23. September 2013

Rumänien: vom Regen aufs Dach des Diktators

Galati. Es regnet wieder. Und wie; es seicht wie aus Kübeln. Wir futtern uns derweilen durch das Frühstücks-Buffet. Es gibt von allem - und fünf Sorten Wurst. So gestärkt lassen wir uns vom Taxi zum Bahnhof bringen. Der ist recht neu und es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Und kurz darauf kommt auch unser Zug; eine Diesellok mit vier Doppelstockwagen.

Neulich wurde ich von der rumänischen Bahn über eine Reservations-Änderung informiert. Jetzt ist mir auch klar, warum? Doppelstockwagen satt normaler. So sitzen wir nun also fast vier Stunden in einen Pendlerzug. Einem pflatschvollen Pendlerzug! Pünktlich um 9:25 legen wir ab.

Nach und nach bessert sich das Wetter. Mächtige Wolken türmen sich am Himmel und die Stoppelfelder leuchten fahl in der Sonne. Richtig schön. Der Zug rauscht pfeilgerade über die topfebene Landschaft. Einige Minuten zu früh erreichen wir unser Ziel, den Bahnhof „Bucureşti de Nord“. Unser Hotel „Andy“ liegt praktischerweise gleich nebenan.

Bukarest wird gerne „das Paris des Ostens“ genannt. Das wollen wir uns mal aus der Nähe anschauen, kaufen einen Stadtplan  und fahren mit der der „Metrou 1“ ins Stadtzentrum. An der Piața Unirii steigen wir aus, rolltreppen ans Tageslicht und schauen einmal rundum. In der Ferne sehen wir schon den einstigen "Palast des Volkes", ein Überbleibsel des furchtbaren Ceaușescu-Regimes.

Der Palast wurde in den 1980-er Jahren gebaut; geplant von der jungen Architektin Anca Petrescu. Masslos, neoklassizistisch und unglaublich gross. Für den Palast wurden ein beträchtlicher Teil der Altstadt abgerissen, stattdessen entstanden da breite Boulevards, grosse Plätze und noble Stadthäuser.

Heute sind im Palast zwei Museen, ein Konferenzzentrum und zahlreiche internationale Organisationen und das Parlament untergebracht. Wir besuchen das Kunstmuseum, also eigentlich vor allem die  Dachterrasse der Cafeteria.

Wer hätte früher mal gedacht, dass wir einmal oben auf Ceaușescu-Palast sitzen und in die Wolken schauen. Er selber konnte das übrigens nie tun, noch bevor der Palast fertig war, war es sein Leben auch; Loch im Kopf.

IR 1670 Galaţi–Bukarest, 3:53 h, 230 km, 2.Klasse, ca. 10.00 Euro

Kommentare:

  1. ziemlich hohe Stoppeln ...
    Gruß th

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  2. Wie findest du denn, dass die "noblen Stadthäuser" (O-Ton Muger)
    immer mehr hinter ekelhaften Werbeplakaten verschwinden,
    die ganze Fassaden über mehrere Stockwerke hinweg verUNzieren?

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    1. Ich finde die riesigen Werbeplakate ärgerlich. Aber irgendwann kommen die wieder weg - und die Fassade zum Vorschein. Also nicht sooo schlimm. Schlimmer sind dann schon die Shopping-Neubauten im Stadtzentrum; z.B. H&M am Unirii-Kreisel :-(

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    2. Ja, die neumodischen Dinger sind "grusig".
      Dabei gibt's "Shopping-Centers" auch in "Ur-Rumänischer" Ausführung, schau dir mal die überdachten Märkte an, zB "Bucur Obor" ! Das müsste dir gefallen.

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  3. Schön, wie du schreibst. Gefällt mir! Hoffentlich finden die Länder in dieser Region bald einen Ausweg aus all der Armut und ich bin mir sicher, dass es mehr Urlauber dort hinziehn wird.

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