Wir andern waren nicht unglücklich, als wir unser Fahrziel erreichten. Im Schulheim herscht am Morgen immer reger Andrang. Eine stattliche Anzahl Busse kalben ihre Passagiere. Päda- und allerhand andere –gogen schnappen sich dann ihre Schützlinge und sie zu beschulen.

Am Mittag sind wir bloss zu fünft. Wir tragen schwarze Mützen und machen einen auf Gangster. Jou Määän. Aber die anderen lächelten bloss milde. Ich glaube, die hielten uns für verrückt.
Diese Behinderten-Taxi-Fahrerei gefällt mir deshalb so gut, weil ich nie am Feierabend unerledigte Arbeit mit nachhause nehmen muss. Anderseits gibt es aber auch so gar kein Trinkgeld.

In den Wartezeit lese ich "Hundskrüppel - Lehrjahre eines Übeltäters" vom Gerhard Polt. Schöne, kraftvolle Kurzgeschichten.
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2. Mai 2013

nein – ich erlaube keine Schafe im Taxi

Diese Woche fahre ich wieder einmal Behinderten-Taxi. Meine Fahrgäste sind alle geistig behindert - mehr oder weniger. Aber im Vergleich zu dem, was einem im Alltag sonst so begegnet, sind sie eigentlich ganz normal.

Meine erste Tour beginnt jeweils morgens um halb sieben. Ich sammle meine Fahrgäste ein. Die wohnen allesamt sehr abgelegen. Stotzige und kurvige, dafür aber schmale Strassen. Heute hat Iwo während der ganzen Fahrt laut gelacht. Worüber weiss keiner, denn sprechen tut er nicht. Jedenfalls nicht mit uns. Der Lukas kann täuschend echt das Signalhorn der Feuerwehr nachmachen. Und mir damit jedesmal einen Schrecken einjagen. Zudem wollte er heute unbedingt eine blühende Hecke in die Schule mitnehmen. Ich habe das nicht erlaubt. Dann wollte er stattdessen ein grasendes Schaf mitnehmen. Nein – morgen. Morgen fährt jemand anderes und wird bestimmt viel Freude mit meinem Versprechen haben.

Nach gut zwei Stunden ist meine Morgentour vorbei. Keiner hat genässt – schon mal ein guter Anfang. Die folgenden Mittags-Rundfahrten verlaufen eher ereignisarm. Liegt vermutlich daran, dass meine Passagiere taubstumm und lahm sind. Hauslieferung mit dem Rolli.
Auf der Abend-Tour kommt "Highway to hell" im Radio. Ich drehe voll auf und wir singen alle mit. Den Text kann keiner - das stört uns aber nicht. Ein Taxi voller Irren.
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1. Mai 2013

der Wohnwagen aus Ägypten

Hinten auf dem Foto steht bloss: «eng. Weekend Auto 1933». Vorn drauf sieht man einen Wohnwagen auf der Hauptstrasse bei mir zuhause; in Giswil. Erst einmal nichts Besonderes! Aber – so grosse Wohnwagen sind in der Schweiz erst seit 1950 erlaubt, davor gab nur winzig kleine Wägelchen.

Beim abgebildeten Wohnwagen handelt es sich, unschwer zu erkennen, um einen „Car Cruiser“ aus Middlesex, London. Fast fünf Meter lang und damals einer der modernsten Wohnwagen überhaupt. Das Zugfahrzeug ist schon etwas schwieriger zu bestimmen: Aber es ist ein „Hillman Wizard 75 Saloon“, kraftvoll und luxuriös. Soweit so gut; aber warum steht das Gespann vor dem Bahnhof Giswil? Ich begann zu suchen – und nun die grosse Überraschung!

Im Januar 1933 starteten im Auftrag der „Hillman Motor Car Co. Ltd“ vier abenteuerlustige Briten zu einer Überlandfahrt nach Ägypten. Die Route führte sie von London nach Marseille, dann weiter von Tunis über Tripolis nach Kairo. Nach genau drei Woche Fahrt waren sie am Ziel und der brandneue Hillman konnte auf der „Cairo Motor Show“ präsentiert werden.
Nach der Messe fuhren die vier Briten wieder zurück nach London, diesmal über Italien und die Alpen. Anscheinend auch über den Brünigpass. Und an jenem Freitag, dem 19. Mai 1933 pausierte das prominente Gespann ausgerechnet bei mir zuhause ...
Man darf wohl behaupten, das war damals der erste Wohnwagen in Giswil, der direkt aus Ägypten kam.