31. August 2013

Rumänien 1992, der 2. Teil...

Fortsetzung ...

Am nächsten Morgen fuhren wir ins Krankenhaus von Alba Julia zum Abladen. Ein unschöner Betonbau, ein krankes Haus. Ein Arzt erzählte von den dauernden Strom- und Wasserausfällen, die das Arbeiten nicht grad einfach machen. Zudem fehle es an Heizöl, weshalb das Spital meist nicht beheizt sei. Darum tragen hier Mitarbeiter und Patienten Wintermäntel und Wollmützen.
Dem Spital mangelte es an allem, einzig Patienten hatten sie reichlich. Wir entluden unsere Hilfsgüter. Das waren vor allem Medikamente, Einwegspritzen, Verbandsmaterial, Katheter, Bettwäsche und so Zeug. Also  nur Soforthilfe, nichts langfristiges. Dazu einige Schachteln Kekse und Spielzeug für die Kinder.

Anschliessend präsentierte man uns das Spital. Eigentlich wollte ich mir das gar nicht anschauen, konnten aber natürlich nicht Nein sagen. Also schlenderten wir durch lange, eiterfarbige Gänge. Da und dort schauten wir in die Patientenzimmer, überall lagen Kranke. Einer hob sein Hemd und zeigte uns seine gerötete Operationsnarbe am Bauch. Andere Bettlägrige setzten sich auf und schauten uns erwartungsvoll an. Die Patienten hielten uns wohl für ausländische Ärzte?
In der Kinderabteilung hatten sie eine Art Wohngruppe. Hier wohnten all die Kinder, die von ihren Eltern zurückgelassen wurden. Manche lebten schon mehrere Jahre hier. Alle trugen Mäntel und Mützen; es war kalt hier.
Vor dem Spital standen mehrere Ambulanzen herum. Mangels Benzin konnten sie aber nicht fahren. Bitter.

Unsere restliche Fracht entluden wir in den Schuppen beim Pfarrer. Wir hatten nämlich alle Ritzen und Hohlräume mit Kinderkleidung und Spielsachen ausgestopft. Er verteilte sie später an Bedürftige. Fertig; wir konnten wieder heim fahren. Zum Abschied gab es Freudentränen - und nochmal zahlreiche Aprikosenschnäpse.

Im darauffolgenden Jahren kam ich auf dem Weg nach Indien immer wieder mal nach Rumänien. Jedesmal schien es den Rumänen ein wenig besser zu gehen.

Demnächst fahre ich wieder einmal dahin.

Kommentare:

  1. > ein krankes Haus :)

    Wie schön! Damals konnte man noch Gutes tun!

    > Die Patienten hielten uns wohl für ausländische Ärzte?

    Wunderheiler aus Deutschland :)

    > Mangels Benzin konnten sie aber nicht fahren

    Das sagen sie in Bishkek noch heute, wenn man nach einem Notarzt telefoniert, man muss Sprit zahlen, aber vermutlich wollen sie nur Trinkgeld erpressen...

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  2. Ja Muger, fahr heute mal nach Rumänien! Vermutlich wirst Du das Land nicht mehr wieder erkennen. Übrigens haben die ganzen Kleiderspenden ANGEBLICH dazu geführt, dass in manchen Waisenhäusern die schmutzige Wäsche nicht mehr gewaschen sondern weggeworfen wurde, weil genügend Nachschub da war. Das hat mir jedenfalls eine dort zeitweise arbeitende Kindergärtnerin erzählt, die ziemlich desillusioniert war.
    Ach übrigens, der Myhomeismycastle ist ja offenbar immer noch in Rumänien.
    Grüße
    Heinz

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    1. Ja, wahrscheinlich schmarotzt der immer noch dort rum, ohne mehr als drei Worte der Landesprache gelernt zu haben (und die sind wahrscheinlich: bere, tuica, und gratuit) :D

      Ich weiß es aber nicht genau, denn seit er konsequent jede Kritik an ihm selbst in seinem Gästebuch und Forum ausmerzt (dir hat er ja auch schon den Auschluss "angedroht") les ich da nicht mehr.

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