31. Oktober 2011

Frankreich: Römer und Gummibärchen

Heute morgen ist es wolkig. Und später soll es sogar noch regnen, droht der Wetterbericht. Wir wollen drum noch gschwind den „Pont du Gard“ heimsuchen, bevor es nässt. Frau G. war noch nie da und müsste, wie ich finde, dieses Meisterwerk der römischen Baukunst unbedingt sehen.

Der „Pont du Gard“ ist bestimmt das bekannteste römische Aquädukt. Es war einst ein Teil der Wasserleitung von Uzés nach Nîmes. Grandios und fast 50 Meter hoch über den Fluss Gardon. Gebaut aus mächtigen Kalkstein-Blöcken. Ohne Mörtel, bloss aufeinandergeschichtete Steine. Das Aquädukt wurde übrigends nur deswegen gebaut, weil die Römer damals keine grossen Rohre herstellen konnten.

Kurz vor Uzès ist das Bonbon-Museum. Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns das anschauen möchten. Der einsetzende Regen erleichter uns dann die Entscheidung. Wir tun es. Schon im Garten ahne ich allerdings, dass wir möglicherweise nicht unbedingt zur Zielgruppe von HARIBO gehören. Das übrige Publikum ist nicht halb so hoch wie wir. In Rudeln kletterten sie auf den Plastikfiguren herum und quicken wie Ferkel. Was soll’s – hinein!
Der Eintritt ins Bonbon-Museum kostet 7 Euro (Ferkel 4). Nicht wenig, ich nehme mir vor, die Ausgaben über reichlich Naschen zu kompensieren. Klappt aber nicht, fast alle Bonbons sind leider hinter Glas.

Also fahren wir hungrig nach Uzès. Ich mag Uzès ganz besonders, für mich ist es mein Lieblingsstädtchen in Südfrankreich. Die Altstadtgassen und die Strassencafés haben es mir angetan. Und die Kathedrale mit ihrem seltsamen runden Turm und der berühmten Orgel. Und das Schloss. Und...

Gleich hinter der Kathedrale lässt es sich wunderbar übernachten. Und Internet empfange ich auch.

30. Oktober 2011

Frankreich: Sonntagmorgen

Es wird Morgen in Frankreich. Sonntagmorgen.

und ab heute ist Winterzeit...

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29. Oktober 2011

Frankreich: indische Pasteten - wäääh

Das Städtchen Pézenas ist berühmt für die „Petits pâtés“; kleine Pastetchen mit einer orientalischen Füllung. Und wegen diesen sind wir neulich extra hingefahren. Nicht dass ihr jetzt denkt, ich sei verfressen! Nein, nein - mir geht es natürlich bloss um die französische Esskultur.

Der Volksmund berichtet, die gefüllten „Petits pâtés de Pézenas“ seien im 18. Jahrhundert von einem englischen Lord hierher gebracht worden. Er war auf der Rückreise von Indien und rastete hier. Sein indischer Koch servierte ihm solche Küchlein. Aus Dankbarkeit hinterliess er seinen französischen Berufsgenossen das Rezept. Die passten es dann leider den lokalen Gegebenheiten an! Das Resultat ist - öhm - merkwürdig. Keinesfalls indisch...

Das Beste an den Pastetchen ist, dass sie so klein sind! Denn der Teig ist lederartig und die Füllung eine Mischung aus gebratenem Schaffleisch und Zuckersirup.
Ich kann mir gut vorstellen, weshalb der indische Koch sein Mutterland verlassen musste...

28. Oktober 2011

Frankreich: Avignon von allen Seiten

Wir in Avignon. Hinter den stämmigen Mauern wohnten einst ein Dutzend Päpste. Also - nicht miteinender; nacheinander! Im 14. Jahrhundert. Heute sind da stattdessen bloss noch Museen untergebracht.

Wir schlendern etwas durch die Gärten auf dem Papsthügel und schauen von oben auf die berühmte Brücke hinab. Bevor die Sonne untergeht machen wir noch gschwind einen kleinen Spaziergang. Schlendern den Strassenrestaurants entlang und schauen den Leuten in ihre Teller. Ich mag aber ganz besonders die kleineren Gassen weiter hinten, die mit den vietnamesischen Restaurants und den afrikanischen Friseuren...

Von unserem Lieblings-Bänkli an der Rhone schauen wir dem Sonnenuntergang zu. Die aufziehenden Wolken dämpfen leider ein wenig das erhoffte Spektakel. Aber es ist trotzdem sauromantisch. So schööön.
Und: Das auf dem Bänkli sind NICHT wir!

