20. Februar 2013

Marokko: schön langweilig und ein Sechser

Wie ich vermutet habe, kommt schon früh am Morgen die gleichnamige Sonne. Zudem ist es erstaunlich mild, so dass ich barfuss frühstücken kann. Ich esse altes Brot und dazu Ziegenkäse von zuhause. Es ist wie im Paradies - irgendwie.


Gegen Mittag sind wir über den Berg und kommen in das fruchtbare Souss-Tal. Plötzlich ist es wieder grasgrün und von Schafen bevölkert. Um Taliouine wird seit jeher Safran angebaut, was wiederum unsere Mitreisendinnen magisch anzieht. Also gehen wir in die Safran-Kooperative Safran kaufen. Zuerst müssen wir uns einen Film über Safran anschauen und dann an allerhand Döschen und Tütchen schnuppern. Wer dann immer noch keinen Safran kaufen will, darf Honig und Arganöl probieren.

Anschliessend geniessen wir Tajine und ich Linsenbrei, der wesentlich besser schmeckt als er ausschaut. Dann fahren wir weiter. Talauswärts. Die Gegend ist flach und eigentlich auch langweilig. Aber genau das mag ich so sehr.

In jeder grösseren Ortschaft hängt ein riesiges Bild vom marokkanischen König, dem Mohamed 6. Die meisten afrikanischen Staatsoberhäupter sind ja irr, unnütz oder verhaltensoriginell. Oder eine Kombination davon. Der Mohamed6 scheint da spürbar vernünftiger zu sein. Im ganzen Land sieht man die grossen Anstrengungen, Marokko zu modernisieren. Überall nigelnagelneue Kehrichtwagen, Stromleitungen und Schulhäuser. Geflickte Strassen und fast flächendeckend Telefonempfang. Der Mohamed6 scheint fast so etwas wie ein Sechser im Lotto zu sein.

Wir übernachten zwischen einigen Arganbäumen. Zum Znacht grilliert Raja wunderbare Schaffrippli. Es ist ein lauer Abend und ich habe Nasenbluten. Morgen wollen wir über den Tiz-N-Test nach Marrakesch fahren. Ich freue mich auf die Stadt – und auf eine warme Dusche; ob nötig oder nicht ...

Kommentare:

  1. Wie lang nicht mehr geduscht?
    Der Mohamed6 hat nur Angst, es könne ihm sonst so ergehen wie seinem Kollegen aus Libyen, nö?

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  2. Bin ausnahmnsweise mal mit Zurken einer Meinung:
    Der M6 tut halt was er für nötig hält
    um an der Mscht zu bleiben.

    M.E. war der wahre "6er im Lotto" für MA
    sein Vater, H2, der das Land erfolgreich
    aus allen afrikanischen Problemen rausgehalten hat,
    sich ohne wirklichen Krieg
    die Westsahara unter den Nagel gerissen hat,
    es sich weder mit den Islamisten
    noch den Amis wirklich verdorben hat,
    gleichzeitig vorsichtig an einer
    Frauenrechts- und -alphabetisierungskampagne
    gearbeitet hat,
    und den Grundstein für alles gelegt hat
    was M6 jetzt macht.

    Die superduper Elektrifizierungs-und
    Handyfizierungs-kampagne von M6 basiert
    auf Aktivitäten von Privaten Investoren.
    Kürzlich war auf ARTE eine schöne Reportage
    wie das das Leben in den abgelegenen Dörfern verändert-
    und welche Probleme damit in Zukunft kommen werden:

    die Leute sind so nämlich endgültig
    nicht mehr in der Lage
    als vollkommene Selbstversorger zu leben,
    sondern werden in die Geldwirtschaft gezwungen
    um ihre Strom- und Wasserrechnungen
    bezahlen zu können!

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  3. Ach, ich liebe Safran, nur ist er leider in Europa einfach unverschämt teuer.

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