Wie jedesmal wohnen wir auf dem legendären Camping „Bagatelle“. Der liegt auf der Rhone-Insel „Île de la Barthelasse“, direkt gegenüber der Altstadt. Ich mag den Platz eigentlich nicht, aber er liegt nun mal ideal. Der Campingplatz hat zudem seine Eigenarten. Zum Beispiel hat es zwar unzählige Toiletten – aber bloss eine einzige zentrale WC-Papierrolle; und die ist an der Wand gegenüber! Warum?

27. Oktober 2011

Frankreich: dreimal über die Rhone

Heute Morgen hat es Nebel über der Camargue. Die Sonne scheint bleich und müde. Also fahren wir weiter.

Die Rhone sieht hier unten, so kurz bevor sie im Meer versinkt, aus wie ein See. Vielleicht kein breiter See, aber ein seeehr langer. Wir löhnen der Autofähre 5 Euro und dafür fähret sie uns ans andere Ufer hinüber. Ab nun geht es nordwärts. Heimwärts.

Unterwegs machen wir einen kleinen Abstecher zum römischen Aquädukten von Barbegal. Eigentlich sind es zwei. Diese verlaufen parallel und kilometerweit nebeneinander durch die Olivenhaine. Die eine versorgte damals Arlés mit Wasser, die andere trieb mehr als ein Dutzend Getreidemühlen an.

In Tarascon überqueren wir schon wieder die Rhone. Diesmal über die Brücke gleich neben der Burg. Unzählige Einschusslöcher in den dicken Mauern beweisen eindrücklich ihre Standfestigkeit.
Ich trete in einen Hundedreck. Egal - hat ja keiner gesehen.

Gegen Abend überqueren wir zum drittenmal die Rhone. Diesmal in Avignon, gleich unterhalb der vielbesungenen „halben“ Brücke. Die heisst eigentlich „Pont Saint Bénézet“ und hatte einst mehr als zwanzig Bögen, heute sind es noch vier.

26. Oktober 2011

Frankreich: Salzbewohner in der Camargue

Zwischen der kleinen und der grossen Rhone liegt die Camargue. Ursprünglich ein kaum bewohntes Sumpfgebiet. Schwemmland und Tümpel. Mitten drin ist das bekannte Städtchen Les Saintes-Maries-de-la-Mer. Im Sommer wird es von unzähligen geröteten und schwitzenden Badegästen überschwemmt.
Jetzt im Herbst ist es hier eher ruhig. Die Gassen sind fast leer und wir haben die schöne Wehrkirche für uns ganz alleine.

Ich widme mich erneut dem wilden Meeresgetier. Meerschnecken und Miesmuscheln mit Fritten.

In Salin-de-Giraud wird das beliebte Meersalz abgebaut. Riesenhafte Baumaschinen türmen den braungrauen Salzmatsch zu haushohen Hügeln auf. Wenn es dann getrocknet ist, wird es in kleine Plastikdosen verpackt und als „Meersalz aus der Camargue“ verkauft - echt unromantisch.

Als wir an den Strand von Piémanson kommen, beginnt grad die Polizei damit, alle Wohnmobile zu verscheuchen. Parken ist ausschliesslich entlang der Strasse erlaubt. Und da übernachten dann alle, brav am Strassenrand aufgereiht. Wir auch.

Das zweite Auto von links, das sind wir! 
Im Tümpel wären zudem herrliche Flamingos zu sehen. Die rosa Viecher sind manchmal aber sowas von menschenscheu! Und fliegen können sie auch.
Sooo schön ist es hier am Strand von Piémanson nun auch wieder nicht. Morgen wollen wir weiter.

25. Oktober 2011

Frankreich: Tintenfische und Flusspferde

Fast jeder Fischverkäufer hält diese orangeroten Küchlein feil. Handtellergross und mit einem schön gezackten Teigrand. Ich habe die Dinger schon oft gesehen, aber nie probiert. Wird mal Zeit, einen Bissen zu wagen.

Die Küchlein sind „Tielles Setoises“; Küchlein aus Sète. Gefüllt mit fein gewürztem Tintenfisch. Unglaublich gut. Wobei Frau G. meine Ansicht nicht unbedingt teilt. Ich zitiere ihre Worte: «die stinken fürchterlich nach Fisch - ess ich sicher nicht - niemals».
Ich argumentiere, dass das ja gar nicht sein kann, da Tintenfische keine Fische sind. Und dass nicht alles, was im Wasser lebt, Fische sind. Zum Beispiel Flusspferde. Oder Flamingos. Aber es nutz alles nichts...

Die Hülle ist aus einem mürben Brotteig. Die Füllung besteht aus kleingehackten Tintenfischen, gekocht mit Tomatenmark, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen.
Schmecken sackgut - hab ich das eigentlich schon erwähnt?

24. Oktober 2011

Frankreich: weisse Pferde und rote Schwänze

Anders als ich, denken Mädchen bei „Schimmel“ nicht unbedingt an Käse, sondern eher an weisse Pferde. Und solche sieht man in den Sümpfen der Camargue überall. Das sind berühmten Camargue-Pferde. Früher waren die wild und frei, heute buckeln sie Touristen im Kreis herum. Jetzt im Herbst lümmeln sie untätig herum.

Ich interessiere mich aber heute eher mehr für die Meerestiere. Bei Frau G. verhielt es sich übrigens genau umgekehrt...

Aigues-Mortes in seinen Stadtmauern wäre jetzt im Herbst, wenn die Touristenmassen abgezogen sind, eigentlich richtig gemütlich. Aber ausgerechnet in diesen Tagen findet hier das alljährliche Pferdefest statt. Die Gassen sind voller Festbesucher und französischer Cowboys. Es wird gegessen, gelachen, gefeiert. Und auf dem Hauptplatz „spielt“ eine Rock-Band. Sie versucht ihr kärgliches Talent mit Lautstärke zu überbrücken.

Uns ist das etwas zu viel Feierlichkeit. Wir flüchten ins nahe Le Grau-du-Roi. Hier sind auch viele Leute unterwegs, aber wenigstens spielt da keine Rock-Band. Wir setzen uns am Hafen in ein Café und schauen dem Treiben zu.

Ich will mir einen Hut kaufen, probiere den einen oder anderen an. Als dann aber die ersten Passanten zu grinsen beginnen, lasse ich es lieber bleiben.

22. Oktober 2011

Frankreich: Flamingos sind knallbunt...

Die Camargue ist bekannt für ihre wilden Tiere; die weissen Pferde, die schwarzen Stiere und ganz besonders die rosa Flamingos. Diese stehen vielerorts in den Sümpfen und stochern mit ihren krummen Schnabel im glibrigen Moder.
Wer die Flamingos beobachtet, wie sie friedlich herumstehen, ahnt gar nicht, welch dramatische Geschichte sich hier verbirgt. Denn Flamingos sind eigentlich gar nicht rosa!

Von Natur aus sind Flamingos nicht rosa, sondern knallbunt. Rosa wurden sie wegen ihrem Verhalten! Und das kam so: Wenn die Winterkälte vorbei ist, beginnt bei den Flamingo-Hähnen die Brunft. Sie schleichen dann auf der Suche nach Hennen durch das Schilfdickicht. In ihrer rasenden Begierde bespringen sie dabei alles, was auch nur im Entferntesten nach Flamingo aussieht. Oder wenigstens knallbunt ist. Schon manch argloser Tourist hat da so einige unliebsame Momente erlebt.
Mit dem aufkommenden Tourismus gab es zunehmend Klagen von (bunt gekleideten) Touristen über plumpe Annäherungsversuche seitens der Flamingo-Böcke. Die französischen Behörden beschlossen als Sofortmassnahme, alle Flamingos einzufärben - rosa. So bespringen die brünstigen Hähne bloss noch ihre rosafarbenen Hennen und nicht mehr die bunten Touristen. Manchmal kann man die frisch gefärbten Jungtiere sehen, wenn sie zum Trocknen aufgehängt sind.

Die Behörden empfehlen den Touristen, sich keinesfalls rosa zu kleiden. Wegen den Flamingos. Und sowieso …
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21. Oktober 2011

Frankreich: zwischen den Meeren

Nachdem wir bereits bei Toulouse ein Stück entlang des Canal du Midi geradelt sind, wollten wir das nun noch einmal tun. Wir starteten beim Kanal-Tunnel von Malpas und fuhren westwärts.

Der Canal du Midi ist eine geniale Erfindung aus dem 17. Jahrhundert. Denn schon die Römer fanden es einst nervig, immer um ganz Spanien herum rudern zu müssen, bloss um nach Nordfrankreich zu gelangen. Eine Abkürzung, einen Kanal, quer durchs Land wäre toll; aber da waren Berge im Wege. Erst 1666 fand Pierre-Paul Riquet eine geniale Lösung. Eine Linienführung für einen Kanal vom Mittelmeer zum Atlantik mit gut 90 Schleusen und einigen Tunnel. Nach 14 Jahre Bauzeit wurde der Kanal 1681 feierlich eröffnet.

Beidseits vom Kanal stehen dichtgereiht alte Platanen. Heute sind zahlreiche der Bäume krank und müssen gefällt werden, damit sie die Gesunden nicht anstecken.

Nach etwa zehn Kilometer gemütlichem velofahren kamen wir nach Capestang. Ein kleines Landstädtchen mit einem netten Hauptplatz. Wir stärkten uns mit Kaffee und Grenadine-Bier und machten uns dann wieder auf den Heimweg. Und gleich weiter nach Bézier.

Im Stadtzentrum steht der Pierre-Paul Riquet in Bronze gegossen auf einem Sockel. Er starb 1680 kurz vor der Eröffnung seines Kanals. Heute schaut er etwas wehmütig auf die Leute hinunter. Die  viel später erfundene Eisenbahn hat seinen Kanal überflüssig gemacht.

20. Oktober 2011

Frankreich: Meergnügen

Nach der langen Reise durch die Berge gelüstet uns nach mehr; nach Meer. Also fahren wir Richtung Perpignan und weiter bis an den Strand. Das Meer ist blau wie im Katalog.

Ich entblösse meine Kellerbräune und steige in die Fluten. Das Wasser ist gar nicht so kalt, wie ich anfangs dachte. Zudem brennt die Sonne vom Himmel, es ist fast 30 Grad warm.

Die Ferienparadiese machen bereits Winterschlaf. Alles zu, keiner da. Als ob kürzlich die Pest gewütet hätte.

Vereinzelt sollen Kunstwerke die zu gross geratenen Anlagen aufhübschen. Ein buntes Plastik-Gewürm schreit stumm um Aufmerksamkeit.

Das einst griechische Postschiff wurde in den 60-er Jahren auf Grund gesetzt und erfreut seither als „Lydia“ das Touristenvieh mit seinem Dancing und Casino.

An unserem Übernachtungsplatz haben wir ganz lustige Nachbarn mit ihren mobilen Behausungen. Kamerascheu und betont alternativ. Unter ihren zottligen Mähnen verbergen sich ganz nette Leute. Manch einem hätte aber wieder mal ein Bad gut getan.
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19. Oktober 2011

Frankreich: elektrischer Kanarienvogel

Latour-le-Carol ist ein kleines Dorf an der spanisch-französischen Grenze. Es liegt auf etwa 1‘200 Metern in den Pyrenäen - und es hat einen Bahnhof; einen viel zu grossen Bahnhof. Sogar einen internationalen Bahnhof.
Hier treffen sich drei Bahnen mit verschiedenen Spurweiten und Stromsystemen zusammen. So etwas gibt es kaum anderswo.

Ganz links die Geleise des französische „le canari“ mit Schmalspur. In der Mitte die französische „SNCF“ mit Normalspur und daneben die spanische „RENFE“ mit spanischer Breitspur.

Der gelbe Zug „le petit train jaune“ wird im Volksmund auch liebevoll „le canari“ genannt, weil er gelb wie ein Kanarienvogel sei.
Die Bahn wurde schon vor hundert Jahren mit elektrischen Triebwagen geplant. Dies weil die enorm steile Strecke möglichst viele angetrieben Achsen erforderte; oder Zahnradantrieb. Jeder Zug ist deshalb mit jeweils zwei Treibwagen mit je vier angetrieben Achsen unterwegs.

Statt einer Fahrleitung benutzt man eine seitliche Stromschiene. Das wäre ja eine gute Idee, bloss bei Weichen, Bahnübergängen und Bahnhöfen macht das eher Probleme. Und berühren ist ungesund, da 850V!

Die Strecke ist nicht nur sehr steil. Sie ist auch spektakulär in das schroffe Gelände gebaut. Das schönste Teilstück ist das zwischen Villefranche und Mont-Louis. Wir bestaunen die zahlreichen Brücken und Tunnel. Baukonstruktionen vom Feinsten.

Der „Pont Gisclard“. Vermutlich die erste Schrägseilbrücke weltweit. Über die Brücke fährt grad einer der neuen Zügen von Stadler…

Der „Pont Séjourné“. Eine zweigeschossige, gemauerte Bogenbrücke.
Wäre ich so ein schrulliger Eisenverrückter, wie es viele gibt - ich är begeistert...